Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Debatte im deutschen Bundestag über den Irakkrieg im Jahr 2003.
Von besonderem Interesse ist im Rahmen unserer Forschungsarbeit, wie wesentliche Begriffe des Diskurses aus den unterschiedlichen politischen Positionen verwendet wurden und welche Wirkung sie erzielen sollten. Daher erscheint nicht zuletzt die Betrachtung der Bundestagsdebatte als sinnvoll, da hier die mehrheitlichen geistigen Strömungen der Bundesrepublik in einem formellen Forum konkurrieren.
Als zentral haben wir dabei die Begriffe Sicherheit, Terrorismus und Verantwortung erachtet, die auf quantitativer und qualitativer Ebene eine nicht zu vernachlässigende Rolle einnahmen und seitens der politischen Akteure heftig umstritten waren.
Aus diesem Grund erscheint uns zur Erforschung unserer Fragestellung das Modell der „Essentially Contested Concepts“ von Walter Bryce Gallie als geeignet, da es den Anspruch hat, die Kernbedeutung eines Begriffes und gleichzeitig die individuellen Nivellierungen durch verschiedene Individuen, die beispielsweise aus der Vertretung gewisser politischer Gruppierungen oder differenter persönlicher Wertvorstellungen heraus resultieren kann, zu erkennen.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemaufriss
2. Theorie & Methode
2.1 „Essentially Contested Concept“
2.2 Anwendung und Verbindung zur Forschungsarbeit
3. Analyse des Datenmaterials
3.1 Der Begriff der „Sicherheit“
3.2 Der Begriff des „Terrorismus“
3.3 Der Begriff der „Verantwortung“
4. Ergebnisdiskussion
Zielsetzung & Themen der Publikation
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verwendung der politisch hochsensiblen Begriffe „Sicherheit“, „Terrorismus“ und „Verantwortung“ in der deutschen Bundestagsdebatte vom 13. Februar 2003 zur Irak-Krise, um aufzuzeigen, wie diese im politischen Diskurs als Instrumente zur Legitimierung gegensätzlicher Handlungsstrategien eingesetzt wurden.
- Analyse der Bundestagsdebatte vom 13. Februar 2003
- Anwendung des Modells der „Essentially Contested Concepts“ nach W.B. Gallie
- Kontrastierung der sicherheits- und außenpolitischen Positionen von Regierung und Opposition
- Untersuchung der rhetorischen Instrumentalisierung moralpolitischer Begriffe
- Beleuchtung des Spannungsfeldes zwischen transatlantischer Bündnistreue und nationaler außenpolitischer Selbstbestimmung
Auszug aus dem Buch
Der Begriff der „Sicherheit“
Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder betonte direkt zu Beginn der Debatte die Verbindung von Freiheit und Sicherheit, welche die Soldaten in Afghanistan garantieren (vgl. BUNDESTAG 2003c: 1874). Interessant ist hierbei der Punkt, dass explizit nicht die Sicherheit der deutschen Bürger erwähnt wurde, sondern die „Sicherheit der Menschen und des Friedens in der Welt“ (BUNDESTAG 2003c: 1874) beziehungsweise der „dauerhafte Frieden und dauerhafte Sicherheit im Nahen Osten“ (BUNDESTAG 2003c: 1876). Auch Joschka Fischer sprach von der Stabilität der Region (vgl. BUNDESTAG 2003c: 1885).
Ebenso wie Schröder erwähnte der Grünen-Politiker dabei die Wichtigkeit der Sicherheit des Existenzrechtes Israels, wenngleich Schröder interessanterweise auch einen palästinensischen Staat ins Spiel brachte, was in Anbetracht der damaligen internationalen Befürworter eines unabhängigen Palästina als mutige Aussage gedeutet werden kann (vgl. BUNDESTAG 2003c: 1878, 1885). Auch Merkel nannte die Verantwortung gegenüber Israel, die Deutschland habe (vgl. BUNDESTAG 2003c: 1882). In jedem Fall zeigt die Erwähnung der Sicherheit Israels, dass immer noch ein starkes, historisch bedingtes Band zwischen beiden Staaten besteht, was insbesondere im Lichte der damaligen Situation, in der ein anderes historisch gekräftigtes Band einen Einschnitt erlebte, besondere Brisanz erhält.
