Grundwissen zu hellenistischen Erben

Kulturgeschichtliche Entwicklung Europa


Vorlesungsmitschrift, 2012
124 Seiten

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Leseprobe

Grundwissen zu proklamierten hellenistisch-römischen Erben Mitschrift und zusätzliche Bemerkungen für die Vorlesungen des Dozenten Hartmann, Augsburg Sommersemester 2012 (Alte Geschichte – Griechische und Römische Geschichte), sowie angegliederte Mitschrift aus der Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit (Prof. Dr. Petar Vrankic), siehe bitte ebenfalls die Mitschrift zur Geschichte Israels

Vorwort

Altertumswissenschaft, Alte Geschichte, also von Beginn der Schriftlichkeit in Sumer, im archaischen Griechenland bis zum Ende des Westlichen Imperium, also eine Geschichte des Geschriebenen, des Verfassten -> eine überlieferte Geschichte einer toten Welt, die durch die Humanisten, die Editoren, den Buchdruck, die Philologen überlebt hat. Also auch eine erhebliche Bedeutung für die europäische Geschichte an sich und für die Theologie

- Zunächst Studium der Antike durch die Elite mit Anwendung auf die Politik
- auch archäologische Beschäftigung mit jener Zeit (1506 Laokoon-Gruppe, Kupferstiche antiker Ruinen, Radierungen, Traumvorstellungen, antiquarische Forschung)
- durch den Radierer Piranesi (1720-1778) erfährt die römische Antike eine Blütezeit, die Römer werden nicht mehr nur als Nachahmer der Griechen wahrgenommen, sondern als Selbstschöpfer, als neue Prometheus-Söhne
- Private Sammlungen, Katalogmäßigkeit, Museen, Vestigen-Bücher (Du Pérac, 1575), Numismatik, Inhaltliche Erörterung, sowie Mystik und Religiösität
- dann Winkelmann-Epoche (1717-1768): Historisierung der Antike, unübertroffene Kunst der Griechen erst hinsichtlich ihrem freien Gemeinwesen: Verklärung der Athenischen Demokratie, und dann Machtverlust, deshalb auch Ende der Klassik, und bedingter Verfall
- besessen von der Idee vom Untergang: Montesquieu, Edward Gibbon, Türkengefahr, Antigermanismus, Oliver Goldsmith übersetzt auf Deutsch, von daher setzt auch die Archäologie Fuß in Deutschland -> Altphilologie wendet sich aber eher der Athenai zu (August Boeck), aber auch Interesse an indischen Völkern (Arnold Heeren), mit Integration von wirtschaftshistorischen Voraussetzungen -> Bahnbrechende Werke, die auch zur Klimageschichte führen werden, daneben fällt auch bei den Historikern das Bild einer verklärten Gesellschaft nieder: im Gegensatz zu den Literaten (Philhellenismus), aber beides erfahren Beifall bei der Öffentlichkeit (also beim Bürgertum und Adel)
- Moderne Epigraphik durch Impuls von Theodor Mommsen (1817-1903), auch historische Erörterung des römischen Rechts
- ab 1900 großer Beitrag der Papyrologie, Ägyptomanie, auch Begeisterung für den Indogermanismus, Sprachforschungen und Grabungen, parallel dazu auch politisch motivierte Raubkampagnen in der Türkei, in Ägypten, in Äthiopien, im Zweistromland (Bagdad) -> Pergamom-Museum, Louvres, Britisch Gallery
- Gleichschaltung der Altgeschichtswissenschaftler im Nazi-Europa, Sparta-Herrenmenschen, Rassengegensatz zwischen Römern und Puniern, Septimius Severus verantwortlich für die Dekadenz, denn „Mischling“ „Verbindung des eingewanderten Phoenikertums mit dem hamitischen Element Nordafrikas“
- heutzutage Mentalitätsgeschichte, Holismus, Hellenismus, Ägyptologie, Mesopotamische Zivilisationen, Geschichte der Hettiter, der Parther, Klimatologie, Geologie, (field surveys, Oberflächebegehungen), Topographie, Wirtschaftsgeschichte, neue Grabungen, aber politische Instabilität und Islamismus verlangsamen oder verunmöglichen weitere Forschungsarbeiten

Hauptwaffe: Archäologie, d.h. jene Wissenschaft, die Erkenntnisse über die Frühgeschichte der Menschheit zu gewinnen versucht durch Ausgrabungen, Untersuchungen von Funden und Denkmälern anhand von verschiedenen Techniken (C-14-Proben, Datierungen, Vergleich, Entzifferung alter Schriften, Analyse vom Bodenbeschaffen je nach Alter, Klimawissenschaft, Analyse vom Bodenbeschaffen des Mondes, Entdeckungen in Gletschern und in anderen Teilen der Welt)

Alte Geschichte ist nicht als Vorgeschichte eines modernen Nationalstaats denkbar, sondern schon von ihrem Gegenstand her international.

Sprachen der Quellen: Griechisch, Lateinisch, Etruskisch, Hebräisch, Aramäisch und alle Sprachen der Antike.

Sprachen der Forschung: Editionen in Originalsprache, Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch. Was ist aber mit dem Persisch? Russisch? vielleicht auch etwas dem Arabisch? -> Europäisch zentrierte Geschichtsforschung.

„Nichts zu wissen von dem, was vor deiner Geburt geschah, heißt für immer ein Kind zu bleiben“ – Cicero die Antike ist als das nächste Fremde betrachtet, als einen Schatz an Erfahrungen, an unverwirklichten Lebensmöglichkeiten.

Abgrenzungskriterium zur Vor- und Frühgeschichte = Schriftlichkeit, wobei für die keltisch-germanischen Siedlungsräume nicht von Schriftlichkeit die Rede sein kann, auch wenn es Inschriftenzeugnisse auf Futhark oder Griechisch gibt.

0. Periodisierung – die Fundamente der indogermanischen Kultur

vor circa 4 Millionenjahre: heutzutage allererster veröffentlichter Beweis der Existenz der Frühmenschen, die vor allem Jäger und Sammler gewesen sein sollen um 10.000a Vorgeschichte der heutzutage bekannten Kulturkreise in Eurasien (Prähistorie), Holozän, Pleistozän (Steinzeit), Neolithikum, Kupfersteinzeit, Anbeginn der Schrift, d.h. Sesshaftwerdung, Gütertausch zwischen Gemeinden, Auftreten der Technik, Arbeitsteilung

Arbeitsteilung: die Menschen teilen sich die Arbeit je nach Erfordernissen der Gemeinschaft und Fähigkeiten des Einzelnen; verschiedene Berufe entstehen: Handwerker, Bauern, Hirten, Händler, Soldaten

Steinzeit: benannt nach den erstmals von Menschen verwendeten Werkzeugen und Waffen aus Stein; auch Feuerstein (silex) und vermutlich schon damals Bernsteinhandel, sowie Gewinnung von Schmucksteinen zwecks Totenkulten und Ahnenverehrung -> Betrachtung des Todes um 3200a erste Keilschrifttontafeln und erste Hieroglyphen (beide entziffert) Hochkultur oder Stromkultur: höhere Entwicklungsstufe als einfach bäuerliche Kultur; sie entwickelte sich u.a. an Euphrat und Tigris (Mesopotamien, Keilschrift), am Nil (Hieroglyphen) und am Indus (alte indische Veda-Schrift). Kennzeichen u.a.: Arbeitsteilung, Verwaltung, Städte, Schrift, Religion als Zusammenbindung der Gemeinschaft.

