Die folgende historisch - kritische Exegese über das Gleichnis „Vom verlorenen Sohn“ (Lk 15,11 - 32) soll durch die methodischen Schritte ‘Textkritik’, ‘Textanalyse’ mit Einbeziehung der ‘sprachlichen Analyse’, ‘Quellenkritik’, ‘Formgeschichte’ und ‘Redaktionsgeschichte’ von mehreren Seiten beleuchtet werden. Dabei habe ich mich an mehreren Methodenbüchern orientiert, bevorzugte allerdings meistens das Buch von Georg Strecker und Udo Schnelle: „Einführung in die neutestamentliche Exegese“.
Weitere methodische Schritte wie die ‘Begriffs - und Motivgeschichte’, die ich für mich behandelt habe, die ‘Hermeneutik’ etc. habe ich aus Gründen des Umfangs der Hausarbeit ausgeschlossen.
Auch den Punkt der ‘Gleichnistheorie’ habe ich in dieser Hausarbeit nicht mehr behandeln; ich habe mich im Großen und Ganzen an den gleichnistheoretischen Ansatz von Kurt Erlemann, der sich an E.Rau und E.Arens u. a. orientiert, seiner Gleichnisauslegung und seinen Untersuchungen bezüglich des Bildes Gottes, gehalten.
Jedoch habe ich auch anderen Auslegern wie Eta Linnemann, Karlheinz Sorger, Hans Weder u.a. in bestimmten Punkten zugestimmt und bin so an gewissen Stellen von Kurt Erlemann „abgedriftet“. Der methodische Schritt der ‘Textpragmatik’ ist in den behandelten Schritten immer wieder mit eingeflossen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Textkritik
3 Textanalyse
3.1 Abgrenzung
3.2 Kontextstellung
3.3 Einheitlichkeit des Textes - Sprachliche Stimmigkeit
3.4 Grobe Gliederung von Lk 15,11 - 32:
3.5 Textaufbau
3.6 Die Figur des Vaters und das Bild Gottes in Lk 15,11 - 32:
4 Quellenkritik
5 Formgeschichte
5.1 Gleichnisse
5.2 Formgeschichtliche Ergänzungen zum äußerer Aufbau der Parabel Lk 15, 11 - 32 auch im Hinblick auf seine Stilmerkmale
5.3 `Sitz im Leben`
5.4 Soziokultureller Hintergrund der Parabel Lk 15,11 - 32 (Zeit Jesu):
6 Redaktionsgeschichte
6.1 Der Verfasser, (End-) Redaktor Lukas, sein Evangelium und Gottesbild:
6.2 Lk 15,11 - 32: Spezielle redaktionsgeschichtliche Anmerkungen der Ausleger
6.3 Abfassungszeit und Abfassungsort
6.4 Erfassung der Gesamtkomposition - Aufriss des Lk - Evangelium
7 Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit führt eine historisch-kritische Exegese des Gleichnisses vom verlorenen Sohn (Lk 15,11–32) durch, um das darin vermittelte Gottesbild zu analysieren. Dabei wird der methodische Bogen von der Textanalyse über die Formgeschichte bis zur Redaktionsgeschichte gespannt, um aufzuzeigen, wie das Lukas-Evangelium durch die Figur des Vaters eine spezifische Theologie der Barmherzigkeit und Freude über die Umkehr von Sündern konstruiert.
- Methodische Durchführung der Exegese nach neutestamentlichen Standards.
- Strukturelle Textanalyse mit Fokus auf Kohärenz und Erzählweise.
- Untersuchung der Vaterfigur als Metapher für das Gottesbild.
- Redaktionsgeschichtliche Einordnung in den lukanischen Reisebericht.
- Auseinandersetzung mit den soziokulturellen Hintergründen zur Zeit Jesu.
Auszug aus dem Buch
Die Figur des Vaters und das Bild Gottes in Lk 15,11 - 32:
Die Figur des Vaters interessiert mich besonders, da sie meiner Ansicht nach auf Gott verweist bzw. einen Handlungszug Gottes, der nur in der Gesamterzählung vollenz deutlich wird, darstellt. Zudem fällt auf, dass sich viele Ausleger mit der Person des Vaters intensiver befassen, als mit den anderen Handlungsträgern. Hans Weder äußert sich folgenderweise: „Die Zentralfigur der Erzählung ist (auch wenn er nicht durchwegs Handlungsträger ist) der Vater.“
Kurt Erlemann untersucht das Gleichnis `Vom verlorenen Sohn` sogar unter dem Gesichtspunkt `Das Bild Gottes in den synoptischen Gleichnissen`, dabei tritt die Figur des Vaters auch bei ihm in den Vordergrund.
