Kriminalität und Migration. Eine empirische Analyse auf Ebene deutscher Stadt- und Landkreise


Forschungsarbeit, 2015
17 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Formelverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Konzeptioneller Modellrahmen und ökonometrisches Modell

3 Daten

4 Ergebnisse

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Beschreibung der verwendeten Variablen.

Tabelle 2: Regressionsergebnisse

Tabelle 3: VIF-Werte der Regressionen aus Tabelle 2

Formelverzeichnis

Formel 1: Ökonometrisches Modell.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Berichte über Brandanschläge auf deutsche Flüchtlingsheime ­­– wie zuletzt in der Nacht zum 31. Juli 2015 in Sachsen (Erneut Brandanschlag 2015) – häufen sich. Kritiker einer progressiven Einwanderungspolitik wenden oft ein, dass mit steigender Anzahl von Migranten auch die Kriminalität steige. Damit werden Ängste geschürt, die z. B. von rechtspopulistischen Parteien für deren Zwecke ausgenutzt werden könnten.

Da neuere statistische Analysen zum Thema Migration und Kriminalität in Deutschland fehlen, ist es Ziel der vorliegenden Arbeit, zur Schließung dieser Lücke beizutragen. Mittels multivariater Regressionsanalyse soll neue Evidenz für mögliche Zusammenhänge zwischen Migration und Kriminalität auf Ebene deutscher Stadt- und Landkreise (SK und LK) geboten werden.

Die empirische Evidenz zu diesem Thema reicht in Deutschland weit zurück. Eine frühe deskriptive Studie auf Basis polizeilicher Kriminalstatistiken der Jahre 1973 bis 1977 vergleicht zwischen Deutschen und Ausländern und kommt zu dem Ergebnis, dass die Kriminalitätsbelastung ausländischer Jugendlicher zwischen 14 und 28 Jahren deutlich über deren der gleichaltrigen Deutschen liegt (Albrecht et al.1978). Das Phänomen, dass Ausländer in den Kriminalitätsstatistiken auf rein deskriptiver Ebene überrepräsentiert sind, ist auch heute noch zu beobachten. Allerdings kommt eine neuere Meta-Studie für Deutschland zu dem Schluss, dass der Ausländeranteil bei jugendlichen Tatverdächtigen insgesamt rückläufig ist (Walburg 2014). Mangels Aussagekraft der deskriptiven Ergebnisse, wird im Folgenden induktive Evidenz vorgestellt.

Naplava (2003) stellt in einer Sekundäranalyse von vier deutschen Schulstudien, die zwischen 1990 und 2000 durchgeführt wurden, bei immigrierten Jugendlichen signifikant höhere selbstberichtete Gewaltdelinquenz als bei einheimischen Jugendlichen fest. Eine multivariate Regressionsanalyse mit deutschen Panel-Daten (1975–1996) kann bei Gewaltverbrechen keinen signifikanten Unterschied zwischen Deutschen und Ausländern feststellen (Entorf und Spengler 2000). Babka von Gostomski (2003) kommt in seiner multivariaten Analyse mit Daten eines Jugendpanels in NRW (2001) zum Ergebnis, dass bei türkischstämmigen Jugendlichen im Vergleich zu deutschen Jugendlichen ein höheres Niveau an Benachteiligungserfahrungen sowie ein vergeltungsorientierter Konfliktlösungsstil die Gewalthandlungen begleiten. Die multivariaten Ergebnisse einer aktuellen Studie mit offiziellen Daten der deutschen Bundesländer (1997–2006) zeigen, dass ein signifikant positiver Zusammenhang zwischen Migration und Kriminalität besteht und dass sich Migration besonders in Regionen mit hohen Arbeitslosenquoten bzw. bereits hohen Kriminalitätsraten auf die Kriminalität auswirkt (Piopiunik und Ruhose 2015).

