Der im Zuge der Globalisierung entstandene internationale Handel hat der Weltgemeinschaft mit seinen vielfältigen Verflechtungen und Abkommen großen Nutzen und Wohlstand gebracht. Doch genau diese Komplexität und das daraus resultierende instabile Machtgefüge stellen große Gefahren dar, vor allem wenn es um die Ernährungssicherheit kleiner, unterlegener Staaten geht. So scheint es in vielen Teilen der Welt, in den so genannten Industriestaaten, einen großen Überfluss an Nahrungsmitteln zu geben. In anderen Regionen sind parallel Menschen vom Hungertod bedroht.
Der Fokus dieser Arbeit soll auf Grund des Umfangs auf einem kleinen Bereich liegen, nämlich der Handelsbeziehung zwischen der Europäischen Union (EU) als Stellvertreter der Industriestaaten und der Region Westafrika, als Stellvertreter der im internationalen Machtgefüge tendenziell unterlegenen Entwicklungsländer. Alle Warenströme zu betrachten würde an dieser Stelle den Rahmen überschreiten, daher sollen nur die Folgen des Exports von Geflügelfleisch aus der EU nach Afrika betrachtet werden. Da die meisten Daten spezifisch für Masthähnchen, so genannte Broiler, existieren und diese den Hauptanteil der Exportmenge ausmachen, werden diese die größte Beachtung finden.
Der Weg in die Thematik führt über einige für das Verständnis essentielle Begriffserklärungen zu einem ersten Eindruck über die Entwicklung des Exports und die dem zu Grunde liegenden „Spielregeln“ des internationalen Handels.
Es soll in den folgenden Teilen deutlich werden, welche Dimensionen ein einzelner Warenstrom auf eine ganze Region haben kann und wie durch die Verflechtungen im Wirtschaftssystem Veränderungen auch andere Sektoren beeinflussen. Ferner soll sich herauskristallisieren, dass es nur kleiner Veränderungen in einer Produktionskette, zum Beispiel die der Geflügelmast in Europa bedarf, um am anderen Ende der Welt, in Afrika, große volkswirtschaftliche Veränderungen zu bewirken.
Ziel soll es nicht sein einen Schuldigen oder Verantwortlichen zu definieren, vielmehr soll dies eine Zusammenstellung von Informationen sein um über die Thematik zu informieren und deutlich zu machen, welche Kreise kleinste Veränderungen in einem so komplexen System wie dem Welthandel ziehen können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffserklärungen
2.1 Armut, Hunger und das Ernährungsproblem
2.2. Entwicklungsländer
3 Hintergründe und Handelsbeziehungen
3.1 Gründe für den massiven Geflügel-Export nach Westafrika
3.2 Entwicklung des Ex- beziehungsweise Imports
4 Bedeutung für die nationale Landwirtschaft in Westafrika
4.1 Soziale Bedeutung der Geflügelwirtschaft
4.2 Mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der nationalen Agrarwirtschaft
4.3 Verarmung durch Arbeitsplatzverlust
4.4 Abhängigkeit von Lebensmittelimporten
5 Verstärkende Faktoren
5.1 Tiermehlfütterungsverbot in der EU
5.2 Durch Geflügelfleisch übertragene Krankheiten
6 Auswirkungen der EU-Agrarpolitik in Europa
6.1 Die gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union
6.2 Die indirekte Subvention der Geflügelwirtschaft in Europa
7 Interessenskonflikte und Forderungen
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des internationalen Handels auf die Welternährung am Beispiel der Geflügelexporte der Europäischen Union nach Westafrika. Ziel ist es, die komplexen Verflechtungen aufzuzeigen, durch die Exportdumping und Handelsentscheidungen in Industriestaaten die wirtschaftliche Existenzgrundlage und Ernährungssicherheit in Entwicklungsländern destabilisieren können.
- Handelsbeziehungen zwischen EU und Westafrika
- Soziale und wirtschaftliche Folgen für die lokale Landwirtschaft
- Indirekte Auswirkungen der EU-Agrarpolitik und Subventionen
- Zusammenhang zwischen globalem Welthandel und lokaler Ernährungsunsicherheit
Auszug aus dem Buch
4.1 Soziale Bedeutung der Geflügelwirtschaft
Frauen tragen weltweit am stärksten zur Welternährung bei, sie produzieren in den Entwicklungsländern bis heute zwischen 60 und 80 Prozent der Nahrung. In Uganda leisten Frauen beispielsweise 85 Prozent der Feldarbeit und 98 Prozent der Verarbeitung von Nahrung. Trotz dieser bedeutenden Rolle in der Nahrungsbereitstellung sind Frauen weltweit am stärksten von Hunger betroffen. Es gelten derzeit 925 Millionen Menschen weltweit als unterernährt, davon sind etwa 60 Prozent Frauen und Mädchen. Gründe sind vor allem der mangelnde Zugang zu Krediten, technischen Hilfsmitteln und Bildung. Daraus und aus der meist massiven Abhängigkeit von männlichen Bevölkerungsmitgliedern resultiert ein mangelnder Zugang zu landwirtschaftlich nutzbarer Fläche.
