In dieser Arbeit setzt sich die Autorin mit der besonderen Situation von Familien mit einem Kind mit Behinderung auseinander. Sie möchte die Veränderungen aufzeigen, die die Geburt eines behinderten Kindes für die Familie mit sich bringt und einen Einblick in den Prozess der Auseinandersetzung mit der Situation geben.
Um sich dem Thema zu nähern, beleuchtet sie zunächst die allgemeine Situation der Familie genauer. Neben dem Versuch einer Definition stellt sie in einem historischen Rückblick die Veränderungen der Familienstruktur vom Mittelalter über die Zeit der Industrialisierung bis zur heutigen Familie des 20. Jahrhunderts dar.
In Kapitel 2 wird genauer auf das Kind, seine Bedeutung für die Eltern, das Schockerlebnis der Geburt eines behinderten Kindes sowie das gesellschaftliche Bild der Behinderung eingegangen.
Anschließend beleuchtet sie die Diagnosemitteilung genauer und geht vor allem auf die Probleme der Mitteilung und die psychische Situation der Eltern ein.
In Kapitel 4 wird nach den Auswirkungen, die die Geburt eines behinderten Kindes für die Familie mit sich bringt, gefragt. Neben der Rolle, die das behinderte Kind in der Familie spielen kann, werden noch die Verarbeitungsmöglichkeiten und Chancen, die sich durch das behinderte Kind für die Familienmitglieder ergeben, aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Die Familie
1.1 Versuch einer Definition des Familienbegriffes
1.2. Geschichtliche Entwicklung der Familie
1.2.1. Familie des Mittelalters
1.2.2. Familie zur Zeit der Industrialisierung
1.2.3. Die moderne Familie
1.3. Die verschiedenen Phasen in einer Familie
2. Die Geburt eines behinderten Kindes
2.1. Was bedeutet das Kind für die Eltern?
2.2. Die Schwangerschaft
2.3. Pränataldiagnostik
2.4. Gesellschaft und Behinderung
2.5. Die Geburt eines behinderten Kindes
2.6. Abschied vom Wunschkind
3. Diagnosemitteilung an die Eltern
3.1. Trennung von Mutter und Kind
3.2. Diagnosezeitpunkt
3.3. Diagnoseeröffnung
3.4. Menschliche Probleme bei der Diagnosemitteilung
3.5. Verspätete Feststellung einer Behinderung
4. Die Auswirkung der Geburt eines behinderten Kindes auf die Familie
4.1. Verarbeitungsprozess innerhalb der Familie
4.2. Die Rolle des behinderten Kindes in der Familie
4.2.1. Der Sündenbock
4.2.2. „mein Kleiner“
4.2.3. Der Auserwählte
4.3. Chancen für die Familie
Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die wissenschaftliche Hausarbeit untersucht die tiefgreifenden Veränderungen und psychischen Belastungen, die mit der Geburt eines behinderten Kindes für die betroffene Familie einhergehen, sowie die damit verbundenen Verarbeitungsprozesse und möglichen Chancen für das Familienleben.
- Historischer Kontext der Familienentwicklung
- Bedeutung der Diagnosemitteilung durch Fachpersonal
- Psychologische Bewältigung und Akzeptanz bei Eltern
- Gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Vorurteile gegenüber Behinderung
- Rollenverteilung und Dynamik innerhalb der Familie
Auszug aus dem Buch
2.5. Die Geburt eines behinderten Kindes:
Die Geburt eines behinderten Kindes trifft die Eltern, wenn sie nicht darauf vorbereitet sind, in der Regel wie ein Schlag. Sie sind meist in keiner Weise auf dieses Schicksal vorbereitet, denn nur die allerwenigsten Eltern erfahren vor der Entbindung von der Behinderung ihres Kindes. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich im ersten Moment, beim Anblick des behinderten Kindes, das so anders als erwartet aussieht, große Hilflosigkeit ausbreitet.
