Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Chrematistiké , der so genannten Fertigkeit, Besitz zu beschaffen. Ziel ist es, die Chrematistik zu beschreiben und ihre positiven und negativen Seiten aufzuzeigen. Aristoteles gliedert diese Form der Erwerbskunst in drei Teile. In die natürliche Erwerbskunst, die der Erwirtschaftung essentieller Güter und der Ermöglichung eines vollkommenen Lebens dient und daher Teil der Führung eines Haushalts ist. In die naturwidrige Erwerbskunst, die sich dem Streben nach Reichtum ohne Grenzen widmet und die er daher die gewinnsüchtige Erwerbskunst nennt. Und drittens in den Geldverleih gegen Zins. Diesen Teil der Erwerbskunst kritisiert Aristoteles am meisten, da hier der Gewinn aus dem Geld selber entsteht und nicht mehr aus der ursprünglichen Aufgabe des Geldes, nämlich der Erleichterung des Warenumschlages.
Basisliteratur ist das Buch „Politik“, übersetzt, mit einer Einleitung sowie Anmerkungen versehen und herausgegeben von Eckart Schütrumpf. Maßgeblich für diese Hausarbeit sind die Kapitel 8-11 des ersten Buches, in denen Aristoteles naturgemäße und naturwidrige Erwerbsformen behandelt.
Um die Ausführungen über die Chrematistik nachvollziehen zu können, wird zu Beginn dieser Hausarbeit ein kurzer Überblick über Aristoteles’ Einteilung der antiken Gemeinschaft in Haus, Dorf und staatlichem Verband gegeben. Denn die Erwerbskunst entwickelte sich mit dem Drang der Menschen, Gemeinschaften zu bilden. Darauf folgt eine kurze Erläuterung der Oikonomia, der Führung des Haushalts. Diese bildet den natürlichen Ursprung der Chrematistik, wird aber von Aristoteles stark von der Chrematistik abgegrenzt. Unter der Führung eines Haushalts versteht er die Erwirtschaftung lebensnotwendiger Güter im Verbund mit der Natur. Ihre Ziele sind die Fortpflanzung, die Selbsterhaltung und Autarkie.
Anschließend beginnt dann der Schwerpunkt dieser Arbeit mit der Entstehung der Chrematistik, ihrer Einteilung in die drei unterschiedlichen Formen. Abschließend werden die daraus resultierenden Gefahren für den Staat und Aristoteles’ Maßnahmen, dem entgegenzuwirken, erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Antike Gemeinschaften
2.1 Der Haushalt (Oikos)
2.2 Das Dorf (Demos)
2.3 Der staatliche Verband (Polis)
3 Oikonomia (Führung des Haushaltes)
4 Chrematistiké (Kunst des Besitzerwerbes)
4.1 Entstehung der Chrematistiké
4.2 Naturgemäße Erwerbskunst
4.3 Naturwidrige Erwerbskunst
4.4 Geldverleih gegen Zinsen
5 Bedrohung des Staates durch die naturwidrige Chrematistik
6 Maßnahmen gegen die Bedrohung durch die widernatürliche Chrematistik
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die aristotelische Konzeption der Chrematistik (Kunst des Besitzerwerbs) und analysiert deren Differenzierung in natürliche und naturwidrige Erwerbsformen sowie die daraus resultierenden Gefahren für das staatliche Gemeinwesen.
- Die begriffliche Abgrenzung zwischen Oikonomia (Haushaltsführung) und Chrematistik.
- Die Analyse der Entstehungsgeschichte des Erwerbsstrebens durch Tausch und Geld.
- Die Untersuchung der negativen Auswirkungen von Geldverleih gegen Zinsen auf die staatliche Ordnung.
- Die aristotelischen Lösungsansätze zur Begrenzung der naturwidrigen Chrematistik zum Schutz des Gemeinwohls.
