Mennoniten, Spiritualisten, Herrnhuter - Nur religiöse Randgruppen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
21 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I.) Einleitung

II.) Die Mennoniten

III.) Die Spiritualisten

IV.) Die Herrnhuter

V.) Ergebnis

Literaturverzeichnis

Mennoniten, Spiritualisten, Herrnhuter- Nur religiöse Randgruppen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen?[1]

I.) Einleitung

Will man sich mit einigen der sogenannten religiösen Randgruppen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen befassen, dann gilt der Terminus „Randgruppen“ natürlich nur für die zahlenmäßige Erscheinung von Personen in diesen Gruppen und ist aus der Sicht der Mehrheitsreligionen formuliert. Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen waren dies die drei seit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 festgelegten „Staats“-Religionen des Katholizismus, der Lutheraner und des Calvinismus, die nun andere religiöse Bewegungen als „Randgruppen“ bezeichnen konnten. Aus dieser Sichtweise erstehen aber mehrere Problemkreise[2], die in der folgenden Abhandlung der weitergehenden Untersuchung bedürfen:

1.) Alle diese religiösen Bewegungen, insbesondere auch der Katholizismus, sind ohne das, was man heute gemeinhin als „Reformation“ bezeichnet, nicht denkbar. Gerade der Anstoßpunkt der Reformation bewirkte nämlich eine Ausdifferenzierung der verschiedensten religiösen Gruppen, die entweder vorher undenkbar gewesen wären oder aber – und das ist viel öfter der Fall – unter dem Mantel des allumschließenden Katholizismus alter Prägung mehr oder weniger eingebunden waren. Insofern ist auch der Begriff der „Einheitlichkeit der Reformation“ irreführend, denn er suggeriert eine einheitliche Bewegung gegen diesen alten Katholizismus. Doch ist die wirkliche Lage viel komplexer, was sich allein schon an der unüberblickbaren Anzahl an religiösen Bewegungen in der reformatorischen Phase zeigen läßt, die sozusagen wie Pilze aus dem Boden sprossen. Alle diese neuen religiösen Bewegungen zeichnen sich nun dadurch aus, daß sie mehr oder weniger in der Tradition der – ursprünglich natürlich auch nicht einheitlichen – Kirche Christi stehen, in mehr oder weniger starker Ablehnung des alten Katholizismus, aber durchaus auch in der Aufnahme und differenzierten Betonung von Elementen aus dessen großen Fundus. Die Frage nach der Traditionsgebundenheit jeder dieser religiösen Gruppen ist also jedesmal neu zu stellen.
2.) Innerhalb der einzelnen religiösen Gruppen ist dann auch die Frage nach dem Konformismus respektive des Nonkonformismus in der jeweiligen Gruppe zu stellen. Bei dieser Problematik spielen mehrere Faktoren eine entscheidende Rolle: Oftmals sind einzelne religiöse Gruppen durch eine sog. Polygenie gekennzeichnet, d.h. sie bilden sich sozusagen erst als Folge unterschiedlicher lokaler, ständischer, ethisch-moralisch differenziert motivierter, dogmatisch inkohärenter Strömungen zu einer „gemeinsamen“ Gruppe heraus. Dabei ist jedenfalls oft auch wieder das Potential zu einer späteren Polyphänie, d.h. einer erneuten Aufspaltung der religiösen Gruppe gegeben, wobei sich wiederum Haupt- und Nebenströmungen oder sogar neue religiöse Gruppen bilden können.
3.) Ferner ist dabei auch die Vernetzung der einzelnen Gruppen zueinander entscheidend. Dies kann zum einen zwischen mehreren Gesamtgruppen oder auch nur zwischen verschiedenen Strömungen bzw. Strömungen und Gesamtgruppen geschehen, die sich dann vielleicht wiederum in einer Gesamtgruppe zusammenschließen oder sich in einer neuen religiösen Bewegungen manifestieren.
4.) Entsprechend sind auch die kulturellen Leistungen einzelner religiöser Gruppen ähnlich differenziert und nicht einheitlich bewertbar. Das hängt nun einerseits an der oben bereits beschriebenen Gruppendifferenziertheit und des Minderheitenstatus, andererseits spiegelt die kulturelle Leistung selbstverständlich das religiöse Bewußtsein, erwachsend aus Dogmatik und Ethik, wider. Auch dies ist bei der folgenden Darstellung mit zu beachten.

Um wenigstens im Ansatz die oben gestellten Fragen abhandeln zu können, bietet sich zunächst eine Untersuchung der drei hier zu behandelnden Gruppen, also der Mennoniten, der Spiritualisten und der Herrnhuter an. Hierbei sind die einzelnen Gruppen nach den oben genannten Kriterien zu untersuchen. Sodann ist dann auch auf die Vernetzung einzelner Gruppen untereinander und zu den drei Hauptreligionen und zum „Staat“ im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen zu stoßen, um auf dieser Basis das Überleben dieser Gruppen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen zu zeigen.

[...]


[1] Zu den religiösen Minderheiten im Heiligen Römischen Reich und ihre Einordnung in den Gesamtkontext: Hartmann, P. C.: Kulturgeschichte des Heiligen Römischen Reiches 1648 bis 1806. Verfassung, Religion und Kultur. Wien 2001. S.268-271.

[2] Diese wichtigen Problemkreise behandelt auch die Einleitung von: Goertz, H.-J.: Religiöse Bewegungen in der frühen Neuzeit. München 1993 (Enzyklopädie Deutscher Geschichte; 20). Leider ist die Problematisierung bestimmter Begriffe wie „Nonkonformismus“ oder „Heterogenität“ auf die einzelnen Forschungskapitel zu den einzelnen religiösen Bewegungen verteilt und nicht geschlossen erfaßbar.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Mennoniten, Spiritualisten, Herrnhuter - Nur religiöse Randgruppen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen?
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (FB 16: Geschichtswissenschaften, Abteilung I: Neuere Geschichte)
Veranstaltung
Hauptseminar Verfassung, Religion und Kultur im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen (1648-1806)
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
21
Katalognummer
V30760
ISBN (eBook)
9783638319522
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mennoniten, Spiritualisten, Herrnhuter, Randgruppen, Heiligen, Römischen, Reich, Deutscher, Nationen, Hauptseminar, Verfassung, Religion, Kultur
Arbeit zitieren
Sven Günther, M.A. (Autor), 2002, Mennoniten, Spiritualisten, Herrnhuter - Nur religiöse Randgruppen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30760

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