Geschichtliche und rechtliche Hintergründe zum Hitler-Ludendorff Putsch und dem folgenden Prozess 1924


Studienarbeit, 2015
27 Seiten, Note: Vollbefriedigend

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einführung in den Sachverhalt
I. Folgen des 1. Weltkriegs für das Deutsche Reich
1. Novemberrevolution
2. Münchner Räterepublik
3. Friedensvertrag von Versailles und Folgen für das Ruhrgebiet
II. Der Hitler-Ludendorff-Putsch
1. Die Hintergründe
2. Putschisten
a) Kreis um Adolf Hitler
b) Beteiligung der Regierung
3. Der Ablauf
a) Stürmung des Bürgerbräukellers 8.11.23
b) Marsch zur Feldherrnhalle

B. Der Prozess
I. Das Gericht
1. Bayerische Volksgerichtshof
2. Der Spruchkörper Georg Neithardt
II. Sachverhalt der Anklageschrift vom 26.2.1924
1. Inhalt der Anklageschrift
2. Unvollständigkeit der Anklage
III. Verhältnis des Vorsitzenden zu dem Angeklagten Hitler und dem Rechtsextremismus im Allgemeinen
IV. Der Prozessverlauf
V. Das Urteil
1. Inhalt des Urteils
2. Rechtsbeugungen und -“fehler“
a) Verhandlung durch das Volksgericht
b) Rechtswidrige Mindeststrafe
aa) Tod und Schaden an Polizisten und Unbeteiligten
bb) Unerwähnte Tatbestände/Unterlassen der Zurechnung
cc) Bewährungsbrüchigkeit
c) Inaussichtstellung einer Bewährungsfrist und Festhalten an dieser
d) Keine Ausweisung Hitlers
V. Ergebnis des Prozesses

C. Folgen und Fazit

Literaturverzeichnis

Bernstein, Eduard; Die deutsche Revolution von 1918/19: Geschichte der Entstehung und ersten Arbeitsperiode der deutschen Republik; Verlag für Gesellschaft und Erziehung, Berlin-Fichtenau 1921

Dähnhardt, Dirk; Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19; Wachholtz, Neumünster 1978

Deuerlein, Ernst; Der Aufstieg der NSDAP in Augenzeugenberichten, Deutscher Taschenbuch Verlag, 1980

Dornberg, John; ,,Der Hitlerputsch" München, 8. und 9. November 1923, Frankfurt/Main, Berlin, 1989

Gilbhard, Hermann, Die Thule-Gesellschaft – Vom okkulten Mummenschanz zum Hakenkreuz, München 1994

Gorden Junior, Harold; Hitlerputsch 1923. Machtkampf in Bayern 1923–1924, Frankfurt am Main 1971

Gritschneder, Otto; Der Eisnermörder Anton Graf Arco-Valley und die bayerische Justiz; 1986;

--, Bewährungsfrist für den Terroristen Adolf H.; C.H. Beck Verlag; 1990

--, Der Hitler-Prozeß und sein Richter, C.H. Beck Verlag; 2001

Kolb, Eberhard: Die Weimarer Republik. 7. durchges. und erw. Aufl., Oldenbourg, München 2009

Maser, Werner; Der Sturm auf die Republik. Frühgeschichte der NSDAP. DVA, Stuttgart 1973

Müller, Richard ; Vom Kaiserreich zur Republik. Die Novemberrevolution; Berlin 1925

Schilling, Alexander, Der Untersuchungsausschuß des Bayerischen Landtags zum Hitler-Ludendorff Putsch 1924-1928, M.A. (Univ. Mannheim) 1999

Schwabe, Klaus: Quellen zum Friedensschluß von Versailles. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1997

Winkler, Heinrich August; Weimar 1918–1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie. Durchgesehene Auflage, C.H. Beck, München 1998

zur Nieden, Susanna; Der homosexuelle Staatsfeind – zur Geschichte einer Idee. Oldenbourg, München 2006

A. Einführung in den Sachverhalt

Am 08.11.23 startete der Nationalsozialist, künftiger Führer des 3. Reiches und Schwerverbrecher Adolf Hitler in Zusammenarbeit mit General Ludendorff seinen berüchtigten Putschversuch und den dazugehörigen, am nächsten Tag folgenden Marsch auf die Feldherrnhalle, in der Absicht die bestehende Reichsordnung zu beseitigen. Sein Plan war es die Regierung zu stürzen und ein neues, seiner nationalsozialistischen Ideologie entsprechendes System aufzubauen. Nach Scheitern seiner Unternehmung wurde er festgenommen und ihm wurde der Prozess gemacht. Jedoch war die von Befangenheit und Schwachsinn gezeichnete Prozessführung verantwortlich für die Machtübernahme 1933. Jener Richter, welcher Hitlers Bestrebungen hätte Einhalt gebieten sollen, ermöglichte es ihm erst Europa den Schaden zuzufügen, den es von 1933-45 erlitten hatte. Die folgende Arbeit setzt sich mit den Vorgängen und Hintergründen des Putsches, der Richterschaft, der Prozessführung und dem rechtswidrigen Urteil auseinander. Um die Sachzusammenhänge und Bezugnahmen der folgenden Abhandlung über den Hitler-Prozess besser nachvollziehen zu können, wird eine kurze geschichtliche Einführung gegeben.

