Krieg und Kleinstadt. Frankenhausen im Ersten Weltkrieg


Masterarbeit, 2013

106 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Frankenhausen - Panorama einer Kleinstadt

3. Kriegsbegeisterung
3.1 Kriegsbegeisterung in Deutschland - Vom Augusterlebnis zur Kriegsmüdigkeit
3.2 Kriegsbegeisterung und deren Entwicklung in Frankenhausen - Juli 1914 bis November

4. Spionage und Ausländerfeindlichkeit
4.1 Ausländerfeindlichkeit und Spionagehysterie in Deutschland
4.2 Frankenhausen - eine Kleinstadt im „Spionfimmel“

5. Versorgungslage während des Ersten Weltkrieges
5.1 Versorgungslage in Deutschland
5.2 Versorgungslage in Frankenhausen

6. Schlussbetrachtung und Ausblick

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

„ Je totaler ein Krieg, desto mehr wird auch die Heimat zur Front. “ 1

Mit diesen Worten beginnt Gerd Krumeich seinen Aufsatz „Kriegsfront - Heimatfront“, und stellt fest, dass beim Ersten Weltkrieg rückblickend eigentlich noch nicht von einem totalen Krieg, wie er später unter Hitler propagiert wurde, gesprochen werden kann. Die Menschen wurden weder von staatlichem Terror, noch von durchdringender Propaganda in ihrer Lebensweise eingeschränkt. Es existierten zwar Bestrebungen, Wirtschaft und Bevölkerung vollständig zu mobilisieren, wie zum Beispiel durch das Hindenburgprogramm 1916, allerdings wurde mit diesen Versuchen nur ansatzweise erreicht, was ursprünglich angestrebt worden war. Kriegs- und Heimatfront bildeten folglich keine Einheit, sondern unterschieden sich im gesamten Krieg sichtbar voneinander. Dessen ungeachtet bleibt der Erste Weltkrieg aufgrund seiner bis dahin noch nicht dagewesenen Extreme in vielen Nationen weltweit als der „große Krieg“, „the Great War“, oder „la Grande Guerre“ in Erinnerung: Die geografische Ausdehnung, der enorme technische Fortschritt und die wirtschaftliche Intensität, sowie das Ausmaß an menschlichen Verlusten waren in diesen Größenordnungen bis dato völlig un- bekannt und unvorstellbar. Die Entstehung der sogenannten „Heimatfront“ bildete einen bedeutenden Aspekt in der angesprochenen Intensivierung. Das Hinterland setzte alles daran, die Soldaten an der Front physisch und psychisch zu unterstützen: Durch Steigerung der Produktion, Verzicht auf Nahrungsmittel, aber auch durch Lieder, Gedichte und Gebete - allerdings auch nicht selten mit Lügen.2

In der anfänglichen Phase der Kriegsbegeisterung, welche von der Idee des „aufgezwungenen Verteidigungskrieges“ begleitet wurde, entstand der zentrale Begriff der sogenannten „Heimatfront“. Diese Wortneubildung diente hauptsächlich der Identifikation mit der „nationalen Sache“ und sollte einen tiefen Zusammenhalt zwischen den Soldaten an der Kriegsfront und den daheim gebliebenen Menschen herstellen. Folglich bildete sich mit diesem emotionsbehafteten Begriff ein effektives propagandistisches Mittel heraus.3 Der Neo- logismus „Heimatfront“, zog den der „Kriegsfront“ nach sich - dies nicht nur zur Unter- stützung, sondern auch zur Abgrenzung. Das Wort „Kriegsfront“ lässt sich im Gegensatz zur „Heimatfront“ allerdings sehr klar und präzise definieren: Diese Front ist dort zu finden, wo sich die Kampfhandlungen größtenteils ereigneten, nämlich an der Ost- und Westfront - und nicht in der Heimat.4

