Postmoderne Moral


Seminararbeit, 2002

16 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Zum Ausdruck “Postmoderne”

3. Postmoderne als Problematik
3.1. Pluralität
3.2. Differenzierung sozialer Ungleichheiten
3.3. Wertproblematik

4. Ein Prophet der Postmoderne - J.F. -Lyotard

5. Zum Begriff „Moral“

6. Plädoyer für postmoderne Moral -Z.Bauman
6.1. Postmoderne moralische Krise
6.2. Die Unordnung aushalten
6.3. Postmoderne Einsicht

7. Schluß
7.1 Bibliographie

1. Einleitung :

Diese Hausarbeit soll sich mit dem Gesellschaftsbegriff der Postmodernen Gesellschaft unter dem Aspekt der postmodernen Moral beschäftigen. Es wird aber trotzdem nur bei einem kleinen Exkurs in die Postmoderne – Debatte bleiben, da der Begriff in fast allen Wissenschafts- und Lebensbereichen auftaucht und es somit zu weit führen würde, auf alle diese Bereiche einzugehen. Somit beschränkt sich diese Arbeit auf einige wichtige Vertreter und Schlüsselbegriffe der Postmoderne, genauer untersucht wird dabei der Aspekt der postmodernen Moral bei Zygmunt Bauman.

2. Zum Ausdruck „Postmoderne“

Vor einigen Jahren tauchte der Ausdruck „Postmodern“ auf und wurde auch oft verwendet, doch weiß keiner so recht, wovon man eigentlich spricht, wenn man „Postmoderne“ sagt. Der Ausdruck sollte anzeigen, dass wir nicht mehr in der Moderne, sondern in einer Zeit nach der Moderne leben. Die „Postmoderne“ ist eine Bestimmung der Gegenwart. Der Anwendungsbereich des Ausdrucks „Postmoderne“ ist sehr unterschiedlich. Als Ursprung der Potmoderne gelten die künstlerischen und politischen Umbrüche der 1960er Jahre in den USA. Erstmals gebraucht wurde der Begriff „Postmoderne“ von Dichter und Philosoph Rudolf Pannwitz, bei dem sich der Ausdruck sehr früh schon finden läßt, bereits 1917. Er redete über „postmoderne Menschen“ in „Die Krisis der europäischen Kultur. “Er versucht den Menschen als „Vollender des Kosmos“ zu verstehen und im Anschluss an Nietzsche fordert er eine postmoderne Überwindung des Nihilismus und der Dekadenz durch den „Übermenschen“.

Später taucht der Ausdruck 1934 ganz anders auf, bei einem spanischen Literaturwissenschaftler Federico de Oniz. Bei ihm bedeutet „Postmoderne“ eine kurze Periode im Bereich der Literatur.

Am bekanntesten ist die Postmoderne in der Architektur 1975 geworden, obwohl sie sich erst ziemlich spät durchsetzte. Charles Jencks hat den Begriff von der Literatur auf die Architektur übertragen. Postmoderne Architektur ist dadurch gekennzeichnet , dass sie „mehrsprachig“ ist und diese Architektursprachen gleichzeitig verwendet. So spricht sie traditionelle und moderne , elitäre und populäre Benutzer und Betrachter an.

In der Soziologie taucht der Ausdruck “postmoderne Gesellschaft“ erstmals 1968 bei Amitai Etzioni auf. Seiner Ansicht nach endete die moderne Zeit mit dem Zweiten Weltkrieg und mit der radikalen Transformation der Kommunikations- , Wissens- und Energietechnologien. Er stellte sich eine aktive , postmoderne Gesellschaft vor, die sich „selbst im Griff“ („theory of societal self-control“[1]) hat .

Vor allem in den Geschichtswissenschaften und in der Soziologie bezeichnet der Begriff Postmoderne, soziale und kulturelle Entwicklungen, Verschiebungen, Verwerfungen und Brüche .

Die Vertreter der Postmoderne, wie Gianni Vattimo, Zygmunt Bauman und Wolfgang Welsch, meinen in der sozialen Entwicklung „Symptome einer Zeitenwende“ zu erkennen, andere wie Alain Touraine , Antony Giddens und Ulrich Beck lehnen den Postmoderne-Begriff aus verschiedenen Gründen ab.

3. „Postmoderne“ als Problematik

Die Postmoderne, als eine völlig neue Zeit, die die Spätmoderne ablöst , ist problematisch aufzufassen. Es ist unmöglich von einer rein postmodernen Zeit zu sprechen, weil in unserer Zeit vormoderne , moderne und postmoderne Strömungen in der Politik , Wissenschaft und Kunst zusammenwirken.

