Die Thematik der Unternehmungsgründung ist zur Zeit ein viel diskutiertes Thema. Die Politik ist sich sowohl der Beschäftigungswirkung von Neugründungen als auch
deren Bedeutung für den Erneuerungsprozess innerhalb der Wirtschaft bewusst geworden. Im Bereich der Biotechnologie bzw. High- Tech Unternehmungen, zeigt sich eine besondere Beschäftigungsdynamik. Die Statistik zeigt hier, dass diese Unternehmungen im vierten Jahr ihrer Existenz bereits über 23 Personen beschäftigen.
Die Funktionsfähigkeit eines Marktes kann nur garantiert werden, wenn Anbieter die nicht mehr konkurrenzfähig sind, gezwungen werden, den Markt zu verlassen. Gleichzeitig müssen innovative und wirtschaftlich leistungsfähige Unternehmungen auf den Märkten in Erscheinung treten. Es wird durch die neuen Unternehmungen eine zusätzliche Konkurrenz geschaffen. Nur so ist eine kontinuierliche Regeneration des Wettbewerbs möglich. Ein Weiterer positiver Nebeneffekt einer zunehmenden Gründungstätigkeit ist, dass der Entstehung von Angebotsmonopolen entgegengewirkt
wird.
Junge Unternehmungen erfüllen aus volkswirtschaftlicher Sicht zudem auch eine Versorgungsfunktion. Das Angebotsspektrum wird durch neue, innovative Produkte erweitert. Durch die Investitionstätigkeit der jungen Unternehmungen kommt es zu
Nachfragestimulierungen, die wiederum Beschäftigungs- und Wachstumsimpulse der gesamten Wirtschaft nach sich ziehen.
Gleichzeitig ist es nicht zu leugnen, dass junge Unternehmungen in über 60% der Fälle, dass fünfte Unternehmensjahr nicht erleben. Es kommt zur zwangsweisen
Aufgabe der Geschäftstätigkeit. Aus diesem Grunde erscheint es angebracht, zu hinterfragen, welche Faktoren für diese außerordentlich hohe Quote verantwortlich sind. Konkurse stellen zudem einen Bezug zur Leitung einer Unternehmung her. Die Qualität der Leitungsorganisation wird im Konkursfall immer in Frage gestellt. Zu prüfen ist, inwiefern die Leitungsorganisation von jungen Unternehmungen für diese
Misere verantwortlich ist. Das Ziel dieser Arbeit ist es, den aktuellen Stand der Leitungsorganisation von jungen Unternehmungen in der betriebswirtschaftlichen Forschung darzustellen. Der `State-of-the-Art` soll dargestellt werden. Es soll ein Beitrag zum Erkenntnisfortschritt innerhalb einer Theorie der Gründungsforschung geleistet werden. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Gegenstand der Arbeit
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Methodik und Vorgehensweise der Arbeit
2 Definitionen und thematische Abgrenzungen
2.1 Die junge Unternehmung
2.2 Gründungsformen i.S.d. Arbeit
2.3 Leitungsorganisation und Organisation
2.4 Venture Capital- Gesellschaften
3 Lebenszyklen des Systems Unternehmung
3.1 Lebensphasen einer Unternehmung
3.2 Kritisches zur Theorie der Lebensphasen
4 Zur Leitungsorganisation in der Literatur
4.1 Die Leitungsorganisation als Forschungsobjekt
4.2 Rechtliche Ausgestaltung der Leitungsorganisation
4.3 Die Person des Gründers als Leitungsorgan
4.4 Aufbau- und Ablauforganisation
4.5 Vergleich von jungen vs. etablierte Unternehmungen
4.6 Kritische Betrachtung der Leitungsorganisation
4.7 Zur empirischen Forschung
4.7.1 Stand und Ergebnisse bisheriger empirischer Arbeiten
4.7.2 Zum wissenschaftlichen Dilemma und der Methodenkritik
5 Einflussnahme Dritter auf die Leitungsorganisation
5.1 Die Möglichkeiten von Venture Capital Gesellschaften
5.2 Kriterien bei der Vergabe von Risiko- Kapital
6 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den aktuellen Forschungsstand zur Leitungsorganisation junger Unternehmungen in der betriebswirtschaftlichen Literatur. Ziel ist es, Defizite in der theoretischen Fundierung aufzudecken, die Rolle des Gründers als Leitungsorgan zu analysieren und den Einfluss externer Faktoren, insbesondere von Venture Capital Gesellschaften, auf die Organisationsstruktur zu bewerten.
