Das Verhältnis von Rechtfertigung und Nachfolge in Bonhoeffers "Nachfolge"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Einordnung des Buches Nachfolge ins Leben Bonhoeffers

3.Begriffsklärungen
3.1.Rechtfertigung
3.2.Heiligung

4.Das Verhältnis von Rechtfertigung und Heiligung
4.1.Begründung von Rechtfertigung.
4.1.1.Selbstrechtfertigung Gottes.
4.1.2.Die Tat Jesu Christi im Glauben anerkennen
4.2.Heiligung
4.2.1.Der Glaubende als Sünder
4.2.2.Der Glaubende als Gerechter/Heiliger
4.3.Wie fließt Heiligung aus Rechtfertigung?

5.Fazit

6.Literaturverzeichnis

Einleitung

Der Grund mich mit dem Thema der Rechtfertigung zu beschäftigen war das Seminar „Kirche und Rechtfertigung“. Zu Beginn des Seminars konnte ich mir nicht wirklich vorstellen was mich erwartet. Allerdings wurde mir dann sehr schnell klar, dass das Verständnis von Rechtfertigung von verschiedenen Theologen der Kirche in der Geschichte und heute unterschiedlich gesehen oder interpretiert wurde.

Hier und dort habe ich schon oft etwas von Dietrich Bonhoeffer gehört und gelesen. Auch das Lied: „Von gute Mächten wunderbar geborgen“ vom ihm habe ich schon oft gesungen. Nie habe ich mich allerdings mit seiner Theologie auseinander gesetzt. So kam mir der Gedanke, dass ich mich mit dem Verständnis der Rechtfertigung von Dietrich Bonhoeffer befassen wollte.

Beim Stöbern in der Literatur stieß ich auf das Buch „Nachfolge“. In diesem Buch setzt Bonhoeffer die Rechtfertigung ins Verhältnis mit der Heiligung. Ihm ist es wichtig, dass Gott uns nicht nur ein Geschenk macht, sondern betont auch die Veränderung, die dadurch mit uns geschehen soll. Wie genau die Heiligung aus der Rechtfertigung herausgeht soll in der Arbeit betrachtet werden.

Zu Beginn soll dazu kurz das Leben Bonhoeffers bis zum Zeitpunkt der „Nachfolge“ dargestellt werden, damit auch die Bewegungsgründe für da Buch verstanden werden können. Darauf folgen zwei Begriffsklärungen zu Rechtfertigung und Heiligung. Erst dann soll auf das Verhältnis der beiden im Buch eingegangen werden. Dazu ist auch wieder wichtig, erst die Rechtfertigung und Heiligung getrennt darzustellen. So kann im letzten Schritt der Zusammenhang herausgestellt werden. Einordnung des Buches Nachfolge ins Leben Bonhoeffers

Dietrich Bonhoeffer wurde 1906 als jüngster Sohn von sieben Geschwistern in Breslau geboren, wuchs aber in Berlin auf, wo auch das Zentrum seines Wirkens war. Seine Familie blieb das ganze Leben etwas Besonderes für ihn, „eine Heimat, die nicht nur an einer besonderen Stelle der Welt war, sondern die er in sich hatte, gleichgültig, wo er selbst sich auch aufhielt“1Sein Vater war Professor für Psychiatrie und seine Mutter examinierte Lehrerin, was der Grund dafür ist, das sie die Kinder in den ersten Schuljahren selbst unterrichtete. Das Familienklima war geprägt durch eine „weltoffene und weltanschauungsoffene Grundhaltung“ mit einer guten Mischung aus „Forderung und Förderung“ von Seiten seiner Eltern.2Die Einflüsse, vor allem auf die innere Stärke Bonhoeffers, werden darin sichtbar, dass er sich schon mit vierzehn Jahren für ein Studium der Theologie entschied. 1923 begann er dann sein Theologiestudium in Tübingen, welches er als 21-jähriger mit seiner Dissertation (Sanctorum Communio) abschloss. Darauf folgte das Vikariat in Barcelona und seine 1930 in Berlin fertiggestellte Habilitation für Systematische Theologie (Akt und Sein).3Bevor er als Privatdozent arbeitet, verbrachte Bonhoeffer ein Studienjahr in New York, während dem er sich mit Jean Lasserre anfreundete. An ihm beobachtete er einen entscheidenden Gehorsam gegen das Friedensgebot Jesu. Diese Beobachtung stand im Widerspruch zu seinem damaligen Verständnis der Bergpredigt, dass der „schlichte Gehorsam gegen das Wort der Bergpredigt unmöglich sei“.4Diese Begegnung und anderen Anforderungen, die er auch durch die Arbeit beim Weltbund für Freundschaftsarbeit hatte, brachten ihn wahrscheinlich zu einer Veränderung, bzw. Umbruch in seinem Denken. Er sagte selbst: „Ich kam zum ersten Malzur Bibel. Das ist auch wieder sehr schlimm zu sagen. Ich hatte schon oft gepredigt, ich hatte schon viel von der Kirche gesehen, darüber geredet und geschrieben - und ich war noch kein Christ geworden, sondern ganz wild und ungebändigt mein eigener Herr…Ich war bei aller Verlassenheit ganz froh an mir selbst. Daraus hat mich die Bibel befreit und insbesonderedie Bergpredigt. Seitdem ist alles anders geworden. Das habe ich deutlich gespürt und sogar andere Menschen um mich herum. Das war eine große Befreiung. Da wurde es mir klar, daß das Leben eines Dieners Jesu Christider Kirchegehören muß und Schritt für Schritt wurde es deutlicher, wie weit das so sein muß“.5