„Während der Schwangerschaft habe ich mir so viel erträumt und vorgestellt: Wie er aussehen würde, wie ich ihn liebevoll in den Arm nehmen würde, wie schön und friedlich alles wäre. Und dann war plötzlich alles anders: Gleich nach der Geburt wurde er weggebracht und um mich herum hörte ich nur Worte wie Sauerstoffmangel, frühkindlicher Hirnschaden, Behinderung. BEHINDERUNG. Immer wieder: Mein Kind ist behindert, wird nie gehen, laufen, reden, lesen, schreiben können. Ich war wie tot, alle meine Träume waren zerschlagen, alles war zerstört worden. […]“ (KRIEGL 1993, 21)
Für die Eltern bricht in diesem Moment eine Welt zusammen. All ihre Hoffnungen und Wünsche, die sie mit der Geburt ihres Kindes verbunden hatten, brechen jäh zusammen und rufen tiefe Enttäuschung und Verzweiflung hervor. Die ganzen Pläne und Vorstellungen vom Leben mit dem Kind erscheinen im ersten Moment als zerstört. Die Phantasien der Eltern von Glück und Perfektion wird das behinderte Kind nie erfüllen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Familie: Das Kapitel definiert den modernen Familienbegriff und beleuchtet die historische Entwicklung sowie die verschiedenen Rollen und Phasen innerhalb des familiären Zusammenlebens.
2. Die Geburt eines behinderten Kindes: Es wird die emotionale Bedeutung des Kindes für die Eltern, der Einfluss der pränatalen Diagnostik und das gesellschaftliche Bild von Behinderung sowie das Schockerlebnis bei der Geburt analysiert.
3. Diagnosemitteilung an die Eltern: Dieser Abschnitt thematisiert die kritischen Momente der Diagnoseeröffnung, die Problematik ärztlicher Kommunikation und die Herausforderungen bei verspätet festgestellten Behinderungen.
4. Die Auswirkung der Geburt eines behinderten Kindes auf die Familie: Hier werden der Verarbeitungsprozess, die Rollenzuweisungen des behinderten Kindes (z.B. Sündenbock) sowie die langfristigen Chancen und persönlichen Entwicklungen der Familienmitglieder diskutiert.
Schlüsselwörter
Familie, Kind mit Behinderung, Diagnosemitteilung, Verarbeitungsprozess, Pränataldiagnostik, Elternschaft, Gesellschaft, Rollenverhalten, Krisenbewältigung, Familienstruktur, Behinderung, Psychologie, Akzeptanz, Lebenskrise, Sonderschulpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der spezifischen Lebenssituation von Familien, die ein Kind mit einer Behinderung bekommen, und beleuchtet deren psychische, soziale und strukturelle Herausforderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die historische Familienentwicklung, die pränatale Diagnostik, die Art der ärztlichen Diagnosemitteilung und die verschiedenen Rollen, die ein behindertes Kind innerhalb des Familiengefüges einnehmen kann.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die emotionalen Prozesse bei betroffenen Eltern zu entwickeln, um professionelle pädagogische Unterstützung, wie sie etwa im Sonderschulwesen benötigt wird, einfühlsamer und effektiver zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Es handelt sich primär um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Analyse einschlägiger Literatur zum Thema Familie und Behinderung basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der initialen Situation nach der Diagnose, die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Vorurteilen sowie die langfristigen Verarbeitungsprozesse und Chancen für das familiäre Wachstum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Familienkrise, Diagnoseeröffnung, permanente Elternschaft und Verarbeitungsprozess charakterisiert.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der ärztlichen Diagnosemitteilung?
Die Arbeit kritisiert teils unsensible und ausweichende Kommunikation von Ärzten und betont die Notwendigkeit einer respektvollen, realitätsbezogenen und frühzeitigen Aufklärung der Eltern.
Welche spezifische Rolle kann das behinderte Kind laut der Literatur innerhalb der Familie einnehmen?
Basierend auf Görres werden Rollen wie der "Sündenbock", das "ewige Kind" ("mein Kleiner") oder der "Auserwählte" beschrieben, die als Bewältigungsstrategien oder Fehlentwicklungen in der Familienhierarchie fungieren können.
- Citation du texte
- Daniel Reichelt (Auteur), 2003, Der Schock Behinderung. Die Diagnosemitteilung, Verarbeitungsmöglichkeiten und Auswirkungen für die Familie im Überblick, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308878