Die folgende Ausarbeitung beschäftigt sich mit der „Neueren Ballade infolge älterer Sage“ von Günter Kunert. Sie entstand während eines Harz-Aufenthaltes dea Autors 1967. Wie viele andere Stücke dieses Autors, hat auch diese Ballade einen politischen Hintergrund. Die Affinität Kunerts zu solchen Themen, liegt wohl zum Teil darin begründet, dass der 1929 als Sohn einer Jüdin in Berlin geborene Schriftsteller in seiner Jugend sehr durch die Verfolgung und Diskriminierung der NSDAP geprägt wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lebte und arbeitete Kunert in der ehemaligen DDR, bis er 1979 aufgrund von Diskrepanzen mit dem sozialistischen System gemeinsam mit seiner Frau nach West- Deutschland auswanderte.
Inhaltsverzeichnis
Günter Kunert: Neuere Ballade infolge älterer Sage
1. Einleitung
2. Die Barbarossa- Sage
3. Analyse der äußeren Form
4. Inhaltliche Interpretation
4.1 Die „konventionelle“ Strophe
4.2 Die „unkonventionelle“ Strophe
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die „Neuere Ballade infolge älterer Sage“ von Günter Kunert durch eine detaillierte formale Analyse und eine inhaltliche Interpretation zu erschließen, um das kritische Verhältnis des Autors zur deutschen Geschichte und zum tradierten Barbarossa-Mythos aufzuzeigen.
- Historischer Hintergrund und Entstehung der Ballade
- Erläuterung der Barbarossa-Sage als mythologische Grundlage
- Formale Analyse der kontrastierenden Strophentypen
- Untersuchung der politischen Symbolik und Gesellschaftskritik
- Die Forderung nach Eigenverantwortlichkeit statt blindem Gehorsam
Auszug aus dem Buch
Die „konventionelle“ Strophe
Die erste, dritte, fünfte, siebte und neunte Strophe sind also in einer bewusst strengen, ordentlichen und kontinuierlichen Form verfasst. Dies scheint umso logischer, als sich diese ausschließlich mit der Barbarossa-Sage beschäftigt, und so nicht nur in der äußeren Form, sondern auch inhaltlich bei einem Thema bleibt. Zunächst scheint es, als verändere sich die Strophe inhaltlich nicht:
Tief im Schoße des Kyffhäuser,/ bei der Ampel hellem Schein,/ sitzt der Kaiser Barbarossa/ an dem Tisch, der ganz aus Stein.
Diese Strophe gibt lediglich die überlieferte Sage wieder, ohne sie zu bewerten. Die darauf folgende Strophe scheint kaum verändert, kündigt aber bereits eine Tendenz an:
Tief im Schoße des Kyffhäuser,/ bei der Ampel fahlem Schein,/ reglos Kaiser Barbarossa:/ mürbes lauerndes Gebein.
Das Licht, welches in der ersten Strophe noch „hell“ geschienen hat, ist hier nur noch „fahl“. Ein erlöschendes Licht, birgt immer die Vorstellung von Tod oder Sterben. Auch der Kaiser, der zuvor noch aufrecht an einem Tisch saß, wird jetzt als „regloses, mürbes, lauerndes Gebein“ dargestellt. Durch die Adjektive „reglos“ und „mürb“ wird der Figur des Barbarossa ein Stück Kraft und Lebendigkeit genommen. Zusätzlich erscheint sie aber als gefährlich, oder bedrohlich, da sie als „lauernd“ bezeichnet wird.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung des Werkes und des Autors vor dem Hintergrund seiner persönlichen Biografie und der politischen Prägung durch die deutsche Geschichte.
Die Barbarossa- Sage: Darlegung des mythologischen Ursprungs und der Entwicklung der Barbarossa-Sage als Hoffnungsträger auf deutsche Größe.
Analyse der äußeren Form: Untersuchung der zwei kontrastierenden Strophentypen, die durch formale Strenge einerseits und inhaltliche Freiheit andererseits charakterisiert sind.
Inhaltliche Interpretation: Eingehende Analyse der wechselseitigen Beziehung zwischen den konventionellen, die Sage wiedergebenden Strophen und den unkonventionellen, reflektierenden Strophen.
Fazit: Abschließende Würdigung der Ballade als politisch-kritisches Werk, das den blinden Patriotismus zugunsten von Selbstbestimmung hinterfragt.
Schlüsselwörter
Günter Kunert, Neuere Ballade infolge älterer Sage, Barbarossa-Sage, Deutsche Geschichte, Patriotismus, Kyffhäuser, Textinterpretation, Lyrik, Politisches Gedicht, Gesellschaftskritik, Mythenkritik, Zweiteilung Deutschlands, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Günter Kunerts Gedicht „Neuere Ballade infolge älterer Sage“ im Hinblick auf dessen literarische Form und seinen kritischen Bezug zur deutschen Geschichte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Dekonstruktion des Barbarossa-Mythos, die Auseinandersetzung mit historischem Patriotismus und die Kritik an einer unreflektierten Unterordnung unter staatliche Ideologien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kunert durch den Einsatz spezifischer Strophenformen die Diskrepanz zwischen alten Mythen und der politischen Realität (insbesondere der deutschen Teilung) hervorhebt.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit nutzt eine philologische Textanalyse, die sowohl die formale Struktur (Versmaß, Reim, Strophenbau) als auch die inhaltlich-semantische Ebene des Textes untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung der Barbarossa-Sage, eine formalästhetische Analyse des Gedichtes sowie eine detaillierte Interpretation der "konventionellen" und "unkonventionellen" Strophen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Barbarossa-Mythos, patriotischer Selbstbetrug, politische Ballade, Lyrikanalyse und Eigenverantwortung.
Wie wird das Bild des Kaisers Barbarossa durch Kunert verändert?
Kunert wandelt das Bild des schlafenden, rettenden Kaisers in ein Bild von Tod und Verwesung ("mürbes Gebein", "Schimmelpilz"), um die Vergeblichkeit des Hoffens auf eine externe Erlösung durch Mythen zu verdeutlichen.
Welche Bedeutung hat das Motiv der "Ampel" im Gedicht?
Die Ampel fungiert als Symbol für das schwindende Lebenslicht des Mythos; während sie anfangs noch "hell" leuchtet, ist sie im weiteren Verlauf "fahl" oder ganz erloschen, was den Zerfall der Sage markiert.
- Arbeit zitieren
- Sonja Kolb (Autor:in), 2003, Interpretation G. Kunerts "Neuere Ballade infolge älterer Sage", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30706