Der räuberische Diebstahl des § 252 StGB. Eine rechtliche und prozesstaktische Betrachtung


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2015

6 Seiten


Leseprobe

Der räuberische Diebstahl des § 252 StGB in Analyse und Darstellung

In diesem kurzen rechtswissenschaftlichen Aufsatz soll der objektive und subjektive Tatbestand des § 252 StGB in kritischer Vorgehensweise dargestellt werden. Dies vor allem unter dem Gesichtspunkt des Autors als Strafverteidiger.

Einleitung

Der räuberische Diebstahl des § 252 StGB ist ein wahres Monster des deutschen Strafgesetzbuches. Zugegeben ist dieser Einstieg eher polemischer Natur, jedoch birgt er ein gehöriges Maß an Wahrheit. Denn betrachtet man die Rechtsfolge, so liest man, dass der eines räuberischen Diebstahls Schuldige „gleich einem Räuber zu bestrafen“ ist, § 252 a.E. StGB. Betrachtet man nun Raub gem. § 249 Abs. 1 StGB, so wird das Strafmaß mit nicht unter einem Jahr Freiheitsstrafe angegeben. Dies bedeutet zwangsläufig, dass räuberischer Diebstahl als Verbrechen im Sinn des § 12 Abs. 1 StGB zu bewerten ist.

Demnach gilt bezüglich der Chancen auf die Aussetzung der Freiheitsstrafe folgender Grundsatz:

Liegt die Freiheitsstrafe nicht über sechs Monaten und erscheint die Prognose günstig, so ist die Strafe zwingend zur Bewährung auszusetzen (§ 56 Abs.1 i.V.m. Abs. 3 StGB). Im Bereich von sechs Monaten bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe ist die Aussetzung zusätzlich zum Vorliegen der Prognose davon abhängig, dass die „Verteidigung der Rechtsordnung“ die Strafvollstreckung nicht gebietet (§ 56 Abs. 3 StGB). Hier wird demnach auf den Gedanken der Generalprävention abgestellt. Bei Freiheitsstrafen über zwölf Monaten bis zu zwei Jahren kann die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden, wenn die Prognose günstig ist, die Verteidigung der Rechtsordnung dem nicht entgegensteht und darüber hinaus besondere Umstände vorliegen (§ 56 Abs. 2 StGB).

Dies bedeutet, einfach formuliert, es steht nun im Aufgabenbereich des Delinquenten das Gericht zu überzeugen, dass eine positive Sozialprognose noch gewährt wird. Im Umkehrschluss des In dubio pro reo Grundsatzes kann es hier also auch für einen Erststraftäter zu einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung kommen.

Nun mag man sich fragen, warum der Strafrahmen des § 252 StGB als Monster bezeichnet wurde. Es werde doch wohl seine Richtigkeit haben, wenn der Delinquent gleich einem Räuber bestraft wird.

Die Antwort auf diese Frage muss zwangsläufig, typisch Juristendeutsch, mit einem „Es kommt darauf an“ gegeben werden. Zur Erläuterung dieser Feststellung soll deshalb der objektive und subjektive Tatbestand betrachtet werden und danach mit einfachen Lebensbeispielen aus dem Arbeitsalltag des Autors, ein vielleicht differenzierter Blick gewagt werden. Abschließend werden die wichtigsten Punkte, welche es als Strafverteidiger zu beachten gilt, aufgezeigt.

Der objektive Tatbestand

Die Deliktsnatur des räuberischen Diebstahls wird als raubähnliches Sonderdelikt beschrieben, welches die Anwendung von Gewalt oder Drohung zur Erhaltung eines schon erlangten Gewahrsams an der Beute erfasst.[1]

Demnach gehört zum objektiven Tatbestand die Erfordernis einer Vortat. In diesem Sinn eines vollendeten Diebstahls gem. §§242 ff. StGB oder eines vollendeten Raubes (da dieser zwingend Diebstahl enthält).

Weiter muss der Täter auf frischer Tat betroffen sein. Dies dient der zeitlichen und örtlichen Tatbestandsbegrenzung. Dies bedeutet, der Täter muss nach Tatausführung der Vortat noch am Tatort oder in dessen unmittelbarer Nähe angetroffen, wahrgenommen oder zumindest bemerkt werden. Auch muss dies nach Vollendung und spätestens mit Beendigung der Vortat geschehen.

Die in § 252 StGB geforderte Nötigungshandlung muss nicht am Tatort geschehen, es genügt, wenn der am Tatort wahrgenommene Täter der Vortat die Nötigungshandlung bei einer Verfolgung vornimmt. Zwingend ist jedoch, dass sich die Nötigungshandlung, wie etwa Körperverletzung i.S.d. §§ 223ff. StGB gegen vermeintlich schutzbereite Personen richtet.

Der subjektive Tatbestand

Der subjektive Tatbestand ist der kritische Punkt des räuberischen Diebstahls. Der subjektive Tatbestand aller Delikte des StGB verlangt zu deren Erfüllung den Vorsatz bezüglich aller objektiven Tatbestandsmerkmale, §16 StGB. Nur wenn ein Delikt das Erfordernis ausdrücklich auf die fahrlässige Begehung erweitert, gilt das objektive Tatbestandsmerkmal als erfüllt. Die einzelnen Theorien bzw. Formen des Vorsatzes und deren Abgrenzung sollen hier nicht beschrieben werden.

Viel wichtiger ist die Besonderheit des normierten Vorsatzes bezüglich der Absicht, sich den Besitz des gestohlenen Gutes zu erhalten. An dieser Tatbestandsvoraussetzung scheitern regelmäßig die Anklagen bezüglich räuberischen Diebstahls im Hauptverhandlungstermin, daher soll dieser Punkt näher betrachtet werden. Gemeint ist mit der Absicht -sich den Besitz des gestohlenen Gutes zu erhalten-, dass der Wille vorhanden sein muss, eine Entziehung des gerade erlangten Gewahrsams zugunsten des Bestohlenen zu verhindern, die- zumindest aus Sicht des Täters- gegenwärtig ist oder unmittelbar bevorsteht. Dies bedeutet, der Täter muss die Nötigungshandlung oder Körperverletzung verübt haben, um sich den Besitz des Diebesgutes zu sichern und eine Wegnahme des Bestohlenen verhindern.

[...]


[1] Hemmer/Wüst, Strafrecht, 6. Auflage, S. 49

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Der räuberische Diebstahl des § 252 StGB. Eine rechtliche und prozesstaktische Betrachtung
Autor
Jahr
2015
Seiten
6
Katalognummer
V306225
ISBN (eBook)
9783668043152
ISBN (Buch)
9783668043169
Dateigröße
400 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Essay über den räuberischen Diebstahl
Schlagworte
diebstahl, stgb, eine, betrachtung
Arbeit zitieren
RA Dipl.Jur.Univ. Markus F. Meier (Autor), 2015, Der räuberische Diebstahl des § 252 StGB. Eine rechtliche und prozesstaktische Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306225

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