Forschungs- und Entwicklungskosten spielen im Wirtschaftsleben eine immer wichtigere Rolle. Diesem Aspekt wurde auch in der Reform der Rechnungslegung nach HGB durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) Rechnung getragen. In der Arbeit sollen die Besonderheiten der F+E-Aufwendungen und die Behandlung in den drei genannten Bereichen dargestellt werden. Diese Regelungen werden kritisch bewertet. Dazu werden die Zielsetzungen der nationalen und internationalen handelsrechtlichen Regelungen sowie die steuerlichen Vorschriften skizziert und die jeweilige Behandlung der F+E-Aufwendungen beurteilt. Ein Beispiel rundet das Thema ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Geschichtliche Entwicklung und internationale Einflüsse der Jahresabschlusserstellung
2. Grundlegende handels- und steuerrechtliche Vorschriften und ihre Zielsetzungen
2.1 Internationale Vorschriften gemäß IFRS
2.2 Nationale Vorschriften gemäß HGB
2.3 Steuerrechtliche Betrachtungsweise
3. Unterschiede von Forschungs- und Entwicklungskosten nach HGB und IFRS
3.1 Definitionen nach HGB und IFRS
3.2 Schlussfolgerungen aus den Definitionen
4. Handels- und steuerrechtliche Behandlung von Forschungs- und Entwicklungskosten
4.1 Das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz
4.2 Behandlung von Forschungs- und Entwicklungskosten nach IFRS
4.3 Behandlung von Forschungs- und Entwicklungskosten nach HGB
4.4 Behandlung von Forschungs- und Entwicklungskosten in der Steuerbilanz
4.5 Beispiel
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Bilanzierungsvorschriften für Forschungs- und Entwicklungskosten nach handelsrechtlichen (HGB, IFRS) und steuerrechtlichen (EStG) Standards. Ziel ist es, die Auswirkungen der Bilanzierungspraxis auf die Darstellung der Vermögens- und Ertragslage sowie die resultierenden bilanzpolitischen Gestaltungsspielräume für Unternehmen aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung der Jahresabschlusserstellung
- Vergleich der Definitionen von Forschungs- und Entwicklungsphasen
- Analyse der Auswirkungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG)
- Gegenüberstellung von Aktivierungsgeboten und -verboten in HGB, IFRS und EStG
- Beispielhafte Illustration der Bilanzunterschiede zwischen HGB und IFRS
Auszug aus dem Buch
4.2 Behandlung von Forschungs- und Entwicklungskosten nach IFRS
Die bilanzielle Behandlung immaterieller Vermögenswerte ist durch IAS 38 geregelt. Es werden drei Möglichkeiten unterschieden wann immaterielle Vermögenswerte entstehen und wie sie anzusetzen sind. Handelt es sich um immaterielle Vermögensgegenstände, die selbst erstellt, entgeltlich erworben, oder im Rahmen eines Unternehmenszusammenschlusses erstanden worden sind? Das Hauptaugenmerk soll im Folgenden auf selbst geschaffene Vermögensgegenstände und deren Behandlung von Forschungs- und Entwicklungskosten gerichtet werden.
Für Forschungsausgaben besteht, wie bereits beschrieben, ein Aktivierungsverbot. Sie werden nach HGB als Aufwand in der Periode verrechnet, in der sie entstanden sind. Dies folgt aus der Überlegung, dass nicht nachweisbar ist, ob zukünftig ein wirtschaftlicher Nutzen aus ihnen entsteht. Entwicklungskosten hingegen entstehen in Projekten, die den Forschungsprojekten nachgelagert sind. Die Projekte sind weiter fortgeschritten und somit marktnäher (IAS 38.58). In manchen Fällen kann somit ein zukünftiger Nutzen bestimmt werden. Entwicklungskosten sind insofern als immaterieller Vermögenswert zu verbuchen, der zwingend in der Bilanz anzusetzen und abzuschreiben ist (Aktivierungspflicht). Allerdings muss das Unternehmen gemäß IAS 38.57 folgende Kriterien erfüllen:
technische Realisierbarkeit der Fertigstellung,
Absicht zur Fertigstellung und zum Verkauf bzw. zur Nutzung,
Fähigkeit, den immateriellen Vermögenswert zu nutzen oder zu verkaufen,
Existenz eines Marktes oder eines internen Nutzens,
Verfügbarkeit technischer und finanzieller Ressourcen für den Abschluss der Entwicklung,
Fähigkeit zur verlässlichen Bewertung der der Entwicklung zurechenbaren Ausgaben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Geschichtliche Entwicklung und internationale Einflüsse der Jahresabschlusserstellung: Überblick über die historische Entwicklung der Buchführung und Rechnungslegung in Deutschland sowie die wachsende Bedeutung des intellektuellen Kapitals.
