Künstliche Intelligenz. Wie verändert sich das Verhältnis von Mensch und Maschine mit der Einführung intelligenter Maschinen?

Analyse zum Werk "Homo Sapiens: Leben im 21. Jahrhundert – was bleibt vom Menschen?" von Ray Kurzweil


Hausarbeit, 2015
13 Seiten, Note: 1,7
Katinka Reschenbach (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung..

2 Die drei Thesen aus Homo Sapiens
These 1
These 2
These 3

3 Fazit

4 Literaturverzeichnis

5 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Viele Menschen betrachten sich als Krone der Schöpfung. Auch wenn andere Ansätze der Evolution gewürdigt werden, so sehen die meisten Menschen die Menschheit als solches als das größte Wunder der Natur. Dass der Mensch noch nicht ganz ausgereift ist, davon gehen heutzutage immer mehr Experten aus (Boeing 2014).

Die Herausbildung von Intelligenz so wie es der Mensch über die Jahrmillionen geschafft hat, ist allerdings ziemlich einzigartig auf unserem Planeten. Welche Definition von Intelligenz man auch verwendet, bei keinem anderen Tier kann von so einer bewussten Intelligenz gesprochen werden. Das Bewusstsein macht Menschen zu dem was sie sind. Doch schon die Definition des Begriffes Bewusstsein macht Wissenschaftlern seit Jahrhunderten zu schaffen. Bisher ist es noch niemandem gelungen Bewusstsein und Intelligenz in adäquater Form messbar oder greifbar zu machen.

Für die Abgrenzung zur Künstlichen Intelligenz ist jedoch die Definition dieser Begriffe unumgänglich. Künstliche Intelligenz versucht die menschliche oder natürliche Intelligenz nachzuahmen. Seit den ersten Computern in den 1950er Jahren ist die Rechenkapazität exponentiell gestiegen. Je mehr Rechenkapazität ein Computer hat, desto mehr Informationen kann er in kürzerer Zeit verarbeiten. Mit der Geschwindigkeit, mit der sich Technik entwickelt, werden die Computer in naher Zukunft der Rechenkapazität eines menschlichen Gehirns gleich kommen. Aus diesem Fakt ergeben sich jedoch einige Fragen, wie z.B. wird ein Computer mit der Leistung eines menschlichen Gehirns auch dazu im Stande sein ein Bewusstsein zu entwickeln? Wenn ja: Werden die Computer der Zukunft mit uns Koexistieren? Inwieweit wird sich der Mensch anpassen (müssen)?

Ray Kurzweils „Homo Sapiens: Leben im 21. Jahrhundert - was bleibt vom Menschen?“ behandelt die Geschichte der Evolution und die Transformation von der natürlichen zur technischen Evolution. Im zweiten Teil seines Buches stellt er dar, wie der menschliche Körper sich verändern muss und wird, um mit dem technischen Fortschritt umzugehen. Zum Schluss stellt er Prognosen auf, wie sich das Verhältnis von Mensch und Maschine entwickeln wird. In dieser Arbeit werden die Thesen, die Kurzweil 1999 aufstellte, theoretisch aufbereitet und wenn möglich überprüft. Dabei soll vor allem auf das Verhältnis von Mensch und Maschine eingegangen werden.

2 Die drei Thesen aus Homo Sapiens

These 1

Die natürliche Evolution wird von der technischen Evolution abgelöst.

