Diese Arbeit gibt mithilfe zweier Abbildungen einen Überblick über das Konzept der "Zwei Körper" des Monarchen und überträgt dieses auf die Frage welche unterschiedlichen Ansprüche an die Kompetenz (den „Verstand") eines Souveräns mit seinem Amt auch noch heute verbunden sind.
Ist „souveräne“ Inkompetenz heute noch kompensierbar?
Wenn ja, wann und wie? Wenn nein, warum nicht?
Bei den Abbildungen, die analysiert werden, handelt es sich um einem um das Titelbild von Ernst Hartwig Kantorowicz’ Buch „Die zwei Körper des Königs“ und zum anderen um den „Leviathan“ von Thomas Hobbes. Sie sollen genutzt werden, um das der Arbeit unterliegende Verständnis von Souveränität besser zu erklären.
Inhaltsverzeichnis
1. Welche Unterschiede im Verständnis von Souveränität lassen sich den beiden Abbildungen entnehmen?
2. Welche unterschiedlichen Ansprüche an die Kompetenz ( den „Ver-stand“ ) des Souveräns sind damit verbunden?
3. Ist „souveräne“ Inkompetenz heute noch kompensierbar? Wenn ja, wann und wie? Wenn nein, warum nicht?
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische und theoretische Entwicklung des Souveränitätsbegriffs durch eine Analyse zentraler politischer Ikonografien und Staatstheorien, um zu hinterfragen, ob Inkompetenz in einem souveränen Amt durch externe Faktoren oder Strukturen kompensiert werden kann.
- Vergleichende Analyse der Souveränitätsdarstellungen bei Kantorowicz und Hobbes.
- Untersuchung der „Zweikörper-Theorie“ und ihrer Auswirkungen auf die Machtlegitimation.
- Gegenüberstellung von göttlich legitimierter und durch Gesellschaftsvertrag begründeter Herrschaft.
- Kritische Reflexion der politischen Kompetenzanforderungen an moderne Amtsträger.
- Übertragung historischer Konzepte auf aktuelle politische Phänomene und Repräsentationsmodelle.
Auszug aus dem Buch
1. Welche Unterschiede im Verständnis von Souveränität lassen sich den beiden Abbildungen entnehmen?
Bei den vorliegenden Abbildungen handelt es sich zum einem um das Titelbild von Ernst H. Kantorowicz` Buch „Die zwei Körper des Königs“ und zum anderen um den „Leviathan“ von Thomas Hobbes. Um das Verständnis von Souveränität besser deuten zu können, ist es zunächst notwendig beide Abbildungen genauer zu betrachten.
Im Mittelpunkt des Covers von „Die zwei Körper des Königs“ ist ein Mensch zu sehen, welcher einerseits von oben durch eine Art „göttliche“ Hand gekrönt und andererseits von unten getragen wird (Siehe Anhang Abb.1). Der besagte Mensch sitzt „in einer Mandorla erhoben“ auf einem Thron, hält einen Reichsapfel in der rechten Hand und wird von einer Frau nach oben gehoben. Links und rechts neben dem Gekrönten befinden sich zwei weitere Personen, die eine dienliche Haltung annehmen. Der sich in der Mitte des Bildes befindliche Mann wird von einigen symbolhaften Tieren und einem Engel „verschleiert“. Zwischen dem Kopf und dem restlichen Körper des hier dargestellten Monarchen wird, wie eben angedeutet, ein Schleier getragen. Dieser steht für die Trennung zwischen der geistigen und der natürlichen Welt. Diese geistige Welt wird unter anderem durch die Hand Gottes symbolisiert, welche dem Thronenden die Souveränität verleiht. Durch die göttliche Krönung empfängt dieser Mensch nicht nur die Macht durch Gott, sondern erhält durch die entgegengenommenen Insignien auch die Position des Stellvertreter Gottes auf der Welt. Erst durch das Segnen Gottes, die Salbung und die Übergabe der Insignien wird aus dem Erdenbürger ein souveräner Herrscher.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Welche Unterschiede im Verständnis von Souveränität lassen sich den beiden Abbildungen entnehmen?: Das Kapitel kontrastiert die göttlich legitimierte Macht bei Kantorowicz mit dem gesellschaftsvertraglichen Modell von Hobbes anhand bildlicher Darstellungen.
2. Welche unterschiedlichen Ansprüche an die Kompetenz ( den „Ver-stand“ ) des Souveräns sind damit verbunden?: Es wird erläutert, wie die Zweikörper-Theorie den Herrscher von persönlicher Inkompetenz und Fehlbarkeit entlastet, während Hobbes höhere Anforderungen an die Funktion des Souveräns stellt.
3. Ist „souveräne“ Inkompetenz heute noch kompensierbar? Wenn ja, wann und wie? Wenn nein, warum nicht?: Dieses Kapitel prüft die Kompensierbarkeit von Inkompetenz in modernen politischen Ämtern am Beispiel von Angela Merkel und Christian Wulff unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Machtbefugnisse.
Schlüsselwörter
Souveränität, Zweikörper-Theorie, Thomas Hobbes, Ernst H. Kantorowicz, Leviathan, Gesellschaftsvertrag, Politische Legitimationsstruktur, Amtsinhaber, Kompetenzanforderungen, Staatsapparat, Monarchie, Stellvertreter Gottes, Politische Ikonografie, Herrschaftsmodell, Inkompetenzkompensation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Wandlung der Souveränität vom göttlich legitimierten Monarchieverständnis hin zum gesellschaftsvertraglichen Modell und reflektiert deren Relevanz für moderne politische Amtsinhaber.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der politischen Theologie, der Machtlegitimation und dem Vergleich verschiedener Staatsmodelle sowie deren Implikationen für die Kompetenzfrage bei Politikern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu ergründen, ob und wie die Inkompetenz eines Souveräns oder Politikers durch institutionelle Strukturen oder beratende Experten kompensiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es wird eine ikonografische Analyse politischer Titelbilder mit einer politikwissenschaftlichen Theoriebetrachtung verknüpft, um abstrakte Herrschaftskonzepte an praktischen Beispielen zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Unterschiede zwischen der Zweikörper-Theorie und dem Leviathan-Modell sowie die praktische Anwendung dieser Überlegungen auf die deutsche Bundespolitik des frühen 21. Jahrhunderts.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Souveränität, Legitimation, Gesellschaftsvertrag, unfehlbarer politischer Körper und die Frage nach der Verantwortbarkeit politischen Handelns.
Warum unterscheidet der Autor zwischen Angela Merkel und Christian Wulff?
Die Unterscheidung verdeutlicht, dass die Kompensierbarkeit von Inkompetenz von der Machtfülle und der Kollegialität des jeweiligen Amtes abhängt: Während die Kanzlerin auf Expertenstäbe setzen kann, ist der Bundespräsident in seiner repräsentativen, moralischen Funktion individueller Kritik stärker ausgesetzt.
Inwiefern spielt der „Zweite Körper“ in der Moderne noch eine Rolle?
Der Autor argumentiert, dass die Zweikörper-Theorie in der heutigen Zeit als explizites Konzept nicht mehr existiert, da kein Politiker mehr über eine gottgegebene, unantastbare Legitimität verfügt.
- Citation du texte
- Anne-Katrin Frenzel (Auteur), 2012, Amt und Verstand. Konzepte von Souveränität und Inkompetenz bei Politikern von den Tudors bis heute, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308926