Laut dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes von 2013 leben rund 16,5 Millionen Menschen mit einem Migrationshintergrund in Deutschland, was einem Anteil von 20,5 % der Gesamtbevölkerung entspricht. Die Pluralisierung der kulturellen Lebenseinflüsse und Lebenswelten nimmt in Mehrheitsgesellschaften immer mehr zu. Vielfalt der Kulturen stellt in Einwanderungsgesellschaften, wie auch Deutschland eine ist, einen wichtigen Teil dar, der auch aus dem beruflichen Alltag von pädagogischem Fachpersonal nicht mehr wegzudenken ist.
Im Alltag werden sie zunehmend mit kulturell heterogenen Gruppenkonstellationen konfrontiert, weshalb von ihnen gefordert wird, auf unterschiedlichen Ebenen mit einer Vielfalt im Kontakt mit Familien aber auch mit Kolleginnen und Kollegen umzugehen.
Doch kann sich die alltägliche Begegnung mit kulturell fremden Lebensbedingungen in Mehrheitsgesellschaften für viele als problematisch darstellen. Was ich in dieser Arbeit mit hervorheben möchte, ist, dass diese fremd erscheinenden Bedingungen überschattet werden von Diskriminierungen und anderen schwer wahrnehmbaren Formen von passiver Gewalt, die sich sowohl hinter Dominanz- und Machtstrukturen als auch hinter Normativitätsvorstellungen einer dominierenden Gesellschaftsstruktur verbergen. Schnell werden dadurch Vorurteile gebildet, die im schlimmsten Fall zu einer rassistisch motivierten Abgrenzung und Stereotypisierung führen können, Peter Nick spricht hierbei von einer konstruierten „strukturellen Fremdheit“.
Institutionen und Strukturen des elementaren Bereiches spiegeln die Realität der Gesellschaft wider, weshalb immer mehr interkulturelle Handlungskompetenzen gefragt sind. Da Kinder in besonderer Weise von Ausgrenzung und Marginalisierung bedroht sind, gewinnen diese Kompetenzen für die Arbeit mit interkulturellen Konzeptionen immer mehr an Bedeutung und sind mittlerweile sehr oft sogar Voraussetzung.
Ob und inwieweit diese Ansichten für ein interkulturelles Lernen in den heutigen Konzepten und Ansätzen berücksichtigt werden und welche Rollen die Pädagogen und Pädagoginnen dabei einnehmen, ein interkulturelles Bewusstsein bei Kindern auszubilden, sind zentrale Fragen, mit denen ich mich in dieser Abschlussarbeit im Detail beschäftigen möchte.
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
3. Migration und kulturelle Vielfalt
3.1 Ursachen bzw. Formen von Migration
3.2 Bewusstsein für eine kulturelle Vielfalt in einer Gesellschaft
3.3 Was ist Kultur? Definitionen und Modelle zum Kulturbegriff
3.4 Gefahr einer gesellschaftlichen und politischen Ausgrenzung durch prekäre Fremdbilder
3.5 Idee der Transkulturalität nach Wolfgang Welsch
4. Interkulturelle Pädagogik
4.1 Zur Entstehung einer interkulturellen Pädagogik
4.2 Pädagogische Arbeit als Wegbereiter zum interkulturellen Bewusstsein?
4.3 Bedeutung von Modellen und Ansätzen für ein interkulturelles Lernen
4.4 Interkulturelle Modelle und Ansätze
4.4.1 Bildungs- und Orientierungsprogramme
4.4.2 Staatliche Europa-Schule Berlin
4.4.3 Anti-Bias-Approach
5. Zusammenfassung
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen Migrationsprozessen und der Notwendigkeit einer interkulturellen Konzeptionsentwicklung in pädagogischen Einrichtungen, um Kinder in einer kulturell vielfältigen Gesellschaft chancengerecht zu fördern und Vorurteile abzubauen.
- Historische und soziologische Grundlagen von Migrationsprozessen
- Konstruktive Aspekte des Kulturbegriffs und der Transkulturalität
- Entwicklung und Herausforderungen der interkulturellen Pädagogik in Deutschland
- Methoden zur vorurteilsbewussten Erziehung in Kindertageseinrichtungen
- Bedeutung sprachlicher Bildung und bilingualer Schulkonzepte
Auszug aus dem Buch
3.1 Ursachen bzw. Formen von Migration
Aus unterschiedlichen Anlässen und auf der ganzen Welt sind gegenwärtig so viele Menschen in Bewegung wie nie zuvor. Diese sogenannte Wanderung (oder Migration aus dem lat. migrare) ist jedoch kein neues Phänomen, sondern bildet seit jeher ein zentrales Element der Anpassung des Menschen an Umweltbedingungen und gesellschaftliche Herausforderungen. Einzelne Individuen, Gruppen oder ganze Stämme haben zu allen Zeiten ihre Herkunftsgebiete verlassen, um sich in anderen Regionen niederzulassen.
