Beurteilung von Schülerleistungen im Spannungsverhältnis der Bezugsnormorientierung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

24 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhalt

1. Was und auf welchen Ebenen müssen PoWi-Lehrer entscheiden wenn sie Unterrichten?

2. Worin unterscheidet sich wissenschaftliche Unterrichtsforschung von naiver Beobachtung von Unterricht? Erläutern sie den Unterschied zwischen quantitativer und Qualitativer Forschung in der Unterrichtsforschung

3. Hausarbeit: „Beurteilung von Schülerleistungen im Spannungsverhältnis der Bezugsnormorientierung (Individual-, Sozial- und Kriterialnorm)“
3.1 Problematik von Leistungsbewertung und Leistungsbeurteilung
3.2. Leistung
3.2.1 Pädagogisches Leistungsverständnis und Schülerleistungen
3.2.2 Bezugsnormorientierung Individual-, Sozial- und Kriterialnorm
3.3 Notengebung
3.3.1 Ziffernnoten
3.3.2 Verbalbeurteilung
3.4 Fazit

4. Quellen

1. Was und auf welchen Ebenen müssen PoWi-Lehrer entscheiden wenn sie Unterrichten?

„Wer viel Abtworten hat, muss noch mehr Fragen haben. Der Weise bleibt ein Kind sein Leben lang, und die Antworten allein machen Boden und Atem dürr.“ (Elias Canetti) [1]

Lehrende für das Fach Politik und Wirtschaft müssen auf vielen Ebenen Entscheiden welche Thematiken sie für ihren Unterricht nutzen. Die Lehrkraft muss in erster Linie sich mit dem Inhalt des Lernstoffes auseinandersetzen. Der Inhalt muss speziell für die Lernenden zugeschnitten sein. Das Lernangebot muss zum Beispiel abgestimmt auf das Vorwissen der Schüler sein, denn neues wissen bringt nichts, wenn man es nicht einordnen kann, beziehungsweise es nicht verstehen kann, da einem die Grundbegriffe, beziehungsweise das Basiswissen hierfür fehlt. Ebenso muss die Lehrkraft auch entscheiden, welche Art Lerngruppe sie Unterrichtet. Die Lerngruppe könnten zum Beispiel Berufsschüler oder auch Gymnasiasten sein. Jeder von ihnen hat einen anderen Zugang und ein anderes Vorwissen. Auch Unterscheiden sich hier die Anforderungen an die Thematik. Eine Berufsschulklasse wird eher tiefer in eine andere Materie wie Sozialversicherungen und Verträge vordringen als eine gymnasiale Lerngruppe. Somit muss die Lehrkraft hier schon eine Entscheidung über die Tiefe des auszuwählenden Stoffes treffen. Anschließend muss sie sich mit den Gegebenheiten des Raumes, Ort, Zeit und der Methode kümmern. Dies sind alles wichtige Faktoren damit es zu einem guten Lernerfolg bei den Lernenden kommt. Denn jeder Klassenraum ist anders, mal ist ein Beamer vorhanden, mal ein Whiteboard, mal gar nichts davon. Somit muss dies in die Entscheidung mit einfließen, da es den Zugang und die Methode betrifft. Auch ist hier interessant zu beachten, dass Schüler in der siebten und achten Stunde nicht mehr so Aufmerksam wie in der dritten und vierten Stunde sind. Nach diesen Vorüberlegungen ist nun die Auswahl der Methode an der Reihe. Man kann sich nun Gedanken machen, welche Methode man für das gewählte Thema nutzen möchte und wie die Schüler den Zugang finden sollen.[2] Dies kann passieren in dem die Lehrkraft zu einem Brainstorming auffordert und so das Vorwissen der Schüler abfragt und dann direkt die Schüler an dem Punkt ‘‘abholt“ an dem sie stehen oder durch eine andere geeignete Methode. Hierfür gibt es in verschiedenen Fachbüchern zahlreiche Beispiele.