Hieroglyphen (Griechisch für Heilige Schrift): die altägyptischen Schriftzeichen, mit denen die Sprache durch Bildzeichen festgehalten wurde. Seit 3000a in Gebrauch.

Papyrus: dünne Streifen des Stengelmarkes der Papyrusstaude wurden durch kreuzweises Verkleben zu Blättern zusammengefügt. Daraus wurden Rollen hergestellt, auf die Schriftzeichen eingetragen wurden (Techniken, Gütertausch, Religion, Geschichte).

Oral poetry: im Gegensatz zu Schriftkultur handelt es sich bei der oral poetry nicht um alltägliche Dinge, sondern um die Erzählung der Vergangenheit des Stammes zwecks der Erhaltung der Religion zwischen den Mitgliedern der Gemeinschaft, die sich immer mehr von diesen Zeiten entfernen und voneinander abweichen. Dies war aber der Wille selbst der Gemeinschaft.

2800-1200 Bronzezeit: Vor- und Frühgeschichte der hier berücksichtigten antiken Völker ab 2800a vor allem auf Kretas, Minos als Vorbild der kretischen Könige, sogenannte Minoische Epoche -> Linear A-Schrift (nicht entziffert) um 2500a Pyramidenbau, Re-Staatsreligion Der Pharao in Ägypten war Gott und König zugleich (Gottkönigtum). Viele Pharaonen errichteten sich vermutlich als Grabanlagen zum Schutz der Körper bis zur Auferstehung Pyramiden, die eine schwer verständige quadratische Grundfläche besaßen und nach oben spitz zuliefen. Orte von harten Spekulationen.

Polytheismus: Glaube an die multiplen Gesichter der Erscheinung; Monolatrie: Behauptung einer Gottheit über die anderen, die noch beachtet werden (Zeus/Juve/Gott); Monotheismus: Verehrung einer einzigen Gottheit, alle anderen existieren nicht, sind nicht einmal Götzen.

Monarchie: Staatsform, in der die Staatsgewalt von einem einzelnen oft mithilfe von Räten ausgeübt wird. Der Monarch hat die Herrschaft ererbt oder wird gewählt. Der Umfang seiner Rechte ist unterschiedlich und reicht vom Alleinherrscher bis zum bloßen Repräsentanten des Staates wie in unserer Zeit in Europa.

um 2000a Codex Hammurabi, Weltschöpfung nach den Sumerern: „Enuma elish“, „Gilgamesh“

um 2000a Wanderung indogermanischer Völker (Tocharer, Hettiter, Hellenen)

um 1450a Eroberung der kretischen Paläste durch protoindogermanische Wandervölker – Mykenische Epoche, so nach dem Dorfe Mykenai in Argolidos, Zentrum einer von Kreta unabhängigen Kultur -> Linear B-Schrift (nicht entziffert)

um 1200a Untergang der mykenischen Palastkultur durch Ansturm der hellenistischen Seevölker, dann „Poleisierung“ durch Einflussnahme der semitischen Phöniker auf das Mittelmeer

um 1200a Ausbruch eines Vulkans im Mittelmeer, sowie Zerstörung eines Vulkans im Pazifik; möglicherweise Eiszeit und Untergang der Kultur; Atlantis auf dem Insel Santorin?

um 1200a die Veden, die Upanishaden (Vedanta, Yoga) in Indien und Zarathustra in Persien

1200-750 Eisenzeit, Dunkles Zeitalter, Geometrische Zeit, Hallstadt-Kelten -> Lückenzeit bis zur Entstehung der Alphabetschrift, bzw. zur Entstehung der Polis. Auch Kolonisation durch die Seevölker der Phöniker und Hellenen, die sich auf die Küsten im Mittelmeer und Pontos Euxinos vom 8. bis zum 6. Jahrhundert erstreckt.

Kolonisation: Übernahme, Besiedlung und wirtschaftliche Erschließung von weniger entwickelten Gebieten zur Ansiedlung von in der Mutterstadt überflüssiger Bevölkerung und zur Erweiterung des eigenen Wirtschaftsraumes und politischen Einflusses.

776 erste nachweisbare Olympische Spiele, d.h. das Fest der gesamten Hellenen zu Ehren des Monolatrie-Gottes Zeus auf dem Olymp, das alle vier Jahre abgehalten wurde. Dies war ein Bindungselement zwischen den sich streitenden Hellenen, denn bei den Spielen wurde Frieden geboten. Die Hellenen verstanden sich als eine einzige Kulturgemeinschaft. 394p wurden sie verboten, sowie das Heidentum. Die modernen Olympischen Spiele, die die ganze Menschheit versammeln, finden seit 1896 statt.

753 legendäre Gründung Roms durch Romulus, Sohn des Eneas von Troja

753-510 etruskische Königszeit

um 750a Ende der sog. „Dark Ages“ durch erste Überlieferung phönizischer Schrift auf hellenischem Boden -> Anfang der Geschichte der Hellenen (der Griechen); auch Datum, an dem die Ereignisse aus der Ilias und der Odyssee stattgefunden haben sollen.

Die Antike: Sammelbezeichnung für das griechisch-römische Altertum. Der Begriff wurde schon von den Römern verwendet (siehe Cicero), aber für uns gilt das Wort wie es eingeführt wurde, um die Periode von 1000a bis 500p vom christlichen Mittelalter (1500p) und der Neuzeit abzuheben, also der Geschichtsschreibung der Aufklärung zufolge.

um 750a Offenbarung des Buddhas, dann Jainismus

750-479 Archaik bis zu den Perserkriegen

510 Weihung des kapitolinischen Iuppiter-Tempels in Rom, Gründung der Republik, Ende der etruskischen Herrschaft über Rom; Konsulat und Tribunat, Senat

Patrizier und Plebejer: die alten adligen römischen Familien von Romulus; die große Masse des Volkes (Bürger und Nichtbürger, sowie Servi)

Senat: Versammlung der Oberhäupter der Patrizierfamilien, später auch von Plebejern und Rittern, die hohe Ämter der Republik bekleidet haben.

