Die Parapresbeia-Rede des Demosthenes (Rede XIX) und das Gesandtschaftswesen im antiken Athen


Ausarbeitung, 2015
13 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Demosthenes – Leben und Werke

3) Der historische und politische Kontext der Parapresbeia-Rede

4) Die Parapresbeia-Rede des Demosthenes – Rede XIX

5) Das Gesandtschaftswesen in der griechischen Antike

6) Fazit

7) Literaturverzeichnis:

1) Einleitung

Demosthenes von Athen, einer der zehn kanonischen Redner, gilt wohl als einer der bedeutsamsten Redner und Staatsmänner der Antike. Er ist die erste bekannte Figur des griechischen Altertums, über die verhältnismäßig viele, zudem detaillierte und authentische, Informationen erhalten sind[1]. Als maßgebliche Informationsquelle bezüglich seines Lebens dient die Biographie von Plutarch aus dem 2. Jh. n. Chr.[2], die größtenteils auf Selbstzeugnissen des Demosthenes basiert[3].

Das Interesse an den Werken des Demosthenes hatte im 19. Jahrhundert seinen Höhepunkt, sodass viele Arbeiten und Ansätze nicht überholt wurden und als veraltet gelten, da die Gelehrten des 19. Jahrhunderts die antiken Texte nicht selten voreingenommen bzw. nach den Maßstäben ihrer Epoche interpretierten[4]. Auch die verschiedenen Textausgaben der Werke des Demosthenes stammen größtenteils aus dem 19. Jahrhundert, sodass die neueste Edition aus dem Jahre 1946 bereits knapp 70 Jahre alt ist[5].

Die vorliegende Arbeit thematisiert die 19. Rede des Demosthenes, die sogenannte Parapresbeia-Rede, unter Einbeziehung der Rolle des Gesandtschaftswesens in der griechischen Antike. Der Parapresbeia-Prozess war für Demosthenes von großer Bedeutung, denn war er in den Jahren zuvor noch recht unbekannt gewesen[6], so stieg er in den Jahren nach dem Prozess zu einem der führenden Staatsmänner Athens auf und befand sich 341 v. Chr. auf dem Höhepunkt seiner Karriere[7].

Zunächst wird dem Leser der vorliegenden Arbeit ein grober Überblick über das Leben und die Werke des Demosthenes gegeben. Anschließend wird der historische und politische Kontext der Parapresbeia-Rede näher erläutert, sowie einzelne wesentliche Charakteristika der Rede selbst. Abschließend wird das Gesandtschaftswesen im antiken Athen beschrieben und die wichtigsten Aspekte der Rede sowie des Gesandtschaftswesens in deren Kontext zusammengefasst. Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass die vorliegende Arbeit lediglich einen groben Überblick über die Rede und ihren Kontext liefern soll, sodass die Darstellung der Ereignisse und der Merkmale der Rede nicht detailliert behandelt werden.

2) Demosthenes – Leben und Werke

Demosthenes, einer der zehn attischen Redner, wurde 384 v Chr. geboren[8]. Seine Mutter, Kleobule, war die Tochter einer reichen Skythin und brachte eine hohe Mitgift in die Ehe mit Demosthenes gleichnamigem Vater[9]. Die Familie stammte väterlicherseits aus der Demos-Gemeinde Paiania und gehörte sozial zur steuer- und liturgiepflichtigen Schicht der reichen Gewerbetreibenden[10], sie gehörten also zur reichen Oberschicht Athens[11]. Demosthenes Vater war Inhaber einer großen Waffenmanufaktur mit über dreißig ausgebildeten Arbeitern aus dem Sklavenstand sowie eines Betriebes, der Möbelstücke herstellte und ebenfalls etwa zwanzig Arbeiter beschäftigte, wodurch er ein beträchtliches Vermögen erwirtschaften konnte[12].

Als Demosthenes etwa sieben Jahre alt war, starb sein Vater an einer Krankheit, sodass drei von jenem testamentarisch festgelegte Vormünder, zwei seiner Neffen und ein Freund der Familie, für die Familie eingesetzt wurden[13]. Um die finanzielle Sicherheit der Familie zu gewährleisten, sollte sein Neffe Aphobos Kleobule heiraten und sein Neffe Demophon seine Tochter, jedoch hielten diese nach noch lukrativeren Heiratsmöglichkeiten Ausschau und wirtschafteten das Vermögen der Familie herunter[14]. Obwohl die Familie nicht mehr die finanziellen Mittel zur Verfügung hatte wie vor dem Tod des Vaters, konnte Kleobule ihrem Sohn eine Schulbildung ermöglichen, die nach vier bis fünf Jahren Elementarunterricht durch vertiefende Lehrjahre mit sprachlicher Schulung ergänzt wurde[15]. Laut einigen Quellen soll Demosthenes der Schüler des Platon gewesen sein, wiederum behaupten andere wie beispielsweise Plutarch, dass er der Schüler des Isaios war[16] - beides wäre möglich und schließt sich nicht aus.