Auch muss die Lehrkraft ihr Auftreten und ihre Wortwahl für den Unterricht und den Handlungen gegenüber den Lernenden die richtige Wahl treffen. Hierbei muss auf die Lerngruppe geachtet werden, wie sich diese zusammensetzt. Haben viele Schüler einen Migrationshintergrund oder nur wenige. Dies ist bei der Planung zu beachten, denn sonst kommt es eventuell zu Komplikationen im Unterricht. Auch ist hierbei zu beachten das es durch Schüler mit Migrationshintergrund zu einem gewissen Spannungsverhältnis, beziehungsweise Konflikt kommen könnte bei Themen die ihre ursprüngliche Heimat betreffen, wie zum Beispiel eine Diskussion über den Beitritt der Türkei zur Europäischen Union oder die Asylpolitik der Bunderepublik und vieles mehr.[3]

„„Führen oder Wachsenlassen“ – um diese beiden je nach Sichtweise: Pole oder Gegensätze dreht sich die Debatte um die Aufgaben von Lehrenden im Verhältnis zu den Lernenden nicht erst seit heute “.[4]

Auch die Wahl der Methode, es Zugangs ist eine sehr wichtige Ebene der Entscheidung. Hier muss die Lehrkraft entscheiden, welchen Zugang sie zu dem Thema mit den Schülern wählt. Führen oder wachsen lassen wie im oben im Zitat genannt gilt aus heutiger Sicht überholt. Niemand kann Wissen einfach wachsen lassen, oder sich durch führen oder zeigen lassen neues Wissen erwerben. Somit muss der Lehrer eher eine Art Wegbegleiter sein, der den Schülerinnen und Schülern bei Problemen hilft, eine Art Reiseleiter sozusagen. Dieser Reiseleiter steht für die Schüler immer als Ansprechpartner zu Verfügung und hilft ihnen bei Probleme auf dies sie im Lernprozess stoßen könnten. Er muss ihnen Gelegenheit geben das neue Wissen zu Erproben und anzuwenden. Dies kann je nach Thema zum Beispiel eine Diskussion sein oder auch eine Podiumsdiskussion in welcher die Meinungen vertreten werden können und das neu gelernte angewendet werden kann. Ebenso wäre auch die Analyse einer neue politischen Situation denkbar die von den Schülerinnen und Schülern bewertet werden soll. In all diesen Fällen ist der Lehrer so etwas wie ein Lernbegleiter. Er weist den richtigen Weg, gibt Rat wenn es zu Problemen kommt und beantwortet eventuelle offene Fragen.[5] Auch bringt er die nötige Struktur in den Unterrichtsablauf und beugt so das Chaos vor.

nahe, dass der Kompetenzerwerb das Sammeln von Erfahrungen in den entsprechenden Situationen bzw. mit den entsprechenden Aufgaben voraussetzt (…)“[6]

Auch muss sich die Lehrkraft darum bemühen, ihren Unterricht mit entsprechenden Aufgaben für die Lernenden zu gestalten, denn sonst wird der Unterricht für die Schüler schnell eintönig und sie verlieren das Interesse am Unterrichtsgeschehen. Somit muss die Lehrkraft hier einen Mittelweg finden, damit schneller Schüler nicht gelangweilt sind und langsamer Schüler genügend Zeit haben sich den Stoff anzueignen .Auch muss die Lehrkraft sich in diesem Zusammenhang überlegen welche Kompetenz die Schülerinnen und Schüler in dieser Unterrichtseinheit erwerben sollen, den ein reines Faktenwissen bringt niemanden weiter der es nicht auch anwenden kann auf eine neue Situation. Der Faktor das die Schülerleistungen auseinander driften in beide Richtungen tritt vor allem auf wenn die Lehrkraft sehr große Schülergruppen im Unterricht betreuen muss. Das Problem beschränkt sich dann auch nicht nur auf schnell und langsam lernenden Schüler sondern auch auf die Gruppe an sich. Wie oben bereits erwähnt können sich durch verschieden Ethnien und Familiäre Wurzel die nicht in Deutschland liegen zu einem Spannungskonflikt innerhalb der Gruppe kommen. Somit muss die Lehrkraft dies bei ihrer Unterrichtsplanung eine Entscheidung treffen wie sie diese Konflikte lösen wird.

„Der erfolgreiche Umgang mit den dauerhaft bestehenden Konflikten kann nach Reinhardt (1995) nicht ihre Bereinigung, sondern nur ihr fall- und situationsspezifisches Balancieren darstellen, wozu reflexive Kompetenz benötigt werde.“[7]