Aristokratie: Staatsordnung, in der ein durch Geburt, Besitz oder kriegerische Leistung bevorzugter Stand namens Adel oder Großbürgertum die Herrschaft ausübt.

Demokratie: Staatsordnung, in der die Regierung vom Volk oder von einem Teil des Volkes gewählt und kontrolliert wird. In Athen zum Beispiel nahmen alle Vollbürger unmittelbar an den Beratungen und Entscheidung in dem Stadtstaat teil. Dies entstand dadurch, dass die Einwohnerzahl jener Städte meistens nicht einmal 1.000 Seelen betrug.

Republik: in Rom wurde zwischen rei privatea und res publicana unterschieden, d.h. zwischen privatem Geschäft und dem Interesse der Gemeinschaft, der öffentlichen Sache. Die Republik ist die höchst entwickelte Form der Verwaltung eines Staates, der von Geschäftsmännern und Bodenbesitzern geführt wird, damit sich die Interessen nicht überschneiden. Dies entstand dadurch, dass die Republik am Anfang klein war, und dann nur Stück um Stück vergrößert wurde. Staatsform, die also vom Volk legitimiert wird. Als Republiken werden heute vielfach Staaten bezeichnet, die keine Monarchie sind.

Diktator: in Notzeiten für 6 Monate mit unumschränkter Befehlsgewalt ausgestatteter Befehlshaber. Die Diktatoren waren oft weise Römer, die die Republik vor fremder Gewalt oft gerettet haben. Manchmal wurden sie auch nach Amtszeit vor Gericht gezogen.

Konsuln: die zwei höchsten Beamten der Republik mit der obersten Befehlsgewalt in Krieg und Frieden; sie wurden jeweils für ein Jahr gewählt, normalerweise nur einmal wiederholbar.

um 500a Lehren des Kong-zi / Kong-fou-tseu, dann Meng-zi / Mo-zi und Lao-tseu: Taoismus (im 11.Jh. wird der Neukonfuzianismus zur Staatsreligion, erweitert auf die Yin-Yang-Lehre)

479 Ende der Perserkriege, Abwehr der Perser

479-336 Klassik, Zeitalter des Perikleiden, bis zum Regierungsantritt des Alexanders, Glanzzeit Athens

450 La-Tène-Kelten

387 Plünderung von Rom durch die Gallier; dann Blütezeit der Republik

336 Hegemôn des Philipp II. von Makedonien und Regierungsantritt Alexanders

322 Tod Alexandros Megas, Diadochen und Epigonen

336-30 Hellenismus und symploke-Vorgang, bis zur Eingliederung Ägyptens ins Imperium

Provinz: römischer Besitz von Gebieten außerhalb Italiens, der von einem Staathalter verwaltet wurde (Legat oder Prokurator). Die Bewohner der Provinzen waren Untertanen Roms, besaßen bis 212 kein Bürgerrecht und mußten Abgaben/Steuern zahlen. Dies ist die römische Art der Kolonie, die auf Mitarbeit mit lokaler Elite basiert ist.

Romanisierung: ähnlicher Vorgang wie der Hellenismus, Ausbreitung der römischen Lebensart und der latheinischen Sprache in den Provinzen. So entstanden aus dem Latheinischen die heutgen Sprachen: Französisch, Rätoromanisch, Spanisch, Portugiesisch, Rumänisch und gewissermaßen auch Italienisch.

279 Entwicklung eines gallisch-griechischen Kulturkreises

287 Lex Hortensia: Ende der Ständekämpfe; und Abschluss der Unterwerfung Italiens

287-133 Hohe und Mittlere Republik, Weg zum ager Romanus, Gracchus und Bürgerkrieg

218-201 Hannibals Kriege (Zweiter Punischer Krieg)

212 Niederlassung in Appolonia

142 Zerstörung Kartagos, Vorherrschaft Roms über den Mittelmeerraum

133 Hegemonie Roms in Kleinasien

133-27a Späte Republik, der Weg zum Imperium Romanum, zum Ende der Bürgerkriege

104 Heeresreform von Marius; erster großer Einbruch der Germanen ins Reich

58-50a Gallierkriege

44a Ermordung von Gaius Iulius Cäsar

30 Vollendung der symploke durch Eingliederung der Ptolemaik in das Imperium

27a Legalisierung der Sonderstellung von Oktavian, Augustinisches Principat, d.h. Monarchie

27a-96p Frühe Kaiserzeit, Principates-System (Tiberius, Caligula, Claudius, Nero, Flavier), bis zur Ermordung des Kaisers Domitians; Schreckenszeit (siehe Tacitus, Plinus)

9p: Entscheidende Niederlage Roms vor den Germanen im Teutoburger Wald

Limes: befestigte Grenze des Imperiums; an Rhein und Donau ca. 550km lang.

79p Ausbruch des Vesuvs, Zerstörung von Pompei

96-235 Hohe Kaiserzeit bis zur Ermordung des Commodus 192, bzw. des Severus Alexander

96-192 Adoptivkaiser (Nerva, Trajan, Hadrian, Antoninus Pius, Marcus Aurelius, Commodus),

193-235 Prätorianerkaiser, Severianer (Septimus Severus, Caracalla, Severer, Elagabal)

235-284 Ermordung des Severus Alexander -> Reichskrise, Soldatenkaiser, dann Regierungseintritt des Diokletian

285-568 Dominat / Späte Kaiserzeit (Diokletian, Konstantiner, Theodosius, Gration)

313 Mailänder Edikt

330 Konstantinopel Hauptstadt des Reiches

375 Einfall der Hunnen (Attila/Etel)

378 Eigentlicher Beginn der Völkerwanderung

Völkerwanderung: Sammelbezeichnung für die Wanderbewegungen germanischer Völker nach 375, ausgelöst durch Hunneneinfall, Wirtschaftsprobleme, Bevölkerungswachstum und Anziehungskraft der griechisch-römischen Kultur.

394 Verbot der Olympischen Spiele

395 Reichsteilung

395-476 Germanischer Reichshof

476 Ende des westlichen Kaisertums

478 Chlodwigs Taufe

-> Germanische Staatenwelt, Anfang des Frühmittelalters, ager Germanum

527-565 fehlgeschlagene Reconquista Justinians

568-774 Langobardisches Reich

622 Heschdra, 632 Tod des Mohammeds -> Islamische Expansion

Islam: von dem Heerführer Mohammed gestiftete Religion: Monotheismus (Allah), in welchem das Schicksal des Menschen als vorherbestimmt betrachtet wird (Prädestination). Das Wort Allahs und die Glaubensvorschriften sind im Buch namens Kuran aufgezeichnet. Seine fünf Grundgebote sind: Bekenntnis zu dem einzigen Gott und zur Prophetenschaft Muhammads, fünfmaliges tägliches Gebet, im Monat Ramadan am Tage fasten, möglichst einmal im Leben eine Pilgerfahrt nach Mekka unternehmen.

