Eines der Ziele dieser vorliegenden Arbeit ist es, den Politikbegriff von Hannah Arendt näher zu beleuchten und diesen auf ein alltägliches Ereignis zu beziehen. Als Fallbeispiel wurde der Bürgerentscheid der Duisburger Bürger ausgewählt, welcher am 12. Februar 2012 zur Absetzung des damaligen Oberbürgermeisters Adolf Sauerland führte.
Bevor auf das Politikverständnis von Hannah Arendt näher eingegangen werden kann, ist eine Eingrenzung des Themenfeldes notwendig, da Arendts Gedankenfeld nicht nur auf den Begriff des Politischen beschränkt ist, sondern auch die Zusammenhänge von Totalitarismus, Macht und Gewalt einschließt. Im Vordergrund soll die Frage stehen: Was ist für Hannah Arendt Politik? Welche Ziele verfolgt die Politik und wie entsteht sie?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fallbeispiel – Absetzung des Oberbürgermeister Sauerland durch den Bürgerentscheid der Duisburger
2.1 Vorgeschichte
2.2 Das Ergebnis ist eindeutig - Sauerland muss gehen
3. Politikbegriff Hannah Arendt
4. Reflexion Fallbeispiel – Politikbegriff Arendt
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Politikverständnis von Hannah Arendt, indem es theoretische Grundbegriffe wie Pluralität, Handeln und Freiheit auf ein konkretes, alltägliches Fallbeispiel überträgt. Ziel ist es, die Anwendbarkeit der Theorie auf den Bürgerentscheid zur Absetzung des Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland kritisch zu reflektieren und Potenziale für den Gemeinschaftskundeunterricht aufzuzeigen.
- Der Politikbegriff bei Hannah Arendt im Kontext von Totalitarismus und Freiheit.
- Analyse des Bürgerentscheids zur Absetzung von Adolf Sauerland als Fallbeispiel.
- Diskussion des Verhältnisses zwischen Theorie und der politischen Praxis der Bürgerbeteiligung.
- Einordnung des Themas in den sächsischen Lehrplan für Gemeinschaftskunde (Klasse 9).
- Reflexion über die Vermittelbarkeit komplexer politiktheoretischer Konzepte an Schüler.
Auszug aus dem Buch
3. Politikbegriff Hannah Arendt
Das Arendtsche Politikverständnis, welches die Frage nach dem positivsten Sinn von Politik inkludiert, ist einerseits durch die Erfahrungen des Totalitarismus zur Zeit des Nationalsozialismus und andererseits durch die Erfindung atomarer Massenvernichtungswaffen beeinflusst worden. Arendt erlebte die Politik dieser Zeit als unheilvoll, denn „Kriege und Revolutionen […] bilden die politische Grunderfahrung unseres Jahrhunderts.“ Dies war der Grund für Arendt, sich dem Themenfeldern des Totalitarismus und dem Sinnverlust der Politik zu nähern und unter anderem darüber Untersuchungen anzustellen. Die enorm bedeutsamen Erkenntnisse, welche sie im Rahmen dieser Forschungen über Totalitarismus erzielte, sollen, wie bereits in der Einleitung erwähnt, nicht Kern dieser Arbeit sein. Vielmehr soll der allgemeine Politikbegriff Arendts, welcher jedoch in enger Verbindung mit dem Handlungs- und Freiheitsbegriff steht, Gegenstand des Aufsatzes sein.
Arendt beginnt ihren im August 1950 geschriebenen Text „Was ist Politik“ mit den Worten: „Politik beruht auf der Tatsache der Pluralität der Menschen.“ Ein einzelnes individuelles menschliches Wesen ist für Arendt nicht in der Lage, politisch zu agieren; denn folgend heißt es: „Politik handelt von dem Zusammen- und Miteinander-Sein der Verschiedenen.“ Ihr normatives Politikverständnis basiert auf freien, gleichen und gleichzeitig jedoch auch völlig verschiedenen Menschen. Diese sogenannte „Pluralität“ der Menschen führt zu einem Zusammen- und Miteinander-Handeln, welches immer das Wohl der Gemeinschaft beziehungsweise des Gemeinwesens zum Ziel hat. Der Begriff der Pluralität spielt insofern eine wichtige Rolle, als er für Arendt die Grundbedingung des Handelns und demnach auch des Politischem selbst ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Wahl des Themas, stellt die Relevanz für den Gemeinschaftskundeunterricht dar und skizziert das induktive Vorgehen der Arbeit.