Die Verbindung zwischen Front und Heimat stellte sich als ausgesprochen komplex dar. Von Beginn an stand dabei die mentale Unterstützung im Vordergrund. Aus diesem Grund schickten viele Daheimgebliebenen zunächst voller Optimismus „Liebesgaben“5 an die kämpferische Front, um den Alltag der Soldaten mit kleinen Geschenken, wie regionalen Zeitungen, Zigaretten, Kleidung oder Nahrungsmittel zu erleichtern.6 Allerdings wurden genau diese Waren in relativ kurzer Zeit dringend in der Heimat benötigt, um das dort entstandene und immer größer werdende Leiden zu lindern. Insofern rückte das Erleben und die Vorstellung jedes Einzelnen von Front und Heimat immer weiter auseinander.7

Der Terminus „Heimatfront“ ist zu einem Konzeptionsbegriff der wissenschaftlichen Literatur geworden und stellt ein „zeitgenössisches, vor allem in der Nachkriegszeit aus- formuliertes politisches Projekt“ dar, welches auf die Mobilisierung der gesamten Staats- bürger8 „für den industrialisierten Volkskrieg abzielte.“ Bei dieser analytischen Konzeption geht es darum, alle wesentlichen Bereiche der Gesellschaft zu erfassen und die Wirkungen des Krieges auf die Bevölkerung zu untersuchen.9 Demgemäß stellen sich einige Fragen: Wie wirkten sich die Dauer und Strapazen des Krieges explizit auf das Empfinden und Verhalten der Menschen aus? Welche Entwicklungen lassen sich erkennen? Wurde der Krieg zu einer Einflussgröße, welche die Öffentlichkeit in Atem hielt oder setzte der alltägliche Trott des gesellschaftlichen Lebens wieder ein? Diese Fragen beschäftigen nicht nur die neuere Forschungsliteratur, sondern sind auch Bestandteil der vorliegenden Masterarbeit.

Wie aus dem Titel entnommen werden kann, liegt der thematische Schwerpunkt dieser Abschlussarbeit auf den Geschehnissen in der Stadt Frankenhausen während des Ersten Weltkrieges. Es existieren nicht nur unzählige allgemeine Überblickswerke die sich der Thematik Erster Weltkrieg widmen, es gibt auch eine Vielzahl von Publikationen, die sich mit verschiedenen Aspekten des Kriegsgeschehens beschäftigen. Allerdings ist das Thema bei weitem noch nicht erschöpft, wie es oft den Anschein erweckt. So gibt es noch immer eine Fülle an unausgewerteten Quellen und nicht ausreichend beantworteter Fragen - vor allem im kulturgeschichtlichen Bereich.10 Die vorliegende Arbeit widmet sich daher einem Thema, zu welchem bislang keine kritische Auseinandersetzung erfolgt ist. Hierbei handelt es sich um eine Mikrostudie, die die großflächige Problematik des Ersten Weltkrieges auf der untersten Ebene analysieren will. Die Stadt und Gesellschaft Frankenhausens wird dabei den Mittelpunkt der Untersuchung darstellen.

Die Gegend um das Kyffhäusergebirge ist in der Regionalgeschichte Thüringens vor allem durch den Bauernkrieg um Thomas Müntzer vertreten und auf diesem Gebiet weitest- gehend erforscht. Neben dem Bauernkrieg von 1524/25 spielen die vorhandenen Solequellen in und um Frankenhausen eine bedeutende Rolle. Sie machen das Gebiet für Kurgäste und Touristen seit 1818 äußerst beliebt und sind folglich ebenso ein Hauptaugenmerk des Heimat- und Kreismuseums der Stadt.11 Obwohl sich die Quellenlage für die Jahre 1914 bis 1919 im städtischen Archiv als sehr umfangreich darstellt, existierten bis zu diesem Zeitpunkt keine Literatur oder wissenschaftliche Aufsätze über und um den Zeitraum des Ersten Weltkrieges in Frankenhausen. Aufgrund der Tatsache, dass auf diesem Gebiet der Stadtgeschichte noch keine ausführliche Aufarbeitung stattfand, wird es Ziel dieser Arbeit sein, diese Periode der Geschichte genauer zu betrachten und in differenzierter Weise darzulegen. Im Fokus dieser Zielstellung soll dabei der Einfluss des Ersten Weltkrieges auf die Bevölkerung liegen, da die Stadt Frankenhausen als solche nicht an kriegerischen Gefechten beteiligt war, sondern lediglich Soldaten zur Verteidigung des Vaterlandes schickte.

