Was ist pädagogisches Handeln und wie wird „richtig“ pädagogisch gehandelt? Mit dieser Fragestellung befasst sich die nachfolgende Hausarbeit und geht dabei auf die Ziele des pädagogischem Handelns ein. Grundlage bildet hierfür der Erziehungsbegriff von Wolfgang Brezinka, ein deutsch-österreichischer Erziehungswissenschaftler, welcher in seiner „Metatheorie der Erziehung“ drei Klassen von Theorien unterscheidet: die Erziehungswissenschaft, die Philosophie der Erziehung und die Praktische Pädagogik.
Nach der Definition von Brezinkas Erziehungsbegriff wird die Kritik von Kron an Brezinka dargestellt. Zum Ende soll ein aktueller Bezug hergestellt werden, welcher auf Brezinkas Erziehungsbegriffs und das pädagogische Handeln von Prange und Strobel-Eisele zurückgeführt werden soll.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Was ist pädagogisches Handeln?
1.1 Die Ziele pädagogischen Handelns
2 Der Erziehungsbegriff der Gegenwart: Brezinka und Kron
2.1 Der Erziehungsbegriff nach Brezinka
2.2 Der Erziehungsbegriff nach Kron mit Kritik an Brezinka
3 Das Problem des päd. Handelns anhand Brezinkas Erziehungsbegriff
4 Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegende Frage, was „richtiges“ pädagogisches Handeln ausmacht. Dabei steht die theoretische Auseinandersetzung mit verschiedenen Erziehungsbegriffen im Zentrum, um deren Anwendbarkeit und Problematik auf reale pädagogische Situationen zu prüfen.
- Definition und Formen pädagogischen Handelns nach Giesecke
- Vergleich der Erziehungsbegriffe von Wolfgang Brezinka und Friedrich W. Kron
- Kritische Analyse der Asymmetrie in erzieherischen Beziehungen
- Fallbasierte Anwendung theoretischer Konzepte auf alltägliche Erziehungssituationen
- Diskussion über die Möglichkeit eines „richtigen“ pädagogischen Handelns
Auszug aus dem Buch
3 Das Problem des päd. Handelns anhand Brezinkas Erziehungsbegriff
Um das Problem des pädagogischen Handelns, in Anlehnung an Brezinkas Erziehungsbegriff, zu verdeutlichen, wurde ein Fallbeispiel ausgewählt, welches im folgenden Abschnitt interpretiert werden soll:
Fallbeispiel 1
„Kurz vor der Supermarktkasse wirft sich Maximilian, vier Jahre jung, auf den Boden. Er schreit und fordert eine Süßigkeit, die Mutter verweigert sie. Das Kind schreit immer lauter, läuft rot an. Eine Frau Ende 50 findet, die Mutter solle dem Kind doch die Süßigkeit geben. Die Mutter verbittet sich die Einmischung. Ein Streit entsteht, als die Frau selbst versucht, die Süßigkeit für das Kind zu kaufen. Mutter und Kind verlassen den Supermarkt ohne Süßigkeit, die ältere Dame bekommt Zuspruch von anderen Einkäufern: Sie habe es schließlich nur gut gemeint.“
Nach W. Brezinka erfolgt Erziehung und somit pädagogisches Handeln zwischen zwei Personen, die sich nicht gleichrangig gegenüberstehen und demzufolge zwei deutlich unterschiedliche Positionen einnehmen. Dabei nimmt eine Person die Rolle des Erziehers (im Fallbeispiel die Mutter des Kindes) und einer die Rolle des Educanden (im Fallbeispiel der vierjährige Maximilian) ein. In der pädagogischen Fachsprache wird der Educand auch Erziehungsobjekt genannt, welches vom Erzieher, also dem Subjekt, geformt wird. Das hierarchische und asymmetrische Verhältnis, welches nach Brezinka die Voraussetzung für pädagogisches Handeln darstellt, ist dabei ein gravierendes Problem. Ursache ist die Objekt-Subjekt-Relation, welche die Wünsche, Interessen und Ziele des Educanden nicht berücksichtigt und diesen als willenloses Stück Natur darstellt. Bezieht man diese Objekt-Subjekt-Relation auf das oben genannte Fallbeispiel, so wird deutlich, dass der vierjährige Educand Maximilian nicht nur ein Objekt ist, auf das die Mutter in ihrer Erzieherrolle einwirken muss, sondern ein Subjekt, mit dem Wunsch und dem Ziel Süßigkeiten im Supermarkt zu bekommen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, dass es für Pädagogen keine eindeutigen Handlungsanweisungen gibt und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Definition von „richtigem“ pädagogischem Handeln.