Auch muss die Lehrkraft ihrer Aufgabe gerecht werden die Schüler und Schülerinnen zu mündigen Bürgern der Gesellschaft zu erziehen und somit müssen die Lehrerinnen und Lehrer im Unterricht auch eine Selektionsfunktion übernehmen. Sie müssen sich überlegen, wie sie einen Schüler im Unterricht bewerten und Sie somit Vorbereiten auf ein Leben nach der Schule in der Gesellschaft. Die Lehrkraft muss die Schüler vorbereiten auf ihre zukünftige Lebenswelt vorbereiten. Die Schüler in der Berufsschule zum Beispiel haben diese Anpassung bereits zu einem Teil gemeistert, den sie haben eine Ausbildung und sind somit mit einem Fuß bereits in der Gesellschaft angekommen. Jedoch benötigen sie auch noch wissen über die neue Welt, die sie entdeckt haben. Wie auch schon vorangegangen erwähnt ist der Lehrer hier wieder wie ein Reisebegleiter der die Schüler auf ihrem individuellen Lernweg begleitet und Hilfestellung gibt. Sicherlich der Unterricht für eine Realschulklasse die gerade im Begriff ist ihren Realschulabschluss zu erwerben ein ganz anderer als jener in der Beruflichen Schule. Die Lehrkraft muss in diesem Fall die Schülerinnen und Schüler an die Gesellschaftlichen Normen heranführen, Sie auf die zukünftige Lebens- und Arbeitswelt vorbereiten, in der sie ständiger Selektion gegenübergestellt sind.[8]

„Jeder Beruf fordert andere >>Blink<<- Fähigkeiten. Ein Fußballer entwickelt eine andere Intuition als ein Vogelkundler. >>Blink<<- Situation kommen um Unterricht laufen vor.“[9]

Auch diese Ebene muss die Lehrkraft bei der Entscheidung wie sie ihren Unterricht führen will beachten. Eine Lerngruppe ändert sich ständig. Die Lerngruppe ist ständigen Einflüssen ausgesetzt. Diese können vielfältige Ursachen haben, wie eine Störung des Unterrichtes oder das die Lerngruppe in der letzten Unterrichtseinheit nicht so gut vorangekommen ist wie geplant. Dies alles muss die Lehrkraft bemerken und es in ihre Planung und Entscheidung mit einfließen lassen, wie sie ihren Unterricht, beziehungsweise wie sie mit ihren zu Unterrichtenden verfährt. Dies setzt vorraus, dass die Lehrkraft ein geschultes Auge dafür haben muss ob in der Klasse die Stimmung gut ist, oder ob irgendetwas in der Luft liegt. Sie muss auf dieser sozialen und moralischen Ebene in der Lage sein sehr schnell ein Urteil fällen zu können und dies auch gegenüber der Lerngruppe vertretbar in die Tat umzusetzen oder in ihre Planung für den nächsten Unterricht mit auf zu nehmen. Somit ist der Alltag einer Lehrkraft voll mit kompelexen Urteilen gefüllt, welche manchmal eine schnelle Entscheidung fordern. Somit ist diese Fähigkeit für eine Lehrkraft sehr wichtig. Diese Fähigkeit hat besitzt eine Lehrkraft natürlich nicht von Anfang an, sondern sie entwickelt sich im Laufe der Jahre mit der Erfahrung im Berufsalltag der Lehrkraft.[10]

„,,(…)die erzieherischen Weltbilder und die einzelnen Erzieherischen Normenvorstellungen der Lehrer“ entscheidend sind (Fend 1980, 256) ihre Vorstellungen „über die Natur des Menschen und über die wünschenswerte und notwendige soziale Ordnung“.[11] Auch wie bereits oben erwähnt sollen die Lehrkräfte den Schülern Wege zeigen ihre Weltbilder und ihre Persönlichkeiten zu finden und zu festigen. Auch müssen Lehrer entscheiden welche Normen sie in ihrem Unterricht an die Schüler vermitteln, dass diese sich anschließend später ohne Probleme in die Gesellschaft eingliedern können. Dies bedeutet auch das Lehrkräfte über Sanktionen für Unterrichtsstörungen oder auch nicht erledigte Hausaufgaben nachdenken müssen. Sie müssen in diesem Fall eine Entscheidung treffen ob und wie Strafen förderlich oder auch nicht förderlich sind und somit anzuwenden sind oder auch nicht. Dies hat auch wieder etwas damit zu tun, wie den Schülern Normen von der Lehrkraft vermittelt werden. Dies kann auch über eine Strafe für unangebrachtes verhalten passieren, was heißen würde für den Schüler, das man sich an aufgestellte Regeln halten muss und wer das nicht macht, dem droht eine Strafe.[12]