Als Demosthenes mit achtzehn Jahren Mündigkeit erlangte, verklagte er die Vormünder der Familie wegen Veruntreuung bzw. Unterschlagung und hielt im Laufe des Prozesses seine ersten Gerichtsreden, die heute teilweise noch erhalten sind[17]. Überlieferungen zufolge sollen Demosthenes erste Reden keinen guten Anklang gefunden haben, da er eine schlechte Aussprache und eine schwache Stimme gehabt haben soll[18]. Zudem soll er sich äußerst intensiv auf seine Reden vorbereitet haben, sodass seine Kritiker bemängelten, dass er keine guten Reden aus dem Stegreif liefern könne[19]. Demosthenes hingegen begründete seine intensiven Vorbereitungen damit, dass sie ein Zeugnis von Höflichkeit gegenüber dem Volke seien und er Überheblichkeit demonstrieren würde, wenn er sich nicht ausgiebig vorbreiten würde[20].

Im Alter von 24 Jahren nahm Demosthenes den Beruf des Logographen auf und übernahm im folgenden Jahr die Hälfte einer Trierarchie, wodurch er öffentliches Ansehen erwerben konnte und sich seinem Weg in die Politik annäherte[21]. In seiner Karriere als Redner und Politiker Athens hielt Demosthenes hauptsächlich Gerichtsreden und politische Reden[22]. Er kämpfte für Athens Demokratie und Größe, aber auch für das Prinzip der Freiheit und Autonomie als gemeinsame Basis der hellenischen Staatenwelt[23]. Im „Corpus Demosthenicum“ sind 61 Reden, sechs Briefe und 56 Proömien enthalten, deren Echtheit jedoch zum Teil anzuzweifeln ist oder in der Forschung bereits als widerlegt gilt[24].

Durch seine zahlreichen Reden gegen den Makedonenkönig Philipp II. galt Demosthenes zu seinen Lebzeiten als „Makedonenhasser“, weshalb er 322 v. Chr. auf die Insel Kalaureia floh, um einer Auslieferung an Antipatros, den Nachfolger Alexanders des Großen, zu entgehen[25]. Als er sich von thrakischen Söldnern umzingelt fand, nahm er sich im Alter von 62 Jahren das Leben[26].

[...]


[1] Vgl. Lehmann, Gustav A.: Demosthenes von Athen. Ein Leben für die Freiheit. Biographie, München 2004, S. 29.

[2] Vgl. Will, Wolfgang: Demosthenes (Gestalten der Antike), Darmstadt 2013, S. 13.

[3] Vgl. ebd., S. 13.

[4] Vgl. Paulsen, Thomas: Die Parapresbeia-Reden des Demosthenes und des Aischines. Kommentar und Interpretationen zu Demosthenes, or. XIX, und Aischines, or. II (Bochumer altertumswissenschaftliches Colloquium, Bd. 40), Trier 1999, S. 9f.

[5] Vgl. ebd., S. 24.

[6] Vgl. Engels, Johannes: Der Streit um den unbeliebten Frieden. Der Gesandtschaftsprozess 343 v. Chr., in: Große Prozesse im antiken Athen, hrsg. v. Leonhard Burckhardt u. Jürgen von Ungern-Sternberg, München 2000, S. 176.

[7] Vgl. Will, Wolfgang: Demosthenes (Gestalten der Antike), Darmstadt 2013, S. 127.

[8] Vgl. ebd., S. 15.

[9] Vgl. ebd., S. 22.

[10] Vgl. Lehmann, Gustav A.: Demosthenes von Athen. Ein Leben für die Freiheit. Biographie, München 2004, S. 29.

[11] Vgl. Will, Wolfgang: Demosthenes (Gestalten der Antike), Darmstadt 2013, S. 21.

[12] Vgl. Lehmann, Gustav A.: Demosthenes von Athen. Ein Leben für die Freiheit. Biographie, München 2004, S. 29.

[13] Vgl. Will, Wolfgang: Demosthenes (Gestalten der Antike), Darmstadt 2013, S. 22ff.

[14] Vgl. Lehmann, Gustav A.: Demosthenes von Athen. Ein Leben für die Freiheit. Biographie, München 2004, S. 31f.

[15] Vgl. ebd., S. 33f.

[16] Vgl. Will, Wolfgang: Demosthenes (Gestalten der Antike), Darmstadt 2013, S. 31.

[17] Vgl. ebd., S. 22ff.

[18] Vgl. Will, Wolfgang: Demosthenes (Gestalten der Antike), Darmstadt 2013, S. 31ff.

[19] Vgl. ebd., S. 34.

[20] Vgl. ebd.

[21] Vgl. ebd., S. 34ff.

[22] Vgl. ebd., S. 38.

[23] Vgl. Lehmann, Gustav A.: Demosthenes von Athen. Ein Leben für die Freiheit. Biographie, München 2004, S. 18.

[24] Vgl. ebd., S. 24.

[25] Vgl. Will, Wolfgang: Demosthenes (Gestalten der Antike), Darmstadt 2013, S. 194.

[26] Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Parapresbeia-Rede des Demosthenes (Rede XIX) und das Gesandtschaftswesen im antiken Athen
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Geschichtswissenschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V306698
ISBN (eBook)
9783668053007
ISBN (Buch)
9783668053014
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demosthenes, griechische Antike, Recht, Rede, Gesandtschaftswesen
Arbeit zitieren
Deborah Heinen (Autor), 2015, Die Parapresbeia-Rede des Demosthenes (Rede XIX) und das Gesandtschaftswesen im antiken Athen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306698

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