Die multivariaten Ergebnisse auf Basis italienischer Polizeistatistiken der 1990er Jahre zeigen keine signifikanten Unterschiede bei der Gesamtkriminalitätsbelastung zwischen Einheimischen und Migranten (Bianchi et al. 2008). Eine weitere multivariate Regressionsanalyse untersucht die Auswirkungen großer Einwanderungswellen nach Großbritannien. Die Ergebnisse zeigen, dass Migration keine signifikanten Effekte auf die Zahl der Gewaltverbrechen bzw. signifikant negative Effekte auf Eigentumsdelikte hat (Bell und Machin 2010). Eine neuere multivariate Studie für Großbritannien, die zudem die Metropole London separat untersucht, kann keine signifikanten Effekte von Migration auf Kriminalität feststellen (Jaitman und Machin 2013).

Eine weitere multivariate Analyse, die den Zusammenhang zwischen Migration und Kriminalität in nordamerikanischen Städten untersucht (Butcher und Piehl 1998), konnte keinen signifikanten Zusammenhang feststellen. Die aktuellere multivariate Analyse von Spenkuch (2013), die auf US-Paneldaten von Verwaltungsbezirken beruht, zeigt leichte Auswirkungen von Migration auf Eigentumsdelikte, aber keine auf Gewaltverbrechen.

Die vorliegende Makro-Analyse offizieller Statistiken des Jahres 2011 zeigt mittels multi-variater Regression, dass die Effekte von Migration auf das Kriminalitätsaufkommen deutscher Stadt- und Landkreise nur schwach, vereinzelt sogar negativ signifikant sind. Zudem wird nachgewiesen, dass andere Faktoren, wie bspw. die Armut, im Gegensatz zur Migration einen weitaus größeren Einfluss auf delinquentes Verhalten haben und dieses fördern.

Nach der Einleitung in Kapitel 1 folgt in Kapitel 2 eine theoretische Einordnung von Kriminalität und Migration durch gängige Kriminalitätstheorien. In Kapitel 3 werden die verwendeten Daten erläutert und die beiden im Mittelpunkt der Betrachtung stehenden Migrationskonzepte vorgestellt. Die zentralen Ergebnisse werden in Kapitel 4 präsentiert. Zum Schluss sollen die gewonnen Erkenntnisse in Kapitel 5 mit einem Fazit und Handlungsempfehlungen gewürdigt werden.

2 Konzeptioneller Modellrahmen und ökonometrisches Modell

Die Theorien zur Kriminalität lassen sich nach Mikro- und Makroebene unterscheiden. Theorien auf Mikroebene erklären Ursachen für Kriminalität mit den Entscheidungen einzelner Individuen. Dagegen erklären Theorien auf Makroebene Kriminalität durch äußere Lebensverhältnisse und Umstände innerhalb derer sich die Individuen bewegen. Im Folgenden werden vier Theorien vorgestellt, die dem Autor vor dem Hintergrund des aggregierten Datenmaterials (Makroebene) besonders geeignet und relevant erscheinen.

Die Theorie der sozialen Desorganisation (Shaw und McKay 1942) beruht in ihrer ursprünglichen Fassung auf drei strukturellen Faktoren: niedriger ökonomischer Status, ethnische Heterogenität sowie Mobilität der Bevölkerung. Diese wurden im Zeitablauf um zwei weitere Faktoren – Familienzerrüttung und Verstädterung – ergänzt (Sampson und Groves 1989). Die Kernaussage dieser Theorie besteht darin, dass die o. g. Faktoren Kriminalität fördern, indem sie die Lebensverhältnisse und sozialen Strukturen in einer formellen oder informellen Gemeinschaft (z. B. in einem Wohnviertel) negativ beeinflussen. Mit Zunahme der Einwanderung aus einer Vielzahl von Ländern steigt die ethnische Heterogenität. Variablen, die die ethnische Heterogenität in einer Region widerspiegeln können, sind daher der Ausländeranteil bzw. der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Der ökonomische Status kann durch die Arbeitslosenquote (ALQ) oder die Leistungsberechtigtenquote abgebildet werden. Der Faktor Urbanität fließt durch die Unterscheidung zwischen SK und LK in das Modell ein. Die Mobilität der Bevölkerung wird durch eine Wanderungsquote berücksichtigt. Eine hohe Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl bringt möglicherweise gefestigte soziale Strukturen zum Ausdruck.