Zum Abschluss muss man sagen, dass die Entscheidungen und die Ebenen auf der diese Entscheidungen getroffen werden sicherlich sehr vielfältig sind und das nicht immer jede Entscheidung vielleicht die beste ist. Aber man muss natürlich bedenken, welche Flut an Entscheidungen und auch Anforderungen an eine Lehrkraft gestellt werden. Das hier auch manchmal ein Fehler passieren oder auch eine nicht so gute Entscheidung fallen wird ist nur menschlich, den niemand ist perfekt. Abschließen möchte ich mein Essay mit einem sehr schönen Zitat hierzu

„Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann“[13]

2. Worin unterscheidet sich wissenschaftliche Unterrichtsforschung von naiver Beobachtung von Unterricht? Erläutern sie den Unterschied zwischen quantitativer und Qualitativer Forschung in der Unterrichtsforschung.

„Die Beziehung zur Welt wird uns vermittelt durch die Sinnesorgane, mit deren Hilfe wir unsere Erfahrungen machen. In diesem Sinne ist Beobachtung eine Art des Erfahrens von Welt, wobei der Weg von der unmittelbaren (auch naiven) Beobachtung zur wissenschaftlichen über die planmäßige Schärfung unserer Sinneswahrnehmung

vermittels zahlreicher Beobachtungstechniken verläuft, die sich je nach den behandelten Dimensionen der Wirklichkeit wandeln.“ (König 1973)[14]

Menschen beobachten in ihrem Alltag ständig, hierbei ist unter Beobachtung die Erfassung sinnlicher wahrnehmbarer Tatbestände zu verstehen. Wir haben die Möglichkeit Beobachtungen wiederzugeben in dem wir mitteilen können was wir sehen oder hören. In der Regel ist es allen Menschen in gleicherweise möglich solche Beobachtungen zu tätigen und festzustellen. Jedoch wird es immer wieder deutlich, dass unterschiedliche Menschen verschiedene Dinge wahrnehmen, beobachten. Diese Alltagsbeobachtungen werden naive Beobachtungen genannt, diese spielen auch in wissenschaftlichen Bereichen eine Rolle, zum Beispiel bei Felderkundungen, Hypothesenbildungen oder bei der Entwicklung von Kategorien verschiedener Erhebungsinstrumente. Jedoch genügt sie nicht den geltenden Kriterien von wissenschaftlichen Methoden.[15] Bei der naiven Beobachtung erfasst man Situationen und Sachverhalte ohne konkrete Planung. Dagegen wird bei der wissenschaftlichen Beobachtung die planmäßige Wahrnehmung von Sachverhalten, Ereignissen und Verhaltensweisen eingesetzt. Es wird dabei darauf geachtet, dass die Beobachtung mit den Zielvorstellungen verbunden ist und der Untersuchungsgegenstand möglichst systematisch daraus erfasst wird.[16] Somit unterscheiden sich naive Beobachtung und Beobachtung in der wissenschaftlichen Unterrichtsforschung dadurch ob eine konkrete Planung vorliegt und die Beobachtung mit einer genauen Zielvorstellung gekoppelt ist. Bei der Beobachtung zur wissenschaftlichen Unterrichtforschung werden keine spontanen Alltagsbeobachtungen eingesetzt, sondern nur Beobachtungen gewertet, die wissenschaftlichen Standards gerecht werden.

„Die Materie des Unterrichts ist so kompliziert, daß jeder, der gleichzeitig alles beobachten und registrieren wollte, was da vor geht, sich selbst disqualifizierte. (Horst Rumpf, Erziehungswissenschaftler)“ [17]

Unter Unterrichtsforschung versteht man Forschung mit deren Hilfe Unterrichtsgeschehen besser verstanden, vorhergesehen und kontrolliert werden kann. In der Unterrichtsforschung werden Intentionen, Methoden, Unterrichtsmedien, Teilnehmer und zugehörige Institutionen berücksichtigt. Sie spezialisiert sich auf die Untersuchung einzelner Unterrichtskomponenten und -faktoren.[18]

In der Unterrichtsforschung werden die Analyse des Unterrichtsablaufs und die Bewertung der Unterrichtsergebnisse erklärt. Dies geschieht indem Prozesse und Personen sowie deren Verhalten beobachtet und beschrieben werden. Aus den Ergebnissen der Unterrichtsforschung werden Vorschläge für eine optimale Realisierung von Unterricht abgeleitet.[19]

Die Forschungsmethoden in den Sozialwissenschaften lassen sich in quantitative(statistische) Forschung und qualitative Forschung unterteilen. Der Begriff Quantität wird im Brockhaus als „Quantität die, Menge, Größe;“ und der Begriff Qualität wird als „Qualität die, Güte, Beschaffenheit;“ definiert.