1 Was ist pädagogisches Handeln?: Dieses Kapitel definiert pädagogisches Handeln als soziales Handeln, das auf Lernen ausgerichtet ist, und betont die Notwendigkeit von Freiheit und Spielraum im erzieherischen Prozess.
1.1 Die Ziele pädagogischen Handelns: Hier werden die Ziele des Handelns beleuchtet, wobei zwischen historischen Anforderungen und dem modernen Konzept des lebenslangen Lernens unterschieden wird.
2 Der Erziehungsbegriff der Gegenwart: Brezinka und Kron: Es wird eine theoretische Einordnung vorgenommen, indem Brezinkas empirischer Ansatz und Krons symbolischer Interaktionismus als zwei unterschiedliche wissenschaftstheoretische Positionen eingeführt werden.
2.1 Der Erziehungsbegriff nach Brezinka: Dieses Kapitel detailliert Brezinkas fünf Bestimmungen, die Erziehung als gezielte, soziale und asymmetrische Beeinflussung der psychischen Dispositionen des Zöglings beschreiben.
2.2 Der Erziehungsbegriff nach Kron mit Kritik an Brezinka: Kron wird vorgestellt, der die Asymmetrie und Kausalmechanik Brezinkas kritisiert und Erziehung stattdessen als symbolische Interaktion zwischen gleichrangigen Partnern begreift.
3 Das Problem des päd. Handelns anhand Brezinkas Erziehungsbegriff: Anhand eines Fallbeispiels aus dem Supermarkt wird aufgezeigt, welche Konflikte entstehen, wenn das asymmetrische Objekt-Subjekt-Verhältnis auf die Eigenständigkeit des Educanden trifft.
4 Schlussbetrachtungen: Das Fazit fasst zusammen, dass es kein allgemeingültiges Rezept für „richtiges“ Handeln gibt, sondern dass pädagogisches Handeln durch respektvollen Umgang und situative Angemessenheit geprägt sein muss.
Schlüsselwörter
Pädagogisches Handeln, Erziehung, Wolfgang Brezinka, Friedrich W. Kron, Soziale Handlung, Educand, Psychische Dispositionen, Symbolische Interaktion, Objekt-Subjekt-Relation, Pädagogische Differenz, Lebenslanges Lernen, Erzieherrolle, Pädagogische Ethik, Asymmetrie, Lernprozess
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Grundlegung und der praktischen Problematik des pädagogischen Handelns im Kontext aktueller Erziehungswissenschaften.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Definition pädagogischen Handelns, der Vergleich verschiedener erziehungswissenschaftlicher Theorien und die Analyse von Erziehungsbeziehungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu klären, was „richtiges“ pädagogisches Handeln ausmacht und ob es dafür allgemeingültige Rezepte oder Regeln gibt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse erziehungswissenschaftlicher Standardwerke sowie die interpretative Analyse eines Fallbeispiels, um theoretische Konzepte in die Praxis zu übertragen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Theorien von Wolfgang Brezinka (Erziehung als Beeinflussung) und Friedrich W. Kron (Erziehung als symbolische Interaktion) gegenübergestellt und deren Konsequenzen für das pädagogische Handeln diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere pädagogisches Handeln, Erziehung, das Verhältnis von Erzieher und Educand sowie die kritische Reflexion von Machtstrukturen in der Erziehung.
Warum kritisiert Kron den Ansatz von Brezinka so stark?
Kron kritisiert, dass Brezinkas Modell zu mechanisch, einseitig und asymmetrisch sei und die eigene Entscheidungsfreiheit sowie die Interessen des Educanden vernachlässige.
Welches Fazit zieht die Arbeit in Bezug auf das „richtige“ Handeln?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass es kein starres Rezept für „richtiges“ Handeln gibt, sondern dass professionelles Handeln ein angemessenes, respektvolles Verhalten erfordert, das den Educanden als eigenständiges Subjekt achtet.
- Citation du texte
- Viviane Urland (Auteur), 2015, Pädagogisches Handeln anhand Brezinkas Erziehungsbegriff, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308644