„Postmoderne“ signalisiert einen Wandlungsprozess, sie betrifft soziologische, ökonomische, technologische, wissenschaftliche und philosophischen Bereiche.

Welsch hat die Postmoderne als Verwirklichung moderner Demokratisierungsprojekte aufgefasst : „Postmoderne ist so der Zustand, in dem die Moderne nicht mehr reklamiert

werden muss, sondern realisiert wird.“[2]

3.1. Pluralität

Der Schlüsselbegriff der Postmoderne ist die Pluralität. Sie bestimmt unser Alltagsleben, unser Denken und Fühlen.

Die Pluralität wird zur Grundverfassung und sie beginnt die Breite der Lebenswirklichkeit zu bestimmen, sie wird dominant und obligatorisch.

Pluralität wurde schon von der Moderne entdeckt, aber sie kam nicht zum Tragen. Pluralität kann als Radikalisierung eines Grundzugs der Moderne verstanden werden. Diese Pluralität ist in der Postmoderne vielfältiger und einschneidender geworden. Alle Bereiche, alle Lösungen haben künftig vom Boden der Vielheit aus zu erfolgen. Man kann von einer irreduziblen Vielheit der Denkformen und Lebensformen sprechen.

„Postmodernes liegt dort vor, wo eine grundsätzliche Pluralität von Sprachen, Modellen, Verfahrensweisen praktiziert wird, und zwar nicht bloß in verschiedenen Werken nebeneinander, sondern in ein und demselben Werk, also interferentiell.“[3]

Mit der Differenzierung der Systeme der Gesellschaft sind die Verhaltenserwartungen an die Menschen auseinander getreten. In diesem überdifferenzierten Systemen der Gesellschaft ist kein gemeinsamer gesellschaftlicher Sinn erkennbar. Es gibt keine Gesamtdeutung mehr.

„Postmoderne beginnt dort, wo das Ganze aufhört.“[4].

Die postmoderne Pluralität ist durch eine Mehrzahl unvereinbarer Maßstäbe und durch einschneidende Trennung im gesellschaftlichen Feld charakterisiert. Ein Beispiel dafür ist die Pluralität familialer Lebensformen. Die bürgerliche Kernfamilie, wie wir sie noch aus den 60er Jahren kennen, befindet sich im Umbruch, man kann diesen Veränderungsprozess auch schon als „Deinstitutionalisierung“[5] begreifen. Merkmale dafür sind der Rückgang der Eheschließungen seit 1960 um mehr als ein Viertel, Rückgang der Geburtenziffern seit 1960 um mehr als ein Drittel, Anstieg der Einelternfamilie seit 1970 um mehr als ein Drittel, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Immer mehr Menschen bevorzugen alternative Lebensformen, wie nichteheliche Lebensgemeinschaften, Wohngemeinschaften oder auch Einpersonenhaushalte. Es findet eine Auflösung des bürgerlichen Familienmusters statt uns an seine Stelle tritt eine Pluralität divergenter Lebensformen. Voraussetzung und Folge dieser Pluralität sind demzufolge eine Freisetzung aus traditionellen Rollenzuweisungen, es ist zum Beispiel auch für Frauen möglich, in ihrem Beruf die Karriereleiter zu ersteigen und dem Partner die Aufgabe der Haushaltsführung zu überlassen bzw. sich mit ihm die Arbeit zu teilen. Es findet ein Individualisierungsprozess statt. Der einzelne begreift sich nun zunehmend als „Planungsbüro in bezug auf seinen eigenen Lebenslauf“[6] Aus gesellschaftlich vorgegebenen Lebensläufen werden nun selbst herzustellende Lebensläufe; die sogenannten Bastelbiographien.

[...]


[1] A.Etzioni, The Active Society. A Theory of Societal and Political Processes, London , Collier-Macmillan, N.Y., The Free Press,1968, S.6.

[2] W.Welsch, Unser postmoderne Moderne, Weinheim,1991 (3.Aufl.),S.36

[3] Welsch, 2002, S.17.

[4] Welsch, 2002, S. 39.

[5] Tyrell, Hartmann: Ehe und Familie, 1988

[6] Beck, Ulrich: Risikogesellschaft, Frankfurt, 1986, S. 217.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Postmoderne Moral
Hochschule
Universität Passau
Veranstaltung
PS. Gesellschaftsbegriffe der Soziologie
Note
2,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
16
Katalognummer
V30887
ISBN (eBook)
9783638320535
ISBN (Buch)
9783638789523
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Postmoderne, Moral, Gesellschaftsbegriffe, Soziologie
Arbeit zitieren
Susanne Drews (Autor), 2002, Postmoderne Moral, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30887

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