627 Ende des Sassanidenreiches

642 Fall von Alexandria, Ende der Spätantike im Osten, Anfang des ager Islam

568-1204 oströmisches Reich, dann bis 1453 byzantinisches Reich

800 translatio imperii durch Karl den Großen, Erstes Reich Europa (als Grundidee in Abgrenzung zum oströmischen Reich)

Historiographische Deutungsansätze: Dekadenz, gewaltsames Ende, Katastrophe, Transformation, Kulturwandel, Evolution also staatliche Kontinuität des Imperiums durch Ostrom und die Karolinger keine Empfindung eines Epochenbruches am Ende der geschichtsschreiblichen Antike; „Mittelalter“ auch als Erfindung der Humanisten, um ihre „Renaissance“ abzuheben.

Ethnonomen

Stammvatervölker, Eponymen, Ahnenverehrung, Wüstenvölker, Wandervölker

Weißvölker, abermals Mischungen mit Schwarzafrikanern

Die Söhne Noahs, also die Urvölker Vorderasiens: Japhet / Iapetos, Ham / Cham und Sem von daher: die Semiten (1781 August von Schlözer), die Hamiten (die Weißafrikaner wie die Berbern und Altäthiopier) und die Iapeten, vielleicht Kaukasen

Aramäer: Hauptstamm der Semiten in der Antike, Herrscher von Aram/Damascos, deren Sprache Amtssprache der indoarisch-semitischen Reiche ausgenommen Ägypten war, bis das Griechische, das Griechisch-Parthische und endlich das Arabische sich behaupteten

Hebräisch: „die Sprache Kanaans“ (Jes 19, 18), eigentlich das Phönizische, das Punische, ältestes Zeugnis: 925a Gezer-Kalender, dann Tanach und Qumran-Rollen

Indogermanen: Sammelbegriff für Wandervölker aus den Uralsteppen, manche sind Mischlinge von Kaukasen und Neandertalern, siehe dazu Haplogroup H

Elam - Akkad – Amurru = semitische Urvölker der Geschichte Mesopotamiens, noch keine Keilschrift und Kriege miteinander, dann Eindrang von wandernden Semiten und Indogermanen

Keilschrift: erste nachweisbare Schriftlichkeit der Indogermanen und der Semiten, Silbensprache, die in Ton geritzt wurde, erhalten bis zum seleukiden Reich, dann ersetzt durch das griechische Alphabet, und dann die arabische Schrift

Hieroglyphenschrift: Urschrift der Ägypter, Bilderschrift, älteste Funde um 3200a, Konkurrenzschrift zur Keilschrift und Phönizerschrift, die von den afroasiatischen Ägyptern und den indogermanischen Luwiern (Trojanern) verwendet wurde

das Protosemitische Alphabet: ging aus der linksläufigen Abstrahierung von kanaanäisch-phönizischen Konsonantenschriften, ältestes Zeugnis in Byblos um 1000a. Grundlage, auf die sich alle Schriften der Welt mit Ausnahme Ostasiens herausgebildet haben (Tifinagh/Abschad, Kyrillisch, Quadrat, die Runen, die Devanagari, das Indonesische, die Brahmi, das Äthiopische)

die vedische Sprache / das Sanskrit: eine noch heute offizielle Sprache Indiens, eine ostindoarische Schrift, Veda um 1200a

Ägypter: verschiedene Stämme von weißen Afroasiaten, die mit Nubiern und Semiten Kontakte pflegen, oft im Streit gegen die Indogermanen (Hyksos, Seevölker, Griechen). Reich voller Wirren, denn weite Kosmologie, zunächst Reich des Amon-Re, dann des Osiris. Um 1360a versucht Akhenaton, Echnaton einen strengen Monotheismus durchzusetzen zu Ehren der Sonne, namens Aton, von daher wird der Erntegott Osiris dem Totengott gleichgesetzt, also starke Betonung des Lebens im Jenseits: Totenbücher, Einbalsamierungen, Totengrüfte, ma’at (Gerechtigkeitsseele), Beichte und Messung der Seele: ka -Gewicht (Anubis wägt das Herz des Toten gegen ma’at auf und Thot notiert das Ergebnis), dann geht die ba, die gute Seele zu Osiris und verschmilzt sich mit ihm, um gereinigt zu werden. Dies hat die Weisheit der semitischen Nachbarvölker stark beeinflusst: siehe das Buch der Sprüche, bei dem es sich eigentlich um eine Wiederaufnahme der Weisheit Amenopis und Ani handelt. Auch Sage von Seth nicht klar.

Sumerisch-akkadische Hochkultur: erste geschichtliche Kultur der eurasischen Welt, die durch Fundorte, Urschrift und Sagen nachweisbar ist.

Sumerer: indoarisches Volk, das in Mesopotamien um 5000a eingedrungen ist, dessen Sprache Ähnlichkeiten mit Finnischem und Ungarischem aufweist; jedoch ist nichts sicher. Sie waren die ersten, die die Keilschrift verwendet haben und dadurch die Geschichte der Indogermanen angefangen haben. Sie werden zunächst von den akkadischen Semiten verdrängt, dann haben sich alle Völker vermischt, woher sich Babel herausbildete.

Gilgamesch: Sagenkönig von Sumer-Uruk, sumer. „ Sohn und Vater von Helden “, durch die Errichtung einer Schutzmauer ließ er die Wohnstätte Uruk zur ersten nachweisbaren indogermanischen Stadt entwickeln, in der unsere Kultur entworfen wurde: Arbeitsteilung, Bürokratie, Totenverehrung, Handwerk.

Hurriter: anderes indoarisches Volk, dessen Bezeichnung idg. * hrw auf Ägyptisch Churri und Semitisch Ari entlehnt worden ist im Sinne von „Ariern“

Hyksos: Hurriten und Semiten, die Ägypten gewaltsam eroberten, und dann verjagt worden sind.

Mittani: Spätreich der Hurriten, das zum einen von den Hethitern und zum anderen von Salmanassar I. von Assur erobert wurde.

Hethiter: Indogermanen, die im heutigen Anatolien herrschten, die eine Keilschrift wie die Asiaten und die Sumerer verwendeten.

Assyrer: Mischlinge von Sumerern, Akkadern und Aramäern aus der Stadt Assur, der Stadt des Sonnengottes, die auf Akkad und Sumer herrschten, bis die Neubabylonier, eine Mischung aus Sumerern, Akkadern und Frühariern aus Iran sie endgültig besiegten. Die Assyrer haben die Überreste der luwisch-hethetischen und hurritisch-mittanisch-urarta-uragrischen Reiche gleichgeschaltet.

