Magie ist Macht. Blutstatus in Harry Potter als Allusion auf die Rassenlehre im Dritten Reich


Ausarbeitung, 2014
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Muggel/Muggelstämmige und Juden als minderwertige Gruppen
2.1 Ansehen von Muggeln und Muggelstämmigen in Harry Potter
2.2 Ansehen von Juden im Dritten Reich
2.3 Vergleich der Ideologien

3.Reinblüter und Arier als Elitegruppen
3.1 Ansehen von Reinblütern in Harry Potter
3.2 Ansehen der „Arischen“ Rasse im Dritten Reich
3.3 Vergleich der Ideologien

4.Weiterführende Gedanken und Fazit
4.1 Widersprüche in Rowlings Ideologie
4.2 Rückschlüsse auf die Lesart von Harry Potter und weiterführende Fragen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bereits im ersten Band von Harry Potter wird deutlich, dass es in der von Joanne K. Rowling geschaffen Welt verschiedene „Arten“ von Zauberern gibt und dass diese Tatsache für unterschiedliche Figuren eine mehr oder weniger wichtige Rolle spielt. Harry sieht sich das erste Mal damit konfrontiert, als er in der Winkelgasse auf Draco Malfoy trifft:

„‚Ich halte überhaupt nichts davon, die anderen aufzunehmen, du etwa? Die sind einfach anders erzogen worden als wir und gehören eben nicht dazu. […] Ich meine, die alten Zaubererfamilien sollten unter sich bleiben‘“ (Rowling 2000a, S. 88)

Mit dieser Aussage macht Draco deutlich, dass er der Meinung ist, dass es einen Unterschied macht, ob jemand aus einer Zaubererfamilie stammt oder muggelstämmig ist. Diese Meinung findet sich bei mehreren Figuren der Harry Potter -Reihe wieder (vgl. Barratt 2012, S. 64).

Auch in der Zeit des Nationalsozialismus gab es eine Unterteilung von Menschen. Es existierte eine Rassenlehre, die auf den Behauptungen beruhte, dass es erblich bedingte Unterschiede zwischen Menschen gebe, die zu einer Unterteilung der Menschheit in unterschiedliche Rassen führe. Dabei wurde davon ausgegangen, dass es einen „natürliche[n] Lebenskampf, in dem das Gesündere und Stärkere siegt“ (Breitling 1971, S. 56) gebe. Juden wurden als eine solche Rasse angesehen, die besonders minderwertig ist. Sie stellten die Opposition zu der arisch-germanischen Rasse dar, die als besonders wertvoll und schützenswert galt. (vgl. Fleming 1987, S. 19f.)

Im Folgenden soll nun näher beleuchtet werden, inwiefern es sinnvoll ist, Parallelen zwischen der Rassenlehre des Nationalsozialismus und dem Blutstatus in der Harry Potter -Reihe zu ziehen und welche Schlüsse daraus für die Lesart der Romane gezogen werden können. Dazu werden die Gruppen der Muggel/Muggelstämmigen und Juden sowie der Reinblüter und der „Arischen“ Rasse betrachtet. Es soll ein Vergleich der Darstellungen der jeweiligen Gruppen in den Ideologien gezogen werden und eventuelle Parallelen betrachtet werden. Um ein Fazit aus diesem Vergleich zu ziehen, werden Widersprüche der Ideologie in Rowlings Büchern aufgezeigt und mögliche Rückschlüsse auf die Lesart der Harry Potter -Bücher gezogen. Zudem werden noch einige weiterführende Fragen gestellt, die Rowling in ihren Büchern oder in Interviews nicht beantwortet hat.

2. Muggel/Muggelstämmige und Juden als minderwertige Gruppen

Juden galten als Feindbild in der Zeit des Nationalsozialismus und litten in Folge dessen unter Diskriminierung und Verfolgung. Auch die Todesser schafften sich mit der Gruppe der Muggelstämmigen und Muggel ein Feindbild. Es soll in diesem Kapitel nun beleuchtet werden, wie diese Feindbilder genau aussehen und ob es Parallelen gibt, die einen Vergleich sinnvoll machen.

2.1 Ansehen von Muggeln und Muggelstämmigen in Harry Potter

Kaum eine Beschreibung in der Harry Potter -Reihe macht so deutlich, wie der Wert von Muggel und Muggelstämmigen während der Regentschaft Voldemorts gesehen wird, wie die des Denkmals im Zaubereiministerium:

„Sie wirkte recht beängstigend, diese riesige Skulptur einer Hexe und eines Zauberers, die auf kunstvoll geschnitzten Thronen saßen […] Am Sockel des Denkmals waren in etwa dreißig Zentimeter großen Buchstaben die Worte MAGIE IST MACHT eingraviert. […] Harry schaute genauer hin und erkannte, dass das, was er für zierreich gemeißelte Throne gehalten hatte, in Wirklichkeit Massen von Menschen waren, aus Stein gehauen: Hunderte und Aberhunderte von nackten Körpern, Männer, Frauen und Kinder, alle mit ziemlich dummen, hässlichen Gesichtern, krümmten sich und zwängten sich zusammen, um die Last der schön gekleideten Zauberer zu tragen. ‚Muggel‘, flüsterte Hermine. ‚An ihrem rechtmäßigen Platz‘“ (Rowling 2007, S. 249f.)