Auszug aus dem Buch
4.2 Naturgemäße Erwerbskunst
Aristoteles ordnet die naturgemäße Form der Chrematistik der Kunst der Haushaltsführung zu. Er begründet dies damit, dass die naturgemäße Form der Chrematistik den Teil der Erwerbskunst betrifft, der der Erwirtschaftung der Güter dient, die für das Leben unerlässlich und für die staatliche und häusliche Gemeinschaft nützlich sind. Auch hierin besteht der wahre Reichtum, denn der für ein vollkommenes Leben ausreichende Umfang eines solchen Besitzes geht nicht ins Grenzenlose. Vielmehr sei dem Besitz, wie auch sonst fachmännischen Tätigkeiten, eine Grenze gesetzt. "Denn in keiner Tätigkeit ist ein Werkzeug an Menge oder Größe unbegrenzt, Reichtum ist aber eine Vielzahl von Werkzeugen zur Führung eines Haushalts oder eines Staates." (Aristoteles und Schütrumpf 2012, S. 1256b) Solange der Erwerb also nicht maßlos ist, sondern dem Ziel dient, die Mittel für das gute Leben zu erwirtschaften, ist er naturgemäß.
Die klassischen Lebensweisen dieser natürlichen Erwerbsform sind für Aristoteles die der Nomaden, der Räuber, Fischer, Jäger und Ackerbauern. Deren Tätigkeiten beziehen sich unmittelbar auf die Natur und sie gewinnen ihre Nahrung nicht durch Tausch oder Handel, sondern durch die Früchte des Feldes und durch die Verwertung von Tieren und Tierprodukten. Besitz in diesen Dingen ist ihnen von der Natur selber gegeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Chrematistik ein und erläutert die methodische Herangehensweise anhand der "Politik" des Aristoteles.
2 Antike Gemeinschaften: Das Kapitel beschreibt die Entwicklung der Gemeinschaftsformen vom Haus über das Dorf bis zum staatlichen Verband (Polis).
3 Oikonomia (Führung des Haushaltes): Hier wird der natürliche Ursprung der Erwerbskunst zur Sicherung der Lebensnotwendigkeiten und Autarkie definiert.
4 Chrematistiké (Kunst des Besitzerwerbes): Dieses Kapitel analysiert die drei Formen des Besitzerwerbs und deren Entstehung durch Tausch, Geld und Kreditwesen.
5 Bedrohung des Staates durch die naturwidrige Chrematistik: Es werden die Gefahren aufgezeigt, die durch ein unbegrenztes Gewinnstreben für den sozialen Frieden und die politische Ordnung entstehen.
6 Maßnahmen gegen die Bedrohung durch die widernatürliche Chrematistik: Dieses Kapitel erörtert Strategien zur Begrenzung des gewinnsüchtigen Handels und zur Stärkung des Gemeinwohls.
7 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der ambivalenten Rolle der Chrematistik für eine funktionierende Wirtschaft.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Chrematistik, Oikonomia, Erwerbskunst, Staat, Autarkie, Geld, Zins, Wucher, Gemeinwohl, Haushaltsführung, Wirtschaft, Natur, Besitz, Ethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der aristotelischen Unterscheidung zwischen einer naturgemäßen Haushaltsführung und der naturwidrigen, auf unbegrenzten Gewinn abzielenden Chrematistik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Entwicklung von Tauschhandel und Geld, der Stellenwert der Autarkie und die moralischen sowie politischen Gefahren, die von einem entarteten Erwerbsstreben ausgehen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die aristotelische Sichtweise auf Besitz und Gewinnstreben aufzuzeigen und zu erklären, warum bestimmte Formen des Erwerbs den Staat als sittlichen Organismus gefährden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse des ersten Buches der "Politik" von Aristoteles unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur.
Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Herleitung der Chrematistik, der Differenzierung von natürlichem Reichtum gegenüber der Geldanhäufung und den von Aristoteles vorgeschlagenen politischen Schutzmaßnahmen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind Chrematistik, Oikonomia, Autarkie, Zins und das aristotelische Ideal der Tugend im Kontext des staatlichen Zusammenlebens.
Warum lehnt Aristoteles den Geldverleih gegen Zinsen besonders ab?
Aristoteles verurteilt den Zins, da hier der Gewinn aus dem Geld selbst generiert wird, ohne dass eine produktive Tätigkeit oder ein realer Güterumtausch zugrunde liegt.
Welche Lösungsansätze schlägt Aristoteles gegen die Entpolitisierung durch Handel vor?
Er plädiert für die Stärkung des Mittelstandes, die Erziehung der Bürger zur Tugend sowie die räumliche und rechtliche Absonderung von Händlern und Handwerkern aus dem unmittelbaren politischen Entscheidungsprozess.
- Citar trabajo
- Tim Waclawek (Autor), 2014, Über die Kunst, Reichtum zu erlangen. Die Chrematistik bei Aristoteles, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308752