Von diesem Zeitpunkt an war ihm die Kirche immer wichtiger und er setzte für sie ein, was in seinen nächsten Lebensjahren deutlich wird. Auch sind ihr schon die Grundgedanken für sein späteres Buch „Nachfolge“ zu erkennen. Als es 1933 zur Machtergreifung Hitlers kam, äußerte er sich im Radio gegen das „Führerprinzip“, sowohl müsse sich die Kirche als auch die Welt davon fernhalten, zudem sagte er, dass im Hinblick auf die Judenverfolgung politisches Handeln notwendig sei.6Er schaute bei seinen Handlungen nicht mehr auf das, was die anderen machten, sondern richtete seinen Blick auf die Bibel und Jesus Christus. Auch die Themen mit denen er sich beschäftigte grenzten sich gegen die vorherigen ab, weil er davon überzeugt war, dass anstatt „Ordnungstheologie“, nun die Zeit für „Durchbrechungstheologie“ war.7Während seiner Zeit in London, wo er kurzeitig ein Pfarramt übernommen hatte, beschäftigte sich Bonhoeffer schon ausgiebig mit der Bergpredigt und riet der bekennenden Kirche sich von der „Reichskirche“ zu trennen.81935 kehrte er, nach der Berufung zum Leiter des Predigerseminares der Bekennenden Kirche, nach Deutschland zurück, weil er Meinung war, dass dies der Platz war an dem er sein sollte.9Hier entwarf er, aus seinen Vorarbeiten zur Bergpredigt, Vorlesungen für seine Schüler. In den Mitschriften konnten später die Inhalte des Buches „Nachfolge“ erkannt werden, welches er im Jahre 1937 fertigstellte. In ihm stellt er seine neue Sicht, auf dass, was Nachfolge wirklich beutetet, dar, welche aus der „inneren Rebellion gegen das Unrecht“, sei es im persönlichen oder im Kirchensegment, rührte.10In allen seinen Werken kann man erkennen, dass er für die Geschehnisse seiner Zeit sensibel ist und darauf in seinen Werken und Briefen reagiert. Die Werke Bonhoeffers können in drei Zeitabschnitte eingeteilt werden: Der erste wird festgelegt von 1927-1931, hier entstanden unter andrem „Sanctorum Communio“ und „Akt und Sein“. Die Struktur der Gemeinschaft steht im Vordergrund. „Nachfolge“ und „Gemeinsames Leben“ sind Höhepunkte des mittleren Zeitabschnitts von 1932-1939. Ausgehend von den politischen Ereignissen und der Veränderungen der Kirche setzt Bonhoeffer sich hier für das Handeln in der Kirche ein und will damit die Kirche verändern, so dass die Christen wieder „Salz der Erde“ sind und sie sich von der Welt unterscheiden. Der letzte Zeitabschnitt von 1940-1945 umfasst die „Ethik“ und die Briefe „Widerstand und Ergebung“, die er aus dem Gefängnis schrieb.11

