Literarische Texte zur Sprachförderung von DAZ-Schülern in der Sekundarstufe I


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

17 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ziele und Aufgaben einer DaZ-Förderung in der Sekundarstufe I

3. Literarische Texte als Sprachfördermittel
3.1. Sprachförderung am Beispiel eines Gedichtes
3.2. Sprachförderung am Beispiel einer Fabel
3.3. Sprachförderung am Beispiel eines Kochrezeptes
3.4. Sprachförderung am Beispiel einer Erzählung

4. Umgang mit literarischen Texten im DaZ-orientierten Unterricht
4.1. Kreativer Umgang mit literarischen Texten
4.2. Ästhetisch-literarisches Lernen

5. Abschließende Bemerkungen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Gerade in der Sekundarstufe I werden die Schüler mit unterschiedlichen literarischen Texten intensiv befasst. Die Tendenz, literarische Texte in den DaZ-Unterricht zu integrieren, steigt in letzter Zeit, denn sie bieten den Schülern eine zusätzliche Lernplattform für die Weiterentwicklung ihres Sprachniveaus. Beim Umgang mit literarischen Texten werden die Schüler mit diversen deutschspezifischen Sprachausdrücken, Satzmustern und Textstrukturen vertraut gemacht. Zudem erfüllen literarische Texte eine ästhetische und emotionale Funktion und können das Interesse der Schüler am Sprachenerwerb wecken.

Die vorliegende Arbeit will daher der Fragestellung nachgehen, welches Potenzial literarische Texte den DaZ-Schülern in der Sekundarstufe I bieten können und wie der Lehrer die Arbeit mit literarischen Texten für die gezielte Sprachförderung gestalten kann.

Einleitend wird zunächst darauf eingegangen, was unter den Zielen und Aufgaben einer Sprachförderung im DaZ-Unterricht in der Sekundarstufe I zu verstehen ist. Dabei wird erläutert, welche Schwierigkeiten DaZ-Schüler im Gegensatz zu DaM-Schülern haben. Danach wird erklärt, wie literarische Texte als Sprachfördermittel verwendet werden können und worin sich die Wichtigkeit des Einbezugs literarischer Texte begründet.

Das besondere Augenmerk liegt hierbei auf dem Umgang mit literarischen Texten. Es werden unterschiedliche Textsorten vorgeschlagen, die im Rahmen eines Deutschunterrichts als Sprachfördermittel in mehreren Sprachförderbereichen eingesetzt werden können. Darüber hinaus werden diverse ästhetische und kreative Arbeitsformen mit literarischen Texten empfohlen, die der Lehrer im Unterricht einbringen kann.

2. Ziele und Aufgaben einer DaZ-Förderung in der Sekundarstufe I

Im Gegensatz zu den DaM-Schülern machen die DaZ-Schüler oft ihre Erfahrungen in der Zweitsprache erst ab dem 3. oder 4. Lebensjahr durch Spielkontakte. Erst in der Schule bauen sie die Erfahrungen mit der deutschen Sprache weiter aus. Doch durch die daraus resultierende verkürzte Lernzeit bilden sie zunächst eine Lernsprache aus, d.h. sie fokussieren sich auf bedeutungstragende Sprachelemente, aber die Grammatik und die Aussprache bleiben oft vernachlässigt (Ehlers, 2010, S.112). Des Weiteren ist der Zweitsprachleser „zu eng an der sprachlichen Basis orientiert und erzeugt zu wenig Inferenzen, um sich ein Bild von einer beschriebenen Situation machen zu können“ (Ehlers, 2008, S.221). Andererseits „ist die Beherrschung der deutschen Sprache für mehrsprachige Kinder ein wesentlicher Faktor für ihren Schulerfolg“ (Wildemann/ Vach, 2013, S.207).

Müller definiert folgende Schwierigkeiten der DaZ-Schüler:

- Geringe Wortschatzkenntnisse,
- nicht ausreichende Mittel zur Textverknüpfung,
- fehlende Vorkenntnisse zum Textthema,
- unzureichendes Behalten von Textinformationen (Müller in: Benholz, 2007, S.37).

Nach Rösch finden sich die bekannten Stolpersteine der DaZ-Schüler in den Bereichen Orthografie (besonders morpho-syntaktischer Bereich), Lexik (insbesondere im Bereich des Strukturwortschatzes), Syntax (insbesondere in der Gestaltung und Entschlüsselung von Nominal- und Präpositionalphrasen, Genus- und Kasusmarkierung, Wortstellung im Satz) und Pragmatik (Rösch in: Ahrenholz, 2010, S. 220).

