„Was ist mit unseren Kindern los?“, solche oder ähnliche Fragen hört man sehr oft in letzter Zeit, von Eltern, Lehrkräften, Erziehern, Politiker und Polizisten. Sind unsere Kinder anders geworden? Ja! Man spricht auch von der „veränderten Kindheit“! Um es genau zu sagen, haben sich die Verhältnisse geändert unter denen die Kinder aufwachsen, was sie anders werden lässt. Und genau darum soll es in dieser Abhandlung gehen, die als Vorbereitung für die erste Staatsprüfung für das Lehramt an Grundschulen stehen soll.
2. Die Grundschule und ihre Aufgabe
Die Grundschule hat die Aufgabe alle Kinder des Volkes (heute: aller Völker) sozial zu integrieren, eine eigenwertige grundlegende Allgemeinbildung zu vermitteln, die auf das Alter und das Umfeld des Kindes abgestimmt sein muss. 1919 wurde die vier-jährige Grundschulpflicht eingeführt, was auch in der Weimarer Verfassung zu finden ist. Im Allgemeinen besteht die Schulpflicht für alle Kinder, die bis zum 30.6. eines Kalenderjahres das 6.Lebensjahr vollendet haben. Dann müssen sie eingschult werden. Die Umwelt des Kindes ist in Zonen eingeteilt, worauf die Grundschule Rücksicht nehmen muss. So gibt es:
- das ökologisches Zentrum, was die Familie und das zu Hause darstellt
- den ökologischen Nahraum, womit die Nachbarschaft gemeint ist
- die ökologischen Ausschnitte, was Orte sind an denen der Umgang geregelt ist, wie zum Beispiel die Schule, der Sportverein etc.
- die ökologische Peripherie, womit gelegentliche Kontakte, Urlaub, Freizeit etc. gemeint sind
Somit ist die Grundschule der einzige Ort, an dem sich Kinder aus verschiedenen sozialen Herkunftsfamilien, aus verschiedenen sozialen Milieus, Kinder mit sehr unterschiedlichen Begabungen sowie Interessen und unterschiedlichen Geschlechts über einen längeren Zeitraum täglich begegnen.
Des Weiteren müssen noch einige Aspekte genannt werden, die die Schule erfüllen muss.
Zum einen der Aktivitätsaspekt, das heißt, es muss zu Selbständigkeit und Selbstverantwortung beim Lernen geführt werden.
Der Differenzierungsaspekt, es muss also individuelles Lernen auf unterschiedlichem Niveau, mit unterschiedlichen Zielen und Mitteln ermöglicht werden.
Und schließlich der Freiheitsaspekt, es muss also die Freiheit in Entscheidungen beim Lernen gegeben sein. Die beiden ersten Aspekte müssen im Anfangsunterricht verknüpft werden, der letztere Aspekt ist nicht so wichtig für den Anfangsunterricht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Grundschule und ihre Aufgabe
3. Kindheit und Kindsein
3.1 Philippe Ariès
3.2 Lloyd de Mause
4. Veränderte Kindheit
4.1 Veränderungen in familiärer Lebenswelt
4.2 Spiel- und Freizeitverhalten
4.3 Kinder und Medien
4.4 Erziehungsnormen
4.5 Multikulturelle Gesellschaft
4.6 veränderte räumliche und zeitliche Bedingungen
4.7 Vergesellschaftung der Kindheit
4.8 Aufhebung der Kindheit
5. Einschulung und Anfangsunterricht
5.1 Integrative Grundschule
5.2 vorschulische Einrichtungen
5.3 Die Zeit vor Schuleintritt
5.4 Bedeutung für die Gestaltung des Schulanfangs
5.5 veränderte (integrierte) Schuleingangsphase
5.6 Schulreife und Schulfähigkeit
5.7 Aufgaben des Anfangsunterrichts
6. Förderklassen
6.1 Förderung durch Team-Teaching
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Abhandlung dient als fundierte Vorbereitung auf die erste Staatsprüfung für das Lehramt an Grundschulen. Das primäre Ziel ist es, das Phänomen der „veränderten Kindheit“ zu analysieren, ihre Auswirkungen auf den pädagogischen Alltag zu erörtern und daraus Anforderungen für eine moderne, kindgerechte Gestaltung des Anfangsunterrichts abzuleiten.
- Die historische Entwicklung und der soziologische Wandel des Begriffs „Kindheit“.
- Die Auswirkungen veränderter familiärer, räumlicher und medialer Lebenswelten auf Kinder.
- Die Herausforderungen und didaktischen Notwendigkeiten des Übergangs vom Kindergarten zur Grundschule.
- Die Reorientierung von starren Schulreife-Konzepten hin zur integrativen Schulfähigkeit.
- Methodische Ansätze wie Team-Teaching zur Förderung in heterogenen Lerngruppen.