Ein weiterer Grund das Augenmerk verstärkt auf die Person des Vaters zu richten, ist der Redaktor Lukas, der, wie in der Redaktionsgeschichte erläutert werden wird, ein bestimmtes Bild Gottes vor Augen hat, dass sich in der Vaterfigur widerspiegelt, ohne hierbei von einer Allegorie sprechen zu wollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definition der methodischen Schritte und Zielsetzung der Exegese sowie Begründung des Fokus auf das Gottesbild.
2 Textkritik: Erörterung der Aufgaben der Textkritik zur Rekonstruktion des Urtextes und Begründung der Nutzung verschiedener Bibelübersetzungen.
3 Textanalyse: Untersuchung der literarischen Struktur, der Abgrenzung sowie der narrativen Einheitlichkeit des Gleichnisses.
4 Quellenkritik: Einordnung der Perikope in den Kontext des lukanischen Sonderguts und Diskussion der synoptischen Frage.
5 Formgeschichte: Analyse des mündlichen Vorlebens der Traditionen und der Gattungsmerkmale sowie des soziokulturellen Rahmens.
6 Redaktionsgeschichte: Untersuchung der Rolle des Redaktors Lukas, seines Evangelienkonzepts und der Theologie hinter der Komposition.
7 Schluss: Kritische Reflexion des Arbeitsprozesses und der Grenzen der exegetischen Untersuchung.
Schlüsselwörter
Lk 15, verlorener Sohn, Exegese, Gottesbild, Lukas-Evangelium, Vaterfigur, Barmherzigkeit, Umkehr, Parabel, Redaktionsgeschichte, Formgeschichte, Textanalyse, neutestamentliche Exegese, Freude Gottes, Sünder.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Es handelt sich um eine historisch-kritische Exegese des Gleichnisses vom verlorenen Sohn im Lukasevangelium, mit dem primären Fokus auf der Analyse des dort dargestellten Gottesbildes.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Textanalyse, den formgeschichtlichen Gattungsmerkmalen, der redaktionsgeschichtlichen Intention des Autors Lukas sowie dem soziokulturellen Hintergrund zur Zeit Jesu.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Die Arbeit möchte aufzeigen, wie die Erzählung des Vaters in Lk 15,11–32 eine spezifische Theologie vermittelt, die Gott als barmherzigen, alle Menschen liebenden Vater zeichnet, der Freude über die Umkehr des Sünders empfindet.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Autorin wendet die klassischen Schritte der neutestamentlichen Exegese an: Textkritik, Textanalyse, Quellenkritik, Formgeschichte und Redaktionsgeschichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte textanalytische Untersuchung des Aufbaus und der Sprache, eine Gattungsbestimmung als Parabel, die Erforschung des Sitzes im Leben und eine tiefgehende Analyse der Vaterfigur im lukanischen Gesamtkontext.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Exegese, Gottesbild, Umkehr, Barmherzigkeit, Vaterfigur, Sondergut und lukanische Redaktion.
Warum wird das Gleichnis als "Parabel" und nicht als "Allegorie" klassifiziert?
Die Arbeit folgt der Argumentation, dass eine allegorische Deutung problematisch ist, da der Vater in Vers 21b explizit vom Himmel (Gott) unterschieden wird und die Erzählung primär auf die menschliche Entscheidung zur Umkehr und die väterliche Reaktion zielt.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des älteren Sohnes im Gleichnis?
Der ältere Sohn wird als Kontrastfigur begriffen, die das pharisäische Verhalten der Gesetzesstrenge repräsentiert und dem der Vater mit einem Appell zur Mitfreude entgegentritt, wobei seine endgültige Entscheidung im Text offen bleibt.
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- Daniela Hoßfeld (Autor), 2001, Exegese des Neuen Testaments. Textanalyse und Formgeschichte des Gleichnisses vom verlorenen Sohn, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306857