Kognitive Geschlechtsunterschiede und Stereotypen


Praktikumsbericht / -arbeit, 2004

17 Seiten, Note: 95%


Leseprobe

Gliederung

1. Zusammenfassung

2. Einleitung

3. Methoden
3.1 Versuchspersonen
3.2 Versuchsaufbau
3.3 Durchführung

4. Ergebnisse

5. Diskussion

6. Literatur

1. Zusammenfassung

Der folgende Bericht befasst sich mit dem Thema „Kognitive Geschlechtsunterschiede und Stereotypen“. Zunächst wird in der Einleitung näher auf Begriffserklärungen, wie zum Beispiel Stereotypen und „stereotype threat“ eingegangen und es werden spezifische Komponenten betrachtet, die für das Entstehen von Stereotypen verantwortlich sind. Anschließend erfolgt die Darstellung einer wissenschaftlichen Untersuchung im Rahmen eines Experimentellen Praktikums an der Psychologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum. Es soll herausgefunden werden, dass Vorurteile bzw. Stereotypen einen Einfluss auf geschlechtsspezifische Unterschiede in bestimmten kognitiven Funktionen ausüben.

2. Einleitung

„Dass irgendein Mensch auf Erden ohne Vorurteil sein könne, ist schon das größte Vorurteil.“ (August von Kotzebue).

Leider wird niemand jemals ohne Stereotyp und Vorurteile auskommen können. Das große Problem der modernen Gesellschaft besteht darin, dass Informationen aus zweiter Hand immer weiter zunehmen. Immer weniger Urteile beruhen auf Informationen, die wir selbst gewonnen haben. Vorurteile gibt es überall, da wir ohne sie in der Informationsflut handlungsunfähig wären. Wir müssen Entscheidungsprozesse abkürzen, indem wir uns auf ungeprüfte Informationen verlassen. Solange dies im Bereich der persönlichen Erfahrung geschieht, gibt es meist wenige Probleme. Die Informationen aus eigener Erfahrung, also erster Hand, sind in der Regel anschaulich, konkret, differenziert und begründbar, das heißt, sie können genau angeben, wie sie zu Ihrer Meinung gelangt sind und warum sie das Gegenteil für falsch halten.

Informationen aus zweiter Hand dagegen sind allgemein, häufig verschwommen, theoretisch und wenig differenziert. Die Begründungen sind meistens nur teilweise oder gar nicht bekannt. Mit ihnen gewinnt eine Form des Vorurteils die Oberhand, die als Stereotyp bezeichnet wird.

Immer dann, wenn das stereotype Etikett abgerufen wird, werden dem einzelnen Angehörigen der Gruppe die allgemeinen Eigenschaften zugeschrieben. Wenn beispielsweise ein Amerikaner die Deutschen als hart arbeitend, intelligent und fortschrittlich sieht (= das Ganze), dann bezeichnet er einen einzelnen Deutschen ebenfalls als hart arbeitend, intelligent und fortschrittlich (= der Teil). Wenn Stereotypen grobschlächtig auf ein Individuum angewandt werden, können sie extreme Verwirrung und Verlegenheit stiften, da nur wenige Individuen auf einen Stereotyp passen.

Stereotypen können Einfluss auf die Erwartungen und die Bedeutung des Ziels nehmen und sich dadurch in bestimmten Situationen (z.B. Testsituationen) negativ auf die Leistung eines Individuums auswirken. Es wurden Studien durchgeführt, in denen Männer und Frauen einen Mathematik-Test für Fortgeschrittene absolvieren mussten (nach Steele, 1997, 1998). In der ersten Bedingung waren sich die Schüler der üblichen stereotypgemäßen Erwartung bewusst, dass männliche Schüler in solchen Tests besser abschneiden. Das Resultat war wie erwartet: Männer hatten bessere Ergebnisse als Frauen. Wenn die Schüler durch entsprechende Instruktionen dachten, es gäbe keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern, trat dieser dann auch real nicht auf. Allein durch die Aktivierung des Stereotyps „Männer sind in Mathematik besser als Frauen“ kam es zu geschlechtsspezifischen Unterschieden zu Ungunsten der Frauen.