Das Buch „Nachfolge“ ist im Gegensatz zu seinen ersten Werken nicht ein „theologisch-wissenschaftliches“, sondern eher ein „spirituell-frommes“ Buch. Er hat in der Beschäftigung mit der Bergpredigt die christliche Botschaft erkannt und will als eine Art Bibelauslegung mit dem Buch zum Glauben führen und diesen stärken. Auch wenn er im ersten Teil seines Buches den Weg Luthers aus dem Kloster in die Welt als einen richtigen Schritt zum Erlenen des Glaubens gesehen hat12, sieht man in seinem Leben manchmal klösterliche Tendenzen, die ihm aber dazu dienen, sich in der Konzentration auf Christus für die Begegnung mit der Welt vorzubereiten. Somit ist die Nachfolge auch „Bonhoeffers christuszentriertestes Buch“, welches in drei Teile, einer Einleitung, der Auslegung der Bergpredigt und einem Schlussteil, aufgeteilt ist.13Insgesamt „suchte er die reformatorischen Begriffe ‹Glaube›, ‹Rechtfertigung› und ‹Heiligung› neu unter dem Begriff ‹Nachfolge› zufassen.“14Er fragt sich ganz neu was Nachfolge ausmacht, wie wir glauben können und gleichzeitig richtig in der Welt handeln, ohne dass wir Christus Unehre bereiten. Was für ihn ganz konkret Rechtfertigung und Heiligung ist und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen soll im Folgenden versucht werden, herauszuarbeiten. Dazu zunächst eine Begriffsklärung beider Begriffe. Begriffsklärungen

3.1. Rechtfertigung

Bis zum 17. Jahrhundert wurde der Begriff Rechtfertigung bei gerichtlichen Prozessen, für Verurteilung bzw. Verteidigung benutzt. Heute hat der Begriff die Bedeutung der Gerechtmachung au dem lateinischen ‚iustificatio‘ oder Gerechtsprechung vom griechischen Wort ‚dikaiosis‘. Daraus wird deutlich, dass genau wie wenn ein Mensch sich vor einem andern für seine Tat rechtfertigen will, immer eine andere Instanz ein Gegenüber gebraucht wird.15Somit erhält bei der Rechtfertigung der Mensch der vor der Welt und Gott im Unrecht ist durch die Gerechtigkeit Gottes Vergebung der Sünden und die Beziehung zu ihm und Gott wird erneuert. Bei Pesch wird nicht ganz deutlich, ob er die nachfolgende ethische Erneuerung auch zur Rechtfertigung dazu zählt oder nur als Folge derer interpretiert. Pesch fasst Rechtfertigung als „Inbegriff für das ganze Heilshandelns Gottes und dessen Annahme durch den Menschen“ zusammen.16

Auch wegen dem Begriff der Gerechtigkeit Gottes, die in der Rechtfertigung zum Ausdruck kommt, wird die Rechtfertigung immer wieder zum Grund von Streitfragen innerhalb den Kirchen.17

[...]


1Dramm, Sabine: Dietrich Bonhoeffer. Eine Einführung in sein Denken, Gütersloh 2001, S.17.

2 Dramm, S. (2001), S. 18.

3 Vgl.Krause, Gerhard: Art.: Bonhoeffer, Dietrich (1906-1945), in: TRE 7, S. 55.

4 Bonhoeffer, Dietrich: Nachfolge (DBW 4), hrsg. v. Martin Kuske und Ilse Tödt, München 1989, S. 308.

5 Ebd. S. 309. (Hervorhebungen von mir).

6 Vgl. Müller, Hanfried: Von der Kirche zur Welt. Hamburg-Bergstedt 1966, S.18f.

7 Bethge, Eberhard: Dietrich Bonhoeffer. Theologe-Christ-Zeitgenosse. Eine Biographie. München 20059, S.525.

8 Vgl. Krause, G. (1981), S. 56.

9 Vgl. Müller, H. (1966), S. 20.

10Daub, Hans Friedrich: Die Stellvertretung Jesu Christi. Ein Aspekt des Gott-Mensch-Verhältnisses bei Dietrich Bonhoeffer. Berlin 2006, S. 375f.

11 Vgl. Müller, H. (1966), S. 41 u. 51f.

12 Vgl. DWB 4, S.35.

13 Vgl. Damm, S. (2001), S. 100ff.

14 Bethge, E. (20059), S. 520.

15 Vgl. Tietz, Christiane: Art.: Rechtfertigung. I. Zum Begriff. In: RGG 7, S. 98.

16 Pesch, Otto Hermann: Art.: Rechtfertigung. I. Begriff. In: LThK 8, S. 882.

17 Vgl. ebd. S.882.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Das Verhältnis von Rechtfertigung und Nachfolge in Bonhoeffers "Nachfolge"
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Evangelische Fakultät)
Veranstaltung
Kirche und Rechtfertigung
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
21
Katalognummer
V308008
ISBN (eBook)
9783668062825
ISBN (Buch)
9783668062832
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heiligung, Rechtfertigung, Bonhoeffer, Nachfolge
Arbeit zitieren
Johanna Franzmann (Autor), 2015, Das Verhältnis von Rechtfertigung und Nachfolge in Bonhoeffers "Nachfolge", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308008

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