Frauenbilder und die Stellung der Frau wurden in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert, dann noch einmal ab den 1960ern, weiterhin über die Zeiten Alice Schwarzers bis hin zu Judith Butler immer wieder in Medien, Politik und Wissenschaft zum Thema der öffentlichen Debatte. Seit der Entwicklung sowohl der bürgerlichen als auch der sozialistischen Frauenrechtsbewegungen in Deutschland und durch das anfängliche Wirken von Personen wie Helene Lange oder Clara Zetkin sind genderspezifische Themen im Diskurs der Gesellschaft angelangt und lieferten der „Genderforschung“ zahlreiche Impulse dahingehend, inwiefern diese zu überdenken wären und es erforderlich wäre, diese als solche zu analysieren.
Dies geschieht in verschiedensten Disziplinen – ganz gleich, ob nun in der Ethnologie, der Kulturwissenschaft, den Sprachwissenschaften, den Medienwissenschaften, den Philologien oder Religionswissenschaften. Es geht um ein Thema, das im Verlauf der Entwicklung der Frauenrechtsbewegungen an öffentlichem Interesse und damit auch an Geltung gewann. Auch in der Literaturwissenschaft nahm die Bedeutung der Analyse von Frauenbildern zu. Aber trotz reichhaltiger vorhandener Forschung zu diesem Thema, gibt es bisher keine Arbeit zum Thema hier vorliegender Untersuchung.
Die vorliegende Arbeit wird sich „Frauenbildern in ausgewählten Werken Uwe Johnsons und Christa Wolfs im Vergleich“ widmen. Dabei geht es darum, herauszufinden, wie die Darstellung der Frauenbilder bei Uwe Johnson im Vergleich zum Frauenbild in Christa Wolfs „Der geteilte Himmel“ aussieht. Von Uwe Johnson werden es die „Mutmassungen über Jakob“ und „Zwei Ansichten“ sein, die näher untersucht werden sollen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Fragestellung und Ziele der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Form der Arbeit
2. Johnson und sein Frauenbild
2.1 Kurze Inhaltszusammenfassung von „Mutmassungen über Jakob“
2.2 Die Gebildete und/oder Politische
2.3 Die „sexuell bewusste“ Frau
2.4 Die Selbstsichere vs. die Schutzsuchende
2.5 Die Emotionale in „Die Mutmassungen über Jakob“
2.6 Frauen in „Mutmassungen über Jakob“ im historischen Kontext
3. Frauenbild in „Zwei Ansichten“: Krankenschwester D. aus Ost-Berlin
3.1 Inhaltszusammenfassung
3.2 Die Gebildete/Politische
3.3 Die „sexuell bewusste“ Frau
3.4 Die Selbstsichere vs. die Schutzsuchende
3.5 Die Emotionale
3.6 Einordnung der Frauenfigur D. in Johnsons Frauengestalten
4. Christa Wolf und ihr Frauenbild in „Der geteilte Himmel“
4.1 Die Gebildete und/oder Politische
4.2 Die „sexuell Bewusste“
4.3 Die Selbstsichere vs. Schutzsuchende
4.4 Die Emotionale
4.5 Bezüge zu historischen Ereignissen in „Der geteilte Himmel“
5. Chancen und Risiken von historischen und biographischen Bezügen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht vergleichend die Darstellung von Frauenfiguren in den Romanen „Mutmassungen über Jakob“ und „Zwei Ansichten“ von Uwe Johnson sowie „Der geteilte Himmel“ von Christa Wolf. Ziel ist es, den Einfluss der historischen Gegebenheiten der deutschen Teilung auf die literarische Gestaltung dieser Frauenbilder zu analysieren und Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten im Werk der beiden AutorInnen aufzuzeigen.
- Vergleich der Frauenbilder bei Uwe Johnson und Christa Wolf
- Historischer Kontext der deutschen Teilung in der Literatur
- Analyse der Kategorien: Bildung/Politik, Sexualität, Selbstsicherheit vs. Schutzsuche und Emotionalität
- Reflexion über biographische Bezüge und Literaturpolitik
- Untersuchung von traditionellen Geschlechterrollen in der Nachkriegsliteratur
Auszug aus dem Buch
2.5 Die Emotionale in „Die Mutmassungen über Jakob“
Das starke Frauenbild, welches in Uwe Johnsons Werk gezeichnet wird, lässt selbst bei den stärksten Frauenfiguren in seinem Werk „Mutmassungen über Jakob“ die Emotionalität nicht wegfallen. Auch bei Gesine wird zumindest ein Potenzial zur Emotionalität erkennbar – nicht zuletzt in der Äußerung ihrer Liebe gegenüber Jakob, die relativ spät in seinem Werke zutage tritt: „Jonas. Ich will dir was sagen. Es ist meine Seele, die liebet Jakob.“ Wie ist „Seele“ hier zu verstehen? Dass der Begriff nicht religiös zu verstehen ist, wird daran erkennbar, dass Religion im gesamten Roman Johnsons und auch bei Gesine keine Rolle zu spielen scheint. Die „Seele“ wird eher zur Metapher, durch die deutlich wird, wie wichtig Jakob ihr ist – vor allem in Abgrenzung zu dem, was Dr. Jonas Blach für sie ist: nämlich mehr Körper als Seele.
