Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema Beziehungsgestaltung und Zwangsmaßnahmen bei schizophrenen Patienten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Maßnahmen der Prävention und der professionellen Durchführung von Zwangsmaßnahmen.
Diese Maßnahmen sollen den Pflegenden Möglichkeiten aufzeigen, wie die Beziehung in solchen schwierigen Situationen gestaltet werden kann, damit die Beziehung zum Patienten nicht geschädigt wird bzw. erhalten bleibt. Es werden aber auch Maßnahmen aufgezeigt um die Beziehung zum Patienten aufzubauen bzw. zu festigen. Des Weiteren soll sich die Arbeit auf Zwangsmaßnahmen aufgrund von aggressivem bzw. gewalttätigem Verhalten begrenzen.
Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die Fragen:
• Welche Möglichkeiten der Beziehungsgestaltung gibt es um Zwangsmaßnahmen zu vermeiden?
• Welche Möglichkeiten der Beziehungsgestaltung gibt es bei der Durchführung und während der Zwangsmaßnahmen um die Folgen und Auswirkungen so gering wie möglich zu halten?
Ziel dieser Arbeit ist aufzeigen welche präventiven Möglichkeiten es gibt um Zwangsmaßnahmen zu vermeiden und welche Möglichkeiten um diese professionell durchzuführen. Dadurch soll der Beziehungsaufbau und die Beziehungsgestaltung zum Patienten nicht beeinträchtigt werden.
Ein weiterer Punkt ist, dass die Auswirkungen von Aggressionen und Zwang für Pflegende und Patienten reduziert werden. Es soll aufzeigt werden, dass es verschiedene Einflussmöglichkeiten gibt und man Aggressionen und Zwang nicht hilflos ausgeliefert ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Fragestellung
1.4 Methodik
2. Begriffsbestimmung
3. Präventive Maßnahmen
3.1 Allgemeine Maßnahmen
3.2 Bezugspflege/ Primary Nursing
3.3 Risikoeinschätzung
3.4 Behandlungsvereinbarung
3.5 Deeskalationstraining/ -schulung
4. Professionelle Durchführung von Zwangsmaßnahmen
4.1 Sitzwache
4.2 Nachbesprechung
4.3 Festhalten – eine Alternative zur Fixierung?
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht Möglichkeiten der Beziehungsgestaltung bei schizophrenen Patienten, um den Einsatz von Zwangsmaßnahmen zu vermeiden oder deren Auswirkungen bei unvermeidbarem Einsatz professionell zu minimieren.
- Prävention von aggressivem Verhalten und Gewalt in der Psychiatrie
- Etablierung von Bezugspflegekonzepten zur Beziehungsstabilität
- Systematische Risikoeinschätzung und Behandlungsvereinbarungen
- Deeskalationsmanagement und professionelle Durchführung von Zwangsmaßnahmen
- Reflexion von Nachbesprechungen und Alternativen wie dem Festhalten
Auszug aus dem Buch
3.1 Allgemeine Maßnahmen
In einer qualitativen Studie von Abderhalden, Maljor, Zaboni und Neddham wurden 17 Psychiatrieerfahrene nach Empfehlungen zur Aggressions- und Zwangsprävention befragt. „Aus den Interviewdaten konnte eine große Zahl von impliziten oder expliziten Empfehlungen abgeleitet werden“ (Abderhalden, Maljor, Zaboni & Neddham, 2005, S.235). Die Teilnehmer gaben an, dass durch ein geringeres Machtgefälle zwischen Patienten und Betreuern (vgl. Abderhalden et al., 2005, S.237), ein offeneres Menschenbild und ein breites Gesundheits- und Krankheitsverständnis Zwangsmaßnahmen reduziert werden können. Sie hatten den Eindruck, dass ihr Verhalten `pathalogisiert´ und `psychologisiert´ wird (vgl. Abderhalden et al., 2005, S.238). Weitere Faktoren sind personelle Kontinuität, Rückzugsmöglichkeiten und die Bewegung im Freien (vgl. Abderhalden et al., 2005, S.239f). „Eine entscheidende aggressions- und gewaltpräventive Maßnahme ist nach den Schilderungen der Betroffenen eine gute Information, echte Mitsprache bei der Planung der Pflege und Behandlung, eine partnerschaftliche Zusammenarbeit“(Abderhalden et al., 2005, S.241).
Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) (2010) sieht als Good Clinical Practice „die Wahrung der Intimsphäre und die Respektierung der Bedürfnisse der Nutzer nach Selbstbestimmung, Information und Transparenz von hoher Bedeutung“ (DGPPN, 2010, S.105) zur Vermeidung von Gewalt und Aggression. Des Weiteren auch die „geeignete Gestaltung der räumlichen Bedingungen und der organisatorischen Abläufe in psychiatrischen Institutionen“( DGPPN, 2010, S.105).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Beziehungsgestaltung bei schizophrenen Patienten im Kontext von Zwangsmaßnahmen ein und definiert das Forschungsziel.
2. Begriffsbestimmung: Hier werden die wesentlichen Fachbegriffe, insbesondere Schizophrenie als Diagnose, Beziehungsgestaltung und Zwangsmaßnahmen, definiert und theoretisch eingeordnet.
3. Präventive Maßnahmen: Dieses Kapitel stellt verschiedene Strategien zur Vermeidung von Gewalt und Zwangsmaßnahmen vor, wie Bezugspflege, Risikoeinschätzung und Deeskalationsschulungen.
4. Professionelle Durchführung von Zwangsmaßnahmen: Das Kapitel erläutert den professionellen Umgang mit notwendigen Zwangsmaßnahmen sowie die Bedeutung von Nachbesprechungen und alternativen Interventionsformen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung der Beziehungsgestaltung als Basis für die psychiatrische Pflege zusammen und betont den Bedarf an weiterer wissenschaftlicher Evaluation.
Schlüsselwörter
Beziehungsgestaltung, Schizophrenie, Zwangsmaßnahmen, Psychiatrische Pflege, Deeskalation, Prävention, Fixierung, Bezugspflege, Risikoeinschätzung, Behandlungsvereinbarung, Aggressionsmanagement, Patientensicherheit, Nachbesprechung, Selbstbestimmung, Immobilisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Spannungsfeld zwischen der notwendigen Beziehungsgestaltung in der psychiatrischen Pflege und der Anwendung von Zwangsmaßnahmen bei schizophrenen Patienten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Gewaltprävention in der Psychiatrie, die Verbesserung der Patienten-Pflege-Beziehung, das Deeskalationsmanagement sowie die professionelle Umsetzung und Aufarbeitung von Zwangsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, präventive Möglichkeiten aufzuzeigen, um Zwangsmaßnahmen zu vermeiden, sowie Methoden darzustellen, wie diese bei Unvermeidbarkeit möglichst professionell und schonend durchgeführt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturrecherche, bei der Fachdatenbanken, Online-Kataloge und einschlägige Leitlinien der DGPPN ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in präventive Strategien (wie Bezugspflege und Risikoerfassung) und Handlungsanweisungen für den Ernstfall (wie Sitzwache, Nachbesprechung und das Vier-Stufen-Immobilisationskonzept).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Beziehungsgestaltung, Schizophrenie, Deeskalation, Fixierung, Aggressionsmanagement und Zwangsmaßnahmen.
Warum ist eine Nachbesprechung nach Zwangsmaßnahmen so wichtig?
Nachbesprechungen dienen der Aufarbeitung des Erlebten, der Klärung der Beziehung zwischen Pflegenden und Patienten sowie der präventiven Vermeidung zukünftiger Krisensituationen.
Was unterscheidet das Vier-Stufen-Immobilisationskonzept von einer klassischen Fixierung?
Das Konzept legt den Fokus auf verbale Zuwendung und eine stufenweise Immobilisierung, die den Patienten aktiver einbezieht und die Fixierungsdauer signifikant reduzieren kann.
- Quote paper
- Dimitri Schröder (Author), 2014, Beziehungsgestaltung und Zwangsmaßnahmen bei schizophrenen Patienten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307987