Neubabylonier / Meder: Urmischvolk, die der Gleichschaltungstradition der Spätassyrer ein Ende setzte und eine Politik von Regionalisierung betrieben hat. Ihnen gelang es nicht, die Macht Ägyptens endgültig zu brechen, letztendlich wurden sie von den Iraniern – Ariern – Persern der achämenidisch-zoroastrischen Dynastie ersetzt.

Zoroastrier: persische Monotheister, die der Lehre des Zarathustra/Orpheus von Thrakien folgen. Verehrung eines allmächtigen Sonnengottes namens Ahrua Mazda (Mazdaismus), Schöpfergott, Welt als Schauplatz des Kampfes zwischen Gut und Bös, dem Heiligen Geiste und dem Argen: Dualismus, Wahl von Anbeginn der Welt an, Lehre der 4 Reiche (jeweils 3000 Jahre), Heilerwartung und Endreich des Mazda wird durch Zarathustra offenbart, aber zunächst Weltgericht, Bestrafungen und Belohnungen. Der Leib ist eine tote Schalle.

Parthen / Arsakiden: Spätperser, die den Römern die Stirn geboten haben, die aber letztendlich von den Sassaniden besiegt worden sind, was die Islamisierung der Ostarier beschleunigt hat

Minoer: Sammlungsbegriff für die Völker, die vor den Griechischsprachigen da waren, und von Kreta aus das Ägäische kontrollierte; sie schrieben Linear A

Pelasgier: Pro-Griechen-Volk auf dem Halbinsel Griechenland, zunächst Herrscher auf Argos

Mykenier: erste Griechisch-Sprachigen, die die Kreter und die Trojaner zurückdrängten, von Homer als Achäer bezeichnet; sie schrieben Linear B

Hellenen: für Homer: vom Stamm Achilles, also Thessalier aus der Stadt Phtiah, wo Deukalion König gewesen sei, während das Hauptstamm aus Argiven/Achäern besteht, also aus denjenigen, die die Pelasgier zurückgetrieben haben; Sammlungsbegriff für die Dorer, Ioner und Aioler, nach dem gleichnamigen Volksheld Hellen, mythischer Sohn von Deukalion und Pyrrha, Vater von Doros, Aeolos und Xuthus, selber Vater von Ionos und Achaios, also die Griechen von Asia Minor, Makedonien und Minor Graecia. Nach Aristoteles Überlebende einer Sintflut aus Epiros, aus Dodona-Sellai. Dann Bezeichnung für diejenigen, die gegen die Perser kämpften, ausgegrenzt werden also die Makedonier und die Epiren, die als Barbaren verachtet werden, sowie andere Städtchen im Süden, so nach Thukydides460-395a. Nach Theodosius I. Bezeichnung für Paganen, dann ab 855p nach der Gründung der neuen Universität von Konstantinopel (455p), Wiederaufnahme der nationalistischen Bezeichnung gegenüber den Arabern, den Latinern und den Germanen. Der Anspruch auf Basileus Rhomanoi wird ab 1204 nachgegeben, und völlig aufgegeben im Jahre 1453.

Griechen: aus idg. *gehr, „alt“, hiervon „ geron “, „ gerousia “; römisches Nomen, aus Graekus, Sohn der Pandora, Neffe von Hellen, Sammlungsbegriff für die Hellenen auf dem Halbinsel Italien (Magna Graecia), und dann für alle Griechischsprachigen.

Yevanim: Ethnonomen der Hellenen bei den Asiaten (nach den Ionern)

Römer / Rhomaioi: Mischvolk, Mythen zufolge Überlebende aus Troja, gewiss Mischlinge aus Griechen, Latinern und Minoern/Semiten/Asiaten, die zunächst das Latium, dann Etruskien und Magna Greacia, und schließlich das ganze Europa erobert haben. Im Frühmittelalter aber die Oströmer, also die Byzantiner griechischer Sprache, seit 212p. Dann aber nur „Bürger“, während die hellenisierten Römer von Ostrom als „Gräcoromaner“ von Prokopius565p bezeichnet werden. Nach den lombardischen und arabischen Eroberungen Anspruch der Germanen auf die Bezeichnung „Römer“, als Erben der Weströmer seit 722p -> Neu-Rom

Barbaren: zunächst nach Herodot von Halikarnassos (†420a in Tarent, Gründer der Historie, also die Untersuchung der Übelzeit) alle, die nicht griechisch-sprachig sind, dann alle, die nicht hellenistisch sind (Vgl. bei den Slaven die Bezeichnungen Nemesch und Slovenski). Nach Euripides und Aristoteles Sklaven, nicht-griechische Metoiken (met-oikon: woanders leben)

Byzantiner: erst eingeführt im Jahre 1557 durch den Althistoriker Hieronymus Wolf, um Ostrom vom mittelalterlichen hellenischen Reich zu unterscheiden. Vorher nur Skythen aus Byzanz, also Konstantinopel, die Griechisch sprachen.

Hayk: ätiologischer Held der indoarischen Armenier (die Hiberer?)

Reitervölker: meistens ansässig am Schwarzen Meer, kommen aus dem Norden, sind dann tief in Europa eingedrungen, wurden letztens 755p von Otto dem Großen besiegt.

a/ Hyperboera, legendäres Land der Amazonen im Nordrussland, oder Insel der Sonne, Thulé? immerhin, ein Land, wovon man hat fliehen müssen. Nur die Kälte?

b/ Die Skythen, bekanntestes Vollnomadenvolk, aber auch Ackerbau, goldenes Geschmiedete, Kompositbögen, große Pferde, Bestattungen, oft als Söldner eingesetzt

c/ Die Kimmerier (Conan the Barbar): werden öfter mit den Skythen verwechselt, die sie aber aus ihrem Heimatland verdrängt haben sollen. Sind auf Kleinasien überfallen, haben dort Sardeis und Lydien geplündert um 800a. Könnten Tauris bevölkert haben, heute die Krim, etymologisch nicht anzunähern, eher tartarisch „ qyrim “, Festung, wobei die Kimmerer auch gute Befestigungsanlage gegen Nomaden aufbauen könnten (archäologische Funde). Sprache sei ein Bindeglied zwischen Iranisch und Thrakisch. Um 600a werden sie von den Lydiern unter Alyattes II. (Vater von Krösus) vernichtend besiegt und aus Kleinasien vertrieben, wohin weiß man aber nicht, sicher nicht gen Osten, denn die Assyrer hätten sie selber vormals aus Urartu verjagt.

d/ Die Hunnen: unter Führung von Etel sind in das verfallende weströmische Reich eingefallen, wurden aber von einer Koalition aus Römern, Kelten und Germanen im Jahre 451p besiegt. Haben sich dann an die bäuerlichen Völker überschichtet und letztendlich ist ihre Reitkultur verschwunden.

e/ Die Awaren haben um 700p den Steigbügel in Europa eingeführt und das Reitkriegswesen modernisiert.

f/ Das letzte erwähnungswerte Reitervolk ist das der Magyaren, die sich bald an Europa akklimatisiert haben.

g/ Um 1241p haben auch die Polen und Schlesier eine große Schlacht gegen die Mongolen verloren, die dann weiter nach Süden geritten sind und den Islam bedroht haben, bevor sie ebenfalls verschwunden sind.

h/ Überbleibsel berittener Völker sind noch in sowjetischem Asien vorhanden, aber sie sind mit den alten Völkern aus Eurasien nicht mehr zu vergleichen.