Auch geplante Ansiedlungen und sogenannte Anwerbungen von Arbeitskräften sind keine Neuerfindungen moderner Gesellschaften. So gehörten zum Beispiel bereits wandernde Handwerksgesellen und andere Fachkräfte, wie italienische Fliesenleger, die in ganz Europa im Rahmen des Zünftesystems von einer Baustelle zur nächsten zogen, zum Charakteristikum des Mittelalters.
Im Zuge des Industrialisierungsprozesses des 19. Jahrhunderts, der Technisierung, der Entwicklung neuer Arbeitsmärkte und der Verstädterung größerer Teile der Welt zu Nationalstaaten verstärkten sich diese Wanderungen und erreichten sowohl quantitativ als auch qualitativ neue Dimensionen, die sich auch und insbesondere im Globalisierungsprozess des 20. und 21. Jahrhunderts widerspiegeln.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Zunahme kultureller Vielfalt in Deutschland und die damit verbundenen Anforderungen an pädagogisches Fachpersonal zur Förderung interkultureller Kompetenzen.
Migration und kulturelle Vielfalt: Dieses Kapitel analysiert Ursachen von Migration, definiert verschiedene Kulturbegriffe und diskutiert die Gefahr gesellschaftlicher Ausgrenzung durch Fremdbilder sowie den transkulturellen Ansatz nach Welsch.
Interkulturelle Pädagogik: Der Hauptteil erläutert die Entstehung der interkulturellen Pädagogik, beleuchtet deren praktische Umsetzung in Kitas und Schulen und stellt Ansätze wie den Anti-Bias-Approach vor.
Zusammenfassung: Das Kapitel rekapituliert die zentralen Erkenntnisse über Migrationsdynamiken und die Bedeutung pädagogischer Institutionen für das interkulturelle Bewusstsein.
Schluss: Der Schluss betont die politische Verantwortung für das Gelingen einer multiethnischen Gesellschaft und unterstreicht die Notwendigkeit, Bildungseinrichtungen als Orte der Anerkennung kultureller Vielfalt zu etablieren.
Schlüsselwörter
Migration, Interkulturelle Pädagogik, Kulturelle Vielfalt, Transkulturalität, Vorurteilsbewusste Erziehung, Anti-Bias-Approach, Identitätsbildung, Migrationsprozesse, Soziale Integration, Bildungsauftrag, Mehrsprachigkeit, Kulturelle Identität, Diskriminierung, Globalisierung, Gesellschaftliche Teilhabe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der notwendigen Verknüpfung von Migrationsprozessen und der Entwicklung interkultureller Konzeptionen in pädagogischen Einrichtungen, um dem sozialen Wandel gerecht zu werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Migrationsgeschichte, verschiedenen Kulturtheorien, der historischen Entwicklung der interkulturellen Pädagogik und konkreten pädagogischen Ansätzen wie dem Anti-Bias-Approach.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Bedeutung einer interkulturellen Ausrichtung von Bildungseinrichtungen aufzuzeigen, um Kindern in einer pluralistischen Gesellschaft gleichberechtigte Chancen zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der Analyse bestehender Fachliteratur und einschlägiger erziehungswissenschaftlicher Diskurse basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der interkulturellen Pädagogik als Antwort auf die Arbeitsmigration und bewertet Modelle wie die Staatliche Europa-Schule Berlin sowie den Anti-Bias-Approach.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Migration, Interkulturelle Pädagogik, Transkulturalität, Vorurteilsbewusste Erziehung und kulturelle Identität sind zentrale Begriffe.
Welche Rolle spielt das "Push-Pull-Modell" in der Arbeit?
Das Modell wird herangezogen, um das Zusammenwirken unterschiedlicher Einflüsse (Vertreibung und Anziehung) zu erklären, die Menschen zur Migration veranlassen.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Staates?
Der Autor betont, dass die Pädagogik allein nicht ausreicht; der Staat steht in der Pflicht, durch politische Aufklärung und soziale Emanzipation die Voraussetzungen für ein harmonisches Zusammenleben zu schaffen.
- Citation du texte
- Fariss Edan (Auteur), 2015, Interkulturelle Pädagogik als Resultat dynamischer Migrationsprozesse? Interkulturelle Konzeptionsentwicklung für pädagogische Einrichtungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307976