„Spiegel und Gesicht“. Zusammenfassung der Darlegung Elsaesser und Hagener in ihrer Einführung in die Filmtheorie


Hausarbeit, 2014

8 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

1. Zusammenfassung der Darstellung

Einführung

„Über Sprache zu forschen, herauszufinden, wie sie sich entwickelt hat, wie gesellschaftliche Veränderungen ihren Niederschlag in den Worten der Menschen finden, hat eine lange Tradition.“1 Es kann daher kaum verwundern, dass auch andere Kommunikations- und Kooperationsmedien im Fokus der Wissenschaft stehen - so auch das Medium Film. Die Filmtheorie gibt es fast solange wie den Film selbst, der am Ende des 19. Jahrhunderts aus den Entwicklungen in Fototechnik, Mechanik, Optik und wissenschaftlicher Reihenbildherstellung entsprang. Antrieb der Beschäftigung mit dem Phänomen Kino und Film waren Frage nach Wesen, Potenzial und Status des Filmes und der dargestellten Bilder. Obwohl man zu Beginn des 20. Jahrhunderts die ersten Vertreter der Filmtheorie ansiedelt, etablierte sich diese Wissenschaft erst nach dem zweiten Weltkrieg Fuß, international letztlich sogar erst in den 1980er Jahren.2 Elsaesser und Hagener wagen in ihrer Einführung einen Diskurs durch die Filmtheoriegeschichte und markieren dabei sieben verschiedene Paradigmen des Films. Sie führen in ihren Ausführungen Praxis und Theorie zusammen, indem sie zunächst ein wissenschaftliches Fundament liefern und mit Beispielen Leerstellen schließen. Sie verzichten dabei nicht auf den Bezug auf renommierte und populäre Filmtheoretiker und deren Befunde.

Spiegel und Gesicht - Zusammenfassende Darstellung3

„Aber der Mensch ist ein wahrer Narziß; er bespiegelt sich überall gern selbst, er legt sich als Folie der ganzen Welt unter.“4

Der Blick in den Spiegel, der Blick in die Augen eines übergroßen Gesichts auf der Leinwand. Hatte Goethe Recht, indem er sagte, der Mensch spiegle sich nur um seiner selbst Willen? Elsaesser/ Hagener bieten drei Optionen zur Interpretation dieses Leinwandphänomens und stellen diese zur Disposition- das phänomenologische, psychoanalytische und neurowissenschaftliche Verständnis. Bei der Untersuchung der Paradigmen Fenster und Rahmen und Tür und Leinwand, die Elsaesser/ Hagener dieser voranstellten, wurde klar, dass der Eintritt des zuschauenden Subjekts in die Fiktion stets rechts distanziert und klar geschieht, begründet durch das Spiel abgrenzenden, verfremdenden Werkzeugen wie einem Rahmen oder der Leinwand. Vor allem „von den 1950er und bis in die 1970er Jahre hat das Kino im Zeichen von Spiegel und Gesicht aus dem reflexiven und selbstreferenziellen Potenzial des Kinos geschöpft.“5 In diesem Verhältnis von Kino und Zuschauer wird aus der anfänglichen Distanz eine Intimität die im Spannungsfeld zwischen Erkennen und Verkennen steht. Es ist wichtig zu statuieren, dass der Blick in den Spiegel zwar einer Konfrontation mit dem eigenen Ich entspricht, jedoch von außen kommend und in ein fremdes Gesicht blickend, bleibt es ein Blick des Anderen. Trotzdem betrachtet sich der Mensch im Film von Angesicht zu Angesicht, monumental groß und doch sehr intim. Das Streben der Menschen nach einem Erkennen des eigenen Seins und suchen nach Identifikationspunkten wird hier zum Motiv des Film. Eng einher mit der Darstellung von Gesichtern, Augen, Spiegelszenen geht daher die Großbildaufnahme, die eine Art Höhepunkt des Konfliktes zwischen Intimität, Nähe und Distanz bildet. Die neue Metapher des Spiegels bildete nach Dudley Andrew den Ausgangspunkt für die Entwicklung einer modernen Theorie des Films.