- Analyse von Lebenszyklusmodellen in jungen Unternehmen
- Untersuchung der spezifischen Managementanforderungen in der Gründungsphase
- Kritische Diskussion der empirischen Gründungsforschung
- Bewertung von Einflussfaktoren Dritter auf die Leitungsstruktur
- Vergleich zwischen jungen Unternehmen und etablierten Organisationen
Auszug aus dem Buch
3.1 Lebensphasen einer Unternehmung
Bei der Betrachtung der Lebensphasen handelt es sich um eine entwicklungsorientierte Spezialisierungsrichtung der Betriebswirtschaftslehre. In Analogie zum bekannten Produktlebenszyklus betrachten diese Organisationslebenszyklusmodelle das Entstehen, Reifen und Vergehen von Unternehmungen. Die Theorie der Lebenszyklushypothese steuert einen Beitrag zur Forschungsrichtung der ‘Industrial Organization‘ bei. Als Vorbild dienen hier die Lebenszyklen von biologischen Systemen.
Bei diesen Lebenszyklen steht der Altersaspekt der Unternehmung im Vordergrund und weniger die Größendimension. Es wird angenommen, dass jede Unternehmung immer bestimmte Entwicklungsphasen durchlebt. Unterstellt wird, dass zu der jeweiligen Phase immer ähnliche Probleme und Krisen auftreten. Anzumerken ist, dass die verschiedenen Phasen durchaus auch in unterschiedlicher chronologischer Reihenfolge auftreten können.
Im Rahmen eines phasenbezogenen betriebswirtschaftlichen Forschungsansatzes ist die Gründungsphase von Unternehmungen von besonderem Interesse. Eine Theorie der Gründung sollte in der Lage sein, erklären zu können, warum es zu Unternehmungsgründungen kommt, insbes. welche Ereignisse im Gründungsprozess bestimmte Konsequenzen nach sich ziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Gegenstand der Arbeit: Einführung in das Thema der Unternehmungsgründung, die ökonomische Relevanz und die Problemstellung hinsichtlich der Leitungsorganisation.
2 Definitionen und thematische Abgrenzungen: Klärung grundlegender Begriffe wie "junge Unternehmung", Gründungsformen und die Abgrenzung von Venture Capital Gesellschaften.
3 Lebenszyklen des Systems Unternehmung: Analyse theoretischer Modelle zur Unternehmensentwicklung und eine kritische Auseinandersetzung mit der Lebensphasentheorie.
4 Zur Leitungsorganisation in der Literatur: Umfassende Literaturübersicht zum Forschungsstand, einschließlich Aufbauorganisation, Gründerpersönlichkeit und empirischer Befunde.
5 Einflussnahme Dritter auf die Leitungsorganisation: Untersuchung des Einflusses von Venture Capital Gebern auf die strategische Steuerung und interne Strukturen junger Unternehmen.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Fazit über den Forschungsstand und Identifikation weiterer Forschungspotenziale.
Schlüsselwörter
Leitungsorganisation, junge Unternehmung, Gründungsforschung, Lebenszyklusmodell, Entrepreneurship, Risikokapital, Venture Capital, Managementanforderungen, Gründungsprozess, Unternehmensentwicklung, Business Plan, Organisationsstruktur, Gründerpersönlichkeit, Managementkompetenz, Personalmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Leitungsorganisation von jungen Unternehmungen und diskutiert kritisch den aktuellen Forschungsstand dazu.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören Lebenszyklusmodelle, die Rolle des Gründers als Leitungsorgan, die Gestaltung der Aufbau- und Ablauforganisation sowie der Einfluss von Venture Capital.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den betriebswirtschaftlichen Forschungsstand zur Leitungsorganisation junger Firmen aufzuarbeiten und die Defizite in der theoretischen und empirischen Forschung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse und eine kritische Diskussion des bestehenden Forschungsstandes unter Berücksichtigung empirischer Arbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Begriffen, die Analyse von Lebenszyklen, die Literaturübersicht zur Leitungsorganisation und die Untersuchung der Einflussnahme Dritter.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Leitungsorganisation, Gründungsforschung, Lebenszyklusmodell, Venture Capital und Unternehmensentwicklung.
Welche Bedeutung hat das Gründungsmanagement für junge Firmen?
Das Gründungsmanagement ist entscheidend, da in der Frühphase oft die Weichen für die spätere Professionalisierung und den langfristigen Unternehmenserfolg gestellt werden.
Warum spielt die Person des Gründers eine so zentrale Rolle?
Da in jungen Unternehmen meist der Gründer die alleinige Leitung innehat, sind dessen individuelle Managementfähigkeiten und Visionen ausschlaggebend für das Überleben der Firma.
Wie beeinflussen Venture Capital Gesellschaften die Leitungsorganisation?
Sie nehmen oft durch vertragliche Mitspracherechte und strategische Beratung direkten Einfluss auf die Unternehmenspolitik und die Besetzung von Führungspositionen.
Warum scheitern viele junge Unternehmungen laut der Arbeit?
Häufige Ursachen sind mangelnde Managementkompetenz, Fehler bei der Finanzplanung, Informationsdefizite und die Schwierigkeit, sich an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen.
- Citar trabajo
- Dirk Nitsche (Autor), 2002, Die Leitungsorganisation junger Unternehmungen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308755