Interessant ist hierzu die Deutung der Seele als Motiv in der Literatur, in der es heißt: „Zunächst gilt der Körper als Hülle der S[eele]“. Ob Jakob zu Jonas in eine gleiche Relation gesetzt werden kann, ist fraglich. Dennoch kann hier festgestellt werden, dass dieser Vergleich insofern kann nicht völlig von der Hand zu weisen ist, als dass Gesine sich nach außen hin mit Dr. Blach als Verkörperung des Wissenschaftlichen zeigt – nach innen gekehrt jedoch das Intime und Persönliche – mit Jakob – zutagetritt: das stärker auf dem Boden Gebliebene, der Dialekt – den Johnson auch deshalb verwendet, wenn er Emotionalität ausdrücken möchte –, oder eben auch die Liebe Gesines gegenüber Jakob. Ein weiteres Beispiel ist ebenso die Stelle, an der Gesine ihm ihre Liebe auch offen erklärt: „Ich liebe dich wie den Regen“, heißt es an einer Stelle. Auch wird diese Liebe an jenen Stellen deutlich, wo es um ihre Liebe gegenüber Jakob in Erinnerungen geht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Frauenbilder in der deutschen Nachkriegsliteratur und Begründung der Auswahl der drei untersuchten Romane.
2. Johnson und sein Frauenbild: Analyse der Frauenfiguren bei Uwe Johnson, insbesondere Gesine Cresspahl, unter Berücksichtigung von Bildung, Sexualität und politischer Haltung.
3. Frauenbild in „Zwei Ansichten“: Krankenschwester D. aus Ost-Berlin: Untersuchung der Protagonistin D. in Johnsons Roman „Zwei Ansichten“ und ihre Einordnung in das Gesamtspektrum seiner Frauengestalten.
4. Christa Wolf und ihr Frauenbild in „Der geteilte Himmel“: Literarische Analyse der Figur Rita Seidel bei Christa Wolf und ihr Bezug zum sozialistischen Gesellschaftsbild der DDR.
5. Chancen und Risiken von historischen und biographischen Bezügen: Diskussion darüber, wie historische und biographische Informationen bei der Interpretation literarischer Werke helfen können oder diese einschränken.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Reflexion über die Darstellung von Frauenbildern im Vergleich der beiden Autoren sowie Ausblick auf weitere Forschungsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Uwe Johnson, Christa Wolf, Frauenbild, deutsche Teilung, DDR-Literatur, Geschlechterrollen, Mutmassungen über Jakob, Zwei Ansichten, Der geteilte Himmel, Genderforschung, Identität, Literaturwissenschaft, Nachkriegsliteratur, Sozialismus, Selbstbestimmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Darstellung von Frauenbildern in ausgewählten Werken von Uwe Johnson und Christa Wolf vor dem Hintergrund der deutschen Teilung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder sind die Konstruktion weiblicher Identität, die Auswirkungen historischer Ereignisse auf literarische Figuren sowie das Spannungsfeld zwischen traditionellen und emanzipatorischen Frauenbildern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwiefern sich die historische Wirklichkeit nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Darstellung von Frauen in den Romanen von Uwe Johnson und Christa Wolf auswirkte und wie sich diese Darstellungen unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine literaturkritische Analyse der drei Romane im Vergleich, bei der ein thematischer Leitfaden (Frauenbilder) angewendet wird, um die Figuren in ihrem jeweiligen Kontext zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Einzelanalysen der Romane „Mutmassungen über Jakob“, „Zwei Ansichten“ und „Der geteilte Himmel“, wobei Aspekte wie Bildung, Politik, Sexualität und die Selbstsicherheit der Frauenfiguren gegenübergestellt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie deutsche Teilung, Frauenbild, DDR-Literatur, Uwe Johnson, Christa Wolf und Geschlechterrollen charakterisieren.
Warum spielt die Figur Gesine Cresspahl eine so zentrale Rolle?
Gesine Cresspahl gilt als Prototyp der gebildeten, selbstbewussten Frau bei Johnson und dient als Hauptobjekt für die Untersuchung seiner literarischen Frauengestaltung im Kontext des politischen Umbruchs.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin zum Vergleich zwischen Johnson und Wolf?
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass die anfängliche These, der männliche Autor würde tradierte Rollenbilder stärker reproduzieren als die Autorin, durch die Analyse der ausgewählten Werke nicht eindeutig bestätigt werden kann, da beide Autoren komplexe und teils widersprüchliche Frauenbilder entwerfen.
- Quote paper
- Cansu Güler (Author), 2015, Frauenbilder in Uwe Johnsons „Mutmassungen über Jakob“ und „Zwei Ansichten“ im Vergleich zum Frauenbild in Christa Wolfs „Der geteilte Himmel“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307742