Elsaesser/ Hagener kommen nicht umhin, einen der bedeutendsten Köpfe innerhalb der Filmtheorie, aber auch Praxis in ihre Ausführungen miteinzubeziehen. „Der 1884 im ungarischen Szeged geborene Balázs arbeitete seit 1919 als Schriftsteller, Übersetzer und Filmkritiker, bald auch als Drehbuchautor in Wien.“6 Balázs Theorie sieht als zentrales Moment das sichtbar machen des Menschen und seiner Welt. Das aus heutiger Zeit dem Menschen sehr nahe Medium der kommunikativen Kooperation, die Schrift, stellt für ihn die eigentliche Entfremdung von Unmittelbarkeit dar. Mimik und Gestik liegen näher, sind jedem Menschen eigen und angeboren, sodass das Bild einen Zugang jedem zu sich selbst und seiner Welt ermöglichen kann. „Das Kino steht [dann] hier für die Rückkehr in eine Epoche vor der Zeit, in der sich die Sprache vor eine ursprüngliche Form der Kommunikation geschoben hat.“7 Das enge Einhergehen des Spiegelmotivs mit der Großaufnahme markiert aber auch eine klare Abgrenzung zur Kunst über Sprache und Schrift. Diese kann Regungen und Affekte nur indirekt und sukzessiv wiedergeben, nicht, wie es der Film kann simultan und in einer Metamorphose. Die Gleichzeitigkeit verschiedener Ebenen, die, der Phänomenologie der Erscheinung, und die, der Latenz von Bedeutungen, stellt somit eine entscheidende Gemeinsamkeit zwischen dem realen Gesicht, dem Spiegelbild und somit auch der filmischen Darstellung dar. Die Filmtheorie generell, vor allem die Großaufnahme haben in jüngerer Zeit zunehmend wieder an Popularität gewonnen. „Das klassische Kino […] kennt drei dominante Artikulationen: Wahrnehmungs-, Aktions- und Affektbild. Die beiden ersten sind gezeichnet durch die Wahrnehmung von Situationen durch eine Figur letztlich eine Handlung ausführt, woraus eine neue Situation erwächst und ein Zirkelschluss entsteht. Das Affektbild hingegen ist von anderer Natur. „Ein Affektbild ist eine Großaufnahme, und eine Großaufnahme ist ein Gesicht.“8 Die Großaufnahme als pars pro toto darf nicht als ein losgetrenntes Objekt seiner Gesamtheit betrachtet werden. Durch diese absolute Veränderung, die zwar eine Vergrößerung impliziert, keineswegs aber als eine solche verstanden werden darf, wird ein Objekt von allen raumzeitlichen Koordinaten abstrahiert und wird somit zu einer Entit ä t. An dieser Stelle lässt sich klar die Verbindung zwischen Großaufnahme und Spiegelbild aufzeigen. Die Großaufnahme ist eine Symbiose aus dem Reflektierten und dem Reflektierendem und somit wie die Oberfläche eines Spiegels, die ein Bild zurückwirft und gleichzeitig selbst ein Bild ist.

Das Gesicht als Medium ist zahlreichen Forschungen zugrunde gelegt worden, vor allem die traditionellen Bildkünste schöpfen aus der Vielschichtigkeit der Möglichkeiten, die dieses multifunktionelle Medium bietet. In der Filmtheorie lassen sich drei Paradigmen hinsichtlich des Spiegels unterscheiden, die ich im Folgenden kurz vorstellen möchte, bevor ich mit einem kurzen Fazit schließen möchte.

[...]


1 URL: http://www.moviecollege.de/filmschule/filmtheorie/index.htm (Stand: 24.04.2014, 18:38Uhr)

2 Vgl. Elsaesser, Thomas/ Hagener, Malte: Filmtheorie. Zur Einführung. Junus Verlag GmbH. Hamburg: 2007, S. 9.

3 Die folgende Zusammenfassung wird als vgl. Elsaesser, Thomas/ Hagener, Malte: Filmtheorie. Zur Einführung. Junus Verlag GmbH. Hamburg: 2007, S. 75-102. dargelegt

4 Von Goethe, Johann: Die Wahlverwandtschaften. URL: http://www.zitate-

aphorismen.de/zitate/thema/Spiegel__Widerspiegeln__Bespiegeln/247 (Stand: 24.04.2014, 20:10Uhr)

5 Elsaesser, Thomas/ Hagener, Malte: Filmtheorie. Zur Einführung. Junus Verlag GmbH. Hamburg: 2007, S. 76.

6 Elsaesser, Thomas/ Hagener, Malte: Filmtheorie. Zur Einführung. Junus Verlag GmbH. Hamburg: 2007, S. 78.

7 Elsaesser, Thomas/ Hagener, Malte: Filmtheorie. Zur Einführung. Junus Verlag GmbH. Hamburg: 2007, S. 79.

8 Deleuze , Gilles: Das Bewegungs-Bild. Kino 1. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1989: 123 (Hervorhebung im Original) entnommen aus: Elsaesser, Thomas/ Hagener, Malte: Filmtheorie. Zur Einführung. Junus Verlag GmbH. Hamburg: 2007, S. 79.

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Details

Titel
„Spiegel und Gesicht“. Zusammenfassung der Darlegung Elsaesser und Hagener in ihrer Einführung in die Filmtheorie
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Veranstaltung
Filmanalyse
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
8
Katalognummer
V306434
ISBN (eBook)
9783668055827
ISBN (Buch)
9783668055834
Dateigröße
907 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
spiegel, gesicht, zusammenfassung, darlegung, elsaesser, hagener, einführung, filmtheorie
Arbeit zitieren
Juliane Richter (Autor), 2014, „Spiegel und Gesicht“. Zusammenfassung der Darlegung Elsaesser und Hagener in ihrer Einführung in die Filmtheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306434

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