Diese Arbeit wird unter anderem aus der Motivation heraus geschrieben, möglicher- weise aufzeigen zu können, dass sich in einer thüringischen Kleinstadt, welche in eine länd- liche Umgebung eingebettet war und ist, andere Entwicklungen stattfanden, als sie vielleicht in bisherigen Publikationen dargestellt werden. Es soll demnach der Versuch unternommen werden, Besonderheiten der Stadtgeschichte Frankenhausens aufzuzeigen, die möglicherweise in dieser Art in der allgemein bekannten Literatur zum Ersten Weltkrieg noch nicht dargestellt wurden. Ein weiterer Grund, sich diesem Themenfeld zu widmen, ist das persönliche Inte- resse an der gegebenen Problemstellung, sowie der heimatliche Bezug zum Untersuchungsort Frankenhausen.

Bevor eine profunde Bearbeitung der Problematik erfolgen kann, gilt es das umfangreiche Quellenmaterial der Frankenhäuser Stadtgeschichte als auch das Themenfeld entsprechend einzugrenzen. Da der Schwerpunkt auf die Gesellschaft der Stadt Franken- hausen gesetzt wird, liegt es nahe, aus diesem Bereich der sogenannten „Heimatfront“ Themenfelder auszuwählen und diese näher zu beleuchten. Aus der Vielzahl von Quellen, die für die Bearbeitung zur Verfügung standen, wurden jene ausgewählt, die für den Unter- suchungsgegenstand von Relevanz waren.12 Dies beinhaltet Themen wie die Kriegsbegeister- ung in Frankenhausen, sowie deren Entwicklung im Zeitraum Juli 1914 bis November 1918. Des Weiteren wird der Aspekt der Fremdenfeindlichkeit beziehungsweise der Spionagefurcht genauer analysiert werden, ebenso wie die Beeinflussung der Versorgungslage auf das gesell- schaftliche Verhalten der Stadt Frankenhausen. Bezüglich der genannten thematischen Schwerpunkte soll die folgende Fragestellung die gesamten Arbeit begleiten: Welcheäquivalenten und spezifischen Ausprägungen erfuhr die Gesellschaft der Stadt Franken- hausen in der Zeit des Ersten Weltkriegs in Bezug auf das gesamte Deutsche Reich?

Ausgehend von dieser Problemstellung, soll das Themenfeld anhand von drei Thesen bearbeitet werden. Diese Thesen sollen im Laufe der Arbeit untersucht und kritisch hinterfragt werden. In der allgemeinen Forschungsliteratur ist bekannt, dass der Erste Weltkrieg sich auf das Leben der ländlichen Zivilbevölkerung auswirkte.13 Zu Beginn des Krieges war innerhalb des deutschen Volkes unter anderem eine gewisse Kriegsbegeisterung zu beobachten. Doch nicht nur die oft genannte „Volksfeststimmung“ galt lange Zeit als flächenübergreifend, sondern auch der Wandel dieser in allgemeinen Unmut, bis hin zu Antikriegs-Demon- strationen. Daher lautet die erste zu bearbeitende These: Die anfängliche Kriegsbegeisterung, die seit August 1914 in Deutschland herrschte und die sich im Verlauf der Kriegsjahre zu einer Kriegsmüdigkeit entwickelte, fand sich auch in der Bevölkerung Frankenhausens wieder.

Anhand der bereits bearbeiteten Quellenerzeugnisse zeigte sich, dass bis zum Ausbruch des Krieges eine Vielzahl von ausländischen Bürgern in Frankenhausen lebten. Dies stellt eine mögliche Besonderheit innerhalb des Themenfeldes dar und soll im Zusammenhang der Ausländerfeindlichkeit beziehungsweise der aufkommenden Spionagefurcht nach Beginn des Krieges untersucht werden. Die plötzliche eintretende Abneigung schien auch in anderen Großstädten Deutschlands vorhanden gewesen zu sein, war jedoch nicht so offensichtlich und stark ausgeprägt wie in Frankenhausen. Die zweite These lautet folglich: Die geringe

Anonymität und der relativ hohe Ausländeranteil innerhalb der Kleinstadt Frankenhausen beeinflussten die enormen Ausmaße von Feindseligkeiten gegenüber ausländischen Studenten und Mitbürgern.