Kurzweil beginnt im ersten Teil seines Buches damit, die Entstehung der Zeit und des Universums genauer zu betrachten. Der Urknall stellt für ihn den Startpunkt von beidem dar. In den ersten Milliardstel Sekunden kühlte das frisch entstandene Universum sich auf 100 Millionen Billionen Billionen Grad Celsius ab. Dies ist der Entstehungsmoment der Gravitation. In der nächsten Sekunde entstanden Teilchen wie Elektronen, Protonen und Neutronen. Die Neutronen und Protonen setzten nach einer weiteren Minute zu Atomkernen wie Helium und Lithium zusammen. Während diese Prozesse in unglaublich kurzer Zeit aufeinander folgten, brauchte es die nächsten 300 000 Jahre dafür, das sich das Universum auf 3000 Grad abkühlte und die Atomkerne die um sie herum befindlichen Elektronen anzogen und Atome bildeten. Eine Milliarde Jahre später bildeten die Atome gewaltige Materiewolken, aus denen die Galaxien entstanden. Erst in den nächsten fünf Milliarden Jahren entwickelten sich Sterne und Sonnensysteme (Vgl. Ray Kurzweil 1999: S. 27-29). Mit diesem Überblick über die zeitliche Abfolge der Entstehung des Universums macht Kurzweil darauf aufmerksam, dass die Zeit zwischen entscheidenden Ereignissen (Entstehung der Gravitation, Bildung von Materie, Bildung von Atomen) abnehmen kann. Während in den ersten Sekunden viele entscheidende Dinge passiert sind, Kurzweil spricht hier vier von Paradigmenwechseln, hat es bis zum nächsten großen Ereignis mehrere Milliarden Jahre gebraucht.

Dem entgegen setzt er die zeitliche Abfolge der Evolution: während es Jahrmilliarden gebraucht hat um aus unbelebter Materie einen belebten Einzeller zu gestalten und weitere Millionen Jahre um die nächste Stufe der Evolution, die Mehrzeller, zu erreichen, ging die Entwicklung vom frühen menschenähnlichen Primaten zum Homo Sapiens überraschend schnell von statten. Hier zeigt sich nun der gegenläufigen Prozess: Die Zeit zwischen entscheidenden Ereignissen verkürzt sich. Für diese Beschleunigung gibt er die Herausbildung der DNS an. Die DNS steuert nicht nur die Entwicklung und Reproduktion lebensfähiger Organismen, sie dient vor allem als schriftliches Protokoll der Evolution. Mit ihr muss während des evolutionären Prozesses nicht immer von neuem mit Problemen umgegangen und Lösungen gefunden werden. Es kann auf alte Mechanismen zur Problembewältigung zurück gegriffen werden. Die DNS kann auch als eine Art Computersprache aufgefasst werden. Mit ihr werden Errungenschaften codiert und können, wenn nötig, abgerufen werden.

Der Homo Sapiens entwickelte sich vor ungefähr 500 000 Jahren aus den Hominiden. Vor allem seine vergrößerte Großhirnrinde, welche für rationales Denken verantwortlich ist, unterscheidet ihn von seinen Vorfahren (Mainzer 1997: Seite 12). Trotz des großen Unterschiedes ist das Erbgut des Homo Sapiens zu 98,6% identisch mit dem des Flachlandgorillas und zu 97,8% identisch mit dem des Orang-Utans. Diesen marginalen Unterschied zwischen dem Erbgut unserer Vorfahren sieht Kurzweil als Beweis dafür an, dass die natürliche Evolution an ihre Grenzen stößt. Jedoch hat die Evolution mit dem Homo Sapiens eine Spezies hervorgebracht, welche die Evolution ihrerseits fortsetzen kann. Der Homo Sapiens hat die Technik entwickelt: „Technik geht über die bloße Herstellung und den Gebrauch von Werkzeug hinaus. Zu ihr gehören eine Tradition der Herstellung und eine kontinuierliche Verbesserung von Werkzeugen. Technik erfordert Erfindungsreichtum und setzt die Evolution mit anderen Mitteln fort.“ (Kurzweil 1999: S.35) Und genauso wie die natürliche Evolution durch die Entwicklung der DNS sprunghaft an Tempo zunahm, so verhielt es sich mit der Entwicklung von Sprache und Schrift in der Technik. Mit der Schrift konnten bereits gewonnene Erkenntnisse und Innovationen festgehalten werden, so das immer weiter auf ihnen aufgebaut werden konnte.

