Das Ingredient Branding von IBM und Intel

Eine Untersuchung auf Grundlage der Prinzipal-Agent-Theorie


Hausarbeit, 2014

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1 Das Konzept des Ingredient Brandings
2.2 IBM und Intel als Akteure des Ingredient Brandings
2.3 Die Prinzipal-Agent-Theorie

3. Analyse der Prinzipal-Agent-Probleme und mögliche Lösungen im Rahmen der Ingredient Branding-Beziehung von IBM und Intel
3.1 Rollenverteilung und Probleme bei der Einführung der Ingredient Branding-Beziehung
3.2 Rollenverteilung und Probleme der etablierten Ingredient Branding-Beziehung
3.3 Maßnahmen zur Lösung der hidden action-Probleme
3.4 Maßnahmen zur Lösung des hold up-Problems

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Interaktion im Ingredient Branding

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Das heutige Wirtschaftsgeschehen ist geprägt von Arbeitsteilung. Bis ein Produkt beim Endverbraucher ankommt und von diesem konsumiert werden kann, durchläuft es je nach Produkt unterschiedlich viele Wertschöpfungsstufen, die zum Wert des Produktes beitragen.1 Welchen Wert das Produkt am Ende dieser Wertschöpfungskette für den Endverbraucher hat, entscheidet nicht selten die Produkt- bzw. Unternehmensmarke und ihre Wahrnehmung durch den Endverbraucher. Folglich sind Marken ein Werttreiber für Unternehmenswerte und Markenführung in Unternehmen Bestandteil zentraler Strategieplanung.2 Je nach Stufe innerhalb der Wertschöpfungskette und dem Wettbewerbsumfeld unterscheiden sich allerdings Maßnahmen zum Aufbau und zur Positionierung von Unternehmens- und Produktmarke voneinander.3

Mit der „Intel Inside“-Kampagne gelang es dem amerikanischen Zulieferer Intel in den 90er-Jahren durch Kooperation mit führenden Computerherstellern, wie IBM, sowie aggressiver Kommunikationspolitik, eine Marke für seine Mikroprozessoren zu etablieren. Durch die Kommunikation der großen Relevanz der Mikroprozessoren für die Qualität eines Computers stieg die Nachfrage nach den hochwertigen Intel-Komponenten, was den kooperierenden Computerherstellern und vor allem Intel sowohl großen Erfolg als auch veränderte Markenwahrnehmung brachte.4

Diese als „Ingredient Branding“ bezeichnete Marketingstrategie wird in dieser Arbeit im Rahmen der Zusammenarbeit von IBM und Intel untersucht. Als theoretisches Model dient dabei die Prinzipal-Agent-Theorie der Neuen Institutionenökonomik. In den folgenden Kapiteln werden zunächst das Konzept des Ingredient Brandings, die beiden betrachteten Unternehmen sowie die für diese Arbeit wichtigsten Aspekte und Aussagen der Prinzipal-Agent-Theorie vorgestellt. Im weiteren Verlauf folgen eine Analyse der Rollenverteilung von IBM und Intel sowie damit einhergehende Probleme und mögliche Lösungsmaßnahmen.

2. Grundlagen

2.1 Das Konzept des Ingredient Brandings

Unter Ingredient Branding wird das Markieren von einzelnen, wesentlichen Produktkomponenten des Folge- bzw. Endprodukts verstanden.5 Hierbei tritt der Zulieferer aus der Anonymität heraus, die durch die Unsichtbarkeit seiner Komponente (Ingredient Brand) im Endprodukt (Hostbrand)6 entsteht.7 Es handelt sich bei diesem Konzept um eine mehrstufige Markenpolitik, da der Zulieferer sowohl mit dem Abnehmer der unmittelbar anschließenden Marktstufe (B2B) als auch mit dessen Abnehmern, meist dem Konsumenten, interagiert (B2C).8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Interaktion im Ingredient Branding, aus: Pförtsch, W./ Müller, I. (2006), S.24.

Es gibt drei wesentliche Akteure, die Einfluss auf den Erfolg einer Ingredient Branding-Strategie nehmen: Das Zulieferunternehmen als Hersteller von Komponenten bzw. Vorprodukten9 und Initiator des Ingredient Brandings, den Vorproduktabnehmer oder auch OEM (Original Equipment Manufacturer), als Kooperationspartner, sowie letztliche den Konsumenten, der Endprodukte und darin enthaltene, markierte Komponenten nachfragt.10 Grundlage für den Erfolg dieser Markenstrategie ist die Kombination des Push- und Pull- Prinzips. Dabei soll durch absatzfördernde Maßnahmen der Angebotsdruck des Zulieferers auf den OEM einerseits und durch Anreizsysteme die Hervorhebung der Komponente durch den OEM andererseits forciert werden (Push-Strategie). Gleichzeitig versucht der Zulieferer einen Nachfragesog zu erzeugen, indem er dem Konsumenten die Vorzüge der Komponente im Endprodukt verdeutlicht (Pull-Strategie).11 Der Zulieferer überspringt also durch seine endverbraucherorientierte Markenkommunikation die Wertschöpfungsstufe des OEM (Vgl. Abb.1).

Durch eine Ingredient Branding-Strategie verfolgt das Zuliefererunternehmen verschiedene Ziele. Erstens tritt es durch die Markenpräsenz aus der Anonymität heraus, die durch die Weiterverarbeitung der Komponente und der daraus resultierenden Unsichtbarkeit für den Endverbraucher entsteht.12 Zweitens profitiert das Zuliefererunternehmen, aber auch der OEM von der gestiegenen Nachfrage der Endverbraucher nach gewissen Produktkomponenten durch erhöhte Absatzzahlen. Aus den beiden genannten Zielen ergibt sich also eine verringerte Substituierbarkeit durch konkurrierende Zuliefererunternehmen, die sich langfristig in einem nachhaltigen Wettbewerbsvorteil äußern.13

Der OEM verfolgt durch die Kooperation im Rahmen des Ingredient Brandings ebenfalls verschiedene Ziele. Zum einen kann die hohe Reputation einzelner Produktkomponenten die qualitative Wahrnehmung der Endprodukte positiv beeinflussen.14 Zum anderen ergeben sich Kostenvorteile durch Bezuschussung bei Werbebudgets.15 Übergeordnet steht das Ziel der Umsatz- bzw. Gewinnmaximierung.16

2.2 IBM und Intel als Akteure des Ingredient Brandings

Um den Praxisbezug herzustellen, werden in diesem Abschnitt die beiden betrachteten Unternehmen IBM und Intel kurz vorgestellt.

IBM ist ein integriertes Technologie- und Beratungsunternehmen mit Sitz in Armonk, New York, das 1911 gegründet wurde. Im Jahr 2013 erreichte IBM einen Jahresumsatz von 99,8 Milliarden US-Dollar mit ca. 430.000 Mitarbeitern weltweit.17 Das Unternehmen ist in fünf Geschäftsbereiche unterteilt, die Dienstleistungen in Form von IT-Infrastruktur, Consulting, Software-Engineering, Serversystemen und Finanzierungsmodellen anbietet.18 Die Marke IBM rangiert mit einem Markenwert von 78,808 Milliarden US-Dollar auf Platz vier der wertvollsten Marken der Welt.19

Das Unternehmen Intel Corporation (kurz: Intel) ist der weltweit führende Hersteller von Halbleitern und Mikroprozessoren.20 Intel wurde 1968 in Mountain View, Kalifornien, gegründet. Im Jahr 2012 erzielte Intel mit 105.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 53,341 Milliarden US-Dollar weltweit. Die Geschäftsbereiche umfassen die Entwicklung und Produktion von kompletten Prozessor- und Speichermodulen zur Anwendung in PCs und Serversystemen, die zusammen 84% des Umsatzes ausmachen, aber auch für mobile Endgeräte sowie Sicherheits- Softwareprodukte.21 Intel rangiert in der Liste der wertvollsten Marken 2013 auf dem neunten Platz mit einem Markenwert von 37,257 Milliarden US-Dollar.22

2.3 Die Prinzipal-Agent-Theorie

Die Prinzipal-Agent-Theorie der Neuen Institutionenökonomik beschreibt eine Vertrags- oder Abhängigkeitsbeziehung, bei der der Auftraggeber (Prinzipal) den Auftragnehmer (Agent) beauftragt, eine Handlung im Sinne des Prinzipals zu verrichten.23 Im Rahmen dieser Theorie werden einige Grundannahmen getroffen. So wird der Prinzipal sowohl negativ als auch positiv von den Handlungen des Agenten beeinflusst, externe Effekte sind also berücksichtigt. Zudem verhalten sich alle Akteure als rationale Nutzenmaximierer, gemäß dem Menschenbild des homo oeconomicus. Hierbei ist zu beachten, dass Prinzipal und Agent i.d.R. unterschiedliche Nutzenvorstellungen haben, wodurch ein Zielkonflikt vorliegt. Des Weiteren geht die Prinzipal-Agent-Theorie von einer Informationsasymmetrie aus, bei der der Agent von einem Informationsvorsprung gegenüber dem Prinzipal profitieren kann.24 Aus diesen Grundannahmen resultieren verschiedene Probleme, von denen hier nur die für den Zweck dieser Arbeit relevanten erläutert werden.

Nach Vertragsabschluss kann es passieren, dass der Prinzipal zwar das vereinbarte Ergebnis beobachten, die Handlung des Agenten aber nicht ohne weiteres kontrollieren kann. Daher kann der Prinzipal nicht beurteilen, inwiefern exogene Faktoren zum Ergebnis beigetragen haben. Dieses als „hidden action“ bezeichnete Problem ergibt sich aus der Informationsasymmetrie zwischen Prinzipal und Agent und birgt die Gefahr des „Moral Hazard“, des opportunistischen Verhaltens durch den Agenten.25

Darüber hinaus ist es dem Prinzipal nicht möglich, vor Vertragsabschluss die Absichten, bspw. das Verhalten bei Meinungsverschiedenheiten, des Agenten zu erkennen, was als „hidden intention“-Problem bezeichnet wird. Während der Prinzipal den Vertrag vor Vertragsschluss jederzeit zurücknehmen kann, droht ihm nach Vertragsschluss eine Ausbeutung durch den Agenten, wenn die Abhängigkeit von diesem auf Grund von hohen spezifischen Investitionen hoch ist. Das Problem der Ausbeutung durch den Agenten auf Grund von Abhängigkeit nach Vertragsschluss wird als „hold up“ bezeichnet.26

Zur Lösung der beschriebenen Probleme finden sich verschiedene Ansätze. Durch Interessensangleichung im Rahmen von geeigneten Verträgen kann im Falle des Moral Hazard dafür gesorgt werden, dass der Agent im Sinne des Prinzipals handelt.27 Ebenso können Informationsasymmetrien durch Monitoring, also Kontrollsysteme, verringert werden, was wiederum eine Bewertung des Agenten erleichtert. Zur Lösung einer hold up-Gefahr als einseitige Abhängigkeitsbeziehung kann die Schaffung eines wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnisses dienen. Dazu könnte der Prinzipal ein Pfand verlangen, das den Agenten zwingt, im Interesse des Prinzipals zu handeln. Auch könnte durch Integration im Rahmen von langfristigen Verträgen oder bspw. Kapitalbeteiligungen eine wechselseitige Abhängigkeit geschaffen werden.28

3. Analyse der Prinzipal-Agent-Probleme und mögliche Lösungen im Rahmen der Ingredient Branding-Beziehung von IBM und Intel

Nachdem in Kapitel 2 die Grundlagen vermittelt wurden, folgt in diesem Kapitel eine Analyse der Ingredient Branding-Beziehung von IBM und Intel. Dabei liegt der Fokus in Kapitel 3.1 auf dem Beginn der Ingredient Branding-Beziehung, während Kapitel 3.2 die bereits etablierte Beziehung betrachtet. Da der Schwerpunkt dieser Arbeit auf dem B2B-Verhältnis liegt, bleibt die Perspektive der Konsumenten unberücksichtigt.

3.1 Rollenverteilung und Probleme bei der Einführung der Ingredient Branding-Beziehung

Der folgende Abschnitt untersucht die Rollenverteilung und damit einhergehende Probleme zu Beginn der Ingredient Branding-Beziehung von IBM und Intel. Der Fokus liegt dabei auf der Zeit kurz nach Vertragsschluss und behandelt daher nicht die Probleme, die bei der Findung eines geeigneten Partners auftreten.

Mit der Kampagne „Intel Inside“ entschließt sich Intel Anfang der 90er-Jahre trotz einer klaren Marktführerrolle im Bereich der Mikroprozessoren zu einer neuen Marketingstrategie. Auf Grund von aufkommender Konkurrenz werden neben dem klassischen B2B-Marketing die Endverbraucher durch eine aggressive B2C-Kommunikationspolitik direkt angesprochen.29 Dem Konsumenten wird so verdeutlicht, dass der Mikroprozessor die entscheidende Komponente für die Leistung eines PCs darstellt, wodurch die Nachfrage nach Intel-Produkten gesteigert werden soll. Neben der eigenen Werbung setzt Intel dabei auf die Kooperation mit führenden OEM-Computerherstellern wie IBM. Durch die gemeinsame Kommunikation soll die Marke Intel einer breiten Masse geläufig werden.30

Dieses Kooperationsverhältnis kann durch die Prinzipal-Agent-Theorie beschrieben werden. Demnach besteht ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Intel, dem Prinzipal, und IBM, dem Agenten. Da die Marke Intel dem Endverbraucher zu Beginn der Ingredient Branding-Beziehung noch unbekannt ist, ist Intel darauf angewiesen, dass IBM auf Grund seiner Markenstärke und Reputation beim Endverbraucher einen Imagetransfer leistet, der die Marke Intel sukzessive bekannt macht. Dies setzt eine gemeinsame Kommunikation voraus, die die Qualität von IBM-Produkten unmittelbar mit Intel in Verbindung bringt, was durch gemeinsame Werbespots oder Intel-Aufkleber auf IBM-Computern gewährleistet werden soll.

Im Rahmen dieser Zusammenarbeit äußert sich das Problem der hidden action.31 Intel ist es nicht möglich nachzuvollziehen, inwiefern die Anstrengungen in Form von Kommunikationsmaßnahmen durch IBM zu einem Aufbau der Marke Intel beigetragen haben. Die Markenstärke und Reputation insgesamt kann durch Kennzahlen und Befragung von Endverbrauchern mehr oder weniger präzise ermittelt werden. Aber da sich Wertsteigerung und Steigerung des Bekanntheitsgrads einer Marke durch Marketingmaßnahmen kaum anteilig auf einzelne Akteure heruntergebrochen messen lassen, erschwert der Einfluss von exogenen Faktoren eine Beurteilung der Arbeit des Agenten.32 Es besteht also eine Informationsasymmetrie, da der Agent seine eigenen Anstrengungen kennt, der Prinzipal jedoch nicht.

Eine Informationsasymmetrie alleine führt nicht zwangsläufig zu Problemen, solange zwischen Prinzipal und Agent Zielkongruenz besteht. Intel verfolgt durch die Intel Inside-Kampagne sowohl kurzfristige als auch langfristige Ziele. Auf kurze Sicht muss die Marke Intel dem Endverbraucher vorgestellt und eine Reputation als Qualitätsmarke aufgebaut werden, was durch hohe Ausgaben für Kommunikation erreicht werden soll. Dies dient dem längerfristigen Ziel, sich der Substituierbarkeit durch Konkurrenten zu entziehen und die Nachfrage nach Intel-Produkten zu steigern. IBM hingegen verfolgt durch das Ingredient Branding eher längerfristige Ziele, da es erst von der Herausstellung der Besonderheit Intels profitiert, wenn sich diese Marke beim Endverbraucher etabliert hat, was wiederum Zeit benötigt. Obwohl keine klare Zieldivergenz vorliegt, kann angenommen werden, dass der Aufbau einer starken Marke für Intel kurzfristig von höherer Bedeutung ist als für IBM.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in der frühen Phase der Ingredient Branding-Beziehung ein Abhängigkeitsverhältnis besteht, das aus Sicht der Prinzipal-Agent-Theorie Intel als Prinzipal, IBM als Agent beschreibt. Die Informationsasymmetrie der hidden action in Verbindung mit einer teilweise schwach ausgeprägten Zielkongruenz ist hierbei problematisch.

3.2 Rollenverteilung und Probleme der etablierten Ingredient Branding-Beziehung

Während in Kapitel 3.1 die Beziehung von IBM und Intel zu Beginn der Zusammenarbeit analysiert wird, liegt die Betrachtung in diesem Kapitel auf dem Verhältnis von IBM und Intel, nachdem sich Intel als Komponentenmarke bei den Endverbrauchern etabliert hat.

Durch den hohen Bekanntheitsgrad, den Intel durch die „Intel Inside“-Kampagne erreichen konnte33, ergibt sich aus Sicht der Prinzipal-Agent-Theorie zunächst eine andere Rollenverteilung, verglichen mit dem Beginn der Ingredient Branding-Beziehung. So befindet sich Intel nun in der Position des Agenten und IBM in der des Prinzipals. Der Grund hierfür liegt in der Abhängigkeit von Intel, mit der sich IBM konfrontiert sieht. Intel ist es durch hohe Investitionen in Kommunikationsmaßnahmen und Markenaufbau gelungen, sich eine Reputation als Hersteller zu erarbeiten, der für die Leistung eines Computers maßgebliche Mikroprozessoren produziert.34 Dies hat zur Folge, dass führende PC-Hersteller wie IBM nicht in der Lage sind auf Intel-Komponenten zu verzichten, da diese für die Kaufentscheidung der Endverbraucher große Relevanz besitzen und nachgefragt werden. Die Marke IBM alleine genügt dem Endverbraucher nicht mehr für eine Kaufentscheidung, sondern nur noch in Verbindung mit der Marke Intel.35

Ein weiteres Problem ergibt sich für IBM dadurch, dass Intel neben IBM bereits Mitte der 90er-Jahre noch etliche andere PC-Hersteller in seine Ingredient Branding-Strategie mit einbezogen hat.36 Begründet werden kann dieses Problem dann durch den allgemeinen Standard, den Intel in der Computerindustrie mit seinen Produkten setzt. Ein Computer ohne Intel-Prozessor erzeugt bei den Kunden Skepsis, wodurch die Verwendung dieser Bauteile quasi ein Muss für jeden PC-Hersteller wird, möchte er seine Produkte verkaufen. Da das Differenzierungskriterium Prozessor für den Endverbraucher wegfällt37, zwingt es PC-Hersteller durch die Herausstellung anderer Vorzüge das Kaufinteresse des Kunden zu wecken. Dies kann sich unter anderem in Form von harten Preiskämpfen äußern.

Die aufgezeigte Abhängigkeit IBMs von Intel führt aus Sicht der Prinzipal-Agent-Theorie zu einem hidden intention-Problem. Genauer handelt es sich um ein hold up-Problem38, das sich nach Vertragsschluss von IBM und Intel ergeben hat. Auf Grund seiner Machtposition ist es Intel, dem Agenten, möglich, IBM, den Prinzipal, durch die Vorgabe von Preisen und Konditionen auszubeuten. Die Gefahr ist in diesem Fall groß, wenn man die spezifischen Investitionen betrachtet, die IBM in Intel getätigt hat. Obwohl der Ansatz der Faktorspezifität ein Element der Transaktionskostentheorie darstellt, eignet er sich in diesem Fall, um das Prinzipal-Agent-Problem zu erläutern. Nach diesem Ansatz bedeutet die Spezifität „Einmaligkeit und Nicht-Austauschbarkeit eines Gutes oder einer Leistung“.39 Demnach können zwei verschiedene Arten von spezifischen Investitionen ausgemacht werden, die IBM im Rahmen des Ingredient Brandings durchgeführt hat.

Zum einen sind es die materiellen Investitionen in Form von Kosten für gemeinsame Werbung, die Intel aus der Anonymität eines Zulieferers in das Bewusstsein der Endverbraucher gebracht hat. Zum anderen und weitaus bedeutsamer erfolgte eine spezifische Investition in Intel im Rahmen des Reputations- bzw. Imagetransfers40. Dieser Transfer sorgte zu Beginn der Zusammenarbeit dafür, dass Intels Mikroprozessoren als die entscheidende Komponente für die Güte eines PCs, sowie Intel als qualitativ hochwertige Marke wahrgenommen wurden. Diese von Bugdahl als „Rufausbeutung“41 bezeichnete Vorgehensweise hat dazu geführt, dass die Marke IBM und das Image, das sie verkörpert, mit der Marke Intel eine starke Interdependenz eingegangen ist. Die Nicht-Austauschbarkeit äußert sich insofern, als dass sich IBM nur unter sehr hohen Kosten bzw. Verlusten dieser wechselseitigen Abhängigkeit entziehen kann. So könnte IBM zwar darauf verzichten, Intel als entscheidende Komponente in ihren PCs darzustellen, dies hätte aber negative Resonanz der Endverbraucher zur Folge, die bewusst Intel-Komponenten nachfragen, was in Form von Umsatzrückgängen zum Tragen käme.

[...]


1 Vgl. Kleinaltenkamp, M. (2001), S.261.

2 Vgl. Esch, F.-R. (2012), S.55.

3 Vgl. Backhaus, K./ Voeth, M. (2010), S.10.

4 Vgl. Tunder, R./ Behre, S. (2010), S.249.

5 Vgl. Tunder, R./ Behre, S. (2010), S. 246.

6 Vgl. ebenda.

7 Vgl. Pförtsch, W./ Müller, I. (2006), S.26.

8 Vgl. ebenda, S.13.

9 In Abb.1 als “Ingredient-Hersteller” bezeichnet.

10 Vgl. Havenstein, M. (2004), S.117.

11 Vgl. Pförtsch, W./ Müller, I. (2006), S.23.

12 Vgl. Kleinaltenkamp, M. (2009), S.156.

13 Vgl. Tunder, R., Behre, S. (2010), S.253.

14 Vgl. ebenda, S.255.

15 Vgl. Havenstein, M. (2004), S.107.

16 Die Ziele der Endverbraucher sind hier auf Grund des Fokus auf die B2B-Perspektive unberücksichtigt.

17 Vgl. IBM (2014).

18 Vgl. ebenda.

19 Vgl. Interbrand (2014).

20 Vgl. IC Insights (2013).

21 Vgl. Intel (2013).

22 Vgl. Interbrand (2014).

23 Vgl. Jensen, M. C./ Meckling, W. H. (1976), S.308.

24 Vgl. Göbel, E. (2002), S.100.

25 Vgl. Picot, A./ Dietl, H./ Frank, E. (2008), S.75.

26 Vgl. Göbel, E. (2002), S.103.

27 Vgl. Göbel, E. (2002), S.113.

28 Vgl. Picot, A./ Dietl, H./ Frank, E. (2008), S.79f.

29 Vgl. Schmäh, M./ Erdmeier, P. (1997), S.122.

30 Vgl. Kleinaltenkamp, M. (2001), S.264.

31 Vgl. Kapitel 2.3.

32 Vgl. Esch, F.-R./ Langner, L./ Brunner, C. (2005), S.1231.

33 Vgl. Bugdahl, V. (1996), S.110f.

34 Vgl. Schmäh, M./ Erdmeier, P. (1997), S.124f.

35 Vgl. Kleinaltenkamp, M. (2001), S.269.

36 Vgl. Schmäh, M./ Erdmeier, P. (1997), S.124.

37 Vgl. Pförtsch, W./ Müller, I. (2006), S.40.

38 Vgl. Kapitel 2.3.

39 Göbel, E. (2002), S.137.

40 Vgl. Kapitel 3.1.

41 Bugdahl, V. (1996), S.110.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Das Ingredient Branding von IBM und Intel
Untertitel
Eine Untersuchung auf Grundlage der Prinzipal-Agent-Theorie
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (IfG)
Veranstaltung
Unternehmenskooperation - Aktuelle Fälle
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
20
Katalognummer
V308348
ISBN (eBook)
9783668069770
ISBN (Buch)
9783668069787
Dateigröße
715 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ingredient Branding, IBM, Intel, Markting, Marke, Prinzipal-Agenten-Theorie, principal agent theory, Unternehmenskoperation
Arbeit zitieren
B. Sc. Tjorben Grote (Autor), 2014, Das Ingredient Branding von IBM und Intel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308348

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