Märchen zur Leseförderung im Unterricht. Eine Analyse von "Rotkäppchen" nach Spinner

Mit Unterrichtsentwurf (1. Klasse Grundschule)


Hausarbeit, 2015

19 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Was macht Märchen gerade für den Literaturunterricht der Primarstufe so bedeutsam?

3. Handlungs- und Produktionsorientierter Literaturunterricht nach Spinner
3.1. Definition
3.2. Grundprinzipien
3.3. Methoden

4. Rotkäppchen im Handlungs- und Produktionsorientiertem Literaturunterricht - ein Unterrichtsentwurf

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Trotz der „literarisch-spektakulären und technisch-medialen Möglichkeiten Anfang des 21. Jahrhunderts“ und dem Übermaß an Optionen zur Unterrichtsgestaltung des Germanistikunterrichts wird auch heute noch im Literaturunterricht der Grundschule vermehrt zu Märchen tendiert.1 Märchen bieten Kindern die Möglichkeit ihre Fantasie und Kreativität auszuleben, weil sie auf eine fantastische Art Geschichten erzählen, die jeden sogleich Berühren.

Besonders in einem Handlungs- und Produktionsorientiertem Literatur­unterricht der Primarstufe, in denen es den Schülerinnen und Schülern ermöglicht wird durch kreative Gestaltungen, szenisches Spiel oder auch Vertonung einzelner Kapitel oder Absätze mit Literatur in einer völlig divergenten Art zu der analysierend und interpretierenden Methode zu arbeiten,2 werden Märchen häufig für die Gestaltung verschiedenster Unterrichteinheiten, besonders aber für den Bereich der Leseförderung, benutzt. Die Leseförderung ist ein elementares Glied des Germanistik Unterrichts an deutschen Schulen, da die Fähigkeit zu lesen den Schülerinnen und Schülern enorme Bildungs- und Lebenschancen ermöglicht. Doch stellt sich die Frage, aus welchem Grund die Leseförderung bereits in der Primarstufe so einen enormen Stellenwert im Literaturunterricht darstellt. Lesen bietet Kindern die Möglichkeit ihren eigenen Horizont zu erweitern und ebenso die Kompetenz, sich Wissen selbst anzueignen. Zudem eröffnet die Fähigkeit zu lesen den Kinder eine völlig neue Welt, da sie nun ihre Umwelt durch das Entziffern von Buchstaben und Zahlen völlig neu wahrnehmen können. Dabei ist es wichtig zu betonen, dass die Lesepraxis nach aktuellen Studien etwa bis zu dem 14. Lebensjahr vorhanden sein muss um ein erfolgreiches und lebenslanges Lernen ermöglichen zu können.3

Diese Ausarbeitung stellt zunächst die Bedeutung der Märchen innerhalb des Literaturunterrichts der Primarstufe dar. Im weiteren Verlauf wird deutlich gemacht, aus welchem Grund und mit Hilfe welcher Methoden Handlungs- und Produktionsorientierte Verfahren im Literaturunterricht eingesetzt werden. Abschließend wird ein Unterrichtsentwurf entwickelt, anhand dessen produktive Verfahren nach Spinner am Beispiel des Märchens Rotkäppchens anwendbar sind.

2. Was macht Märchen gerade für den Literaturunterricht der Primarstufe so bedeutsam?

Obwohl schon etwa 200 Jahre vergangen sind, seit dem der erste Band der Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm veröffentlicht wurde, sind die in ihm enthaltenen Märchen noch immer größtenteils identisch geblieben. Dies resultiert aus der Gegebenheit, dass die Brüder Grimm ihre Volkserzählungen in einer „so meisterhaft einfachen Sprache“ zu Papier brachten, dass diese, würde man sie überarbeiten oder erneuern wollen, nicht mehr dieselbe Wirkung erzielen würden.4

Ebendieser besondere Schreibstil der Gebrüder Grimm führt dazu, dass ihre Märchen eine besondere Erzählatmosphäre bieten, welche die Schülerinnen und Schüler dazu bewegt sich still zu verhalten, dem Erzählten angeregt zu folgen und es den Kindern zudem ermöglicht anhand des Gehörtem ihren Sprachschatz auszubauen und zu erweitern.5 Märchen kennen die meisten Kinder schon aus dem Elternhaus. Sie werden von Mama, Papa oder auch den Großeltern oder den Geschwistern vorgelesen und bieten den Kindern, schon beim Eintreten der Primarstufe, durch den meist identischen Aufbau gute Kenntnisse über die Textgattung der Märchen. Dieser typische Aufbau bezeichnet beispielsweise den allgemeinen Beginn jedes Grimmschen Märchens. Sobald Kinder die Phrase „Es war einmal […]“ hören oder lesen, wissen sie sogleich um welche Textart es sich handelt. Auch gibt es innerhalb von Märchen immer einen Helden, welcher eine Aufgabe oder ein Problem lösen muss. Bei dieser Problembewältigung entstehen jedoch Hindernisse, meist auf Grund einer spezifischen Schwäche des jeweiligen Protagonisten, die die Bewältigung des Problems noch einmal um ein vielfaches verkomplizieren. Doch durch Helfer, die durch Pflanzen, Tiere oder Dinge dargestellt werden, gelangt der Protagonist am Ende immer zu seinem Ziel und somit zu der Abschlussphrase „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“6

Besonders für den Handlungs- und Produktionsorientiertem Literatur­unterricht in der Grundschule sind Märchen bestens geeignet. Diese sind in der heutigen Zeit durch Neuverfilmungen, Theaterstücke oder auch Hörbücher und Bücher für Kinder noch immer zeitgemäß.7 Darüber hinaus sind die Protagonisten, dieser oft wunderbaren und auch seltsamen Geschichten, mehrheitlich Zauberer, Hexen, Feen, Prinzen und Prinzessinnen, für welche sich gerade Kinder enorm Interessieren. Doch sind es besonders die einfachen, ganz normalen Menschen dieser Textgattung, mit denen sich die Kinder identifizieren können.

Lesefördernd wirken Märchen also vorrangig, weil sie das Interesse der Kinder wecken können. Sie zeigen ihnen eine Welt voller Möglichkeiten und erzählen wunderbare, manchmal tragische, oder auch zauberhafte Geschichten. Der typische Aufbau der Märchen weckt schon bei den Leseanfängern in der ersten Klasse die Neugier die benötigt wird um Kindern den Spaß am Lesen zu vermitteln und sie somit auch dazu zu bewegen,

3. Handlungs- und Produktionsorientierter Literaturunterricht nach Spinner

3.1. Definition

Zunächst einmal ist es von großer Bedeutung aufzuzeigen, um welche Art von Unterricht es sich bei dem Handlungs- und Produktionsorientiertem Literaturunterricht handelt.

Als Handlungsorientiert wird dieser Ansatz bezeichnet, da die Schüleraktivität im Vergleich zu anderen schulischen Ansätzen sehr hoch ist und die Schülerinnen und Schüler mehrheitlich Selbstständig arbeiten. Zudem ist es ein: „[…] ganzheitliches Tun, das kognitive, sinnhafte und affektive Zugänge miteinander verbindet“.8 Neben dem steht der Terminus Produktionsorientiert welcher verdeutlicht, dass die Schülerinnen und Schüler sich innerhalb dieses Ansatzes eigenständig und kritisch mit verschiedenster Literatur auseinander setzen und diese zudem durch diverse Verfahren, wie beispielweise szenische Darstellung oder musikalische Untermalung einzelner Kapitel oder Absätze, bearbeiten.9

Die Handlungsorientiertheit verdeutlicht also die immense Relevanz der Selbstbestimmung und Eigenständigkeit der Kinder innerhalb dieses Unterrichtskonzepts, währenddessen die Produktionsorientiertheit vor allem die Produktivität der Schüler in den Vordergrund stellt.10