Schon allein an diesen Definitionen lässt sich ein Unterschied zwischen den beiden

Traditionen erkennen. Die quantitative Sozialforschung befasst sich eher mit großen Stichproben und die qualitative Sozialforschung eher mit kleineren Stichproben.[20]

Der Begriff „Quantität“ beinhaltet keine Beurteilung der Qualität der Forschungsleistung. Es ist vielmehr so, dass die Quantitative Sozialforschung eine andere wissenschaftliche Grundorientierung als die Qualitative Sozialforschung hat.

Um die messbaren und zählbaren Merkmale eines Forschungsobjekts geht es vor allen Dingen in der quantitativen Forschung. Dadurch kann diesbezüglich ein Mittelwert errechnet werden. In der quantitativen Forschung werden in der Regel deduktive Strategien verfolgt. Es werden nur wenige Hypothesen genommen welche im Anschluss mit einem standardisierten Erhebungsinstrument das quantifizierbare, messbare und reproduzierbare Ergebnisse liefert, untersucht werden.[21] Bei der quantitativen Forschung werden vor allen Dingen Hypothesen zu bestehenden Theorien überprüft. Es werden Wahrscheinlichkeitsaussagen über Variablen gemacht, welche eine von Beginn an bekannten Grundgesamtheit stützen oder wiederlegen. Außerdem wird die Datenerhebung und Datenauswertung klar getrennt. Wichtig für die quantitative Forschung ist auch, dass die Stichprobe sich aus einer repräsentativen Auswahl zusammensetzt.[22] Sie arbeitet somit in der Regel mit einer größeren Fallzahl. Die wichtigsten Methoden der quantitativen Forschung sind, primäre Standardisierte Befragungen und Tests, ferner Beobachtungen mit exakten Leitfäden sowie Experimente. Ein Beispiel für die quantitative pädagogische Forschung ist die Pisa-Studie.[23]

„Qualitative Forschung hat den Anspruch, Lebenswelten »von innen heraus« aus der Sicht der handelnden Menschen zu beschreiben. Damit will sie zu einem besseren Verständnis sozialer Wirklichkeit(en) beitragen und auf Abläufe, Deutungsmuster und Strukturmerkmale aufmerksam machen.“[24]

Die Qualitative Sozialforschung folgt einer geisteswissenschaftlichen Grundorientierung. Als ihre wichtigste wissenschaftstheoretische Haltung wird die Hermeneutik dargestellt. Die Auslegung menschlicher Lebensäußerungen ist ihr Gegenstand. In der Hermeneutik spielt der Begriff des Verstehens eine zentrale Rolle, dabei geht es hauptsächlich um die Suche der Sinnhaftigkeit der Dinge.[25] Die Qualitative Sozialforschung zielt auf den Einzelfall und die Rekonstruktion von dessen innerer Logik durch Interpretation ab. In der qualitativen Forschung werden kleine Stichprobengrößen verwendet. Es gibt bei ihr keine zufallsstichproben, sie beinhaltet keine quantitativen Variablen und keine statistischen Analysen.[26] Somit untersucht die Qualitative Sozialforschung in der Regel kleine Fallzahlen und arbeitet mit nicht oder teilweise Standardisierten Erhebungsinstrumenten. Ihre wichtigsten Methoden sind verschiedene Interviewformen, teilnehmenden Beobachtungen und deren Protokollierung, Aufzeichnungen von sozialen Situationen mit Video und Transkription. Die qualitative Forschung wird zum Beispiel in der Lehrerforschung und in der detaillierten Stundenanalyse verwendet.[27]

In den vorangegangen Ausführungen wurden die Unterschiede der quantitativen und qualitativen Forschung deutlich gemacht. Hauptmerkmale der quantitativen Methode in der Unterrichtsforschung sind die in der Regel großen Fallzahlen und standardisierte Erhebungsinstrumente. Wohin gegen die qualitative Methode sich auf die Rekonstruktion von Einzelfällen und deren Sinnzusammenhängen bezieht. Beide Forschungsmethoden haben ihre Berechtigung im passenden Kontext.

[...]