Auszug aus dem Buch
3. Kindheit und Kindsein
Die Kindheit ist die Altersspanne zwischen Embryo und Eintritt der Geschlechtsreife (rechtlich: bis 14.Lebensjahr). Es ist der entscheidendste Abschnitt der körperlichen, seelischen und geistigen Entwicklung.
Laut dem französischen Historiker Philippe Ariès wird die Kindheit als „Entdeckung der Neuzeit bezeichnet“ und für den Psychoanalytiker Lloyd de Mause als „evolutionäres Entwicklungsprodukt“. Später werde ich noch genauer auf die beiden eingehen, da sie als Koryphäen in dem Gebiet „veränderte Kindheit“ gelten.
Kindsein ist die gegenwärtige, lebensweltlich verortete Daseinsform von Heranwachsenden zwischen Geburt und Pubertätseintritt, die durch Freude an der Bewegung gekennzeichnet ist.
Unter Kindern versteht man Personen, die sich gerade zwischen früher Kindheit und dem Alter eines Jugendlichen befinden. Sie sind einerseits abhängig und andererseits streben sie nach Selbständigkeit. Sie nehmen sich meistens so hin, wie sie sind und die Kinderjahre erscheinen im Nachhinein als die problemlosesten Jahre die man hatte. Zumindest sollte es so sein und uns allen ist bewusst, dass es leider auch Ausnahmen gibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle öffentliche Diskussion um veränderte Kindheitsbedingungen und skizziert den Rahmen der Prüfungsvorbereitung.
2. Die Grundschule und ihre Aufgabe: Dieses Kapitel definiert den gesetzlichen Auftrag der Grundschule zur sozialen Integration und Allgemeinbildung unter Berücksichtigung der kindlichen Lebenswelt.
3. Kindheit und Kindsein: Hier werden theoretische Grundlagen durch die Ansätze von Philippe Ariès und Lloyd de Mause gelegt, um Kindheit als historisch und sozial wandelbares Konstrukt zu verstehen.
4. Veränderte Kindheit: Das Kapitel analysiert die vielfältigen Einflüsse wie Familienkonstellationen, Medienkonsum und veränderte Normen, die das Aufwachsen von Kindern heute prägen.
5. Einschulung und Anfangsunterricht: Der Fokus liegt auf dem Übergang in das Schulsystem, den Anforderungen an eine integrative Schule und der methodischen Gestaltung des Schulanfangs.
6. Förderklassen: Hier wird die Notwendigkeit integrativer Förderansätze gegenüber einer separierenden Beschulung betont und das Modell des Team-Teachings erläutert.
Schlüsselwörter
Kindheit, Grundschulpädagogik, Anfangsunterricht, Schuleingangsphase, Schulfähigkeit, Integrative Schule, Medienkindheit, Sozialisation, Team-Teaching, Erziehung, Kindheitsforschung, Entwicklungsförderung, Lebenswelt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den veränderten Bedingungen, unter denen Kinder heute aufwachsen, und wie die Grundschule und der Anfangsunterricht darauf reagieren müssen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind der historische Wandel des Kindheitsbegriffs, die Auswirkungen gesellschaftlicher Veränderungen auf die Lebenswelt von Kindern sowie die didaktische Gestaltung der Schuleingangsphase.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie pädagogische Fachkräfte im Anfangsunterricht den heutigen Anforderungen gerecht werden können, um eine erfolgreiche soziale und kognitive Entwicklung der Kinder zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Aufarbeitung und Reflexion zentraler Konzepte der Kindheitsforschung und pädagogischer Fachliteratur zur Vorbereitung auf das 1. Staatsexamen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Kindheitsbegriff), eine Analyse der Lebenswelten (veränderte Kindheit) und eine praktische Umsetzung für den Schulalltag (Einschulung und Förderung).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind unter anderem Kindheit, Anfangsunterricht, Schulfähigkeit, Integrative Schule, Medienkindheit und Team-Teaching.
Wie unterscheidet sich die "verhäuslichte Kindheit" von der früheren "Straßenkindheit"?
Während Kinder früher ihre Freizeit häufig spontan im öffentlichen Raum (Straße) verbrachten, ist die heutige Kindheit durch institutionelle Angebote und die Abhängigkeit von erwachsener Mobilität stark in den häuslichen oder organisierten Bereich verlagert.
Warum wird Team-Teaching im Zusammenhang mit der Förderung von Kindern empfohlen?
Team-Teaching wird empfohlen, da es die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt, die individuelle Förderung in heterogenen Gruppen ermöglicht und den Lehrer aus der Rolle des "Einzelkämpfers" befreit.
- Citation du texte
- Christina Kühnle (Auteur), 2004, Anfangsunterricht und Veränderte Kindheit in der Grundschulpädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30678