Ein weiterer wichtiger Themenkomplex, welcher im Rahmen der zeitgeschichtlichen For- schung zum Großteil sehr detailliert und ausführlich erschlossen ist, stellt die Versorgungslage der Bevölkerung während des Ersten Weltkrieges dar. Es ist bekannt, dass die Lage in den Großstädten, und vor allem in den Industriegebieten, sich als katastrophal darstellte und fast überall im Deutschen Reich Nahrungsmittelknappheit herrschte.14 Allerdings schien sich die Lage bei der ländlichen Bevölkerung weniger dramatisch darzustellen, da die meisten Erzeug- nisse selbst angebaut werden konnten und somit der Zugang zu diesen erleichtert wurde.15 Die dritte These widmet sich daher diesem Aspekt und lautet: Die Versorgung der Bevölkerung im ländlich gelegenen Frankenhausen stellte sich im Verlauf des Krieges als weniger problema- tisch dar, so dass diese nur geringe Auswirkungen auf die Gesellschaft mit sich brachte.

Wie bereits erwähnt, stellen sich die vorhandenen Quellen als vielschichtig und komplex dar. Das Forschungsmaterial war meist nicht nur sehr gut archiviert, sondern brachte auch eine Vielzahl von unterschiedlichen Quellenarten hervor, so dass der Untersuchung eine gute Quellenbasis vorausging. Allein die „Frankenhäuser Zeitung“16, deren Ausgabe fast täglich erschien, lag für die Untersuchung von den Jahren 1914 bis 1918 sehr gut erhalten vor, so dass aus dieser zahlreiche Informationen entnommen werden konnten. Die Zeitung unterteilte sich in einen allgemeinen Teil, welcher über die allgemeine Situation in Deutschland, den globalen Kriegsgeschehnissen und aktuellen politischen und wirtschaftlichen Ereignisse be- richtete, und einem regionalen Abschnitt, welcher sich um die Stadt Frankenhausen und deren Umgebung drehte. Letzterer machte es möglich, Näheres über das alltägliche Leben der Einwohnerschaft zu erfahren. Auch wenn nicht konkret vom tobenden Krieg und dessen Kon- sequenzen die Rede war, ließen sich doch einige interessante Geschehnisse aus dem Regional- teil entnehmen und für die vorliegende Arbeit verwenden.

Des Weiteren liegt der Forschungsarbeit, mit existierenden Tagebuchauszügen, ein wichtiges Quellenformat vor, welches einen Einblick in Geschehnisse bietet. Der Franken- häuser Paul Schröder schrieb nicht nur regelmäßig für sich selbst über die Ereignisse des Krieges, sondern veröffentlichte auch eine Vielzahl von Gedichten, welche sich mit dem Thema rund um das Kriegsgeschehen beschäftigten. Diese Gedichte sind nicht nur durch das edierte Tagebuch überliefert, sondern wurden auch zahlreich in der Frankenhäuser Zeitung publiziert. Paul Schröder und Max Krebs, der damalige Herausgeber des Amtlichen Nach- richtenblattes, schienen persönlich sehr nahe gestanden zu haben. Denn Krebs selbst war es, der im Jahr 1931 die Tagebucheinträge Schröders sammelte, veröffentlichte und eigens ein kleines Vorwort schrieb.

