Bearbeitung von Fotografien. Fotografien als Bearbeitung

Das Urheberrecht in der Fotografie anhand von drei Fallbeispielen


Hausarbeit, 2015

9 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
Bearbeitung und Umgestaltung
Freie Benutzung

2. Nachgestellte Bilder
TV-Man (Az. 12 O 34/05)
Freiburger Münster
Zusammenfassung dieser beiden Entscheidungen

3. Beuys-Rechtsstreit zur Ausstellung im Schloss Moyland
Vorgeschichte
Urteil des LG Düsseldorf

Letzte Instanz: Urteil des Bundesgerichtshof

1. Einleitung

Das Urheberrecht wird in der Betrachtung von Werken aus der Fotografie stets auf neue rechtliche Prüfungen gestellt. Durch die technischen Innovationen dieses Mediums, steht heutzutage vielen Menschen eine Kamera zur Verfügung und so auch die Möglichkeit Fotografien anzufertigen und diese zu veröffentlichen. Da hierbei der Schöpfungsanspruch, zum Beispiel gegenüber der Malerei, oftmals deutlich geringer ausfällt, sind Urheberrechtsunstimmigkeiten beinahe vorprogrammiert.

Bevor nachfolgend konkreter aus spezifische Fallbeispiele und Urteile aus dem Bereich der Urheberrechtsverletzungen der Fotografie eingegangen wird, sollten vorab einige relevante Begriffe voneinander abgegrenzt werden.

Bearbeitung und Umgestaltung

Unter Bearbeitung versteht das Urheberrecht, die Übersetzung oder das weitere Verarbeiten eines Werkes, wenn diese eine eigene geistige Schöpfung des Bearbeiters darstellen. Durch eine Bearbeitung werden die resultierenden Werke ebenfalls durch das Urheberrecht geschützt (§ 3 UrhR). Plant die Person, die das ursprüngliche Werk bearbeitet oder umgestaltet hat, seine bearbeitete Version zu veröffentlichen, bedarf es einer Einwilligung vom Urheber des Ausgangswerkes (§ 23 UrhR). In der Kunst kann diese Bearbeitung zum Beispiel durch eine Übertragung eines Kunstwerkes in eine andere künstlerische Technik erfolgen. Den neugeschaffenen Werken werden so neue Merkmale und/oder Aspekte hinzugefügt.[1]

Freie Benutzung

Hingegen entsteht bei einer freien Benutzung ein selbstständiges Werk, welches auch ohne das Einverständnis des Urhebers des Ausgangswerkes veröffentlicht und verwertet werden kann (§ 24 UrhR). Die Benutzung wird als „frei“ gewertet, wenn die wesentlichen Züge des Ausgangswerkes gegenüber dem neuen Werkes verblassen. So dürfen die prägenden Aspekte eines Werkes bei einer freien Benutzung auf keinen Fall übernommen werden.[2]

2. Nachgestellte Bilder

TV-Man (Az. 12 O 34/05)

Durch die leichte Zugänglichkeit der fotografischen Technik könnte man bei der Ansicht einer Fotografie leicht in die Versuchung kommen, dieses Motiv einfach nachzustellen. Mit einem ähnlichen Fall beschäftigte sich im Jahr 2006 das Landesgericht Düsseldorf. Unter dem Titel „TV Man“ wurde eine Werbeagentur vom Fotografen Jan Jindras wegen Urheberrechtsverletzung angeklagt. Der Fotograf fertigte eine Fotografie vom Hinterkopf eines Mannes an, der sein Gesicht einem Fernseher zuwendet. Sein Kopf ist so positioniert, dass sich dieser genau vor dem Fernsehgerät befindet. Die Antennen des Gerätes scheinen durch diese Positionierung der beiden Bildkomponenten aus dem Kopf des Mannes zu wachsen. Der Fotograf veröffentlichte eine Variante seines fotografischen Werkes im Jahr 2004 in einem Katalog, der auch an unterschiedliche Werbeagenturen gesendet wurde. Ein Motiv, welches stark an das Foto von Jindra erinnert, gab einige Zeit später die beklagte Werbeagentur in Auftrag. Das Auftragswerk der Werbeagentur erinnert in seiner Grundidee stark an die Fotografie von Jindra, denn auch hier ist ein Mann auf einen Sofa sitzend vor einen TV-Gerät positioniert, sodass die Antennen den Kopf wie Fühler erweitern.[3]

Nach der Anklage durch den Fotografen befasste sich das Landesgericht Düsseldorf mit der Frage, ob es sich bei dem Bild wie vom Fotografen angenommen um eine unfreie Bearbeitung handle. Vorab bewertete das Landgericht die Fotografie als Lichtbildwerk, dessen „schöpferische Leistung im Sinngehalt des Bildes liege“. Diese Leistung wird besonders bestimmt durch die Auswahl eines ungewöhnlichen Motives und die spezifische Komposition des Bildes. Durch das spezielle Motiv und Bildkomposition des Ursprungswerkes schließt das Gericht eine freie Benutzung durch die Werbeagentur aus, denn die wesentlichen Merkmale, welche das Originalfoto bestimmten, wurden in den wesentlichen Zügen durch die Werbeagentur ebenfalls verwendet.[4]

[...]


[1]Schack, Haimo, Kunst und Recht, Tübingen 2009, S. 161

[2]Schack, Haimo, Kunst und Recht, Tübingen 2009, S. 161

[3]Bullinger, Winfried, Grabers-von Boehm, Katharina, Der Blick ist frei – Nachgestellte Foto aus urheberrechtlicher Sicht, in: GRUR 2008, S. 24 ff.

[4]Bullinger, Winfried, Grabers-von Boehm, Katharina, Der Blick ist frei – Nachgestellte Foto aus urheberrechtlicher Sicht, in: GRUR 2008, S. 24 ff.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Bearbeitung von Fotografien. Fotografien als Bearbeitung
Untertitel
Das Urheberrecht in der Fotografie anhand von drei Fallbeispielen
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
9
Katalognummer
V307720
ISBN (eBook)
9783668061101
ISBN (Buch)
9783668061118
Dateigröße
395 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bearbeitung, fotografien, urheberrecht, fotografie, fallbeispielen
Arbeit zitieren
Sophie Z. (Autor), 2015, Bearbeitung von Fotografien. Fotografien als Bearbeitung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307720

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