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Ist der Bologna-Prozess mit dem Bildungsideal und der Universitätsidee Wilhelm von Humboldts vereinbar?

Title: Ist der Bologna-Prozess mit dem Bildungsideal und der Universitätsidee Wilhelm von Humboldts vereinbar?

Term Paper , 2015 , 21 Pages

Autor:in: Silvia Burré (Author)

Pedagogy - Higher Education
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Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, den Bologna-Prozess im Hinblick auf die Vereinbarkeit mit den Humboldt’schen Universitäts- und Bildungsvorstellungen zu betrachten und mögliche Abweichungen zu erörtern.
Durch die Bologna-Erklärung im Jahr 1999 wurde das europäische Hochschulsystem einer weitreichenden Umstrukturierung unterzogen, die das Diplom als akademischen Grad verschwinden und durch ein zweistufiges System mit Bachelor- und Master-Abschlüssen ersetzen ließ.
Seit der Verabschiedung der Bologna-Erklärung wird dieser Prozess jedoch immer wieder von zahlreichen Debatten begleitet. Grundlage für die vorliegende Arbeit ist die mehrfach entfachte Diskussion um die Berücksichtigung der Bildungsreformen Wilhelm von Humboldts im Bologna-Prozess. Kritiker betrachten die umfassenden Veränderungen des europäischen Hochschulraumes als fortschreitende Verabschiedung vom Humboldt’schen Bildungsideal und seiner Universitätsidee, die noch lange nach dessen Tod seit mindestens 200 Jahren die Universitätslandschaft in Europa und Amerika prägen.
Zunächst erfolgt ein Einblick in die Biografie Humboldts, um einen Überblick über die bildungstheoretischen Einflüsse auf ihn darzustellen und seinen Weg zu einem der bedeutendsten Bildungsreformer zu skizzieren. Anschließend wird das Humboldt’sche Bildungsideal erläutert; dabei beschränkt sich dieses Kapitel auf die für die Fragestellung relevanten Informationen. Die Rolle des Staates für die Bildung des Menschen ist ein weiterer Gesichtspunkt, der im Hinblick auf die spätere Universitätsidee Humboldts beleuchtet wird. Um die Humboldt’sche Universitätsidee und den geschichtlichen Rahmen für die Gründung der Universität Berlin nachvollziehen zu können, wird der Zustand der Universitäten zum Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts dargestellt. Die Vorstellung Humboldts über das Verhältnis von Universität und Staat spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Im weiteren Verlauf wird die Bologna-Erklärung näher erläutert und sowohl die in der Sorbonne-Erklärung liegenden Ursprünge dieses Übereinkommens als auch die vereinbarten Ziele vorgestellt.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Leben Wilhelm von Humboldts

3. Das Humboldt’sche Bildungsideal

4. Die Rolle des Staates für die Bildung des Menschen nach Humboldt

5. Der Zustand der Universitäten zur Zeit Humboldts

6. Die Humboldt’sche Universitätsidee und die Gründung der Universität Berlin

7. Vorstellung über das Verhältnis von Universität und Staat nach Humboldt

8. Der Bologna-Prozess

8.1. Sorbonne-Erklärung

8.2. Bologna-Erklärung

9. Die Vereinbarkeit der Humboldt’schen Universitätsidee mit dem Bologna-Prozess

10. Aussichten für die Zukunft im Hinblick auf die Vereinbarkeit der Humboldt’schen Universitätsidee mit dem Bologna-Prozess

11. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Hausarbeit untersucht kritisch die Kompatibilität des europäischen Bologna-Prozesses mit dem traditionellen Humboldt’schen Bildungskonzept und der damit verbundenen Universitätsidee. Dabei liegt der Fokus auf der Identifikation von Spannungsfeldern zwischen der staatlich initiierten Umstrukturierung des Hochschulwesens und dem Anspruch auf eine zweckfreie, allumfassende Persönlichkeitsbildung.

  • Biografie und bildungstheoretische Einflüsse Wilhelm von Humboldts
  • Analyse des Humboldt’schen Bildungsideals und der Universitätsidee
  • Darstellung und Zielsetzungen des Bologna-Prozesses
  • Kritische Gegenüberstellung von Bologna-Reformen und Humboldt-Prinzipien
  • Perspektiven für eine zeitgemäße Auslegung universitärer Bildung

Auszug aus dem Buch

6. Die Humboldt’sche Universitätsidee und die Gründung der Universität Berlin

„Über die innere und äußere Organisation der höheren wissenschaftlichen Anstalten in Berlin“ ist die 1810 verfasste Denkschrift Humboldts, in der er sich mit der Organisation Universität auseinandersetzt und seine Auffassung davon präsentiert.