Durch diese erhaltenen Dokumente, ist es möglich über das alltägliche Leben der Bürger mögliche Details zu erfahren, welche aus der allgemeinen Literatur nicht zu ent- nehmen sind. Die Veröffentlichung eines Tagesbuches sollte, da es sich um subjektives Empfinden handelt, jedoch kritisch betrachtet werden. Es ist nicht ersichtlich, welche Stellen eventuell gestrichen wurden oder ob es sich um den unverfälschten Wortlaut des Schreibers selbst handelt. Hinsichtlich dieser Begebenheiten kann das Dokument zwar nicht wie eine Originalquelle behandelt werden, dennoch wird nach genauer Sichtung und im Vergleich mit anderen Zeitzeugnissen davon ausgegangen, dass es sich um eine authentische Darstellung der damaligen Situation handelt. Die Protokolle der Stadtratssitzungen erwiesen sich als sehr ausführlich beschriebene Momentaufnahmen, wie sie für eine Mikrostudie erforderlich sind. Die dem Archiv vorliegenden Akten der Polizeiverwaltung, dem Landratsamt und der Gewerbeverwaltung zeigten sich ebenfalls als sehr umfangreich, konnten aber nur teilweise herangezogen werden, da in einigen Fällen nur sehr wenig Informationen über den zu unter- suchenden Zeitraum zu entnehmen waren.

Es ist zu beachten, dass einige der vorliegenden Quellen, wie zum Beispiel die Frankenhäuser Zeitung, nicht frei von kollektiver Propaganda sind. Die Presse unterwarf sich den nationalen Bedürfnissen meist freiwillig und gestaltete ihre Meldungen und Berichte nach den Wünschen der Regierung. Ziel dieses Agierens war die Stärkung der öffentlichen Kriegs- moral. Ein wichtiger Faktor spielte dabei vor allem die Selbstzensur der Zeitungsverleger und der Journalisten. Diese hatte, über den gesamten Zeitraum gesehen, eine größere Bedeutung inne, „als die zumeist relativ unbeholfene Zensur der Stellvertretenden Generalkommandos“, so Mommsen. Erst im Jahr 1915 wurde diesem besagten „Stellvertretenden General- kommando“ eine straffere Überprüfung durch das Kriegspresseamt unterzogen, welche mit der deutschen Regierung kooperierte.17 Aufgrund dieser Faktoren sollten die vorhandenen Dokumente aus der Vergangenheit kritisch betrachtet und nicht als Akt der Redefreiheit oder als sachliche Information angesehen werden. Da einige Dokumente in sehr guter Form er- halten sind, werden für die Untersuchung zentrale Quellen dem Anhang der Abschlussarbeit beigefügt.

Die Anordnung der einzelnen Aspekte innerhalb eines Kapitels erfolgt einer Ver- bindung aus chronologischen und thematischen Gesichtspunkten. Am Ende eines Kapitels wird eine Bewertung erfolgen, in welcher die anfangs aufgestellten Thesen erneut aufge- griffen und nach ihrer Gültigkeit überprüft werden. Damit sich der Leser ein Bild darüber machen kann, um welche Art von Kleinstadt es sich bei dieser Forschung handelt, soll nach der Einleitung ein kurzes Panorama der Stadt Frankenhausen folgen. Der Überblick über die Begebenheiten der Stadt soll gleichzeitig auch Ausgangspunkt der Betrachtungen sein. Davon ausgehend sollen die verschiedenen bereits vorgestellten Schwerpunkte näher be- trachtet werden. Beginnend mit dem Aspekt der Kriegsbegeisterung und deren Entwicklung, über die Spionagefurcht und Fremdenfeindlichkeit, wird das letzte Kapitel die Versorgungs- lage thematisieren.18

Bevor eine genaue Analyse der gegebenen Quellen und der aufgestellten Thesen geschieht, soll eine allgemein einleitende Problemuntersuchung erfolgen. Diese beinhaltet die Auseinandersetzung mit der bereits vorhandenen Literatur zum Themenfeld Erster Weltkrieg. In diesen Abschnitten soll zunächst der allgemeine Forschungsstand wiedergegeben werden. Im Anschluss soll auf vorliegende Fragestellung, beziehungsweise auf die Thesen im Bezug auf Frankenhausen, eingegangen werden. Es ist daher nicht Sinn und Ziel dieser Arbeit, einen analytischer Vergleich der gesamtdeutschen Situation und der der Kurstadt Frankenhausen vorzunehmen, beziehungsweise die vorhandenen Quellen aus dem Stadtarchiv dokumen- tarisch darzustellen. Im Vordergrund der Untersuchung steht, neben den möglichen Besonder- heiten der Stadt, der Einfluss des Krieges auf die Gesellschaft Frankenhausens, der in Bezug auf die Situation im gesamten Deutschen Kaiserreich gesetzt wird. Bevor jedoch auf die Ge- schehnisse der Jahre 1914 bis 1918 eingegangen werden kann, soll die Kurstadt Franken- hausen vorgestellt werden.