3.2. Grundprinzipien

Nach Spinner können die Schülerinnen und Schüler (SuS) im Literaturunterricht weitaus mehr und besser lernen, wenn der Unterricht nicht ausschließlich durch die Lehrkraft gelenkt, gestaltet oder vorbereitet wird und nur analysierend und interpretierend stattfindet.11

Der Handlungs- und Produktionsorientierte Literaturunterricht ist ein didaktisch-methodisches Unterrichtskonzept, welches verschiedenste Möglichkeiten bietet mit Literatur zu arbeiten und umzugehen.12 Die Aufgabe des Lehrers besteht darin, die bestmögliche Methode der Textgestaltung für die jeweilige Literatur ausfindig zu machen. Die Schülerinnen und Schüler beteiligen sich anhand dieser Methoden aktiv an der Sinnbildung des Textes. Der Sinn eines Textes wird immer auch vom Leser mit geschaffen, da jeder Text so genannte Leerstellen enthält, die es dem Leser ermöglichen sich aktiv an der Gestaltung dieser Textstelle zu beteiligen und seine eigenen Vorstellungen einzubringen.13

[...]


1 Dr. Brigitta Reddig-Korn, Beate Weiß: „Konfekt – Anregungen für guten Grundschulunterricht“ Heft 2/2012, hier S. 4

2 Klaus-Michael Bogdal, Hermann Korte: „Grundzüge der Literaturdidaktik“, Praxis Deutsch 2002, hier S. 247

3 Verena Falk, Leseförderung durch Märchen, Universität Vechta, Examensarbeit 2005, hier S. 2

4 Dr. Brigitta Reddig-Korn, Beate Weiß: „Konfekt – Anregungen für guten Grundschulunterricht“ Heft 2/2012, hier S. 7

5 Ebd., hier S. 8

6 http://wortwuchs.net/maerchen-merkmale/ (24.03.2015)

7 Dr. Brigitta Reddig-Korn, Beate Weiß: „Konfekt – Anregungen für guten Grundschulunterricht“ Heft 2/2012, hier S. 4

8 Klaus-Michael Bogdal, Hermann Korte: „Grundzüge der Literaturdidaktik“, Praxis Deutsch 2002, hier S. 247

9 http://www.phil1.uni-wuerzburg.de/fileadmin/05010600/Materialien/Hochholzer/LesenSS07/Basisartikel_hup_Praxis_Deutsch.pdf (25.03.2015), hier S. 21

10 Ebd.

11 http://www.germanistik.uni-wuerzburg.de/fileadmin/05010600/Materialien/Hochholzer/LesenSS07/Spinner_Neue_Wege_im_Literaturunterricht.pdf, hier S. 33

12 Henning Gädeken, Ein handlungs- und produktionsorientierter Deutschunterricht - aufgezeigt an "Hänsel und Gretel", Universität Hannover, Examensarbeit 2006, hier S. 2

13 http://www.germanistik.uni-wuerzburg.de/fileadmin/05010600/Materialien/Hochholzer/LesenSS07/Spinner_Neue_Wege_im_Literaturunterricht.pdf, hier S. 34

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Details

Titel
Märchen zur Leseförderung im Unterricht. Eine Analyse von "Rotkäppchen" nach Spinner
Untertitel
Mit Unterrichtsentwurf (1. Klasse Grundschule)
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V308165
ISBN (eBook)
9783668063648
ISBN (Buch)
9783668063655
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
märchen, leseförderung, unterricht, eine, analyse, rotkäppchen, spinner, unterrichtsentwurf, klasse, grundschule
Arbeit zitieren
Angelina Zink (Autor), 2015, Märchen zur Leseförderung im Unterricht. Eine Analyse von "Rotkäppchen" nach Spinner, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308165

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