Nach Steele müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein, damit dieser „stereotype threat die Leistungen des Individuums einer negativ stereotypisierten Gruppe beeinflusst:

1. Jedes Individuum ist Mitglied einer negativ stereotypisierten Gruppe (Behinderte, Arbeitslose, Ostdeutsche, Lehrer, Beamte...). Damit der „stereotype threat“ die Leistungen beeinflusst, muss der negative Stereotyp auf die Situation passen. Wenn beispielsweise ein Mathematiktest für Fortgeschrittene mit einer negativ stereotypisierten Gruppe durchgeführt wird, dann tritt der „stereotype threat“ bei Frauen auf, aber bei Italienern, die mit dem Stereotyp „Macho“ assoziiert werden, wäre kein Einfluss auf die Leistungen in diesem Mathematiktest zu erwarten, da das Stereotyp für diese Situation irrelevant ist.
2. Eine weitere Bedingung für das Auftreten des „stereotype threat“ ist, dass der negative Stereotyp so geartet sein muss, dass es dem Individuum nicht gleichgültig ist. Wenn eine Person später Dolmetscher werden will, dann ist für ihn das Ergebnis in einem Mathematiktest nicht so wichtig wie für jemanden, der ein naturwissenschaftliches Fach studieren will. „stereotype threat“ beeinflusst die Leistungen nur, wenn für das Individuum das Ergebnis von Bedeutung ist.
3. Von Wichtigkeit ist nicht, ob das Individuum selbst von dem Stereotyp überzeugt ist, nur der Glaube, dass viele andere von dem Stereotyp überzeugt sind, reicht aus, damit es aktiviert wird.
4. Die Aktivierung eines auf sich bezogenen negativen Stereotyps, das in der Situation von Relevanz ist, beeinflusst das Ergebnis negativ. Dieser „stereotype threat“ erklärt das Auftreten von schlechten Leistungen von diesen Gruppenmitgliedern, wenn sie eine schwierige Aufgabe lösen sollen.

Der vorliegende Bericht beschäftigt sich ausführlicher mit dem Thema „Kognitive Geschlechtsunterschiede und Stereotypen“. Existieren Geschlechtsstereotypen wirklich und können diese die unterschiedlichen Ergebnisse von Männern und Frauen bei kognitiven Fragestellungen erklären? Geschlechtsstereotypen beziehen sich auf Unterschiede zwischen Männern und Frauen bzw. welche Eigenschaften typisch männlich oder weiblich sind. Stereotype Eigenschaften der Männer sind Kompetenz und Leistungsorientierung, stereotype Eigenschaften der Frauen sind Wärme und Emotionalität (Bierhoff, 2000). Bereits anhand bestimmter Verhaltensweisen kann man mit großer Wahrscheinlichkeit die Frage beantworten, ob eine Person männlich oder weiblich ist: „Haben Sie sich heute morgen geschminkt?“ „Haben Sie sich schon einmal die Haare an den Beinen rasiert?“ (aus Halpern, 2000). Teilweise sind solche sozialen Konstruktionen in unserer Gesellschaft schon so verankert, dass wir sie nicht mehr als solche wahrnehmen, sondern als angeborene Eigenschaften von Frauen oder Männern bezeichnen.

Im Laufe der Kindheit entwickelt sich das Geschlechtsverständnis, welches sich in der Übernahme des kulturspezifischen Geschlechtskonzeptes zeigt: Erwerb des kulturspezifischen Geschlechtsstereotyps (Was ist typisch männlich/weiblich?), der Geschlechtsrollenidentität (Welche Rollen herrschen in dieser Kultur vor?) und des Konzeptes der Geschlechtskonstanz (das Geschlecht ist ein unveränderliches Merkmal der Person). Diese Konzepte entwickeln sich schon ab dem 2. Lebensjahr und sind am Ende der Grundschulzeit weitgehend ausgebildet. Bierhoff (2000) spricht davon, dass die Geschlechtsrollenidentität, welche „ darin besteht, dass Verhaltensweisen, Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmale entsprechend der Stereotypisierung von Mann und Frau“ zugeschrieben werden, in zwei Stufen erfolgt: „In der ersten Stufe, die mit sechs Jahren weitgehend abgeschlossen ist, kommt es zu einer rigiden Stereotypisierung, die darin zum Ausdruck kommt, dass entsprechende Merkmale (wie mit Puppen spielen bzw. Fussball spielen) nur Mädchen bzw. Jungen zugeschrieben werden. In der zweiten Stufe entwickelt sich eine flexible Stereotypisierung, bei der die Kinder entsprechende Merkmale überwiegend, aber nicht ausschließlich entsprechend den Geschlechtsstereotypen zuordnen. Diese Phase ist mit etwa zehn Jahren abgeschlossen.“ (Bierhoff, 2000, 288) Geschlechtsbezogene Einstellungen sowie geschlechtstypisches Verhalten entwickeln sich relativ unabhängig vom Geschlechtsverständnis.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Kognitive Geschlechtsunterschiede und Stereotypen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Fakultät für Psychologie)
Note
95%
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V30694
ISBN (eBook)
9783638318976
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kognitive, Geschlechtsunterschiede, Stereotypen
Arbeit zitieren
Katrin Gabler (Autor), 2004, Kognitive Geschlechtsunterschiede und Stereotypen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30694

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