2. Frankenhausen - Panorama einer Kleinstadt

In diesem Kapitel sollen die Entwicklungen Frankenhausens dargestellt werden, die für die Stadtgeschichte und das Verständnis der Situation bis 1914 und der nachfolgenden Jahre von Bedeutung sind. Hierzu ist die geografische Lage der Stadt, die religiöse Hinwendung, als auch die politische Einstellung der Bevölkerung wichtig, um das Agieren der Menschen während des Krieges verstehen zu können. Zu dem spielen vor allem auch die wirtschaftlichen Begebenheiten der Stadt eine enorme Rolle.

Der heutige Kurort hat eine umfangreiche Stadtgeschichte vorzuweisen: Frankenhausen wurde das erste Mal in dem vor 900 aufgestellten Verzeichnis derer erwähnt, welche aus Thüringen dem Kloster Fulda eine Schenkung gemacht hatten. Die erste urkundliche Er- wähnung der Ortschaft erfolgte am 30. November 998 durch Kaiser Otto III.19 Einer der historischen Höhepunkte war wohl eine der entscheidenden Schlachten des Deutschen Bauernkrieges, welche mit der Niederlage der Bauern und der Gefangennahme von Thomas Müntzer endete. Durch den Einfluss Müntzers entwickelte sich die Stadt zu einer toleranten evangelischen Gemeinde, wie sie auch 1913 vorzufinden war.20 Eine genaue Angabe über die Einwohnerzahl der Stadt ist für das Jahr 1913 beziehungsweise 1914 aus den vorhandenen Quellen leider nicht ersichtlich. Ausschließlich der Vortrag „Zur Entwicklung der Stadt Frankenhausen hinsichtlich der örtlichen Bebauungen“ des damaligen Bürgermeisters Martin Sternberg aus dem Jahr 1908 gibt Hinweise auf die Anzahl der Bevölkerung. Sternberg teilte in dieser Ansprache mit, dass Frankenhausen mit 6580 Bewohnern eine deutliche Stagnation verzeichnete, welche im deutsche Kaiserreich zu dieser Zeit als eher untypisch galt.21 Eventuell lag dies unter anderem an der nicht vorhandenen Industrie der Kleinstadt, auf die im Weiteren noch eingegangen wird.

Frankenhausen lag auf dem Territorium des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt. Dieses hatte sich 1599 zunächst als Grafschaft Schwarzburg-Rudolstadt gebildet und stand von 1890 bis 1918 unter der Herrschaft des Fürsten Günther Victor von Schwarzburg-Rudol- stadt.22 Seit dem Beginn seiner Regentschaft hatte die Sozialdemokratie ihre Anhängerschaft in der Bevölkerung stetig erweitern können. Ähnlich wie im gesamten Deutschen Reich war die Sozialdemokratische Partei schließlich auch hier zu mitglieder- und wählerstärksten Partei geworden. Die Eroberung des Landtages 1911/12 begründete dann schließlich den Ruf des thüringischen Kleinstaates als „rotes Fürstentum“.23 Mitglied des Landtages, der vom 23. Februar 1912 bis 13. Februar 1920 auch Landtagspräsident, und seit 1878 der Sozial- demokratie verschrieben war, war der Frankenhäuser Franz August Wilhelm Winter. Der ehemalige Knopfmacher war seit 1878 der Sozialdemokratie in Frankenhausen in ihren unter- schiedlichen Organisationsformen, wie unter anderem dem Wahlverein, zugehörig und am 11. März 1888 einer der Mitbegründer der ersten gewerkschaftlichen Organisation der Knopf- arbeiter in Frankenhausen. Auch wenn der 1913/14 amtierende Oberbürgermeister Sternberg als parteilos galt, so hatte die Sozialdemokratie eine tiefe Verwurzelung und einen direkten Einfluss auf das Geschehen der Stadt.24

