Die Hutterer. Erziehung und Berufsbildung in den Gemeinschaften der Wiedertäufer im Mittelalter


Hausarbeit, 2014
12 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung...1

2. Die mährische Arche...2

3. Erziehung der Wiedertäufer...4

4. Berufsbildung der Wiedertäufer...5

5. Fazit...8

Literaturverzeichnis...10

1. Einleitung

"Nach dem gebeet ist der Geörg vom hauß Jacob auffgestanden / vund hat vmb Gottes willen gebeeten den Conrad Grebel / das er In wöll tauffen / mit dem recht Christlichen Tauff / auff seinen Glauben vnnd erkanndtnus. Vnd da er niedergekniet mit solchen Bitt vnd begeren / hat der Conrad In getaufft / weil dazumal sonst keinn verordneter dienner solchen werck zu hanndlen war. Wie nun das beschehen / haben die anderen geleicherweis an den Geörgen begert / das er sie Tauffen soll."[1]

Durch diesen Akt der Erwachsenentaufe zwischen Konrad Greben und Georg Blaurock aus dem Jahr 1525 entstand die Täuferbewegung. Die radikalen Anhänger der Reformation hielten die christlichen Erneuerungen von Martin Luther in Deutschland und Ulrich Zwingli in der Schweiz für unvollständig. Sie lehnten u.a. die Kindertaufe kategorisch ab, da ein Kind nicht im Stande ist, "durch seinen eigenen freien Willen sich für eine Nachfolge Christi zu entscheiden.". Diese Entscheidung könnten lediglich Erwachsene treffen.[2][3] Aus diesem Sachverhalt entstand der Begriff der Wiedertäufer. In kürzester Zeit verbreitete sich die Bewegung von Zürich aus nach Konstanz, Memmingen, Hessen, Schlesien, Preußen und fast allen anderen Teilen Europas.[4] Jakob Hutter war einer der Organisatoren, der die zerstreuten, kleinen Gruppen vor allem im Raum Mähren zusammenbrachte und aus ihnen Gemeinden machte. Die Täufergemeinschaft der Hutterer, die nach Jakob Hutter benannt wurde, ist eine der wenigen freikirchlichen Bewegungen, welche ihre Traditionen weitestgehend bis heute bewahrt haben. Ihre Geschichte war seit dem 16. Jahrhundert geprägt von Verfolgung und Hetzerei, die im 19. Jahrhundert in den USA und in Kanada endete. Zeitweise verringerte sich ihre Mitgliederzahl auf einige hundert Brüder und Schwestern. Heute leben ca. 40.000 Hutterer in der Neuen Welt.[5] Ein friedlicher Ort, in dem die Hutterer Ende des 16. Jahrhunderts Toleranz erfuhren, war Mähren. Anhand der dortigen Begebenheiten und der Erziehungs-, Bildungs- und Arbeitsweise der Wiedertäufer möchte ich in dieser Hausarbeit klären, welche Gründe ausschlaggebend für das lange bestehen dieser freikirchlichen Bewegung waren und welchen Anteil der Berufsbildungsbereich dabei hatte.

2. Die mährische Arche

Das 16. Jahrhundert war eine Epoche geprägt von enormen kirchlichen, gesellschaftlichen und sozialen Veränderungen. Das Bild des Menschen änderte sich durch den Humanismus, die Antike erfuhr eine Renaissance. Neben der Entdeckung Amerikas, die das Gesicht der Erde veränderte und neue Waren nach Europa brachte änderte sich der Zugang zum geistigen Wissen durch die Erfindung des Buchdrucks. Durch die kirchlichen Veränderungen als Folge des Thesenanschlags von Martin Luther und der allgemeinen Verunsicherung entstand die Täuferbewegung.[6] Sie bildeten eine revolutionäre Opposition gegen den Feudalismus und da dieser wesentlich von theologischem Charakter geprägt war auch gegen die Kirche. Der große Zulauf, der die Bewegung erfuhr beunruhigte die Regierung und schon bald begann sie die Wiedertäufer zu unterdrücken und zu verfolgen. Zuflucht fanden die dissidenten Gruppen zwischen Böhmen und der Slowakei - in Mähren. In Mähren konnten sie aus vielerlei Gründen ihr Leben aufbauen. Durch die grausamen, religiösen Kriege wie die Hussitenkriege (1419-1436) hatte sich in Böhmen und Mähren eine Art Toleranz entwickelt, die auch die Täuferbewegung erfuhr.[7] Der mährische Adel besaß eine weitreichende Unabhängigkeit gegenüber der Politik des Königs, wodurch er die Täufer, zum Teil aus Selbstinteresse und zum Teil aus "Protest gegen die Einmischung des Königs in mährische Adelsangelegenheiten", schützen konnte.[8] Das Selbstinteresse resultierte aus der Arbeitsamkeit der Täufer, wodurch ihre Besitzungen aufblühten. Ein weiterer nicht unwesentlicher Grund für Mähren als neue Heimat der verfolgten Wiedertäufer war das wenig ausgeprägte Nationalbewusstsein in der Region. Hierdurch erfuhren sie nicht nur die Akzeptanz, sondern auch die Unterstützung der Bevölkerung.[9] Aus allen Teilen Deutschlands strömten die Wiedertäufer nach Mähren. Zu ihren Mitgliedern zählten größtenteils die untersten Gesellschaftsschichten wie Müller, Maurer, Schuster oder Schmiede.[10] Mähren bot ihnen günstige Entwicklungsbedingungen.

