In dieser Arbeit wird eine Begutachtung, die während einer Hospitation beim Medizinischer Dienst der Krankenkassen (MDK) stattfand, näher dargestellt. Zu Beginn wird der Fall dargestellt und anschließend wird der theoretische Hintergrund aufgezeigt mit der Einordnung in die sozialrechtlich orientierte und pflegewissenschaftliche Diskussion, sowie die Ableitung von 3 NANDA Pflegediagnosen mit den dazugehörigen NIC und NOC. Im Anschluss kommt eine kritische Reflexion der Begutachtung auf Grundlage des theoretischen Hintergrunds und des eigenen professionellen Berufsverständnisses.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Falldarstellung
3. Theoretischer Hintergrund
3.1 Einordnung in die sozialrechtliche orientierte Diskussion
3.2 Einordnung in die pflegewissenschaftliche Diskussion
3.3 Ableitung von Pflegediagnosen
4. Kritische Reflexion
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Hausarbeit analysiert eine im Rahmen einer MDK-Hospitation begleitete Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit. Ziel ist es, den Fall anhand des theoretischen Hintergrunds zu reflektieren, geeignete Pflegediagnosen abzuleiten und das aktuelle Begutachtungsverfahren kritisch auf seine pflegewissenschaftliche Fundierung hin zu prüfen.
- Darstellung eines konkreten Fallbeispiels eines 76-jährigen Patienten mit Bronchialkarzinom.
- Gegenüberstellung von sozialrechtlichen Vorgaben (SGB XI) und pflegewissenschaftlichen Anforderungen.
- Systematische Ableitung von NANDA-Pflegediagnosen unter Verwendung von NIC und NOC.
- Kritische Reflexion der aktuellen Begutachtungspraxis sowie Ausblick auf das neue Begutachtungs-Assessment (NBA).
Auszug aus dem Buch
3. Theoretischer Hintergrund
„Die zentrale Aufgabe des Medizinischen Dienstes im Rahmen des SGB XI ist die Feststellung der Pflegebedürftigkeit“ (Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS), 2009, S.14). Zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit wird eine Begutachtung mit einem standardisierten Formulargutachten durchgeführt. Dabei ist der Zeitaufwand für den Hilfebedarf entscheidend für die Feststellung der Pflegebedürftigkeit und die Zuordnung zu einer Pflegestufe (I, II, III). Für die Erfüllung der jeweiligen Stufe müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein und es wird ein bestimmter Zeitaufwand für den Hilfebedarf benötigt (vgl. Sozialgesetzbuch (SGB XI), 1994, §15). „Das SGB XI definiert in § 14 Abs. 4 die Verrichtungen des täglichen Lebens, die bei der Feststellung der Pflegebedürftigkeit zu berücksichtigen sind“ (Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS), 2009, S.65). Sie werden in die 4 Bereiche Körperpflege, Ernährung, Mobilität und hauswirtschaftliche Versorgung unterteilt (vgl. ebd., 2009, S.65).
Bei Hr. H. liegt die Summe des Zeitaufwands in dem Bereich Körperpflege bei 65 Minuten, die Form der Hilfe ist zum überwiegenden Teil die vollständige Übernahme. Der Zeitaufwand im Bereich Ernährung beträgt 12 Minuten. Da Hr. H. sich nur im Bett aufhält und nicht mobil ist, beträgt der Zeitaufwand im Bereich der Mobilität nur 4 Minuten. Für die meisten Verrichtungen in diesem Bereich sind keine Zeitwerte angegeben. Nur für die Verrichtungen Ankleiden Gesamt (3 Minuten) und Entkleiden Gesamt (1 Minute). Diese Zeitwerte sind so gering angegeben, da Hr. H. nur ein Schlafanzugsoberteil an hat und dieses schnell an- und ausgezogen ist. Die Ehefrau übernimmt alle Verrichtungen im dem Bereich hauswirtschaftliche Versorgung, somit liegt hier der tägliche Zeitaufwand bei 60 Minuten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in den Kontext der MDK-Hospitation ein und erläutert das Ziel der Arbeit, eine Begutachtung kritisch darzustellen und wissenschaftlich einzuordnen.
2. Falldarstellung: Hier wird der Gesundheitszustand und die Pflegesituation eines 76-jährigen Patienten mit Bronchialkarzinom sowie die Rolle der pflegenden Ehefrau detailliert beschrieben.
3. Theoretischer Hintergrund: Das Kapitel verknüpft die sozialrechtliche Praxis der Pflegeeinstufung nach SGB XI mit pflegewissenschaftlichen Diskursen und leitet daraus pflegediagnostische Hypothesen ab.
4. Kritische Reflexion: Der Autor hinterfragt die Subjektivität des zeitbasierten Begutachtungsmodells und zeigt Defizite bei der Berücksichtigung von Ressourcen sowie der Vernachlässigung von Entlastungsangeboten für Angehörige auf.
5. Fazit und Ausblick: Zusammenfassend wird die wissenschaftliche Unzureichendkeit des aktuellen Begutachtungsverfahrens konstatiert und die Einführung des neuen Begutachtungs-Assessments (NBA) als positiver Schritt zur Verbesserung der Versorgung bewertet.
Schlüsselwörter
Pflegebedürftigkeit, SGB XI, MDK, Begutachtung, Pflegediagnosen, NANDA, NIC, NOC, Pflegestufe, Zeitaufwand, Pflegeüberlastung, häusliche Pflege, Bronchialkarzinom, neues Begutachtungs-Assessment, aktivierende Pflege
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und Reflexion einer Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit, die der Autor während einer Hospitation beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) begleitet hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Diskrepanz zwischen sozialrechtlicher Begutachtung nach SGB XI und pflegewissenschaftlichen Standards, die Belastung pflegender Angehöriger sowie die Anwendung von Pflegediagnosen im klinischen Alltag.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Auseinandersetzung mit dem aktuellen Begutachtungsverfahren, die Ableitung professioneller Pflegediagnosen für den dargestellten Fall und die Identifikation von Verbesserungspotenzialen in der Versorgung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die Methode der Falldarstellung, kombiniert mit einer Literaturanalyse zu aktuellen Pflegegesetzen sowie der Anwendung des pflegediagnostischen Prozesses (NANDA/NIC/NOC).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Falldarstellung, die theoretische Fundierung der Begutachtung, die Ableitung von drei konkreten Pflegediagnosen und eine kritische Reflexion des Begutachtungsergebnisses.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie SGB XI, MDK-Begutachtung, Pflegediagnosen, Pflegebedürftigkeitsbegriff und häusliche Pflege definiert.
Wie bewertet der Autor die aktuelle Begutachtungssituation für den Patienten Hr. H.?
Der Autor sieht die aktuelle Situation kritisch, da die reine zeitbasierte Begutachtung die tatsächlichen Bedürfnisse des Patienten nicht abbildet und keine individuellen Hilfsangebote für die Ehefrau empfohlen wurden.
Warum wird im Text das neue Begutachtungs-Assessment (NBA) erwähnt?
Das NBA wird angeführt, um aufzuzeigen, wie sich der Pflegebedarf und die Einstufung des Patienten unter einem moderneren, selbstständigkeitsorientierten Bewertungsmodell im Vergleich zum derzeitigen Verfahren verändern würden.
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- Dimitri Schröder (Author), 2015, Pflegebedürftigkeit feststellen. Die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307989