Die Stadt Frankenhausen erhielt zwar erst 1927 den Titel eines Kurortes, und somit den Namen „Bad Frankenhausen“, jedoch stellte die Stadt durch ihre vorhandenen Sole- und Heilquellen bereits schon seit 1818 einen attraktiven Erholungsort für viele Menschen dar.25 Als wirtschaftlichen Schwerpunkt der Stadt kann folglich der Kur- und Tourismusbetrieb be- nannt werden, welcher eine erfolgreiche Weiterführung bis in die Gegenwart findet. Dessen ungeachtet hat es in Frankenhausen nicht an Versuchen gefehlt, neben der Salzproduktion, welche seit circa 1340 vorrangig durchgeführt wurde, neue Industriezweige anzusiedeln.26 Wenn auch eine erfolgreiche Ansiedlung nicht gelang, strömten viele junge Männer aufgrund des sogenannten Technikums in die besagte Gegend. Das „Technikum Frankenhausen a. Kyff.“ wurde am 28. April 1896 gegründet und kurze Zeit später, am 5. Oktober des selben Jahres, eröffnet.27 Auslöser für dessen Gründung war der enorme Aufschwung der deutschen Industrie, durch welche sich die Nachfrage nach qualifizierten Technikern und Ingenieuren vervielfachte.28 Der rasche Fortschritt in den Bereichen des Maschinenbaus und der Elek- tronik zwang sogar Mittel- und Kleinbetriebe gut ausgebildete Arbeitskräfte einzustellen.

Allerdings reichten die Hochschulabsolventen keineswegs mehr aus, diese aufkommenden Lücken zu füllen, so dass nach 1880 zahlreiche Hochschulen in ganz Deutschland gegründet wurden.29 Dem Direktor des Technikums, Sigmund Huppert gelang ein wichtiger Schwer- punktwechsel innerhalb der Hochschulbildung: Zum Jahreswechsel 1905/1906 begann er in der Presse für die „Erste deutsche Ingenieurschule für landwirtschaftliche Maschinen“30 zu werben. Das Technikum entwickelte sich somit zu einem blühenden Hochschulzweig, welcher nicht nur viele Studenten aus Deutschland, sondern auch junge Männer aus der ganzen Welt an den Kyffhäuser lockte: Neben Preußen schickten nun auch die Habsburgermonarchie, Dänemark, Bulgarien, Luxemburg und Russland ihre Studenten nach Frankenhausen, so dass der Anteil an ausländischen Studenten um 1913/14 einen nicht unerheblichen Teil der Be- völkerung darstellte.31

Neben dem Tourismus ist die Knopfindustrie, die 1831 durch Nadlergeselle August Zierfuß in die Solestadt kam, ein weiterer wichtiger industrieller Zweig. 1863 wurden acht, 1871 dagegen bereits zehn Knopffabriken verzeichnet, in den Gründerjahren bis 1880 kamen weitere 13 hinzu. Allerdings konnten sich nicht alle diese Fabriken aufrecht halten und mussten zum Teil schließen. Um 1900 blieben somit insgesamt nur noch 15 Fabriken mit 350 Arbeitern übrig.32 Einige Knopfmacher hatten daher zur Selbsthilfe gegriffen und die „Fran- kenhäuser Perlmutterknopf - Fabrik e.G.m.b.H.“ gegründet, in welche sie ihre Knopfbänke und ihr Werkzeug als Einlage mitbrachten. Die industrielle Entwicklung der Knopfmacher ging dennoch voran, so dass kurz vor dem Ersten Weltkrieg, im Jahr 1913, 650 Knopfmacher tätig waren.33

Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis hin zum Zweiten Weltkrieg wurde immer wieder versucht, durch industrielle Gründungen neue gewerbliche Wege einzuschla- gen, zumeist hatten diese jedoch nur eine kurze Lebensdauer: Eine Zuckerfabrik, die 1850 sehr zentral errichtet worden war und während der Saison bis zu 170 Personen beschäftigte, wurde 1890 wieder abgerissen. Der Grund für den wirtschaftlichen Niedergang lag unter anderem in der fehlenden Nebenlinie des Eisenbahnnetzes, welches ein schwerwiegendes kum Frankenhausen betr. 1908-1912, „Denkschrift des Verbandes höherer Technischer Lehranstalten in Deutschland“ 1910, Blatt 128-144.