2. Grundlegende handels- und steuerrechtliche Vorschriften und ihre Zielsetzungen: Darstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen durch IFRS, HGB und steuerliche Vorgaben sowie der zugrundeliegenden Prinzipien der Rechnungslegung.
3. Unterschiede von Forschungs- und Entwicklungskosten nach HGB und IFRS: Erläuterung der differenzierten Definitionen von Forschungs- und Entwicklungsphasen und deren Konsequenzen für die Bilanzierung.
4. Handels- und steuerrechtliche Behandlung von Forschungs- und Entwicklungskosten: Detaillierte Analyse der Aktivierungsregeln unter dem BilMoG, nach IFRS sowie in der Steuerbilanz, ergänzt durch ein konkretes Rechenbeispiel.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Auswirkungen der Aktivierung von Entwicklungskosten auf die Unternehmensdarstellung und die resultierenden bilanzpolitischen Gestaltungsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Bilanzierung, Forschungs- und Entwicklungskosten, HGB, IFRS, EStG, Aktivierung, Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz, immaterielle Vermögenswerte, Bilanzpolitik, Jahresabschluss, Forschung, Entwicklung, Ansatzwahlrecht, Aufwand, Bilanzanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Forschungs- und Entwicklungskosten nach verschiedenen Rechnungslegungsvorschriften in der Bilanz erfasst werden müssen oder dürfen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Unterschiede zwischen HGB, IFRS und dem Steuerrecht sowie die Auswirkungen dieser Unterschiede auf die Bilanzgestaltung von Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die bilanzpolitischen Spielräume aufzuzeigen, die durch die unterschiedlichen Regelungen zur Aktivierung von Entwicklungskosten entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine rechts- und standardorientierte Analyse der maßgeblichen Gesetze (HGB, EStG) sowie der internationalen Rechnungslegungsstandards (IAS/IFRS) unter Einbeziehung relevanter Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Forschungs- und Entwicklungskosten, den spezifischen Aktivierungsanforderungen unter IFRS und HGB nach dem BilMoG sowie deren steuerlicher Behandlung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Aktivierungswahlrecht, immaterielle Vermögensgegenstände, BilMoG, IFRS, HGB sowie bilanzpolitische Spielräume.
Was besagt das Maßgeblichkeitsprinzip?
Das Maßgeblichkeitsprinzip besagt, dass die handelsrechtliche Buchführung auch für die Steuerbilanz maßgebend ist, sofern keine speziellen steuerlichen Abweichungen (Spezialgesetze) vorliegen.
Warum gibt es Unterschiede zwischen HGB und IFRS bei der Aktivierung?
Während das HGB nach dem BilMoG ein Aktivierungswahlrecht bietet, stellen die IFRS strengere Kriterien auf, die bei Erfüllung zu einer Aktivierungspflicht für Entwicklungskosten führen.
Welchen Einfluss hat das BilMoG auf die Bilanzierung?
Das BilMoG hat die deutschen Rechnungslegungsnormen modernisiert und durch die Einführung eines Aktivierungswahlrechts für selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände stärker an internationale Standards angeglichen.
Was ist das Ergebnis des Vergleichs im Beispiel?
Das Beispiel zeigt, dass die Ausübung von Aktivierungswahlrechten zu erheblichen Unterschieden in der Bilanzsumme und im Gewinnausweis führen kann, was die Attraktivität der Finanzlage beeinflusst.
- Citar trabajo
- Betriebswirt (b.a.) Adrian Talhof (Autor), 2015, Die Behandlung von Forschungs- und Entwicklungskosten bei der handelsrechtlichen (HGB, IFRS) und steuerlichen (EStG) Bilanzierung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307290