[1] Sander ,Wolfang: Politik entdecken – Freiheit leben, Didaktische Grundlagen politischer Bildung, Schwalbach/Ts. 2013, S.151

[2] Vgl. ebd. S171

[3] Vgl.: http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=2&ved=0CCcQFjAB&url=http %3A%2F%2Fwww.bpb.de%2Fsystem%2Ffiles%2Fdokument_pdf%2Fbpb%2520DML.pdf&ei=hsApVL-vC6WaygPT7YC4AQ&usg=AFQjCNGx1MO0CBL9k1rukWkeHc8wdBKXfA&sig2=GeTyRwafj6QWso5zHpo4nw&bvm=bv.76247554,d.bGQ (Bundeszentrale für Politische Bildung)

[4] Sander ,Wolfang: Politik entdecken – Freiheit leben, Didaktische Grundlagen politischer Bildung, Schwalbach/Ts. 2013, S.168

[5] Vgl. ebd. S.169f

[6] Weschenfelder, Eva: Professionelle Kompetzen von Politiklehrkräften – Eine Studie zu Wissen und Überzeugung, Karlsruhe 2013, S.51

[7] Ebd. S.53

[8] Vgl. ebd., S 53f.

[9] Stöger, Christine; Lion, Brigitte; Niermann, Franz: Professionalisierung im Lehrerberuf – Ziele erreichen – potenziale nutzen, Weinheim und Basel 2010, S.73

[10] Vgl. ebd. S.72

[11] Gehrmann, Axel: Der professionelle Lehrer- Muster der Begründung –Empirscher Rekonstruktion, Opladen 2003, S.84

[12] Vgl. ebd. S.84

[13] Sander, Wolfgang, Vorlesungsfolien Wozu didaktische Theorien – Oder: Warum es keine Praxis ohne Theorie gibt, Gießen 2013, Folie 5

[14] http://www.hitzler-soziologie.de/seminare/ws0607/pdf/Fulda/05_Beobachtung.pdf

[15] Vgl. www.uni-oldenburg.de/fileadmin/user_upload/.../Beobachtung.doc

[16] Vgl. Naderer, Gabriele; Balzer, Eva (Hrsg), Qualitative Marktforschung in Theorie und Praxis – Grundlagen, Methoden und Anwendungen, Wiesbaden 2007,S.309

[17] Sander, Wolfgang, Vorlesungsfolien vom 12.12.13, Gießen 2013, Folie 4

[18] Vgl. Häckler, H., Stapf K.H. (Hrsg.), Dorsch Psychologisches Wörterbuch, S.909f.

[19] Unterrichtsforschung. Brockhaus – Die Enzyklopädie, Leipzig – Mannheim 1999,S.636

[20] Vgl. www.pflegezuhause.de/pflegeinfodienst/Hausarbeiten/Unterschied%20qualittive%20 quantitativer%20Forschun.pdf

[21] Vgl. Wagner, R. ; Hinz, A. ;Rausch, A.; Becker B., : Modul Pädagogische Psychologie, Regensburg 2009, S. 214

[22] Vgl. Müller, C.: Die Fragebogenerhebung – Empirische Methode der Datenerhebung, Norderstedt 2008, S.9f

[23] Sander, Wolfgang, Vorlesungsfolien vom 12.12.13, Gießen 2013, Folie 5

[24] Flick, Uwe; von Kardorff, Ernst; Steinke, Ines (Hrsg.) : Qualitative Forschung – Ein Handbuch, Hamburg 2000, S.14

[25] Vgl. www.pflegezuhause.de/pflegeinfodienst/Hausarbeiten/Unterschied%20qualittive%20 quantitativer%20Forschun.pdf

[26] Vgl. http://www.fernuni-hagen.de/KSW/aop/lehre/files/Qualitative%20Forschung.pdf

[27] Vgl. Sander, Wolfgang, Vorlesungsfolien vom 12.12.13, Gießen 2013, Folie 5

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Beurteilung von Schülerleistungen im Spannungsverhältnis der Bezugsnormorientierung
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in Theorie, Geschichte und Didaktik der politischen Bildung
Note
2,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
24
Katalognummer
V307355
ISBN (eBook)
9783668057586
ISBN (Buch)
9783668057593
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schülerleistungen, Bezugsnormorientierung, Unterrichtsforschung, Ebenen, Notengebung, Ziffernnoten, Verbalbeurteilungen, Leistungsbewertung, Leistungsbeurteilung
Arbeit zitieren
Andreas Gottwald (Autor), 2014, Beurteilung von Schülerleistungen im Spannungsverhältnis der Bezugsnormorientierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307355

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