Die Gemeinsamkeit des Konsumieren und das Gemeineigentum an Gütern, d.h. die Gütergemeinschaft bildet die ökonomische Grundlage der Wiedertäufer. Beim Eintritt in die Gemeinde hatten die Mitglieder ihr Eigentum abzugeben. Dieser Gedanke der Gütergemeinschaft konnte sich aus zwei Gründen entwickeln. Erstens forderte die unterdrückte Masse seit jeher die gerechte Aufteilung der Güter. Sie sahen den Reichtum des Adels, der Kaufleute und der Kirche in ihrer Ausbeutung. Zweitens waren die hutterischen Gemeinden Fremde innerhalb einer Nation. Sie waren eine deutsche Sprachinsel innerhalb der slawischen Bevölkerung was eine solidarische Wirkung zwischen den Mitgliedern zur Folge hatte. Diese Solidarität vereinfachte die Durchführung der Gütergemeinschaft.[11] Praktiziert wurde das Prinzip der Gütergemeinschaft in sogenannten Haushaben, d.h. "größere Hofansiedlungen, in denen die Gemeindemitglieder in Gütergemeinschaft lebten und arbeiteten.".[12] Im Schnitt zählten die Haushaben, von denen es Mitte des 16. Jahrhunderts ca. 70 Stück gab, 400-600 Personen. In ihnen wurde zudem gemeinsam gegessen und nach dem Prinzip der strengen Arbeitsteilung gewirtschaftet. Jedem Gemeindemitglied wurde nach Neigung, Fähigkeit und Kenntnissen ein bestimmter Kreis von Aufgaben zugeteilt. Hierbei galt die Gleichheit aller Mitglieder unabhängig von ihrem vorherigen Status in der Gesellschaft.[13]

[...]


[1] Alte hutterische Chronik, in: Peters, Victor: Die Hutterischen Brüder.1528-1992; die geschichtlich und soziale Entwicklung einer erfolgreichen Gütergemeinschaft, Marburg 1992, S. 9

[2] Vgl. Peters, Victor / Thiessen, Jack: Die Hutterischen Brüder.1528-1992; die geschichtlich und soziale Entwicklung einer erfolgreichen Gütergemeinschaft, Marburg 1992, S. 9

[3] Vgl. Packull, Werner / Schlachten, Astrid von: Die Hutterer in Tirol. Ein frühes Täufertum in der Schweiz, Tirol und Mähren, Innsbruck 2000, S. 197-198

[4] Vgl. Kelbert, Heinz: Die fortschrittlich-demokratische Erziehung und Berufsbildung in den Gemeinschaften der Wiedertäufer im Mittelalter, Berlin (Ost) 1959, S. 3

[5] Wikibook: Entstehungsgeschichte der Hutterer [http://de.wikibooks.org/wiki/Entstehungsgeschichte_der_Hutterer], 06.03.2014

[6] Ebd.

[7] Vgl. Peters, Victor / Thiessen, Jack: Die Hutterischen Brüder.1528-1992; die geschichtlich und soziale Entwicklung einer erfolgreichen Gütergemeinschaft, Marburg 1992, S. 26-27

[8] Ebd., S. 33

[9] Vgl. Kelbert, Heinz: Die fortschrittlich-demokratische Erziehung und Berufsbildung in den Gemeinschaften der Wiedertäufer im Mittelalter, Berlin (Ost) 1959, S. 4-5

[10] Vgl. Peters, Victor / Thiessen, Jack: Die Hutterischen Brüder.1528-1992; die geschichtlich und soziale Entwicklung einer erfolgreichen Gütergemeinschaft, Marburg 1992, S. 34

[11] Vgl. Kelbert, Heinz: Die fortschrittlich-demokratische Erziehung und Berufsbildung in den Gemeinschaften der Wiedertäufer im Mittelalter, Berlin (Ost) 1959, S. 4-5

[12] Vgl. Schlachte, Astrid von: Täufergemeinschaften: Die Hutterer, in: Europäische Geschichte Online (EGO), hg. vom Institut für Europäische Geschichte (IEG), Mainz 2011, S. 1

[13] Vgl. Kelbert, Heinz: Die fortschrittlich-demokratische Erziehung und Berufsbildung in den Gemeinschaften der Wiedertäufer im Mittelalter, Berlin (Ost) 1959, S. 6

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Hutterer. Erziehung und Berufsbildung in den Gemeinschaften der Wiedertäufer im Mittelalter
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Institut für Pädagogik)
Veranstaltung
Reflexive Referenzsysteme der Berufs- und Wirtschaftspädagogik. Historisch-Systematische Perspektive
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
12
Katalognummer
V308115
ISBN (eBook)
9783668065475
ISBN (Buch)
9783668065482
Dateigröße
761 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hutterer, erziehung, berufsbildung, gemeinschaften, wiedertäufer, mittelalter
Arbeit zitieren
Lasse Zipfel (Autor), 2014, Die Hutterer. Erziehung und Berufsbildung in den Gemeinschaften der Wiedertäufer im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308115

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