Der Austritt Max Liebermanns aus der preußischen Akademie der Künste. Eine Quelleninterpretation


Quellenexegese, 2012

8 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Die in Kopie vorliegende Traditionsquelle, handelt von dem Austritt Max Liebermanns aus der preußischen Akademie der Künste. Die Prüfung der Authentizität der Quelle erfolgte durch Einsicht in die Originalzeitung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens vom 11. Mai 1933, welche die Stellungnahme Max Liebermanns seiner Zeit abdruckte.

In der öffentlichen Stellungnahme vom 11. Mai 1933 berichtet er von der Problematik der nationalsozialistischen Reorganisation der Preußischen Akademie der Künste. Des Weitern legt er das ihm, 1933, verliehene Amt des Ehrenpräsidenten nieder.

Der deutsch- jüdische Maler, Zeichner und Grafiker Max Liebermann wurde am 20. Juli 1847 in Berlin als Sohn des jüdischen Fabrikanten und Stadtverordneten Louis Liebermann geboren. Nach dem Bestehen des Abiturs 1866, unternimmt Max Liebermann etliche Reisen. Dort entstanden viele seiner berühmten Werke, wie unter Anderem die beiden Bilder „Holländische Nähschule“ (1876) und "Der 12jährige Jesus im Tempel". Letzteres stellte Jesus in einer Synagoge dar und wurde 1879 im Münchner Glaspalast ausgestellt. Dieses Bild führte zu heftigen antisemitischten Äußerungen vieler Besucher.

Im Jahre 1884 lässt sich Liebermann endgültig in Berlin nieder und heiratet Marta Marckwald. Das elterliche Wohnhaus am Pariser Platz Nr. 7 wird 1892 zum neuen Wohnsitz der Liebermanns. Zu dieser Zeit war er auch als Porträtmaler sehr begehrt und geschätzt. Er porträtierte viele Angehörige des Großbürgertums, wie etwa den bekannten Mäzen und Kunstsammler Dr. Max Linde (1897), den Baumeister Friedrich Kuhnt ( 1910) oder den Reichspräsident Paul von Hindenburg (1927). Als einer der wohl wichtigsten Vertreter des Impressionismus tritt Max Liebermann 1885 in den Verein Berliner Künstler ein. Dieser Traditionsbewusste Verein stellte Werke aus, welche durch Malerei, Bildhauerei, Graphik, Objektkunst und Fotografie entstanden sind.

Im Jahre 1910 zieht er dann in das Wannseehaus, den Ort an dem er viele seiner späteren Werke gestalten sollte, ein. Die deutsche Künstlergruppe Berliner Secession, bei der er als Präsident fungiert, spaltet sich 1913 in die Neue und die Freie Secession. Schon ein Jahr später wurde Liebermann Ehrenpräsident der Freien Secession. Im Jahr 1914 gab er dann seinen Rücktritt aus dem Vorstand bekannt und schloss sich der „ Neuen Secession“ an. Zu seinem siebzigsten Geburtstag fand seine bis dahin größte Ausstellung mit 191 Werken satt. Im Jahre 1920 wurde er zum Präsidenten der Preußischen Akademie der Künste ernannt und hatte das Amt bis 1932 inne. 1927 seinen 80. Geburtstag mit einer Ausstellung in der Preußischen Akademie der Künste und wird sogar zum Ehrenbürger von Berlin ernannt. Im Jahre 1932 verzichtet er auf die Wiederwahl zum Präsidenten der preußischen Akademie der Künste und wird zum Ehrenpräsidenten ernannt. Ein Jahr später legt er sein Amt nieder und tritt aus der Akademie aus.

Die Preußische Akademie der Künste wurde durch den brandenburgischen Kurfürsten und späteren preußischen König Friedrich I. 1694/ 1696 gegründet. Von Anfang an orientierte sich die Akademie an den Idealen der in Rom und Paris gegründeten Akademie. Demnach sei die Kunst- und Musikausbildung erlernbar und stellte somit neben den repräsentativen und beratenden Aufgaben auch eine Weiterbildung der künstlerischen Fähigkeiten dar. Die Akademie präsentierte sich in der Kaiserzeit unter dem Einfluss Kaiser Wilhelm II. als sehr Traditionsbewusste Kunsteinrichtung und versperrte modernen Stilrichtungen wie dem Expressionismus oder dem Impressionismus den Weg in die Akademie. Die Gründung der Berliner Secession, deren Mitbegründer Max Liebermann war, war eine aus dieser Haltung resultierende Konsequenz. Diese Secession veranstalte mehrere umfangreiche Ausstellungen und war mit ihren Modernen Einflüssen sehr gefragt. Max Liebermann war, nicht zuletzt weil es ihm gelang mehrere Mäzene wieder zu gewinnen, eine Hauptfigur der Akademie als er zu ihrem Präsidenten gewählt wurde. In seiner 12 jährigen Amtsschaft verhalf er der Akademie zum neuen Aufschwung und zu einer führenden Position in deutschen Kunstwesen.

Mit der Machtübernahme Adolf Hitlers am 30. Januar 1933 musste Max Liebermann erkennen, dass politischen Veränderungen auch vor der Preußischen Akademie der Künste nicht haltmachte.

Nach Ernennung des ehemaligen niedersächsischen Gauleiters der NSDAP, Dr. Bernhard Rust, zum Staatskommissar für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung in Preußen und dessen damit verbundenen Tätigkeit des Kurators der Akademie, wurde eine nationalsozialistische Akademiepolitik betrieben. Nun sollte eine „Säuberung politisch unzuverlässiger und jüdischer Elemente“1 in der Akademie der Künste stattfinden. Der Beginn der poltischen Formierung der Akademie, kann mit dem Ausscheiden von Heinrich Mann und Käthe Kollwitz datiert werden. Am 15.Februar 1933 wird dem amtierenden Akademiepräsident Max von Schillings berichtet, dass der Staatskommissar für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung Bernhard Rust die preußische Akademie oder zu mindestens deren Literaturabteilung aufzulösen beabsichtigt. Der Hintergrund der Drohung war Kollwitz´s und Mann´s Unterzeichnung des Wahlaufrufes des Internationalen sozialistischen Kampfbundes im Jahre 1932. Das Unterschreiben des sogenannten „Dringenden Appels“ war ein Aufruf von 33 bekannten Persönlichkeiten gegen das Erstarken der NSDAP vorzugehen. Die taktische Überlegung der SPD und KPD bei den Reichswahlen von Juli 1932 blieb jedoch politisch erfolglos. Diese politische Maßnahme sollte aber ein Jahr später für Käthe Kollwitz und Heinrich Mann zum Verhängnis werden. Denn nach Machtantritt Hitlers, am 13. Februar 1933, hing dieses Wahlplakat an den Berliner Litfaßsäulen und wurde der Grund für den Ausschluss der beiden Mitglieder.

[...]


1 Preußische Akademie der Künste, Stand 08.09.2010: „ Ausgeschlossen, ausgetreten: 1933 bis 1938“. http://www.adk.de/de/aktuell/veranstaltungen/i_2008/Ausgeschlossen_ausgetreten.htm.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Der Austritt Max Liebermanns aus der preußischen Akademie der Künste. Eine Quelleninterpretation
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Quellen zur Geschichte der Juden
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
8
Katalognummer
V308848
ISBN (eBook)
9783668071094
ISBN (Buch)
9783668071100
Dateigröße
869 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Max Liebermann, Quelleninterpretation, Juden, 2. Weltkrieg, Judenverfolgung in Deutschland, Juden in Brandenburg, Juden in Berlin, Nationalsozialismus
Arbeit zitieren
Lisa Größer (Autor), 2012, Der Austritt Max Liebermanns aus der preußischen Akademie der Künste. Eine Quelleninterpretation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308848

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