2. Fallbeispiel – Absetzung des Oberbürgermeister Sauerland durch den Bürgerentscheid der Duisburger: Dieses Kapitel schildert den historischen Kontext und den Verlauf des Bürgerbegehrens, das zur Abwahl des Duisburger Oberbürgermeisters führte.
2.1 Vorgeschichte: Der Unterpunkt beleuchtet die politischen Hintergründe und die gescheiterten ersten Versuche der Abwahl im Stadtrat.
2.2 Das Ergebnis ist eindeutig - Sauerland muss gehen: Dieser Teil beschreibt den erfolgreichen Bürgerentscheid vom 12. Februar 2012 und die unmittelbare politische Reaktion darauf.
3. Politikbegriff Hannah Arendt: Hier wird Arendts Politikverständnis expliziert, wobei Begriffe wie Pluralität, Handeln und Freiheit im Zentrum stehen.
4. Reflexion Fallbeispiel – Politikbegriff Arendt: Das Kapitel vergleicht die Theorie Arendts mit dem Fallbeispiel und diskutiert sowohl Übereinstimmungen als auch Grenzen der theoretischen Übertragbarkeit.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Bedeutung von Politik als greifbares, durch Bürgerhandeln gestaltbares Geschehen.
Schlüsselwörter
Hannah Arendt, Politikbegriff, Bürgerentscheid, Duisburg, Adolf Sauerland, Politische Partizipation, Freiheit, Handeln, Pluralität, Gemeinschaftskundeunterricht, Demokratie, Bürgerinitiative, Totalitarismus, Politikverständnis, Lehrplan.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des Politikbegriffs von Hannah Arendt auf ein reales politisches Ereignis, den Bürgerentscheid zur Abwahl des Duisburger Oberbürgermeisters Sauerland, und dessen Eignung für den Schulunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das Arendtsche Politikverständnis, das Verhältnis von Politik und Freiheit, Formen politischer Partizipation sowie die Umsetzung dieser theoretischen Inhalte in den schulischen Gemeinschaftskundeunterricht.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach dem Wesen der Politik bei Hannah Arendt und untersucht, inwieweit dieses Verständnis auf das konkrete Fallbeispiel der Abwahl Sauerlands übertragbar ist und wie es Schülern vermittelt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein induktives Vorgehen gewählt, bei dem von einem konkreten, alltäglichen Problem (dem Bürgerentscheid) ausgehend eine theoretische Analyse erfolgt, gefolgt von einer Reflexion und didaktischen Einordnung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Fallbeispiels, die theoretische Erläuterung des Politikbegriffs nach Arendt, die anschließende Reflexion der Theorie am Beispiel sowie eine kritische didaktische Analyse der Lehrplan-Einordnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Hannah Arendt, Politikbegriff, Bürgerentscheid, Partizipation, Freiheit und Gemeinschaftskundeunterricht charakterisiert.
Wie definiert Arendt den Sinn von Politik?
Für Hannah Arendt ist der Sinn von Politik Freiheit; diese existiert jedoch nicht als abstrakte Idee, sondern entsteht erst im aktiven, gemeinschaftlichen Handeln von Menschen im sogenannten „politischen Raum“.
Warum eignet sich das Duisburger Fallbeispiel für den Unterricht?
Das Fallbeispiel holt Jugendliche in ihrem alltäglichen Leben ab und macht komplexe Begriffe wie „Handeln“ und „Politik“ an einem konkreten, greifbaren Ereignis der politischen Partizipation anschaulich.
- Citar trabajo
- Anne-Katrin Frenzel (Autor), 2013, Politik durch Miteinander. Der Politikbegriff Hannah Arendts in Verbindung mit dem Loveparade-Unglück 2010, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308928