Die Forschungsfrage dieser Bachelorarbeit lässt sich wie folgt zusammenfassen: Inwiefern hat die wirtschaftliche Konjunktur in der EU zwischen 1993 und 2014 Einfluss auf die durchschnittliche Befürwortung der Unionsmitgliedschaft in Deutschland und Frankreich im Vergleich zur gesamten Union?
Die Forschungsfrage beruht auf der Hypothese, dass die Unterstützung der Bevölkerung für die EU hauptsächlich von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängig ist, da die europäische Integration maßgeblich eine ökonomische ist. Zunächst wird untersucht, welche wirtschaftspolitischen outputs von der EU innerhalb des Untersuchungszeitraumes produziert wurden. Die Politikergebnisse entstehen im Kontext der ökonomischen Konjunktur und versuchen mit mittel-, kurz-, und langfristigen Maßnahmen das ökonomische Potential des Binnenmarktes zu erhöhen. Ob und inwiefern die Union diesbezüglich effektive outputs produziert hat, wird anhand der wirtschaftlichen Konjunktur im Untersuchungszeitraum untersucht.
Darauf Aufbauend wird jeweils die Entwicklung der Unterstützungsleistung für die Union sowie für die Mitgliedsstaaten Deutschland und Frankreich im Kontext der konjunkturellen Entwicklung und wirtschafts- und währungspolitischen Entscheidungen untersucht. Dazu wird auf Datensätze von Eurobarometer zurückgegriffen, die für die Erforschung der öffentlichen Meinung innerhalb der EU erhoben werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Forschungsstand
1.3. Methodik
1.4. Aufbau
2. Wirtschafts- und Währungspolitische Entscheidungen auf europäischer Ebene im Kontext der ökonomischen Entwicklung
2.1. Wirtschafts- und Währungspolitik der europäischen Gemeinschaften bis zur formalen Gründung der EU
2.2. Ökonomische Konjunktur von Deutschland und Frankreich im Vergleich zur gesamten Union zwischen 1993 und 2004
2.3. Ökonomische Konjunktur von Deutschland und Frankreich im Vergleich zur gesamten Union zwischen 2004 und 2014
3. Befürwortung der EU-Mitgliedschaft in der gesamten Union zwischen 1993 und 2014
4. Befürwortung der EU-Mitgliedschaft in Frankreich und Deutschland
4.1. Bundesrepublik Deutschland
4.2. Französische Republik
5. Schlussbetrachtungen und Ausblick
6. Bibliografie
7. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern die wirtschaftliche Konjunktur in der Europäischen Union zwischen 1993 und 2014 die durchschnittliche Befürwortung der Unionsmitgliedschaft in Deutschland und Frankreich im Vergleich zur gesamten Union beeinflusst hat.
- Analyse des Einflusses ökonomischer Faktoren auf die öffentliche Meinung zur EU.
- Vergleichende Untersuchung der Länderbeispiele Deutschland und Frankreich.
- Anwendung des Konzepts der prozessorientierten empirischen Legitimationsforschung nach Zürn.
- Einordnung wirtschafts- und währungspolitischer Entscheidungen in das Systemmodell von Almond und Powell.
Auszug aus dem Buch
1.1. Problemstellung:
"Der Maastrichter Vertrag, der am 7. Januar 1992 unterzeichnet wurde markiert in der Geschichte der europäischen Integration eine Zäsur." Mit diesem Vertrag wurde die Europäische Union (EU) aus der damaligen Europäischen Gemeinschaft (EG) gegründet und eine Dreisäulenstruktur vertraglich verankert. Dies hatte eine Ausweitung des supranationalen Charakters und eine gleichzeitige Kompetenzzuweisung für die Mitgliedsstaaten sowie der Union zur Folge. Zu der supranationalen ersten Säule der EG wurden zwei intergouvernementalen Säulen, die Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) und die Polizeiliche und Justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen (PJZS), installiert.