Weiterhin wird die für die Regierung wichtige Verbindung von Frieden und Sicherheit deutlich, die sich an mehreren Punkten der Debatte offenbarte (vgl. BUNDESTAG 2003c: 1874, 1876). Wie Sicherheit garantiert werden sollte, erwähnte SPD-Kollege Gernot Erler, der ebenfalls die internationale Dimension miteinbezog (BUNDESTAG 2003c: 1891): „Es geht um ein Regime mit der Sicherheit der gemeinsamen Abrüstung.“ Die friedliche Entwaffnung stellte das Hauptziel der SPD und der Grünen im Irak dar. Dies sollte durch eine Verstärkung der Arbeit der Waffeninspektoren im Irak und eine verstärkte Kooperation gewährleistet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemaufriss: Dieses Kapitel skizziert den historischen Kontext der deutsch-amerikanischen Beziehungen im Vorfeld der Irak-Krise und beleuchtet die Zuspitzung der politischen Debatte im Bundestag am 13. Februar 2003.
2. Theorie & Methode: Hier wird das Konzept der „Essentially Contested Concepts“ nach Walter Bryce Gallie eingeführt und als methodischer Rahmen für die Untersuchung begründet, um die semantische Varianz und den umstrittenen Charakter der gewählten Begriffe zu analysieren.
3. Analyse des Datenmaterials: In diesem Hauptteil wird die Verwendung der drei zentralen Begriffe „Sicherheit“, „Terrorismus“ und „Verantwortung“ durch die verschiedenen politischen Akteure in der Debatte detailliert untersucht und in ihrem jeweiligen Kontext ausgewertet.
4. Ergebnisdiskussion: Das abschließende Kapitel fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen, vergleicht sie mit den initialen Hypothesen und reflektiert die Leistungsfähigkeit der gewählten Methode für die diskursanalytische Forschung.
Schlüsselwörter
Irak-Krise, Bundestagsdebatte, Sicherheit, Terrorismus, Verantwortung, Essentially Contested Concepts, Außenpolitik, Transatlantische Beziehungen, Politische Rhetorik, Diskursanalyse, Regierung, Opposition, Friedenspolitik, Bündnistreue, Demokratie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie politische Akteure im deutschen Bundestag die Begriffe „Sicherheit“, „Terrorismus“ und „Verantwortung“ während der Irak-Debatte 2003 nutzen, um ihre Positionen zu rechtfertigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das transatlantische Verhältnis zwischen Deutschland und den USA, die Frage militärischer Interventionen im Irak sowie die Rolle Deutschlands innerhalb internationaler Sicherheitsarchitekturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die instrumentelle Verwendung von politisch umstrittenen Begriffen aufzudecken und zu zeigen, wie Politiker diese verwenden, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen und Handlungsstrategien zu legitimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autoren nutzen das Modell der „Essentially Contested Concepts“ von Walter Bryce Gallie, das es ermöglicht, Begriffe zu identifizieren, deren Bedeutung aufgrund ihrer Komplexität und normativen Aufladung dauerhaft umstritten ist.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die spezifischen Aussagen von 13 Bundestagsabgeordneten analysiert, um aufzuzeigen, wie insbesondere Regierung und Opposition die drei Kernbegriffe jeweils unterschiedlich gewichten und definieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Irak-Krise, Außenpolitik, transatlantische Beziehungen, politische Rhetorik und Diskursanalyse charakterisiert.
Wie unterscheidet sich das Sicherheitsverständnis der Regierung von dem der Opposition?
Während die rot-grüne Regierung primär auf eine friedliche Lösung und Stabilität im Nahen Osten setzte, konstruierte die Opposition ein Bedrohungsszenario, um die Notwendigkeit einer engen Bündnistreue zu den USA zu unterstreichen.
Welche Schlussfolgerung ziehen die Autoren bezüglich der Opposition?
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Opposition ihre Treue zur USA stark historisch ableitete und dabei die aktuelle Faktenlage sowie eine unabhängige sicherheitspolitische Urteilsbildung vernachlässigte.
Inwiefern beeinflusste die "Achse des Bösen"-Rhetorik die Debatte?
Die Opposition übernahm teilweise die amerikanische Rhetorik der „Schurkenstaaten“, während Regierungsvertreter dies als Gefahr einer moralischen Spaltung („Kampf der Kulturen“) zurückwiesen.
- Citar trabajo
- M.A. Christian Wölfelschneider (Autor), Lukas Habib (Autor), 2013, Sicherheit, Terrorismus und Verantwortung. Essentially Contested Concepts in der Bundestagsdebatte zum Irakkrieg im Jahr 2003, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308578