Internationale Untersuchungen haben ergeben, dass Gewalt und Terrorismus
zwangsläufig einen Einbruch des Tourismus mit sich bringen. Während der Tourist
die Wahl hat, Reisen in Krisengebiete zu vermeiden, sind die Folgen für die
betroffenen Destinationen oft katastrophal und können sich je nach Ausmaß und
Schwere der Anschläge über Wochen, Monate oder Jahre hinziehen. Auch im Fall
Nordirlands kam es mit dem Ausbruch der Gewalttätigkeiten im Jahre 1969 zu einem
enormen Einbruch des Tourismus. In den darauf folgenden fünfundzwanzig Jahren
kam die nordirische Fremdenverkehrsbranche fast völlig zum Stillstand und man
verlor zunehmend den Anschluss an den internationalen Standard. Der britische
Schriftsteller und Reisejournalist für die Sunday Mail, Frank Barrett, umschrieb die
Begegnung mit Vertretern des Northern Ireland Tourist Board (NITB)2 in den
neunziger Jahren - vor dem Karfreitagsabkommen - folgendermaßen: „Some of the
most awkward moments in my 20-year career as a travel writer have been when I’ve
bumped into representatives of NITB at travel shows. It was like talking to an aged
and confused aunt who thinks her favourite dog is still alive, and you play along with
the delusion. Northern Ireland pretended it had a holiday destination to sell and for
courtesy’s sake travel journalists would go along with it all.”3
Erst der erfolgreiche Friedensprozess und der Waffenstillstand der IRA im Jahre
1994 brachten der nordirischen Tourismusindustrie wieder einen deutlichen
Aufschwung. Doch noch immer erreicht die Fremdenverkehrsbranche Nordirlands
nicht die erwünschten Besucherzahlen, zu denen sie fähig wäre - das
wahrscheinliche Potential lässt sich annähernd durch den Vergleich mit ähnlichen
Destinationen abschätzen – und die zusätzlich zu einer Stabilisierung wirtschaftlicher
und politischer Bedingungen beitragen könnte. Aber kann man sich in einem Land, das man lediglich mit Steine werfenden Kindern,
Terroristen und bis zu den Zähnen bewaffneten Militärs assoziiert, einen Tourismus
überhaupt vorstellen? Bilder dieser Art wurden jahrzehnte lang durch die weltweiten
Medien verbreitet und erzeugten Angst und Unsicherheit bei potentiellen Besuchern.
going on." [...]
2 Vgl. Kapitel “Die touristischen Organisationen in Nordirland”.
3 Lennon, Ron; „The challenge of Northern Ireland Tourism“, Cornell Hotel and Restaurant Administration
Quarterly; 1995; http://www.sciencedirect.com.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Destination Nordirland
2.1. Allgemeine Fakten und Zahlen
2.1.1. Land und Leute
2.1.2. Landesnatur
2.1.3. Politik und Religion
2.1.4. Wirtschaft
2.2. Geschichte
2.2.1. Die Geschichte Irlands von den Anfängen bis zur Teilung 1921
2.2.2. Die Geschichte Nordirlands seit 1921
3. Der Terrorismus
3.1. Der Terrorismus – Allgemein
3.1.1. Historische und theoretische Grundlagen
3.1.2. Die Organisationsweise und Psychologie des Terrorismus
3.1.3. Der Terrorismus und die Medien
3.1.3.1. Allgemeiner Zusammenhang zwischen Terrorismus und Medien
3.1.3.2. Die Medien in Nordirland
3.1.4. Die Zukunft des Terrorismus
3.2. Der Terrorismus in Nordirland
3.2.1. Politische und historische Hintergründe
3.2.1.1. Die Troubles
3.2.1.2. Der Friedensprozess
3.2.2. Organisation, Aufbau und Wirkungsweise der beteiligten Kriegsparteien
3.2.2.1. Die Republikanischen Parteien und Paramilitärs
3.2.2.1.1. Die IRA
3.2.2.1.2. Sinn Féin
3.2.2.1.3. Republikanische Splittergruppen
3.2.2.2. Unionistische Verbände, Parteien und Paramilitärs
3.2.2.2.1. Loyalistische Paramilitärs
3.2.2.2.2. Unionistische/ Loyalistische Parteien
3.2.2.2.3. Oranier-Orden (Orange Order)
3.2.2.3. Die Sicherheitskräfte in Nordirland
3.2.2.3.1. Die Armee
3.2.2.3.2. Die Polizei
4. Der Tourismus in Nordirland
4.1. Theoretische Grundlagen
4.2. Der Tourismus in Nordirland
4.2.1. Facts and Figures - Fakten und Zahlen
4.2.2. Allgemeine Gegebenheiten und touristische Besonderheiten
4.2.2.1. Touristische Infrastruktur - Transport und Verkehr
4.2.2.2. Touristische Infrastruktur – Beherbergung
4.2.2.3. Touristische Infrastruktur – Gastronomie
4.2.2.4. Freizeitgestaltung – Sport
4.2.2.5. Freizeitgestaltung – Kultur
4.2.2.6. Gastfreundschaft
4.2.2.7. Ahnenforschung
4.2.3. Touristische Sehenswürdigkeiten und Anziehungspunkte
4.2.3.1. Belfast
4.2.3.2. County Antrim
4.2.3.3. County Armagh
4.2.3.4. County Down
4.2.3.5. County Fermanagh
4.2.3.6. County Derry
4.2.3.7. County Tyrone
4.2.4. Aufbau und Arbeitsweise touristischer Institutionen
4.2.4.1. Überregionale Institutionen
4.2.4.1.1. Tourism Ireland Ltd.
4.2.4.1.2. Northern Ireland Tourist Board (NITB)
4.2.4.1.3. Invest Northern Ireland/ Invest NI
4.2.4.1.4. Tourism Review Group
4.2.4.2. Regionale Tourismusorganisationen
4.2.4.2.1. Fermanagh Lakeland Tourism (FLT)
4.2.4.2.2. Derry Visitor & Convention Bureau
4.2.4.2.3. Kingdoms of Down (KOD)
4.2.4.2.4. Causeway Coast and Glens (CCAG)
4.2.4.2.5. Belfast Visitor & Convention Bureau (BVCB)
4.2.4.3. Internationale Partnerorganisationen: VisitBritain
4.3. Die Entwicklung des Tourismus in Nordirland
4.3.1. Die Anfänge des nordirischen Tourismus bis 1968
4.3.2. Der Tourismus in Nordirland von 1969 bis 1979
4.3.3. Der Tourismus in Nordirland von 1980 bis 1989
4.3.4. Der Tourismus in Nordirland von 1989 bis 1993
4.3.5. Der Tourismus in Nordirland von 1994 bis 1997
4.3.6. Der Tourismus in Nordirland von 1998 bis 1999
4.3.7. Der Tourismus in Nordirland ab dem Jahr 2000
5. Fazit: Auswirkungen des Terrorismus auf den Tourismus
5.1. Grundlegende Überlegungen
5.1.1. Definitionen, Strukturierungen und Klassifizierungen
5.1.2. Auswirkungen terroristischer Anschläge auf den Tourismus
5.1.3. Krisenmanagement
5.2. Zusammenhang Terrorismus – Tourismus: Nordirland
6. Perspektiven und Zukunftsaussichten für Nordirland
6.1. Politik und Wirtschaft
6.2. Tourismus
6.2.1. Produktpolitik und Marketing
6.2.1.1. Neue Märkte, Produkte und Zielgruppen
6.2.1.2. Vorhandene Märkte, Produkte und Zielgruppen
6.2.1.3. Imagewechsel
6.2.1.4. Anpassung an Trends
6.2.1.5. Gemeinsames Marketing
6.2.2. Personalpolitik
6.2.3. Tourismuspolitik
6.2.4. Einfluss eines wachsenden Tourismus auf die politische Stabilität
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht analytisch, wie terroristische Auseinandersetzungen den Tourismus in einer betroffenen Region beeinflussen, und wendet diese Erkenntnisse beispielhaft auf die touristische Entwicklung in Nordirland während und nach dem Nordirlandkonflikt an.
- Historische und theoretische Grundlagen von Terrorismus und seine Medialisierung
- Analyse des Nordirlandkonflikts und der involvierten Konfliktparteien
- Evaluierung der touristischen Entwicklung in Nordirland über verschiedene Zeitphasen
- Einfluss von Sicherheitslage und politischer Stabilität auf das touristische Potential
- Strategische Implikationen für Marketing und Krisenmanagement in konfliktbelasteten Destinationen
Auszug aus dem Buch
3.1.3. Der Terrorismus und die Medien
Ungeachtet der Vielfalt terroristischer Bestrebungen erweist sich die Erregung von Aufmerksamkeit für alle Terroraktivitäten als notwendig, um eine bestimmte, der Tat zugrundliegende Botschaft auch über ihre „Kriegsschauplätze“ hinaus zu vermitteln. Generell verfolgt der Terrorismus im Hinblick auf die öffentliche Wirkung zwei Hauptziele: einerseits geht es den Terroristen darum, möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen, zum anderen verfolgen sie den didaktischen Zweck, zu informieren, zu bilden und schließlich die Massen für die Ziele ihrer Revolution zusammenzuführen. Repräsentativen Untersuchungen in den USA zufolge liegt jedoch die Chance der Terroristen, durch gewalttätige Anschläge und die anschließende Berichterstattung zu überzeugen „effektiv bei null“. Trotz fehlender Sympathie üben terroristische Vorfälle aufgrund des offensichtlichen Nachrichten- und Unterhaltungswertes immer noch eine enorme Faszination auf die Medienkonsumenten aus. Im Gegensatz zur ursprünglichen Intention, Berichterstattungen nach Terroranschlägen im Sinne einer „Risiko-Kommunikation“ zu gestalten und das Publikum in die Lage zu versetzen, kompetent und verantwortungsbewusst Entscheidungen über mögliche Risiken zu treffen, stehen im heutigen Kommunikations- und Globalisierungszeitalter der Kampf um Quotenanteile und die Konsumentenbindung für den jeweiligen Anbieter im Vordergrund.