Den pädagogischen Auftrag der Universität liege laut Humboldt in der Vermittlung der Idee der Wissenschaft und einer eigenständigen Forschung. Wissenschaft beschreibt Humboldt als „etwas noch nicht ganz Gefundenes und nie ganz Aufzufindendes“ (Humboldt 1810, 379). Ziel an der Universität sei die Entwicklung der Neugierde auf neues Wissen und die Hervorbringung dessen (vgl. Herrmann 1999, 19). Um neues Wissen zu generieren sei es notwendig, an sich und dem bestehenden Wissen zu zweifeln. Die Generierung neuen Wissens sollte aus einem „dreifache[n] Streben des Geistes“ entstehen: Die Ableitung des Wissens aus einem ursprünglichen Prinzip, die Zuschreibung dessen zu einem Ideal und die Verknüpfung des Prinzips und des Ideals zu einer neuen Idee (Humboldt 1810, 379). Laut Humboldt sei dieses Streben vielen unbekannt und könne nur in wenigen Menschen in „voller und reiner Kraft“ auftreten (ebd., 380). Er ist der Überzeugung, dass sich der Charakter eines Menschen nur ausbilden könne, wenn das Wissen aus dem Innern der Person stamme und dort verwurzelt sei (vgl. ebd., 379).

In der Universität sieht Humboldt eine Organisation, in der sich Lehrende und Lernende als gleichgestellte Forschungspartner begegnen und gemeinsam im Sinne der Wissenschaft zusammenarbeiten. In diesem Prozess erfahren beide Parteien „sittliche und geistliche Vervollkommnung“ (Kopetz 2002, 41). Die Humboldt’sche Universitätsidee entspricht dem neuhumanistischen Bildungsideal:

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Kritik am Bologna-Prozess ein, der oft als Abkehr vom Humboldt’schen Bildungsideal wahrgenommen wird, und definiert das Ziel, die Vereinbarkeit dieser beiden Ansätze zu erörtern.

2. Das Leben Wilhelm von Humboldts: Dieses Kapitel skizziert die Biografie Humboldts, seine Entwicklung zum Bildungsreformer und die Entstehung seiner zentralen Schriften zum preußischen Schulwesen.

3. Das Humboldt’sche Bildungsideal: Hier wird Bildung als lebenslanger, zweckfreier Prozess der Selbstentfaltung und inneren Vervollkommnung definiert, der auf Freiheit und der Auseinandersetzung mit der Welt basiert.

4. Die Rolle des Staates für die Bildung des Menschen nach Humboldt: Humboldt plädiert für eine strikte Begrenzung staatlichen Eingreifens, um die individuelle Freiheit und Autonomie nicht durch Zwang und bürokratische Einförmigkeit zu gefährden.

5. Der Zustand der Universitäten zur Zeit Humboldts: Das Kapitel beschreibt die universitäre Krise um 1800, die durch sinkende Qualität, akademische Überproduktion und den Verlust wissenschaftlicher Forschung gekennzeichnet war.

6. Die Humboldt’sche Universitätsidee und die Gründung der Universität Berlin: Es wird Humboldts Vision einer Hochschule dargelegt, die Forschung und Lehre vereint und in der Lehrende und Studierende als gleichgestellte Partner agieren.

7. Vorstellung über das Verhältnis von Universität und Staat nach Humboldt: Dieses Kapitel erläutert die notwendige Unabhängigkeit der Universität vom Staat, bei gleichzeitigem staatlichem Schutz der wissenschaftlichen Autonomie.

8. Der Bologna-Prozess: Eine historische Einordnung der Sorbonne- und Bologna-Erklärungen zur Harmonisierung des europäischen Hochschulraums und der Einführung konsekutiver Abschlüsse.

9. Die Vereinbarkeit der Humboldt’schen Universitätsidee mit dem Bologna-Prozess: Eine Analyse, wie Bologna-Reformen die Autonomie tangieren und inwiefern arbeitsmarktorientierte Standards den humanistischen Bildungsanspruch herausfordern.