Die ökonomische Theorie der rationalen Wahl (Becker 1968) ist eine Theorie auf Mikroebene, da die Entscheidung für oder gegen das Begehen einer Straftat, zumindest nach der Theorie, allein auf der Abwägung von Kosten und Nutzen eines Individuums erfolgt. Zu unterscheiden sind hier legale Einkommensmöglichkeiten (z. B. legale Arbeit) von illegalen (z. B. Diebstahl). Überwiegt das Verhältnis von Nutzen und Kosten einer illegalen Einkommensmöglichkeit, das einer legalen, wird die Straftat ausgeübt (Spengler 2005, S. 13). Zu den Kosten gehört u. a. das Gefasstwerden, dass für Migranten besonders gravierend ist, da sie neben der üblichen Strafe auch mit Ausweisung rechnen müssen (Schüler-Springorum 1983, S. 536). Daher ist die Aufklärungsquote als sog. Abschreckungsvariable im Erklärungsmodell enthalten. Daneben bleibt Migranten oftmals der Zugang zu legaler Arbeit verwehrt (keine Arbeitserlaubnis, unzureichende Qualifikationen, Mangel an freien Stellen, etc.). Modellvariablen die aus dieser Theorie hergeleitet wurden sind das BIP pro Kopf, das verfügbare Einkommen, die ALQ sowie die Zahl der Unternehmensinsolvenzen.

Die General Strain Theory wurde von Agnew (1992) entwickelt. Demnach wird ein Individuum möglicherweise dann kriminell, wenn es zuvor gesetzte Ziele, wie zum Beispiel finanziellen Erfolg oder einen hohen sozialen Status, nicht erreicht. Dadurch entstehen Spannungen, die sich, je nach Charakter und Temperament des Individuums, in kriminellen (Rache-)Handlungen entladen. Den mitunter hohen Erwartungen von Migranten stehen oftmals große Herausforderungen gegenüber, an denen nicht wenige scheitern dürften. Scheint der ersehnte Wohlstand unerreichbar zu sein, könnte dies die erwähnten Spannungen erhöhen und somit Kriminalität fördern. Sowohl die Reichenquote als auch die Armutsvariable Leistungsempfängerquote basieren auf den Annahmen dieser Theorie.

Die Lebensstil-/Routineaktivitätstheorie (Cohen und Felson 1979) lässt sich auf Mikro- und Makroebene testen (Entorf und Spengler 2002, S. 38). Sie baut auf drei Elementen auf: Einem Täter, der bereit ist, eine Straftat zu begehen, einem Angriffsziel, das dem Täter als Opfer geeignet scheint, sowie die Abwesenheit einer dritten, schützenden Instanz, die die Straftat verhindern könnte. Zu den Modellvariablen die auf dieser Theorie gründen gehört die Anzahl der Übernachtungen von Touristen, die mögliche Angriffsziele darstellen. Die Reichenquote steht für die These, dass Wohlhabende eher Ziel von bspw. Raubüberfällen werden. Resultierend aus den vorangegangenen theoretischen Betrachtungen, soll das folgende multivariate Regressionsmodell im weiteren Verlauf dieser Arbeit überprüft werden:

Wie in den Formeln vergleichbarer ökonometrischer Modelle üblich, wurde zur besseren Interpretation der Koeffizienten das Log-Log-Modell gewählt (Wooldridge 2013, S. 193).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Kriminalität und Migration. Eine empirische Analyse auf Ebene deutscher Stadt- und Landkreise
Hochschule
Hochschule Mainz  (Fachbereich Wirtschaft)
Veranstaltung
Wirtschaftswissenschaftliche Forschungsmethodik
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V308819
ISBN (eBook)
9783668069732
ISBN (Buch)
9783668069749
Dateigröße
848 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kriminalität, Migration, Statistik, Regressionsanalyse
Arbeit zitieren
Felix Hofmann (Autor), 2015, Kriminalität und Migration. Eine empirische Analyse auf Ebene deutscher Stadt- und Landkreise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308819

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