Weitere Reitvölker: Samiten, Saken, Türken, Polowzer, Alanen (in Burgunden), Berbern

Im Gegensatz dazu sind vermutlich die Westindoarier Bauervölker wie die Germanen, Kelten und Italiker; nicht auszuschließen sind ebenfalls Spuren von Reitkultur bei den Griechen (allen voran bei den Thessaliern), den Germanen (vor allem den Westgermanen), manchen Kelten (Epona-Kult) und Italikern. Was die Burgunden, Goten und andere Wandalen betrifft, ist nichts sicher: ist das Pferd nur zwangsmaßen zu Fortbewegungsmittel geworden oder gehört er zur Kultur? -> siehe dann weiter Völkerwanderungen

Toponomen

der Balkan: Region von den Ostalpen bis zum Olympus, also „Griechenland“

die Attika: Region rund um Athenai, Attisch als Glottologe, Dialekt aus Athen, die jene Sprache ist, die von Philipp II. als Hauptsprache seines Bundes gewählt wurde, also Sprache des Hellenismus, also koine des griechischen Mittelmeers

Ionien: Region an der Westküste Kleinasiens und Inseln an der Westküste Epiriens die Kykladen: Inseln zwischen Kreta und der Attika

Dodekanes: Inseln im Ägäischen Meer, an der Küste zu Kleinasien

Thrakien: Region im Norden der Halbinsel Griechenland, Volk aus Südskythen, Byzantinern, Dorern und Kleinasiaten, inklusiv Chalkidike im Ägäis

Makedonien: Highlands im olympischen Balkan (idg. * mak: hoch), Makedon als Enkelkind von Deukalion, Neffe von Hellen, Vetter von Graikos und Bruder von Magnes. Auch Anspielung auf Pferdekämpfer, wie die Thessalier und Magnesier

Illyrer: „Barbaren“ aus der Adriaküste, fehlende schriftliche Überlieferungen; Illyros ist der Bruder von Keltos und Galas, alle drei Söhne von Galatea und Herakles, deren Milch weiß ist, die Tochter von Nereos, Sohn vom Pontus (die See) und Gaia (die Erde), also Leute, die zunächst aus dem Ägäis kommen sollen?

Gallier: Kelten, altfränkisch * walha: Fremden, Nicht-Germanen, Gallo-Römer, die Söhne des Galates, Sohn des Herakles, der die keltische Welt zur Zivilisation gebracht haben soll. Auch die Belgier (* behl: blähen, vor Wut) seien die Söhne des Bavo, Sohn des Priam von Troja (siehe Jean-Louis Bruneaux). Die Legende um die Herkunft der Europäer aus dem Geschlecht der Trojaner lässt sich durch die ganze Geschichte spüren. Darum hätten also die Kreuzritter auch Konstantinopel als Erbe der Hellenen und der Feinde Roms 1204 geplündert. Auch die Niederlassung von Galliern in Kleinasien (Galatien, Gallogriechenland, zisalpinisches Gallien). Diese Mythen aber wurden weitgehend im Mittelalter entwickelt, dennoch ist nicht auszuschließen, dass die trojanische Herkunft der Kelten bei den Römern als Wahrheit empfunden gewesen wäre.

Kelten: Celtae, aber der keltische Stamm des Wortes ist selber * keltos

Pontos Euxeinos: die gastfreundliche See, allerdings ein Lenkwort zu Axeinos, so nach Pindar, die nicht gastfreundliche See, bevor sie kolonisiert worden ist, hiervon „Schwarzes Meer“

Griechen-Land? eher mittelmeerische hellenische Kulturgemeinschaft

- peer polity interaction: Stadtstaaten
- agrarisch-kommerzielle Gesellschaft
- gebirgiges Hinterland, Ungunstraum, Räubervölker
- Gemeinschaft durch Abstammung, Gleichsprachigkeit, Heiligtümergemeinschaft (Panhellenismus), Agone (Festspiele, Sportwesen, Kampf, Helden)

I/ Vorgeschichte – Bronzezeit

2800-1450 Minoische Palastkultur

- Linear A (Bilderschrift) -> für den Kommerz und die Austausche mit den Asiaten (Elfenbein)
- Vielfalt lokaler Sprachen: Labyrinth
- Palast als Verwaltungs-, Redistribution- und Kultzentrum
- Getreidespeicher
- zunächst keine militärische Befestigung
- ägäische koinè: gemeinsamer Tisch aller Minoer

Schifffahrt, Handelsbeziehungen mit Nachbarvölker

- Handelsabhängigkeit zum Orient

- v.a. auf Kreta (siehe Knossos), Begriff „Minos“ aber noch nicht klar (Name von Kreta? Titulatur wie der König Minos?)

1450: Zerstörung der Paläste unter minoischer Kontrolle durch die Mykener (Agamemnon)

1450-1200 Mykenische Palastkultur auf dem Festland

- Linear B (Verwaltungsbilderschrift), auch für den Kommerz
- Erweiterung der Rolle des Palastes auf militärische Aufgabe + Wasserspeicher: Kriegsbereitschaft?
- Palast als Machtzentrum kleiner lokaler balkanischer Könige = „Adelskultur“
- mykenische koinè: Thalassokratie, Inselreich, wiederum Abhängigkeit vom Handel
- Siedlungstätigkeit in Kleinasien: bereist Ionische Wanderung? um 1250a Ilias?