Besonders das mit dem Vertrag von Maastricht (VvM) vereinbarte Ziel der gemeinsamen Währungsunion deutete für die Mitgliedsstaaten auf den zukünftige Verlust der nationalstaatlichen Souveränität im Bereich der Geld- und Fiskalpolitik hin. Diese Ausweitung die supranationalen Charakters, die Vollendung des Binnenmarktes Ende 1992 und das Inkrafttreten von Schengen am 26. Mai 1995 führten in den 1990er Jahren zu neueren Forschungsansätzen in der sozialwissenschaftlichen Integrationsforschung. Bis zu diesem Zeitpunkt bestand in wissenschaftlichen Diskursen Einigkeit, dass die Bevölkerung der europäischen Integration einer schweigenden Akzeptanz gegenüberstand und die Vertretung ihrer mehrheitlichen Interessen der jeweiligen Regierung anvertraute (permissive consensus). Demgegenüber geht die neuere Forschung von einem constraining dissensus aus, nach der die öffentliche Meinung zunehmend von einer kritischen Beurteilung der europäischen Politik geprägt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, skizziert die Problemlage nach dem Vertrag von Maastricht und legt die Forschungsfrage sowie das methodische Vorgehen fest.
2. Wirtschafts- und Währungspolitische Entscheidungen auf europäischer Ebene im Kontext der ökonomischen Entwicklung: Dieses Kapitel ordnet politische Entscheidungen der EU theoretischen policy-Dimensionen zu und analysiert die ökonomische Entwicklung im Zeitverlauf in zwei Phasen.
3. Befürwortung der EU-Mitgliedschaft in der gesamten Union zwischen 1993 und 2014: Hier wird der Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Konjunktur und der Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft für die gesamte Union untersucht.
4. Befürwortung der EU-Mitgliedschaft in Frankreich und Deutschland: Dieses Kapitel analysiert die länderspezifische Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft unter Berücksichtigung nationaler Unterschiede in politischer Kultur und wirtschaftlicher Struktur.
5. Schlussbetrachtungen und Ausblick: Die Ergebnisse der Untersuchung werden zusammengefasst und die Eignung des gewählten methodischen Ansatzes für zukünftige Forschungen diskutiert.
6. Bibliografie: Listet die verwendeten Quellen und Literatur auf.
7. Anhang: Enthält ergänzende Grafiken und Tabellen zur empirischen Untermauerung der Arbeit.
Schlüsselwörter
Europäische Union, Integration, Wirtschafts- und Währungspolitik, Eurobarometer, Konjunktur, Legitimationsforschung, Deutschland, Frankreich, Binnenmarkt, Supranationalismus, Intergouvernementalismus, BIP pro Kopf, Politische Kultur, Fiskalkrise, Euro-Rettungsschirm
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Einfluss der wirtschaftlichen Entwicklung auf die öffentliche Unterstützung für die Europäische Union.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die europäische Wirtschafts- und Währungspolitik, die Entwicklung des BIP pro Kopf und die öffentliche Meinung in Deutschland und Frankreich.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu ermitteln, ob und wie ökonomische Faktoren die Akzeptanz der EU-Mitgliedschaft in den untersuchten Ländern beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Längsschnittanalyse durchgeführt, die Wirtschaftsdaten mit Eurobarometer-Umfrageergebnissen vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden EU-Entscheidungen den theoretischen Funktionen Extraction, Regulation und Distribution zugeordnet und mit der Konjunktur sowie der Bürgerstimmung abgeglichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Europäische Union, Konjunktur, Legitimationsforschung, Deutschland, Frankreich und Integration.
Wie unterscheidet sich die Einstellung Deutschlands von Frankreich gegenüber der EU?
Deutschland zeigt eine stärkere Ausrichtung an der supranationalen Perspektive und Stabilitätspolitik, während Frankreich stärker die intergouvernementale Perspektive und nationale Geltungsmacht betont.
Welchen Einfluss hatten die Finanz- und Schuldenkrise auf die Unterstützung der EU?
Die Krisen führten zu einem deutlichen Rückgang der Zustimmung, da die Installierung von Rettungsschirmen und Sparauflagen von den Bevölkerungen kritisch wahrgenommen wurde.
- Arbeit zitieren
- Daniel Drescher (Autor:in), 2015, Die Befürwortung der EU-Mitgliedschaft in Deutschland und Frankreich. Analyse der durchschnittlichen Unterstützung im Kontext der ökonomischen Entwicklung zwischen 1993 und 2014, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308160