Bereits bei den ersten terroristischen Aktivitäten der Zeloten und Assassinen kann nachgewiesen werden, dass ein Publikum angesprochen wurde, das weit über die unmittelbaren Opfer ihrer Angriffe hinausreichte. Dennoch war es erst der Einfluss zweier essentieller Entwicklungen in der Medienlandschaft, der die Möglichkeiten schuf, die der moderne Terrorismus erfolgreich ausnutzen konnte: Mit der Erfindung der ersten dampfbetriebenen Druckpresse im Jahre 1830 begann die moderne Ära der Massenkommunikation, in der Informationen zunehmend schneller, aktueller und billiger und einer immer breiteren Masse an Menschen zugänglich wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den negativen Einfluss von Gewalt und Terrorismus auf den Tourismus und führt in das Fallbeispiel Nordirland ein.
2. Die Destination Nordirland: Dieses Kapitel vermittelt grundlegende Fakten über Geografie, Wirtschaft und Politik sowie die historische Entwicklung Nordirlands.
3. Der Terrorismus: Der Hauptteil analysiert theoretisch das Phänomen Terrorismus, dessen mediale Verwertung und beleuchtet detailliert die Konfliktparteien in Nordirland.
4. Der Tourismus in Nordirland: Hier wird die Tourismusbranche Nordirlands theoretisch eingeordnet und die historische Entwicklung der Besucherzahlen im Kontext des Konflikts detailliert analysiert.
5. Fazit: Auswirkungen des Terrorismus auf den Tourismus: Das Fazit synthetisiert die theoretischen Erkenntnisse mit dem Fallbeispiel und leitet Kriterien für Krisenmanagement und Sicherheitsverantwortung ab.
6. Perspektiven und Zukunftsaussichten für Nordirland: Dieser Abschnitt erarbeitet zukünftige Strategien zur Tourismusförderung unter Berücksichtigung von politischen und ökonomischen Faktoren.
Schlüsselwörter
Nordirland, Terrorismus, Tourismus, Friedensprozess, Nordirlandkonflikt, Krisenmanagement, Destinationsmarketing, IRA, politische Stabilität, Mediendarstellung, Sicherheitsinfrastruktur, touristische Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der analytischen Betrachtung des Einflusses, den terroristische Auseinandersetzungen auf den Tourismus ausüben, unter Verwendung Nordirlands als zentralem Fallbeispiel.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie des Terrorismus, dem Nordirlandkonflikt, der Analyse der touristischen Entwicklung Nordirlands sowie der strategischen Tourismusplanung in Krisenzeiten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen terroristischer Gewalt und touristischer Nachfrage zu verstehen und Strategien aufzuzeigen, wie Nordirland als Tourismusdestination trotz seiner komplexen Geschichte nachhaltig stabilisiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, die Auswertung von Statistiken zu Gewaltopfern und Besucherzahlen sowie die Untersuchung tourismusspezifischer Entwicklungen und Institutionen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Terrorismus allgemein, die Akteure des Nordirlandkonflikts, die Entwicklung des Tourismus in Nordirland über mehrere Jahrzehnte sowie Konzepte für Tourismusmarketing und Krisenmanagement.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Nordirland, Terrorismus, Tourismus, Friedensprozess, Krisenmanagement, Destinationsmarketing und politische Stabilität.
Wie beeinflusste der Friedensprozess den nordirischen Tourismus konkret?
Der Friedensprozess ab 1994 führte zu einem deutlichen Imagewandel Nordirlands, was in den Folgejahren zu massiven Investitionen und einem spürbaren Anstieg der Besucherzahlen führte, auch wenn der Prozess durch Rückschläge immer wieder auf die Probe gestellt wurde.
Welche Rolle spielen die Medien bei der touristischen Wahrnehmung Nordirlands?
Die Medien fungieren laut der Arbeit als "Sauerstoff" für Terroristen, da sie durch sensationslüsterne Berichterstattung über den Konflikt ein negatives Bild der Region prägten und dadurch die touristische Nachfrage massiv und teilweise irrational beeinflussten.
- Quote paper
- Katharina Paschkowski (Author), 2004, Analytische Betrachtung des Einflusses terroristischer Auseinandersetzungen auf den Tourismus anhand der touristischen Entwicklung der Destination Nordirland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30735