I. Folgen des 1. Weltkriegs für das Deutsche Reich

1. Novemberrevolution

Der 1. Weltkrieg näherte sich seinem Ende und Deutschland war durch den vier Jahre dauernden Konflikt sowohl wirtschaftlich als auch politisch stark gezeichnet. Seinen Anfang fand die Novemberrevolution in einem Aufstand Kieler Matrosen am 04.11.1918, welcher sich auf das ganze Reich ausbreitete. Grund dafür war der Flottenbefehl vom 24.10.18, bei dem die Kieler Flotte zu einer letzten Schlacht gegen die Royal Navy in den Ärmelkanal hätte entsandt werden sollen.1 Jene Matrosen waren jedoch nicht gewillt ihr Leben in einem bereits gescheiterten Krieg zu lassen und so begann eine Meuterei jener Matrosen, welche sich im Interesse der neuen Regierung handeln sah. Innerhalb von wenigen Wochen war die Monarchie im Land beseitigt. Eisner, erster Ministerpräsident Bayerns, rief vom 07.11. auf den 08.11. den Freistaat Bayern aus und am folgenden Tag dankte der Kaiser endgültig ab.2

2. Münchner Räterepublik

Eisner begann eine sozialistische Republik zu erschaffen und innerhalb des Landes wurden die Unruhen von und zwischen Links und Rechts aufgrund vernichtender Missstände immer heftiger. Der Versuch den Sozialismus im Land durchzusetzen machte Eisner zur Zielscheibe und die Gesamtsituation eskalierte als Rechtsextremist und Halbjude Anton Graf von Arco zu Valley Eisner am 21.02.1919 erschoss.3 Jene Krise führte zu Diskussionen oppositioneller Interessengruppen, woraufhin jedoch der Landtag eine SPD geführte Minderheitregierung ernannte. Demgegenüber rief der Revolutionäre Arbeiterrat am 07.04. die Räterepublik aus. Jene Räterepublik war der Versuch das sozialistische Rätesystem innerhalb Bayerns durchzusetzen. Dies führte zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Parlamentaristen und Befürwortern einer Rätedemokratie, die ihr Ende in einer gewaltsamen Niederschlagung am 02.05. fand.4

3. Friedensvertrag von Versailles und Folgen für das Ruhrgebiet

Das Deutsche Reich war am Ende und so begannen die Friedensverhandlungen zwischen ihm und der Triple Entente, welche die Konditionen für das formale Ende des 1. Weltkrieges konstituierte. Ihr Inhalt war die Konstatierung der alleinigen Verantwortung des Deutschen Reiches für den 1. Weltkrieg, was in immensen Reparationszahlungen und Gebietsabtritt resultierte. Jener Vertrag, welchen das Deutsche Volk als Demütigung empfand, führte zu noch größeren wirtschaftlichen Komplikationen und politischen Spannungen, die ihren Höhepunkt in der Ruhrbesetzung durch die Franzosen fand. Frankreich bestand trotz der offensichtlich immer schlimmer werdenden Allgemeinsituation auf vollständige Reparationszahlungen und entsandte daraufhin 60000 Mann in das Ruhrgebiet. Das führte zu Widerstand der Bevölkerung, woraufhin Stresemann zur Aufgabe dessen aufrief und versuchte mit Frankreich eine Einigung zu treffen.5

II. Der Hitler-Ludendorff-Putsch

1. Die Hintergründe

Die junge Weimarer Republik konstituierte für Deutschland erstmals eine parlamentarische Demokratie und jene politische Premiere schien ein absoluter Fehlschlag zu sein. Unter den, durch die fälligen Reparationszahlungen entstandenen, finanziellen Missständen und der folgenden Pfändung des Ruhrgebiets durch die Franzosen, schoss die Inflation ins Unermessliche. Armut und Wut machte sich innerhalb der Bevölkerung, der Wunsch nach einem politischen Umschwung wurde immer größer.6 Die Gesamtsituation schien instabil, jederzeit waren Unruhen Linker und Rechter zu befürchten. Insbesondere in Bayern, welches bereits seit der Münchner Räterepublik stetig nach rechts rückte, wurde der Schrei nach einem Akt der Revolution zugunsten des Volkes immer und immer lauter: Bayern schien das ideale Sprungbrett für eine Übernahme des gesamten Reiches zu sein. Die labile Situation innerhalb der bayerischen Regierung und die Unzufriedenheit des Volkes sah Hitler als Gelegenheit seine eigenen politischen Ziele zu verfolgen.7