= Ende jener Kultur als „Antike der Hellenen“

um 1200: Untergang der Palastkultur und Verfall

- wenn gegraben wird, dann findet man vor allem Aschenerde, Eisengeschmied und Tongeschirr, sowie andere Töpferware aus gebrannter Erde
- Seevölkersturm? Dorische Wanderung? Ilias?
- Kleine Eiszeit und Naturkatastrophen: Atlantis? Naxos?
-> Übergang von Bronzezeit zur Eisenzeit

Zur selben Zeit: Untergang Hattas, Wanderungen der Israeliten, Ägypten in Flammen, Verfall Babylons, Zerstörung von Ugarit

Historizität der Ereignisse in der Ilias: Hellenen als Achäer / Achijawa aus Milet / Milawanda bezeichnet, also keine Indogermanen, sondern Mykener, Peslagier und Proto-Indogermanen oder neue Herrscher, also Achäer aus Argos? Koinè der Ostägäer / Alt-Achäer gegen die Wanderer? auch große Bedeutung des Mythos von Kadmos aus Tyros, also ein Phönizier, ein Semit und ein Schreibender: Gründung von Theben zurzeit Mykenai oder langsamer Vorgang des Verfalls Ahhijawa?

Grabfunde in Hatta und Troja/Ilion (von Heinrich Schliemann auf der Hügel Hisarlik verortet): Keilschrifttontafel Alaksandu-Vertrag, Schutzvertrag des hethitischen Königs zum Alexandros Paris, Sohn des Priamos, Vasall der Hethiter Homers Ilias: Grieche oder Griechen im Dienst bei fremden Herrschern, vielleicht bei Hethitern, Versepen, Mundüberlieferung von einer großen Schlacht am Ostägäis, eigentlich übertragen in Kilikien

Platos Atlantis: große Sage, die vielleicht das Stoff Trojas anders übernimmt?

1200-750 Geometrische Zeit, Dunkles Zeitalter

- Verlust der Schrift, also dunkel für uns, Mangel an literarischen Quellen
- Bevölkerungs- bzw. Einsiedlungsrückgang
- Nachschubmangel? soziale Unruhe? Verlust der Handelskontakte mit dem Orient?
- Verlust an Sesshaftigkeit -> Wanderungen? Exilzeit wie Israeliten aus Ur und Ägypten?

-> Viehzucht statt Ackerbau
-> Feuerbestattung
-> unfester Holzbau: Häuser von messenischem Nichoria, Fürstengrab von Lefkandi auf Euböa
- Religionsniedergang
- Große Wanderung der Hellenen? Vgl. 814a Karthago und 753a Rom, sicher auf Hungerdruck

Ideologisierung des Gemeinschaftslebens zum Überleben, Ahnenverehrung, kleine Gruppen dann Verdichtung, Bevölkerungswachstum und Zusammenwachsen zur frühen Poleis zunächst v.a. in Kleinasien bei den Ioniern Wiederbelebung der Landwirtschaft, Einfluss der Wohnenden auf die chora, das Hinterland geplante Umsiedlungen und Gemeinschaftsbewusstsein -> Bürgergemeinschaft Rückkehr der Religion, Bau von Tempeln, Errichtung von Friedhöfen (siehe Smyrna) und 776a: Erste nachweisbare Olympiade

-> öffentliche Personenverbände: Phylen, Phratrien, Demen, argivischen komai, und Versammlungen auf den „agorai“

Kulturwechsel dank günstigen Bedingungen und zahlreichen Kontakten mit Nicht-Hellenen, sowie frühe Kolonisation (also Überschuss an Menschen): 800a Al Mina in Syrien, 755a Pithekoussai bei Capua vor allem mit den Phönikern, die in Euböa niedergelassen sind, in Chalkis, ein Purpurfischerdorf -> dadurch Wiederaufnahme der Schriftlichkeit ältester Fund: 775a Graffiti von Osteria im Latium -> Kulturraum von asiatischem Phönizien bis Etruskien, parallel dazu auch Schriftlichkeit bei manchen Germanen, aber nicht bei den Kelten -> erst lange darnach übernahmen manche italischen Kelten die koinè-Schrift jedoch parallele Entwicklung von mehreren Kulturkreisen: Griechen und Römer 753a legendäre Gründung von Rom durch Trojaner aus dem Geschlecht des Eneas, der aus Karthago vor der Frauenkönigin Dido geflohen ist (Varium et mutabile), also auch mythischer Anfang der Feindschaft Rom-Karthago archäologisch bewiesen: latinisch-sabinische Behäusungen, und dann Städte auf den Sieben Hügeln, unter etruskischer Herrschaft, aber außer dem 12-Städte-Bund

Gründungsmythos Roms

So nach Vergil, der unter Augustus lebte: Kolonisierung von Magna Graecia: von den Kykladen und Epiren her, Zusammenleben mit den dortigen Völkern: Sabinern, Pelagiern, Umbriern, Oskern, Etruskern, bis zum Latium? der Sage von Remus und Romulus nach handelt es sich um eine Wanderung aus Sizilien von den Jüngsten aus Städten, wo Hunger herrscht; die Städte werden auch dem Feuer geliefert, so wollten es die Orakel, dann Aufteilung des Bodens durch die griechische Isonomia-Regel, Roms Stadtmuster folgt auch diesem Prinzip: hippodamisches Schema (Quadratrastertyp) mit in einem Raster angelegten Parzellen und einer zentralen Agora -> jetzt Forum genannt; schnell wird dazu einer Hafen in Ostien hinzugefügt, sowie Höfe auf dem phora. Auf dem Latium wohnen indogermanische Völker: Sabiner, Umbrier und Veneten, unweit davon die Etrusker, Samniten und Ligurer, die von zuwandernden Kretern, Griechen und Phönikern beeinflusst sind. Aber Roms Umland besteht aus Morasten, von daher wurde es den Neuankömmlingen gerne überlassen, doch diese sind Meister in Ackerbau, trocknen die Sümpfe und nutzen die Hügel aus, dann treiben sie Kriege, mythologisch begründet durch die Herkunft Romulus aus dem Geschlecht des Priam, denn Romulus sei der Sohn Ascagnos / Iulius gewesen, selber Sohn des Aeneas -> Väterverehrung durch Aphrodita/Venus geleitet; im Latium soll Aeneas Lavinia, die Tochter des Etruskerköniges Evandrios, geheiratet haben, aus dieser Ehe stammt Ascagnos/Iulius, der aber nicht Rom, sondern die Stadt Alba gründet, wo Remus und Romulus geboren wurden, Söhne von Apollo und einer Vestalin, Dienerin von Vesta/Hestia, italischer Gottheit der Heimat -> Patriotismus; da sie Mutter wurde, wurde sie gebannt und ihre Söhne ausgestellt wie Ödipos, der Sage nach dann von einer Wolfmutter aufgenommen. Demnach führen sie eine Truppe aus Briganten, also aus Gesetzlosen, aus hominem novem -> sie gründen ihre eigene Stadt, aber wie Ödipus Sohn Eteokles streitet Romulus den Remus die Herrschaft auf die Stadt, und schließlich kommt es zum Blutbad -> die Stadt ist von vorne an verdammt. Rom wurde also von Indogermanen und Proto-Indogermanen gegründet.