10. Aussichten für die Zukunft im Hinblick auf die Vereinbarkeit der Humboldt’schen Universitätsidee mit dem Bologna-Prozess: Eine Diskussion über notwendige Rahmenbedingungen, wie eine bessere Finanzierung und ein neues Verständnis von Freiheit, um Humboldt-Ideen in modernen Massenuniversitäten zu integrieren.

11. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Humboldt und Bologna keine Gegensätze sein müssen, wenn die Chance genutzt wird, neue Wege der Bildungsreform im Sinne des humanistischen Erbes zu beschreiten.

Schlüsselwörter

Bologna-Prozess, Wilhelm von Humboldt, Bildungsideal, Universitätsidee, Hochschulreform, Forschung und Lehre, Studienstruktur, Autonomie, Menschenbildung, Europäischer Hochschulraum, Bachelor, Master, Lebenslanges Lernen, Wissenschaftsfreiheit, Persönlichkeitsentwicklung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit dem Spannungsfeld zwischen den traditionellen Bildungsidealen von Wilhelm von Humboldt und der modernen Umgestaltung des europäischen Hochschulwesens durch den Bologna-Prozess.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die Bedeutung von Freiheit in Forschung und Lehre, der Wandel von der allgemeinen Menschenbildung hin zur Berufsbefähigung sowie die Frage nach der Autonomie der universitären Institutionen.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die Vereinbarkeit der Humboldt’schen Ideale mit den Bologna-Reformen zu prüfen und zu erörtern, ob und wie diese historischen Konzepte in der heutigen, globalisierten Hochschullandschaft Bestand haben können.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse. Dabei werden zentrale Schriften Humboldts sowie Dokumente zum Bologna-Prozess und begleitende Forschungsliteratur kritisch verglichen.

Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil umfasst die Darstellung der Humboldt’schen Theorie, eine historische Einordnung des Bologna-Prozesses sowie eine detaillierte Gegenüberstellung beider Konzepte hinsichtlich Struktur, Zielsetzung und gesellschaftlicher Relevanz.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Humboldt’sches Bildungsideal, Bologna-Erklärung, Autonomie der Universität, Zweckfreie Bildung, Berufsbefähigung, Forschung und Lehre sowie soziale Dimension der Hochschulbildung.

Inwiefern beeinflusst der Bologna-Prozess die Autonomie der Universitäten laut der Autorin?

Die Autorin argumentiert, dass die Bologna-Reformen oft von politischer Seite statt von den Universitäten selbst initiiert wurden, was zu einer Fremdbestimmung führt, die Humboldts Forderung nach akademischer Freiheit tangiert.

Welche Rolle spielt die „bologna.lab“-Initiative im Fazit der Arbeit?

Das „bologna.lab“ wird als positives Beispiel genannt, wie Freiräume für interdisziplinäre und persönlichkeitsbildende Kompetenzen innerhalb des Bologna-Systems geschaffen werden können, um den Geist Humboldts zu bewahren.

Kann das Humboldt’sche Ideal in einer modernen Massenuniversität überhaupt existieren?

Die Autorin stellt fest, dass eine direkte Übertragung schwierig ist, da Humboldt von anderen Rahmenbedingungen ausging; sie plädiert jedoch für eine zeitgemäße Auslegung, die Kooperation und Qualität in den Mittelpunkt stellt.

Warum wird die „Gleichmacherei“ der Studiengänge kritisiert?

Eine zu starre Modularisierung und Standardisierung durch den Bologna-Prozess wird als Hemmnis für die individuelle Selbständigkeit und die wissenschaftliche Neugier der Studierenden wahrgenommen.

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Details

Title
Ist der Bologna-Prozess mit dem Bildungsideal und der Universitätsidee Wilhelm von Humboldts vereinbar?
Author
Silvia Burré (Author)
Publication Year
2015
Pages
21
Catalog Number
V306541
ISBN (eBook)
9783668045248
ISBN (Book)
9783668045255
Language
German
Tags
Pädagogik Bologna-Prozess Wilhelm von Humboldt Bildungsreformen Universitätsvorstellung Vergleich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Silvia Burré (Author), 2015, Ist der Bologna-Prozess mit dem Bildungsideal und der Universitätsidee Wilhelm von Humboldts vereinbar?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306541
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