2. Putschisten

a) Kreis um Adolf Hitler

In jener Zeit begann Hitler seinen eigenen Kreis von Nationalisten um sich zu scheren, welche sein antisemitisches, antimarxistisches und chauvinistisches Weltbild teilten. Im Kern bestand jener Kreis aus Ludendorff (einem General und Politiker), Hermann Göring (ab 1935 Oberbefehlshaber der Deutschen Luftwaffe), Hermann Esser (Verfasser der Proklamation an das Deutsche Volk), Ernst Pöhner (Polizeipräsident), Hermann Kriebel (späterer SA-Obergruppenführer) und Friedrich Weber (Veterinärmediziner und späterer SS-Führer).8

b) Beteiligung der Regierung

Gustav Ritter von Kahr wurde im Zuge der Einstellung des Ruhrkampfes zum Generalstaatskommissar ernannt. Der Grund war, dass die bayerische Regierung in Berlin befürchtete, dass die nationalistischen Tendenzen in Bayern, als Hochburg rechtsradikaler Kräfte, die organisatorischen Kompetenzen des bayerischen Regierungschefs Knilling überfordern könnten.9 Durch den ausgerufenen Ausnahmezustand traten von Kahrs diktatorische Vollmachten in Kraft, welche ihn dazu befähigten „sämtliche Behörden des Reiches, des Landes und der Gemeinden – mit Ausnahme der Gerichte und der Militärbehörden – (seiner) Anordnungs- und Verfügungsgewalt (zu unterstellen und) (...) jederzeit (...) vornehmen“10 zu können.

[...]


1 Dirk Dähnhardt; Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19; S. 66; Wachholtz, Neumünster 1978.

2 Eduard Bernstein; Die deutsche Revolution von 1918/19. Geschichte der Entstehung und ersten Arbeitsperiode der deutschen Republik; S. 140 ff; Verlag für Gesellschaft und Erziehung, Berlin-Fichtenau 1921; -

Richard Müller; Vom Kaiserreich zur Republik. Die Novemberrevolution; S. 60 ff.; Malik, Berlin 1925.

3 DGB-Geschichtswerkstatt Fürth; Die Revolution 1918/1919 in Fürth. Erster Weltkrieg-Revolution-Räterepublik; S. 38 ff.

4 Gilbhard, Hermann, Die Thule-Gesellschaft – Vom okkulten Mummenschanz zum Hakenkreuz, München 1994, S. 125.

5 Klaus Schwabe: Quellen zum Friedensschluß von Versailles. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1997, S. 156f.

6 Eberhard Kolb: Die Weimarer Republik. 7. durchges. und erw. Aufl., Oldenbourg, München 2009, S. 60 ff.; Heinrich August Winkler: Weimar 1918–1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie. Durchgesehene Auflage, C.H. Beck, München 1998

7 Ernst Deuerlein: Der Aufstieg der NSDAP in Augenzeugenberichten, Deutscher Taschenbuch Verlag, 1980, S.185.

8 Gritschneder; Hitlerprozess, 10 ff. Werner Maser: Der Sturm auf die Republik. Frühgeschichte der NSDAP. DVA, Stuttgart 1973, S. 422 ff..

9 John Dornberg ,,Der Hitlerputsch" München, 8. und 9. November 1923, Frankfurt/Main, Berlin, 1989.

10 Zorn, Wolfgang, Bayerns Geschichte im 20. Jahrhundert, C.H.Beck, München, S. 270.

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Details

Titel
Geschichtliche und rechtliche Hintergründe zum Hitler-Ludendorff Putsch und dem folgenden Prozess 1924
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Juristische Fakultät)
Veranstaltung
Deutsche Rechtsgeschichte
Note
Vollbefriedigend
Autor
Jahr
2015
Seiten
27
Katalognummer
V308118
ISBN (eBook)
9783668062306
ISBN (Buch)
9783668062313
Dateigröße
682 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geschichtliche, hintergründe, hitler-ludendorff, putsch, prozess
Arbeit zitieren
Darius Dimitropoulos (Autor), 2015, Geschichtliche und rechtliche Hintergründe zum Hitler-Ludendorff Putsch und dem folgenden Prozess 1924, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308118

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