Häufig verlieren Frauen ihr Land oder ihre Landnutzungsrechte in Folge von „Land Grabbing“, ein Phänomen bei dem durch die gesteigerte Nachfrage nach Rohstoffen neue Großinvestoren Druck auf den Landmarkt ausüben. Durch ihre Machtstellung sind sie meist in der Lage bestehende Nutzungsansprüche zu übergehen.
Die Geflügelhaltung trägt mit einem hohen Anteil zur so genannten „Gendergerechtigkeit“ in Afrika bei: „Gender“ ist die Bezeichnung des sozialen Geschlecht, in Abgrenzung zum biologischen Geschlecht. Der Begriff zielt damit auf die kulturell erlernten Geschlechterrollen und den ungleichen Beziehungen zwischen Männern und Frauen ab. Es gibt wenige religiöse Tabus die Frauen die Geflügelhaltung verbieten würden. Deshalb ist sie ein für die meisten Frauen ein erreichbarer Weg in die Selbstständigkeit. Es wird ein neuer Pfad eröffnet, der es Frauen ermöglicht, unabhängig von ihren Männern zum Überleben der Familie beizutragen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Handelsbeziehungen zwischen EU und Westafrika sowie Definition des Fokus auf den Geflügelexport als Fallbeispiel.
2 Begriffserklärungen: Definition zentraler Begriffe wie Armut, Hunger und Entwicklungsländer zur Vorbereitung auf die weiteren Analysen.
3 Hintergründe und Handelsbeziehungen: Untersuchung der Ursachen für massive Geflügelexporte nach Westafrika und die Entwicklung der Im- und Exporte.
4 Bedeutung für die nationale Landwirtschaft in Westafrika: Analyse der sozioökonomischen Auswirkungen, wie Arbeitsplatzverluste und Abhängigkeiten, auf die westafrikanische Landwirtschaft.
5 Verstärkende Faktoren: Darstellung externer Faktoren wie EU-Tiermehlfütterungsverbote und hygienischer Probleme durch den Fleischimport.
6 Auswirkungen der EU-Agrarpolitik in Europa: Beleuchtung der gemeinsamen Agrarpolitik und indirekter Subventionsmechanismen innerhalb der Europäischen Union.
7 Interessenskonflikte und Forderungen: Gegenüberstellung unterschiedlicher Positionen von Interessenverbänden, Politik und Entwicklungshilfeorganisationen zur Welthandelsproblematik.
8 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der negativen Folgen des Welthandels für die lokale Ernährungssicherheit und Notwendigkeit zukünftiger Forschung.
Schlüsselwörter
Welternährung, internationaler Handel, Geflügelexport, Westafrika, Europäische Union, Agrarpolitik, Subventionen, Landwirtschaft, Armut, Hunger, Ernährungssicherheit, Exportdumping, Broiler, Kleinbauern, Handelsbeziehungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des internationalen Handels auf die Welternährung, insbesondere durch den Export von Geflügelfleisch aus der EU nach Westafrika.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Handelsdynamik zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern, die Bedeutung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft sowie die Folgen der EU-Agrarpolitik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie komplexe Handelsverflechtungen und politische Entscheidungen, wie Subventionen, lokale Märkte in Afrika destabilisieren und die Ernährungssicherheit gefährden können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse, wobei aktuelle Daten, Studien und Berichte von Organisationen zur Analyse der Handelsbeziehungen und ihrer sozioökonomischen Folgen herangezogen wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Gründe für den Geflügelexport, die sozialen Auswirkungen auf die Landwirtschaft (insbesondere auf Frauen), verstärkende Faktoren wie Hygiene und Subventionen sowie konträre politische Forderungen diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Welternährung, Geflügelexport, Westafrika, EU-Agrarpolitik, Exportdumping, Ernährungssicherheit und kleinbäuerliche Landwirtschaft.
Warum ist die Geflügelhaltung für Frauen in Afrika so bedeutend?
Sie ermöglicht Frauen eine weitgehend unabhängige Einkommensquelle mit geringem Kapitalbedarf, da sie in der Regel keinen strikten religiösen Tabus unterliegt und somit zur sozialen Emanzipation beitragen kann.
Welche Rolle spielt die EU-Agrarpolitik für die afrikanische Landwirtschaft?
Die EU-Agrarpolitik begünstigt durch Subventionen Überproduktionen, die als billige Importware auf afrikanische Märkte gelangen und die lokale Produktion durch Preisdruck verdrängen.
Welche Auswirkungen hat die fehlende Kühlkette auf das Importgeflügel in Westafrika?
Die fehlende Infrastruktur führt zu einer hohen Keimbelastung des Fleisches, was gesundheitliche Risiken für die Konsumenten birgt und die Qualität des importierten Produkts als Lebensmittel weiter senkt.
Was sind sogenannte „Kuppelprodukte“ im Kontext der Geflügelmast?
Dies sind Schlachtnebenprodukte (wie Rücken, Schenkel oder Innereien), die bei der Produktion von Brustfleisch anfallen, in Europa schwer absetzbar sind und daher oft massiv exportiert werden.
- Arbeit zitieren
- Kathrin Nauth (Autor:in), 2014, Auswirkungen des internationalen Handels auf die Welternährung. Analyse europäischer Geflügelexporte nach Afrika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307408