Dann nach Titus-Livus und die verfälschten Stadtannalen: die wilden Römer und die Etrusker geraten rasch in einen Zivilisationskonflikt, worauf die Etrusker den Römern die Zivilisation beibringen. Die erste Stadt, die cloaca Maxima mit Abwasserkanalisationen, wurde von einem etruskischen König aufgebaut durch das hippodamische Schema. Auch er führte Kult, Sonnenkalender und Verwaltung in diese Räuberstadt ein, die ihm dauerte. Dann wurde das Königtum abgeschafft, die Etrusker abgeschlachtet. (siehe Lorenzaccio von Musset: Tarquino Superbo = Alexander, Lucrecia = Louisa Strozzi). Auch die Kaiser lassen sich nicht Rex nennen, sondern Imperator rei publicana, was auch Iulius Cäsar es wollte, doch am Tag vor dessen Ermordung krönte Marcus Antonius eine Fußstatue Cäsars, was die Angst des Senats verursachte. Geht es dabei um Kalkül bei Anton? Auch tötete den König einer Brutus, wie damals, was gewiss Vergil und Titus Livius stark imponiert haben muss.

II/ 750-479 Archaik – die alte Zeit

Durch Übernahme der phönizischen Schrift ist es möglich, die alten mündlich überlieferten Epen niederzuschreiben. Für die Ilias und die Odyssee wird der blinde Dichter Homer erwähnt, aber seine Existenz ist kontrovers (Unitarismus / Analyse).

Die Homerische Gesellschaft

Antike = Klassik = Philosophie, Krieg und Landwirtschaft

Die Hauptfrage besteht in folgendem: wo kommen wir nackte Menschen her?

- vor 700a

zuerst Monismus: der Leib ist die Seele

dann Orphik (nach dem Dichter und Philosophen Orpheus von Thrakien, anders genannt Zoroaster) und Dualismus: die Seele bewohnt den Leib, mit dem Tode des Leibes wandert die Seele weiter ins Diesseits, es gibt kein Jenseits, da wird das Seelengewicht gemessen und vielleicht kehrt die Seele in einen Leib zurück oder geht ins Paradies, d.h. ein anderes diesseitiges Niveau der erlebten Welt, das ist Orpheus‘ Genesis, die aus Mythen besteht, es handelt sich hier um eine magische Welt, also nur vor-erzählte oder aithiologische Welt: Orpheus und Eurydike in der Hölle; der Mensch, also Leib und Seele, ist kein Geschöpf, sondern ein lebendes Wesen, das eine bestimmte Erscheinungswelt bevölkert, während die Götter andere Lebewesen sind, die ein anderes Niveau der Erscheinung erfahren, denn in der Kosmoslehre des Orpheus ist die Idee des Jenseits nicht vorhanden. Diese Lehre entspricht den Werten der Hellenen: Bodenständigkeit, Machtgefühl, Hybris, Gemeinschaftsgefühl (auch mit den Göttern), und Zyklentheorien durch wiederkehrende und ätiologische Erzähllungen.

Der Genesis-Mythos erzählt folgendes, das ist die Lehre von Orpheus dem Thraker, anders genannt Zarathustra: Die Seele ist kein Blut, sondern Geist und der Mensch ist dual. Die Seele büßt auf Erden ihre vormalige Schuld, ist an den Leib gefesselt (worden) und soll vom Sinnlichen erlöst werden. Die Askese, das Nichtleben, ist so ein Mittel, die Seele vom Körper zu reinigen. Wie Zarathustra es zeigt, macht die Seele eine Wanderung: Das Weltei, das Urstoff wird vom Urchaos und der Urnacht gezeugt (Erebor und Nyx), aus dem Ei geht Eros hervor, das den Menschen ans Licht führen soll, vom Diesseits nach Jenseits, also wird der Mensch durch Lebensverlangen vom Weltgefängnis abgelöst wie Seth. Idee eines göttlichen Wesens.

Die Lehre des Orpheus wird die darauffolgenden Philosophiewege stark prägen, bis die Sokratiker die Idee des Jenseits verteidigen werden. Die Idee einer Creatio durch einen Schöpfer, der mit dem Nomen Gott bezeichnet wird, wird sich auch durchsetzen.

Auch: Kolonie und Handel -> Offen zur Fremdkultur, und bessere Erfahrung der Welt -> historische Gesellschaft

Physik: Weltanschauung, in der die Menschen die einzige Rasse ist, die in Gesellschaft überleben kann

Politik: Leben der Poleis, d.h. die Welt walten nach deren Physik (Menschen = Gemeinschaftsleben)

Ethik: wie man der Menschen nach seiner Physik walten muss

Grundfragen der Vorsokratiker: Ursprung (archè) und Urgesetz: ein einheitliches Urstoff für das Seiende? ; Beschaffenheit des Seins und Wahrheit; Beschaffenheit der Seele und Eudämonie: Gutes und Tugend; ist alles nur eine Sonnenfinsternis? Wer ist Gott?

um 700 Niederschrift der oral poetry – mündliche Tradition, aber immerhin Literatur, epos: die Worte des aedes (mit Lyra -> Lyrik), topoi = Schlachtenschauplätze, Einzelkämpfe, Götterberatung, Erziehungsszenen, Metaphern, Vergleiche und Epithesen: der schlaue Odysseus, Homers Lyrik und Epik hat die ganze westeuropäische Literatur beeinflusst: siehe Roland

- Homer aus Ephesos als idealer Dichter = Erzählung von Kriegen zwischen Mykenern und anderen Hellenenvölkern aus Kleinasien, Darstellung der Hellenen als Meineidigen und Hofschmeichler, doch nur Erinnerungen an alte Zeiten erzählt an fremde Könige
- Normalität der Gewalt: Piraterie, Menschenraub, Krieg
- daher agonales Ethos (Kampf, sportlicher Wettstreit), was auch problematisch sein kann: Ausbeutung des gemeinen Volks durch die aristoi als Kriegsfutter
- Gabentausch
- hybris-Ethos
- bäuerlicher Hintergrund jener heroischen Vordergrundshandlungen: Viehwirtschaft, Nützliches wird gepriesen

[...]

Ende der Leseprobe aus 124 Seiten

Details

Titel
Grundwissen zu hellenistischen Erben
Untertitel
Kulturgeschichtliche Entwicklung Europa
Hochschule
Universität Augsburg
Autor
Jahr
2012
Seiten
124
Katalognummer
V308815
ISBN (eBook)
9783668072763
ISBN (Buch)
9783668094017
Dateigröße
992 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
grundwissen, erben, kulturgeschichtliche, entwicklung, europa
Arbeit zitieren
M.A. Arnaud Duminil (Autor), 2012, Grundwissen zu hellenistischen Erben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308815

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