Das vorrangige Ziel der DaZ-Förderung ist, das Sprachniveau der Lernenden zu steigern. Zu wichtigen Aufgaben des DaZ-Unterrichts gehört somit sprachliche Defizite aufzubereiten und zu beheben. In der Praxis fokussiert die Sprachförderung zumeist auf die folgenden vier Bereiche:

- Aussprache
- Grammatik (Satz-und Wortbildung)
- Wortschatz
- Kommunikation/Sprachverwendung

Zu den weiteren Aufgaben des DaZ-Unterrichts gehört die Förderung von:

- Sozial- und Selbstkompetenz (kognitives Verhalten, kommunikative Fähigkeiten),
- Methodenkompetenz (sprachliche Lerntechniken und –Strategien, metasprachliche Reflexionsfähigkeit),
- Interkulturelle Kompetenz (Dohrn, 2007, S.135).

Die Thematisierung einzelner Förderbereiche ist immer mit Inhalten zu verbinden, „die einen Bezug zu den Schülern und zu den Themen des Unterrichts – am Rahmenplan, Entwicklungsstand, Sprachstand […] haben und sich möglichst sprachhandlungsorientiert umsetzen lassen“ (ebd., S.136).

Zu den Aufgaben des Lehrers gehören das Erkennen von Sprachdefiziten, die Festlegung der Förderziele in einem Förderungsplans sowie die Materialauswahl. Als Material zur Sprachförderung ist es zu empfehlen, literarische Texte in den Unterricht einzubeziehen, um die Sprache in mehrfacher Hinsicht zu zeigen. Neben der einfachen Folgsamkeit wird dem Lernenden dadurch eine rezeptiv-kognitive Handlung zugemutet. Die Auswahl literarischer Texte soll zum Thema und den Förderzielen passend, abwechslungsreich, sprachanregend und altersgerecht sein.

3. Literarische Texte als Sprachfördermittel

Literarische Texte sind diverse Textarten wie Lyrik, Erzählungen, Romane, Fabeln, Märchen, Kochrezepte, Theaterstücke usw. in der Originalsprache, die, im Gegensatz zu Lehrtexten, eine komplexere Satzstruktur, Mehrdeutigkeiten und sogar Abweichungen von der Norm und Regel enthalten können.

Trotz ihrer Ambiguität und Komplexität bieten literarische Texte zusätzliche Räume für inhalts- und textgebundene Spracharbeit und können in allen Sprachförderbereichen eingesetzt werden. Es ist sogar möglich, einen literarischen Text für die Förderung in mehreren Sprachbereichen zu verwenden. Darin liegt ein besonderes Potenzial literarischer Texte. Beispielsweise kann der Lehrer ein Gedicht auswählen, um neben der Förderung der Aussprache auch den Grammatik- und Wortschatzbereich zu aktivieren. Die Verbindung einzelner Sprachförderbereiche ermöglicht es dem Lehrer, diverse Förderziele zu setzen. Weitere Unterkapitel präsentieren die Beispiele, wie ein literarischer Text für mehrere Förderbereiche eingesetzt werden kann.

3.1. Sprachförderung am Beispiel eines Gedichtes

In der Regel werden verschiedene Formen von Lyrik ab der 6. Klasse intensiv durchgenommen. Bei der Arbeit mit lyrischen Texten kann die Förderkraft mehrere Sprachförderziele setzen. Beispielsweise bietet sich im Rahmen des Themas „Frühling/Jahreszeiten“ das Gedicht „Frühling“ für die Förderbereiche Aussprache, Wortschatz und Grammatik gut an:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2. Sprachförderung am Beispiel einer Fabel

Die produktive Arbeit mit Fabeln beginnt in deutschen Schulen ab der 5. Klasse. Aufgrund ihrer überschaubarer Länge und ihrem klaren Aufbau sind die Fabeln für die Sprachförderung im DaZ-Unterricht sehr empfehlenswert. Die Fabeln bieten eine Übungsplattform für die Förderung analytischer (Inhaltsfragen, oftmals in Form von W-Fragen) sowie handlungs- und produktionsorientierte Fähigkeiten (Leerstellen im Text füllen, das Ende entwickeln o.ä.).

Die Fabel „Der Wolf und der Storch“ nach Gaius Iulius Phaedrus zeigt nur einige Übungen zur Sprachförderung in den Bereichen Grammatik, Wortschatz und Sprachverwendung. Je nach Bedarf kann die Förderkraft auch andere Förderziele ausbauen.

[...]


[1] http://gutenberg.spiegel.de/buch/heinrich-seidel-glockenspiel-8211-gesammelte-gedichte-3738/114

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Literarische Texte zur Sprachförderung von DAZ-Schülern in der Sekundarstufe I
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V308670
ISBN (eBook)
9783668119253
ISBN (Buch)
9783668119260
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsch alsZweitsprache, alsZweitsprache, Literarische Texte, Förderung
Arbeit zitieren
Lena Schmidtmann (Autor), 2015, Literarische Texte zur Sprachförderung von DAZ-Schülern in der Sekundarstufe I, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308670

Kommentare

  • Gast am 6.10.2016

    Sehr praxisnah. Viele Beispiele kann man im Unterricht verwenden. Gute Arbeit!

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Titel: Literarische Texte zur Sprachförderung von DAZ-Schülern in der Sekundarstufe I



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