Das vorrangige Forschungsziel dieser Literaturstudie besteht zunächst darin, Ordnung in die unübersichtliche Forschung zum Thema „Populismus“ zu bringen. Anhand verschiedener Kategorien soll daher im wissenschaftlichen Projekt ein Überblick über die Populismus-Forschung gelingen. Das wissenschaftliche Projekt konzentriert sich dabei eher auf generelle Aspekte des Populismus wie Definitionen und gesellschaftspolitische Umfelder oder Ursachen, fokussiert mit dem Rechtspopulismus aber auch eine spezifische Populismus-Variante.
Diese Synopse soll anschließend für die Bachelorarbeit fruchtbar gemacht und um weitere Aspekte ergänzt werden. Hier liegt der Schwerpunkt jedoch eindeutig auf dem Rechtspopulismus, der mit Hilfe des Framing-Ansatzes und inhaltsanalytischer Methoden untersucht werden soll. Ziel ist es hier vor allem, populistische Argumentations- und Deutungsmuster aufzuspüren und so empirisch nachzuweisen, in welchem Umfang bestimmte Parteien (rechts-)populistische Elemente aufgreifen.
Im Folgenden soll zunächst die Methodik, die dieser Literaturstudie zugrunde liegt, erläutert werden. Die Darstellung konzentriert sich dabei im Wesentlichen auf die maßgeblichen Kriterien für die Suche und Auswahl der hier untersuchten Literatur, thematisiert aber auch die Instrumente, die zur Umsetzung dieser Kriterien genutzt wurden. Anschließend sollen relevante, weil in der Forschung ubiquitär diskutierte, Themen, die sich aus der intensiven Lektüre der Literatur ergeben haben, diskutiert werden, um einen stringenten Überblick über die Materie zu ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Literaturstudie
2.1 Methodik
2.1.1 Suchstrategie
2.1.1.1 Formale Ebene
2.1.1.2 Inhaltliche Ebene
2.1.1.3 Eingesetzte Instrumente
2.1.2 Auswahlstrategie
2.1.2.1 Formale Ebene
2.1.2.2 Inhaltliche Ebene
2.1.2.3 Eingesetzte Instrumente
3. Populismus
3.1 Zum Begriff „Populismus“: Forschungsagenden und Definitionsansätze
3.1.1 Zum Scheitern einer Populismus-Theorie
3.1.2 Forschungsagenden
3.1.3 Definitionsansätze – Populismus nach Mudde (2004)
3.1.3.1 Populismus als „dünne Ideologie“?!
3.1.3.2 Populismus und die Dichotomie zwischen „Volk“ und „Elite“
3.2 Das institutionelle Setting des Populismus
3.2.1 Über das Verhältnis von Populismus und Demokratie
3.2.1.1 Vorarbeiten: Die Säulen der Demokratie
3.2.1.2 Populismus und Demokratie nach Canovan (1999)
3.2.2 Populismus und das „institutionelle Dilemma“
3.2.2.1 Populismus und Institutionalisierung
3.2.2.2 Fallbeispiele
3.2.2.2.1 Haider und die FPÖ
3.2.2.2.2 Fortuyn und die LPF
3.2.2.2.3 Schill und die Schill-Partei
3.2.2.3 Zwischenfazit
3.2.3 Populismus: Bedrohung oder Revitalisierung der Demokratie?
3.3 Ursachen für populistischen Erfolg
3.3.1 Populismus und Modernisierung
3.3.2 Die Erosion der Parteiendemokratie
3.3.3 Populismus und Medien
3.3.4 Zwischenfazit
3.4 Rechtspopulismus als exklusive Variante des „Populismus“-Konzepts
3.4.1 Elektorale Entwicklung rechtspopulistischer Parteien
3.4.2 Ideologie
3.4.3 Ausblick – Rechtspopulistische Herausforderungen im Deutschland der Gegenwart
4. Methodenkritik
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, Ordnung in die unübersichtliche Forschung zum Thema „Populismus“ zu bringen und durch die Identifikation spezifischer Kategorien einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand sowie Ursachen und Erscheinungsformen des Populismus – mit einem Schwerpunkt auf dem Rechtspopulismus – zu schaffen.
- Strukturierung der Populismus-Forschung anhand definierter Kategorien
- Analyse des institutionellen Settings und des Verhältnisses von Populismus und Demokratie
- Untersuchung von Ursachen und Entstehungsbedingungen populistischen Erfolgs
- Vertiefende Betrachtung des Rechtspopulismus als spezifische Ausprägung
- Methodische Vorbereitung für eine inhaltsanalytische empirische Arbeit
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Zum Scheitern einer Populismus-Theorie
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass sich die Forschung mittlerweile weitestgehend davon verabschiedet hat, eine generelle Populismus-Theorie zu entwerfen. Zu verschiedenartig und kontextabhängig sind die, unter der Kategorie „Populismus“ subsumierten, Phänomene. Dies betont in ihrem Essay „Two Strategies for the Study of Populism“ auch Canovan (1982), die folgert, dass jegliche Meta-Theorie zum Scheitern verurteilt ist, da sie weit genug gefasst sein müsste, um alle Phänomene aufzunehmen, dadurch jedoch ihre Erklärungskraft verlöre, da dann fast alles als „populistisch“ zu klassifizieren wäre (vgl. Canovan 1982: 547). Die Populismus-Forschung sieht sich also mit einem wissenschaftlichen Grundproblem konfrontiert. Denn „je umfangreicher die Darstellung eines Konzepts (Intension), desto kleiner fällt sein Anwendungsbereich aus (Extension)“ […] (Rovira Kaltwasser 2011: 253).