Im letzten Jahrhundert lösten elektrische Datenbanken die Schrift als Speichermedium für Fortschritt und Wissen ab. Im Gegensatz zu den auf Kohlenwasserstoff-Molekülen basierenden Synapsen des Gehirns funktionieren elektrische Datenbanken mithilfe von Transistoren und Schaltkreisen auf leitfähigen Trägerstoffen wie Metalllegierungen oder Silizium. Die rein elektronische Reizübermittlung führt zu einer sehr viel höheren Rechenleistung. Die Rechenleistung beschreibt wie viele Rechenoperationen pro Sekunde ausgeführt werden können. Bei der Entwicklung neuer Halbleiter (Computerchips) kann man die exponentiell zunehmende Geschwindigkeit der Zeit zwischen herausragenden Ereignissen besonders gut nachvollziehen. In dem folgenden Diagramm ist die zunehmende Rechenleistung der Rechenmaschinen von 1900 bis 1998 abgebildet. Um die Maschinen miteinander vergleichbar zu machen wurden hier auf der y-Achse des Diagramms die Rechenleistungen pro Sekunde eingetragen, die man zum jeweiligen Zeitpunkt für 1000 US- Dollar erwerben konnte. Diese sind jedoch in Potenzen abgebildet, weshalb der Graph fast eine Gerade darstellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Das exponentielle Wachstum der Rechenleistung 1900-1998 (Quelle: Kurzweil 1999)

Dieser Zuwachs wird auch durch das sogenannte Moorsche Gesetz beschrieben. Gordon Moore ist der Erfinder der integrierten Schaltkreise und ist Gründer des weltweit größten Halbleiter-Herstellers Intel. Das Moorsche Gesetz besagt, dass sich die Oberfläche, die für Transistoren in integrierten Schaltkreisen benötigt wird alle 12 Monate um 50% verringert. Das heißt, dass theoretisch alle 24 Monate doppelt so viele Transistoren auf die gleiche Fläche des Schaltkreises passen. Damit verdoppelt sich auch alle zwei Jahre die Arbeitsgeschwindigkeit der Chips. Seit dem erscheinen des Artikel von Gordon Moore in dem er dieses Gesetz postuliert, wurde die 12-Monate-Regel nach oben hin verschoben. Heutzutage spricht man von einem 18-Monate-Rythmus.

An dieser Stelle wirft Kurzweil in seinem Buch die Frage auf, warum die Zeit manchmal scheinbar an Geschwindigkeit ab- oder zunimmt, also der Abstand zwischen herausragenden Ereignissen länger oder kürzer wird. Seine Antwort darauf lautet: „Die Zeit läuft in Relation zum Maß der Unordnung ab.“(Kurzweil 1999: S. 55).

Wenn in einem geschlossenem System also großes Chaos herrscht, man spricht auch von hoher Entropie (abgeleitet aus dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik), dann vergrößern sich die Abstände zwischen den bedeutenden Ereignissen exponentiell. Die Entstehung des Universums ist dafür ein gutes Beispiel: Vor dem Urknall bestand das Universum aus einer Singularität, also einem Punkt ohne räumliche Ausdehnung.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Künstliche Intelligenz. Wie verändert sich das Verhältnis von Mensch und Maschine mit der Einführung intelligenter Maschinen?
Untertitel
Analyse zum Werk "Homo Sapiens: Leben im 21. Jahrhundert – was bleibt vom Menschen?" von Ray Kurzweil
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V306579
ISBN (eBook)
9783668049796
ISBN (Buch)
9783668049802
Dateigröße
678 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
künstliche, intelligenz, verhältnis, mensch, maschine, einführung, maschinen, analyse, werk, homo, sapiens, leben, jahrhundert, menschen, kurzweils
Arbeit zitieren
Katinka Reschenbach (Autor), 2015, Künstliche Intelligenz. Wie verändert sich das Verhältnis von Mensch und Maschine mit der Einführung intelligenter Maschinen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306579

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Künstliche Intelligenz. Wie verändert sich das Verhältnis von Mensch und Maschine mit der Einführung intelligenter Maschinen?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden