Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Der Kindsmord in der Literatur des 18. Jahrhunderts. Zum realhistorischen Hintergrund des Motivs der Kindsmörderin in der Literatur der Aufklärung

Titel: Der Kindsmord in der Literatur des 18. Jahrhunderts. Zum realhistorischen Hintergrund des Motivs der Kindsmörderin in der Literatur der Aufklärung

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2004 , 30 Seiten , Note: sehr gut (1)

Autor:in: Verena Knorpp (Autor:in)

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Bei einer näheren Betrachtung der deutschen Literatur in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts fällt auf, dass das Motiv der Kindsmörderin in allen Arten der Dichtung sehr häufig auftritt. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts waren europaweit Probleme der Kinderversorgung durch den Staat oder die Kindesaussetzung diskutiert worden. Während in anderen Ländern letztgenanntes Phänomen den Schwerpunkt bildete, beanspruchte in Deutschland vor allem das Problem der Kindestötung besondere Aufmerksamkeit. Dies spiegelt sich auch in der Literatur. Man denke, um nur die bekanntesten Beispiele zu nennen, etwa an die Gretchentragödie in Goethes Faust oder Wagners „Kindermörderin“.

Da Dichter stets im Kontext ihrer Zeit stehen, ist es in jedem Fall von großer Bedeutung, den realhistorischen Hintergrund literarischer Texte zu kennen. Im Falle des Kindsmords trifft dies in besonderem Maße zu, da gerade hier die dichterische Arbeit in engem Zusammenhang mit einer angeregten Diskussion und großen gesellschaftlichen Umbrüchen stand. Im Rahmen der Aufklärung fand ein Umdenken hinsichtlich gesellschaftlicher und sittlicher Anschauungen statt, während andererseits alte gesetzliche Bestimmungen noch in Kraft waren. Der Kindsmord als Thema besaß daher zum damaligen Zeitpunkt höchste Aktualität.

In dieser Arbeit sollen die genannten Zeitumstände im Einzelnen beleuchtet werden, die eine Grundlage der literarischen Analyse bilden. Eine konkrete Betrachtung literarischer Beispiele selbst würde den Rahmen dieser Arbeit leider sprengen, weshalb zum Abschluss der Ausführungen nur kurz auf Variationen des Motivs in der Dichtung sowie beispiel- und skizzenhaft auf Wagners „Kindermörderin“ eingegangen werden soll.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

1. DER KINDSMORD IM STRAFRECHT

1.1 DER KINDSMORD IN DER CAROLINA

1.2 DIE BEWERTUNG DER TAT UND DAS STRAFMAß

1.3 DIE HÄUFIGKEIT DES KINDSMORDES

1.4 DIE BESTRAFUNG VON UNZUCHT

1.5. DER KINDSMORD IM FRANZÖSISCHEN STRAFRECHT

2. DIE NEUBEWERTUNG DES KINDSMORDS IM RAHMEN DER AUFKLÄRUNG

2.1 VERMUTETE TATMOTIVE UND LÖSUNGSVORSCHLÄGE

2.2 DIE REFORMEN FRIEDRICHS II.

3. DIE TATSÄCHLICHEN VERHÄLTNISSE IM ZEITALTER DER AUFKLÄRUNG

3.1 DIE SITUATION DER TYPISCHEN KINDSMÖRDERIN

3.2 DIE VÄTER DER KINDER

3.3 DIE TATMOTIVE

4. DAS MOTIV DES KINDSMORDES IN DER LITERATUR

4.1 VARIANTEN DES MOTIVS DER KINDSMÖRDERIN

4.2 WAGNERS „KINDERMÖRDERIN“

5. SCHLUSSBEMERKUNG

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den realhistorischen Hintergrund des literarischen Motivs der Kindsmörderin in der deutschen Literatur der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der in der Literatur dargestellten Figur und den tatsächlichen gesellschaftlichen sowie strafrechtlichen Rahmenbedingungen der Zeit aufzuzeigen, um so ein fundiertes Verständnis der literarischen Auseinandersetzung mit diesem Thema zu ermöglichen.

  • Analyse des strafrechtlichen Rahmens (u.a. Carolina) und dessen Wandel im 18. Jahrhundert.
  • Untersuchung der gesellschaftlichen Bedingungen und Tatmotive für den Kindsmord.
  • Darstellung der aufklärerischen Debatte und Reformansätze (z.B. Reformen Friedrichs II.).
  • Analyse der literarischen Gestaltung des Motivs und spezifischer Werke, insbesondere Wagners „Kindermörderin“.

Auszug aus dem Buch

1.1 Der Kindsmord in der Carolina

In Deutschland war die Rechtssprechung noch bis ins 19. Jahrhundert hinein von der sogenannten „Constitutio Criminalis Carolina“ bestimmt. Es handelte sich hierbei um die „peinliche Gerichtsordnung“ Karls V., die am 25.07.1532 vom Regensburger Reichstag genehmigt wurde. Sie war als Leitfaden für ungebildete Schöffen gedacht gewesen und sollte die verschiedenen geltenden Rechte im Kaiserreich vereinheitlichen. In hohem Maße wurden hier christliche Anschauungen in das weltliche Strafrecht übernommen.

Den Begriff des Kindsmords hat die Carolina ihrerseits beinahe wörtlich von der sogenannten „Bambergensis“ übernommen. Diese behandelte den Kindsmord als völlig selbständiges Delikt mit eigenen Bedingungen – subsumiert ihn also ganz bewusst nicht einfach unter den Verwandtenmord.

In Artikel 35 der Carolina heißt es:

„Item so man eyn dirn so für eyn jungfraw geht, imm argkwon hat, dass sie heymlich eyn kindt gehabt unnd ertödt habe, soll man sonderlich erkunden, ob sie mit einem grossen ungewonlichen leib gesehen worden sei. Mer, ob jr der leib kleyner worden. Und darnach bleych und schwach gewest sei.“ (...) „Und wenn sich der Verdacht bei näherer Untersuchung verdichtet und bestätig , mag man sie peinlich [d.h. unter der Folter] fragen.“

Zusammenfassung der Kapitel

EINLEITUNG: Einführung in das literarische Motiv der Kindsmörderin und Begründung der Notwendigkeit einer historischen Kontextualisierung im Rahmen der Aufklärung.

1. DER KINDSMORD IM STRAFRECHT: Darstellung der rechtlichen Ausgangslage durch die Carolina sowie die Entwicklung von Strafverfahren und Sanktionen bis zum 18. Jahrhundert.

2. DIE NEUBEWERTUNG DES KINDSMORDS IM RAHMEN DER AUFKLÄRUNG: Analyse des philosophischen Wandels und der humanistischen Bestrebungen, die zu einer Hinterfragung der harten Strafpraxis führten.

3. DIE TATSÄCHLICHEN VERHÄLTNISSE IM ZEITALTER DER AUFKLÄRUNG: Gegenüberstellung der literarischen Mythen mit der sozialen Realität der betroffenen Frauen und der tatsächlichen Hintergründe von Kindstötungen.

4. DAS MOTIV DES KINDSMORDES IN DER LITERATUR: Untersuchung, wie Dichter das Motiv nutzten, um gesellschaftliche Abgrenzungen vorzunehmen und für humanere Ansichten zu sensibilisieren.

5. SCHLUSSBEMERKUNG: Zusammenfassende Einschätzung, dass die Literatur zwar auf reale Probleme verweist, diese jedoch im Kontext der gesellschaftlichen Abgrenzung des Bürgertums gegen den Adel verzerrt darstellt.

Schlüsselwörter

Kindsmord, Literatur des 18. Jahrhunderts, Aufklärung, Carolina, Strafrecht, Kindesmörderin, Unehre, soziale Bedingungen, Tatmotive, Humanisierung, Wagner, Gretchen, Kindstötung, Rechtsgeschichte, gesellschaftlicher Umbruch

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beleuchtet den realhistorischen Hintergrund des literarischen Motivs der Kindsmörderin in der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die strafrechtliche Behandlung des Kindsmordes (insbesondere durch die Carolina), die aufklärerische Debatte über Strafmaß und Tatmotive sowie der Vergleich zwischen der literarischen Darstellung und der historischen Realität.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Dichter historische Tatbestände nutzten und modifizierten, um spezifische gesellschaftliche Diskurse, etwa die Abgrenzung des Bürgertums gegen den Adel, zu führen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literatur- und rechtsgeschichtliche Analyse, die historische Primärquellen (wie die Carolina) und zeitgenössische Texte mit der literarischen Fiktion kontrastiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die strafrechtliche Entwicklung, die Neubewertung durch aufklärerische Denker, die tatsächlichen sozialen Lebensumstände der Kindsmörderinnen und die literarische Ausgestaltung des Motivs.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kindsmord, Aufklärung, Strafrecht, soziale Bedingungen, Unehre und literarische Fiktion charakterisiert.

Inwiefern unterscheiden sich Literatur und Realität im Hinblick auf die Täterinnen?

Während die Literatur oft das Motiv des verführten Bürgermädchens durch einen Adligen wählt, zeigen historische Quellen, dass Kindsmörderinnen mehrheitlich aus der Schicht der Mägde stammten.

Welche Rolle spielt die „Carolina“ für das Verständnis der Strafpraxis?

Die „Constitutio Criminalis Carolina“ war der maßgebliche Leitfaden der Rechtssprechung, der christliche Vorstellungen in das weltliche Strafrecht übertrug und den Kindsmord hart sanktionierte.

Warum wählten Dichter das Thema des Kindsmordes für ihre Werke?

Es diente als Instrument zur Sensibilisierung für humanere Behandlung sowie zur Abgrenzung des aufstrebenden Bürgertums gegenüber dem Adel, wobei die tragische Einzelfigur im Mittelpunkt stand.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der Kindsmord in der Literatur des 18. Jahrhunderts. Zum realhistorischen Hintergrund des Motivs der Kindsmörderin in der Literatur der Aufklärung
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Das Drama der Aufklärung
Note
sehr gut (1)
Autor
Verena Knorpp (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
30
Katalognummer
V30850
ISBN (eBook)
9783638320269
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kindsmord Literatur Jahrhunderts Hintergrund Motivs Kindsmörderin Aufklärung Drama
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Verena Knorpp (Autor:in), 2004, Der Kindsmord in der Literatur des 18. Jahrhunderts. Zum realhistorischen Hintergrund des Motivs der Kindsmörderin in der Literatur der Aufklärung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30850
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  30  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum