Diese Arbeit möchte die These belegen, dass die politische Sicherheitskommunikation von 2002 bis 2014 über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan ein Faktor für eine geringe Integration der Bundeswehr in der deutschen Gesellschaft ist.
Hierfür möchte ich im zweiten Kapitel das Verhältnis zwischen Bundeswehr und Gesellschaft darstellen, indem ich einen Vergleich mit der deutschen Fußballnationalmannschaft ziehe. Im dritten Kapitel werde ich die politische Kommunikation über gefallene Soldaten der Bundeswehr analysieren und im 4. Kapitel die Wirkung der damaligen politischen Rhetorik bezüglich des Afghanistaneinsatzes darstellen. In meinem Fazit werde ich meine Ausführungen zusammenfassen, um meine These abschließend zu untermauern.
Die Problematik der Integration der Bundeswehr in der Gesellschaft lässt differenzierte Annäherungsweisen mit verschiedenen Schwerpunkten zu. Im Rahmen dieser Arbeit wird der Fokus auf die sicherheitspolitische Kommunikation über die Medien gelegt.
Der Begriff „Krieg“ wird als Synonym für einen gewaltsamen Konflikt und nicht für einen politisch erklärten Zustand genutzt. Der Begriff „Politik“ steht für alle relevanten Akteure der deutschen Politik, da zwischen 2002 und 2014 die Regierungskonstellation wechselte und dieThese keine parteispezifische Phänomenologie konstatieren will.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
2. Die Bundeswehr in der Gesellschaft
3. Gefallene Soldaten der Bundeswehr in Afghanistan
4. Die politische Sicherheitskommunikation über den Einsatz in Afghanistan
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die politische Sicherheitskommunikation der deutschen Bundesregierung im Zeitraum von 2002 bis 2014 zur Integration der Bundeswehr in die deutsche Gesellschaft beigetragen oder diese behindert hat.
- Verhältnis zwischen Bundeswehr und Gesellschaft im Vergleich zum Stellenwert der Fußballnationalmannschaft
- Politische Kommunikation und Rhetorik im Kontext gefallener Soldaten in Afghanistan
- Wirkung der offiziellen Sprachregelung des „humanitären Einsatzes“ versus der militärischen Realität
- Analyse des Einflusses von „Sicherheitskommunikation“ auf die gesellschaftliche Akzeptanz
- Vergleichende Betrachtung von Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland und den USA
Auszug aus dem Buch
4. Die politische Sicherheitskommunikation über den Einsatz in Afghanistan
Ein großer Einflussfaktor für die gesellschaftliche Akzeptanz der Bundeswehr ist die politische und mediale Rhetorik. (vgl. Kutz 2011: 33-37) Die deutschen Politiker formulieren in ihren Debatten parteiübergreifend eine geschlossene Notwenigkeit des Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan, (Müller, Wolff 2011: 212) Sie rechtfertigen den Afghanistaneinsatz überwiegend mit den Argumenten “Demokratieförderung“ und “Universelle Werte“ (Müller, Wolff 2011: 209) und hoben den humanitären Charakter des Einsatzes hervor. Da das Thema Bundeswehr und Auslandseinsätze politisch und gesellschaftlich vielschichtiger betrachtet werden muss (vgl. Dyson 2013; 375-398), kann eine Reduzierung auf „Ja/Nein“ (vgl. Jacobi, Hellmann, Nieke 2011: 190) nie repräsentativ für die Akzeptanz der Bundeswehr sein. Sie sagte nichts aus, wie die Gesellschaft mit dem inhärenten Traditionsbewusstsein und dem Soldatentum der Bundeswehr umgeht, da diese gerade durch die Kampfhandlungen in den Auslandseinsätzen berufsspezifisch an Bedeutung für die Bundeswehr gewannen.
2007 zeigte die Kommunikation der Politik und Gesellschaft über eine Tapferkeitsmedaille für die Bundeswehr, wie befremdlich das Soldatentum auf die Gesellschaft wirkte. In der damaligen Diskussion formulierten Politiker auf der einen Seite, dass die „Tapferkeit zur soldatischen Tugend gehöre und wie in anderen Armeen auch bei der Bundeswehr ihren Platz finden müsste.“ (Wiegold 2007: 51) Auf der anderen Seite hielten Politiker die Tapferkeitsmedaille für „fragwürdig“ und sagten, dass sich die heutigen (2007) Einsätze der Bundeswehr gegenüber dem traditionellen Kriegsbild deutlich verändert hätten.“ (ebd.)
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das veränderte Sicherheitsverständnis nach dem 11. September 2001 und führt in die Problemstellung der Integration der Bundeswehr in eine Gesellschaft ein, die den Wandel von einer Wehrpflicht- zur Freiwilligenarmee und Auslandseinsätze kritisch betrachtet.
2. Die Bundeswehr in der Gesellschaft: Dieses Kapitel analysiert das gespaltene Verhältnis zwischen der deutschen Gesellschaft und ihrer Armee, wobei ein Vergleich zur Fußballnationalmannschaft als Identitätssymbol gezogen wird.
3. Gefallene Soldaten der Bundeswehr in Afghanistan: Hier wird die politische Kommunikation über militärische Verluste untersucht und kritisiert, wie lange diese aus strategischen oder vermeidungstaktischen Gründen in der Öffentlichkeit unterdrückt wurden.
4. Die politische Sicherheitskommunikation über den Einsatz in Afghanistan: Dieses Kapitel arbeitet heraus, wie die Rhetorik des „humanitären Einsatzes“ im Widerspruch zur kriegsähnlichen Realität stand und damit einen gesellschaftlichen Lernprozess verhinderte.
5. Fazit: Das Fazit resümiert, dass die politische Strategie der Bagatellisierung und des Populismus die gesellschaftliche Integration der Bundeswehr nachhaltig gehemmt hat.
Schlüsselwörter
Bundeswehr, Sicherheitskommunikation, Afghanistan, Gesellschaft, Integration, Auslandseinsatz, Politische Rhetorik, Krieg, Soldatentum, Demokratie, Partizipation, Militär, Öffentlichkeitsarbeit, Krisenkommunikation, Humanitärer Einsatz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Zusammenhang zwischen der offiziellen Sicherheitskommunikation der deutschen Politik und der gesellschaftlichen Integration der Bundeswehr im Zeitraum von 2002 bis 2014.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind das gesellschaftliche Verhältnis zum Militär, die Art und Weise, wie über den Afghanistaneinsatz gesprochen wurde, und die politische Strategie zur Vermeidung unbequemer Wahrheiten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die These zu belegen, dass die politische Sicherheitskommunikation ein maßgeblicher Faktor für die geringe Integration und die Distanz der Gesellschaft gegenüber der Bundeswehr war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine qualitative Analyse von sicherheitspolitischer Kommunikation, Medienberichten und politischen Rhetoriken sowie auf den Vergleich mit internationalen Ansätzen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des gesellschaftlichen Verhältnisses zum Militär, die Analyse des Umgangs mit gefallenen Soldaten und die Wirkung der politischen Rhetorik zum Afghanistaneinsatz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Bundeswehr, Sicherheitskommunikation, Afghanistan, gesellschaftliche Integration, politische Rhetorik und der Widerspruch zwischen humanitärem Anspruch und militärischer Realität.
Warum wird der Begriff „Krieg“ von der Politik so lange vermieden?
Die Politik fürchtete, dass die Anerkennung eines „Krieges“ im Widerspruch zu der im Grundgesetz verankerten rein defensiven oder humanitären Rolle der Bundeswehr stehen könnte.
Welche Rolle spielten die gefallenen Soldaten in der Kommunikation?
Lange Zeit wurden Verluste in der Öffentlichkeit kaum politisch gewürdigt oder als Unfall deklariert, was von vielen als Entwürdigung der Soldaten und ihrer Angehörigen empfunden wurde.
- Arbeit zitieren
- Marcus Karl (Autor:in), 2015, Die Sicherheitskommunikation des Afghanistaneinsatzes der Bundeswehr durch die Politik. Faktor für die geringe Integration der Bundeswehr in der Gesellschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308855