Die Vielfalt an potenziellen Populismus-Merkmalen speist sich vor allem auch aus dem Übergang des Begriffs in die Alltagssprache, wo er in oftmals diffusen Kontexten gebraucht wird, was es zusätzlich erschwert, eine anerkannte Meta-Theorie zu entwickeln. Oder wie Laclau (1977) formuliert: „We know intuitively to what we are referring when we call a movement or an ideology populist, but we have the greatest difficulty in translating the intuition into concepts“ (Laclau 1977: 143).
Der wissenschaftliche Konsens bezüglich der Ablehnung einer umfassenden Meta-Theorie des Populismus hat in einigen Fällen jedoch dazu geführt, dass Autoren auf die theoretische Aufarbeitung des Populismus-Begriffs gänzlich verzichtet haben. Der Verweis auf die Komplexität des Populismus wurde dabei zu einer akademischen „Pflichtübung“ (Diehl 2011b: 28), die oftmals als Argument für das Aussparen eines theoretischen Teils diente. Ohnehin waren die Arbeiten von Ionescu/Gellner (1969b) und Canovan (1981) lange Zeit die einzigen, die sich intensiv mit der Begriffs- und Ideengeschichte des Populismus auseinandersetzten (vgl. Decker 2004: 23).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Omnipräsenz des Populismus-Begriffs und die damit verbundene Herausforderung für die Wissenschaft, eine konsistente Theorie zu finden.
2. Literaturstudie: Dieses Kapitel erläutert die methodische Vorgehensweise, Literatur zum Thema Populismus systematisch zu suchen, auszuwählen und zu strukturieren.
3. Populismus: Das Hauptkapitel analysiert das Phänomen anhand der Kategorien Forschungsansätze, institutionelle Einbettung, Ursachen und spezifisch den Rechtspopulismus.
4. Methodenkritik: Die Methodenkritik reflektiert den Prozess der Literaturstudie und diskutiert die Herausforderungen der Literaturselektion im disparaten Forschungsfeld.
5. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse über die Komplexität des Populismus zusammen und plädiert für eine differenziertere Verwendung des Begriffs im öffentlichen Diskurs.
Schlüsselwörter
Populismus, Rechtspopulismus, Demokratie, Institutionen, Parteiendemokratie, Globalisierung, Ideologie, Politikstil, Modernisierung, Parteien, Politische Kommunikation, Institutionelles Dilemma, Volk, Elite, Literaturstudie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine strukturierte Einführung in das komplexe Themenfeld des Populismus, ordnet die unterschiedlichen Forschungsansätze und analysiert Ursachen sowie Erscheinungsformen, insbesondere des Rechtspopulismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die theoretische Definition von Populismus, das Verhältnis von Populismus und Demokratie, die Rolle von Parteien sowie die Einflüsse von Medien und Modernisierungsprozessen auf populistische Erfolge.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, in das unübersichtliche Forschungsfeld des Populismus Ordnung zu bringen und eine fundierte Basis für eine anschließende inhaltsanalytische Bachelorarbeit zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verwendet die Methode der Literaturstudie, um den aktuellen Forschungsstand zu strukturieren und eine stringente, auf wissenschaftlichen Kriterien basierende Übersicht zu erstellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in vier Stränge: die theoretische Begriffsbestimmung, das institutionelle Setting im Verhältnis zur Demokratie, die Ursachen für populistischen Erfolg und eine vertiefte Analyse des Rechtspopulismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind unter anderem Populismus, Rechtspopulismus, Demokratie, Parteiendemokratie, Institutionen, Globalisierung, Ideologie, politische Kommunikation und der Rekurs auf „Volk“ und „Elite“.
Warum ist das "institutionelle Dilemma" für Populisten so bedeutend?
Das Dilemma beschreibt den Widerspruch, dass populistische Bewegungen, die Institutionen ablehnen, sich selbst organisieren und anpassen müssen (z.B. als Parteien), um politisch wirksam zu werden, was oft zu internen Konflikten führt.
Warum wird der Begriff "Krankheit" im Zusammenhang mit der Demokratie kritisch betrachtet?
Der Autor kritisiert den Begriff, da er eine einseitig negative Wertung impliziert und die Möglichkeit ausblendet, dass Populismus auch als Korrektiv oder Symptom tiefer liegender Krisen des politischen Systems fungieren kann.
- Citation du texte
- Lars Urhahn (Auteur), 2015, Ordnung im Populismus. Aspekte, Projekte und Definitionen vom Populismus- zum Rechtspopulismusbegriff, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306539