Steht die Intentionale Strategie unter dem Einfluss höherer Systeme?

"Die Intentionale Strategie" von Daniel Dennett


Seminararbeit, 2015

8 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Dennett`s Theorie: Die intentionale Strategie

3. Benötigt ein intentionales System ein Grad von Freiheit?
3.1. Überzeugung eines Roboters: WALL-E
3.2. Passiv implizierte Abhängigkeit
3.3. Pseudofreiheit

4. Schlusswort

5. Quellen:

1. Einleitung

Es ist für jeden Menschen unvermeidbar Voraussagen über die Zukunft zu machen. Von kleinen Angelegenheiten im Leben, wie beispielsweise ein Schachspiel, bis hin zur Lebensplanung werden zukunftsbezogene Ereignisse und Abläufe erdacht, abgewogen und dementsprechend wird dann in der Gegenwart agiert. Niemand bezieht unrealistische Faktoren in diese Kalkulierungen, denn die Eintreffwahrscheinlichkeit für die geahnten Voraussagungen sollte möglichst hoch sein. Für effektive Voraussagen über die Zukunft bedarf es an bestimmten Strategien. Abhängig von der Situation gibt es dafür viele Optionen. Eine mögliche Option ist die intentionale Strategie, die von Daniel Dennett beschrieben wird. Und mit ihr werden wir uns in dieser Ausarbeitung auseinandersetzen, versuchen die folgenden Fragen zu klären: Ist die Funktionstüchtigkeit dieser Strategie so primitiv, wie Dennett sie beschreibt? Oder wirken auch unüberschaubare Parameter auf die intentionale Strategie ein, auf die Dennett nicht eingeht? Im Folgenden wird Dennett`s Theorie kurz vorgestellt. Danach wir anhand des Roboters „WALL-E“ verdeutlicht, dass für die zugeschriebenen Überzeugungen ein bestimmter Grad an Freiheit notwendig ist. Der Begriff Freiheit wird mit einer Abhängigkeit konfrontiert und folglich stellt sich die Frage, ob die intentionale Strategie eines Systems von höheren Systemen beeinträchtigt wird und somit unter ihrem Einfluss steht.

2. Dennett`s Theorie: Die intentionale Strategie

Die intentionale Strategie ist eine Vorhersagestrategie, die anhand von Wünschen und Überzeugungen, die ein System hat oder haben sollte, Voraussagen darüber macht, wie dieses System handeln wird. Nämlich so, dass es seine Ziele im Lichte der Überzeugungen und Wünsche erreicht. Zu diesen Wünschen zählen Überleben, Abwesenheit von Schmerz, Nahrung, Komfort, Nachwuchs, Unterhaltung. Andere Wünsche lassen sich auf diese sechs zurückführen. Zu den Überzeugungen zählen alle Wahrheiten, die für die Interessen oder Wünsche des Systems relevant sind, die die bisherigen Erfahrungen des Systems verfügbar gemacht haben.[1]

3. Benötigt ein intentionales System ein Grad von Freiheit?

Nach Dennett sind die Wünsche eines intentionalen Systems auf die sechs Wünsche zurückzuführen. Da die Wünsche, in gewisser Hinsicht die Überzeugungen beeinflussen, wirken diese sich auch auf sie aus. Jedoch beeinflussen die Umstände nicht nur die Wünsche des Systems, sondern auch seine Optionen und somit ergibt sich die Frage, ob ein solches System einen Mindestradius an Freiheit benötigt, damit Dennett`s Theorie gültig wird? Im folgenden wird der Roboter Wall-E vorgestellt und Anhand den sechs Wünschen überprüft ob die Handlungen mit Dennett`s Philosophie im Einklang sind.

3.1. Überzeugung eines Roboters: WALL-E

Knöpfen wir uns den Roboter WALL-E vor. Dieser Roboter ist mit einer bestimmten Technik ausgestattet, um die Erde zu säubern. Er hat Solarzellen eingebaut und bezieht somit ihre Energie vom Sonnenlicht, indem es bei Bedarf die Solarflügel öffnet. Die Unterkunft des Roboters ist ein Spezialcontainer, indem sich auch Ersatzteile befinden. WALL-E muss bei Bedarf die notwendigen Ersatzteile selber ersetzen. Er muss sich also in jeder Hinsicht selbst reparieren. Während WALL-E seine Arbeit mit Erfolg erledigt, sammelt er in seinem Container auch auffällige Gegenstände. Eines der Sammlungen ist ein Videorekorder mit einem Film. Der Roboter schaut sich diesen Film an und erlebt bei einer romantischen Szene emotionale Momente, was man in erstem Moment nicht von einem Roboter erwartet.

WALL-E`s Aktionen sind mit den oben genannten Wünschen verträglich. Den Überleben- und Nahrungsaspekt können wir hier zusammenführen, da das Sonnenlicht beide Bedürfnisse stillt. Das wird vor allem daran deutlich, dass WALL-E am Morgen unter der Sonne steht, um seine Batterie aufzuladen. Der Komfort bei einem Roboter unterscheidet sich vom Menschen. WALL-E betritt seine Wohnung ohne seine Antriebsketten. Vor dem Ruhezustand gibt er einen Schups, damit er beim schaukeln „einschläft“. Das Sammeln von besonderen Gegenständen sowie das Fernsehen und das Musikhören scheinen sein Bedürfnis nach Unterhaltung zu stillen. Vor allem die Tatsache, dass er nicht durchgehend arbeitet, sondern sich auch anderweitig beschäftigt, ist ein eindeutiges Indiz für die Existenz dieser Wünsche.

Ein Wunsch und Bedürfnis nach der Fortpflanzung ist bei WALL-E nicht vorhanden. Die Überzeugung zu säubern ist ihm einprogrammiert und gilt als sein Hauptziel. Jedoch scheint dabei kein fester Algorithmus oder ein festes System vorgeschrieben zu sein. Seine Arbeitszeiten, Arbeitsmaterial und Arbeitsrhythmus bestimmt er selbst. Diese Freiheit erkennt man vor allem, als Eva, ein weiblicher fortschrittlicher Roboter mit der Aufgabe eine Pflanze zu finden, auftaucht und WALL-E seine ganze Aufmerksamkeit ihr widmet und sich in sie verliebt. Die gegebene Freiheit schafft aber den Freiraum, sodass WALL-E eine Überzeugung entfalten und unbeeinflusst herumstromern kann. Festgeschriebene Systeme bekommen nicht die Gelegenheit eine Überzeugung zu entwickeln. Wenn einem Roboter akribisch die Geschwindigkeit, die Route, und der algorithmische Ablauf seiner Handlung vorgeschrieben wird, kann bei solch einem Roboter keine Überzeugung dominieren.

Untersuchen wir nun die Abhängigkeit des scheinbar freien Roboters. WALL-E scheint beim ersten Blick, vom Sonnenlicht abhängig zu sein. Er benötigt des Weiteren eine Unterkunft und Ersatzteile, um Wartungsarbeiten durchführen zu können. Die geringe Anzahl an Abhängigkeiten verleiht dem Roboter die Einzigartigkeit, Überzeugung zu besitzen.

3.2. Passiv implizierte Abhängigkeit

Bei genauerem Hinschauen ist sogar ein Roboter, der Überzeugungen besitzt von weiteren Faktoren abhängig. Es herrscht keine Abhängigkeit ersten Grades, jedoch ist die passive Abhängigkeit unvorstellbar groß und komplex. Es existieren unzählige Voraussetzungen, die dafür sorgen, dass sich WALL-E im gegebenen Freiheitsraum intuitiv bewegen kann. Wenn auch nur einer der unzählbaren Faktoren seine Funktion nicht erfüllt, entsteht eine unkontrollierbare Kettenreaktion, die folglich WALL-E`s Freiheit möglicherweise annulliert. Wenn die Freiheit eines Systems nicht gewährleistet werden kann, entfällt auch die Zuschreibung von Überzeugungen.

Nehmen wir an, dass WALL-E bei seiner Aufräumarbeit einen klebrigen Stoff auf sich schüttet und diese nur die Öffnung der Solarzellen blockiert. WALL-E hat weiterhin die Fahrmöglichkeit. Jedoch bringt ihm die freie Fahrfähigkeit nicht viel, denn die Sonne, Ersatzteile u.ä verlieren ihre Bedeutung. Anscheinend sind primitive und winzige Faktoren in der Lage alles zu blockieren. Mit der Komplexität eines Systems wächst die Abhängigkeit. Größere Abhängigkeit bedeutet, weniger Freiheit für das System. Ab einem bestimmten Grad von Freiheit ist eine Zuschreibung von Überzeugung nicht mehr möglich, da das System jeglicher Entscheidungsfreiheit beraubt wird. Mit der wachsenden Komplexität steigt die Wahrscheinlichkeit für ein Hindernis oder einer Blockade zur Erfüllung der Wünsche. WALL-E ist beispielsweise technisch nicht darauf ausgelegt, bei einem Sandsturm zu überleben. Nur ein Wackelkontakt für den wetterzuständigen Sensor kann WALL-E`s Existenz gefährden und unter Umständen auch beenden.

[...]


[1] Dennett, Daniel: Wahrhaft Glaubende: Die intentionale Strategie und warum sie funktioniert. In: Grundkurs Philosophie des Geistes. Intentionalität und mentale Repräsentation. Paderborn 2010. Bd 3. S.399-423.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Steht die Intentionale Strategie unter dem Einfluss höherer Systeme?
Untertitel
"Die Intentionale Strategie" von Daniel Dennett
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
8
Katalognummer
V308208
ISBN (eBook)
9783668062726
ISBN (Buch)
9783668062733
Dateigröße
919 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Daniel Dennett, Intentionale Strategie
Arbeit zitieren
Necati Günes (Autor:in), 2015, Steht die Intentionale Strategie unter dem Einfluss höherer Systeme?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308208

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