Hier ist klar zu sehen, dass Muggel als eine minderwertige Gruppe angesehen werden, die im Ansehen weit unter den Zauberern stehen. Dieses Bild von Muggeln wird zeitweise auch in Hogwarts gelehrt, wie eine Aussage Neville Longbottoms deutlich macht, in der er erklärt, dass Alecto Carrow als Lehrerin für Muggelkunde im Unterricht ausführt, dass „Muggel wie Tiere sind, dumm und schmutzig, und dass sie die Zauberer in den Untergrund getrieben hätten“ (Rowling 2007, S. 582).

Aber auch Muggelstämmige werden in Voldemorts Blutideologie als unwürdige Gruppe angesehen, die keine Berechtigung haben sollten, Magie zu benutzen, da diese ausschließlich reinblütigen Zauberern vorbehalten sein sollte. Dies lässt sich vor allem im siebten Harry Potter -Band erkennen, da hier offen Muggelstämmige diskriminiert werden. Bei der Anhörung von Muggelstämmigen durch Ministeriumsmitarbeiter werden die Befragten beschuldigt, ihren Zauberstab gestohlen zu haben, da ein Zauberstab nur Hexen und Zauberer aussucht und es somit unmöglich sei, dass ein Muggelstämmiger einen Zauberstab legitim erwerben kann (vgl. Rowling 2007, S. 268f.). Diese Behauptungen werden durch Untersuchungen in der Mysteriumsabteilung des Zaubereiministeriums begründet (vgl. Rowling 2007, S. 216), eine im Geheimen arbeitende Abteilung, so dass die Erkenntnisse vermutlich nicht nachprüfbar sind. Es wird also behauptet, dass Muggelstämmige keine Hexen und Zauberer seien, was durch intransparente Untersuchungen gerechtfertigt werden soll.

Zusätzlich werden in Harry Potter Muggelstämmige von einigen Figuren sogar als eine Gruppe angesehen, die eine Gefahr für die Zauberergemeinschaft darstellt. Man findet dies auf den Broschüren wieder, die während der Regentschaft Voldemorts von Mitarbeitern des Zaubereiministeriums gefertigt werden. Auf diesen abgebildet findet man eine rote Rose mit einem Gesicht, die von Unkraut gewürgt wird. Die Broschüren tragen die Überschrift „SCHLAMMBLÜTER und die Gefahren, die sie für eine friedliche reinblütige Gesellschaft darstellen“ (Rowling 2007, S. 257). Hiermit soll verdeutlicht werden, dass Muggelstämmige sowohl einen geringeren Wert als Reinblüter haben, was in der Darstellung der beiden Gruppen durch die Rose und das Unkraut gezeigt wird, als auch behindernd auf den Erfolg der Gruppe der Reinblüter wirken.

Auch wenn Muggelstämmige in Harry Potter als minderwertige oder sogar gefährliche Gruppe dargestellt werden, kommt es in den Romanen nicht zu einer so stark ausgeprägten rechtlichen Diskriminierung dieser Gruppe. Im siebten Band wird zwar am Beispiel des Muggelstämmigen Dirk Cresswell angedeutet, dass Muggelstämmige aus dem Zaubereiministerium verdrängt werden (vgl. Rowling 2007, S. 252), die Benachteiligung Muggelstämmiger wird aber ansonsten nur durch die Anhörungen durch die „Registrierungskommission für Muggelstämmige“ deutlich.

Anders verhält es sich mit der Diskriminierung im nicht-öffentlichen Raum. Es ist durchaus üblich, dass Muggelstämmige mit Worten wie „Schlammblut“ (Rowling 2007, S. 457) beleidigt werden, woraus ersichtlich wird, dass das Blut und somit die Abstammung von Hexen und Zauberern von einigen Figuren der Harry Potter -Reihe als etwas betrachtet wird, dass einer hierarischen Ordnung folgt. So werden diejenigen Hexen und Zauberer, die von Muggel abstammen auch verbal als etwas Minderwertiges gekennzeichnet. Zudem machen Bezeichnungen wie „Dreckstück“ (Rowling 2007, S. 251) für eine Muggelstämmige und „dreckiger Muggel“ (Rowling 2005, S. 208) deutlich, dass Muggel und Muggelstämmige von einigen Hexen und Zauberern als negativ angesehen werden. Auch öffentlich werden diese Begriffe verwendet, auch wenn man, als Draco Malfoy das Wort „Schlammblut“ erstmals in der Reihe benutzt, an der Reaktion der Mitschüler erkennen kann, dass dies, als Voldemort nicht an der Macht ist, sehr unüblich und sogar verpönt ist (vgl. Rowling 2000b, S. 117).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Magie ist Macht. Blutstatus in Harry Potter als Allusion auf die Rassenlehre im Dritten Reich
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Harry Potter bezaubert die Welt, wie sie ist. Die Ideologie in Rowlings Romanreihe aus pädagogischer Perspektive
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V308000
ISBN (eBook)
9783668061446
ISBN (Buch)
9783668061453
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Harry Potter, Nationalsozialismus, Rassenlehre, Todesser, Muggel, Arier, Reinblüter;, Drittes Reich, Juden, Magie, Blutstatus, Rowling, Ideologie
Arbeit zitieren
Nina Schütze (Autor), 2014, Magie ist Macht. Blutstatus in Harry Potter als Allusion auf die Rassenlehre im Dritten Reich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308000

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