Problem für den Ausbau weiterer Industriezweige darstellte. Erst im Jahr 1892 wurde ein Bahnanschluss angelegt. In Nachbarorten wie Artern oder Oldisleben war der Zucker- rübentransport seit 1879 mit der Bahn möglich und wurde somit erfolgreich durchgeführt. Außerdem wirkte sich die geographisch Lage beider Orte günstig aus, da keiner der Ort- schaften, anders als Frankenhausen, in einem Gebirgstal lagen. Es existierte weiterhin eine Zigarrenfabrikation, welche 1864 um die 200 Arbeiter beschäftigte. Bei den Fabriken handelt es sich jedoch durchweg um Handbetriebe, welche sich langfristig nicht weiter entwickelten.34

Zusammenfassend kann Frankenhausen als eine ländlich gelegene, bürgerliche Kleinstadt betrachtet werden, die sich ökonomisch hauptsächlich durch das Kur- und Tourismuswesen etablierte. Trotz zahlreicher handwerklicher Betriebe und dem vorhandenen Agrarwesen, blieb dies der wichtigste Industriezweig. Daneben hatte das ansässige Techni- kum eine wesentliche Bedeutung für das Stadtbild: Frankenhausen wurde aufgrund des her- vorragenden Rufes dieser Fachhochschule zum Anziehungspunkt für Studenten aus der ganzen Welt.

3. Kriegsbegeisterung

Im folgenden Kapitel soll untersucht werden, wie der Krieg in der Bevölkerung Frankenhausens wahrgenommen wurde. Dabei wird chronologisch vorgegangen: Beginnend im August 1914, dem offiziellen Beginn des Ersten Weltkrieges, bis hin zum Waffenstillstand am 11. November 1918.

Ausgehend von den in der Einleitung aufgestellten Thesen soll unter anderem die Frage beantwortet werden, in wie weit sich der Augustfrieden auf die städtische Bevölkerung auswirkte: Zeigte sich in Frankenhausen die in der Literatur oft genannte „Volksfest- stimmung“ oder stellte sich bei den Bewohnern der Kurstadt gar keine ausgelassene Kriegs- freude ein? Neben dieser Momentaufnahme, welche sich weitestgehend auf den Beginn des Krieges konzentriert, soll die sich möglicherweise wandelnde Stimmungslage genauer unter- sucht werden. Es wurde die These aufgestellt, dass sich die anfängliche Kriegsbegeisterung im Verlauf der militärischen Auseinandersetzungen immer mehr zu einer Kriegsmüdigkeit entwickelte. Auch dies wird in einer genauen Analyse der Geschehnisse erarbeitet werden. Insofern stellt sich die Frage, in welcher Weise und ob sich Kriegsbegeisterung überhaupt messen lässt. Es kann sich dabei um keine empirische Forschung handeln, da sowohl die Presse, als auch die Eindrücke vieler Zeitzeugen sehr subjektiv gefärbt sind. Aus diesem Grund kann lediglich eine quantitative Messung bezüglich von Kundgebungen, Massen- aufläufen, Demonstrationen oder anderen Handlungen der Gesellschaft während der Kriegs- jahre stattfinden.

Wie bereits in der Einleitung angekündigt, wird zunächst eine allgemeine Erläuterung des Phänomens der „Volksfeststimmung“ und dem sogenannten Augusterlebnis in Deutsch- land zu Beginn des Krieges erfolgen, bevor eine spezifischen Analyse der Begebenheiten in Frankenhausen vorgenommen wird. Im Vorfeld dieser genaueren Betrachtung, soll nicht nur aufgezeigt werden, wie sich die allgemeine Situation im deutschen Gebiet darstellte, sondern auch eine kritische Betrachtung dieses angeblichen Massenphänomens geschehen.

3.1 Kriegsbegeisterung in Deutschland - Vom Augusterlebnis zur Kriegsmüdigkeit

Der durch die Kriegserklärungen, die am 1. August 1914 an Russland und am 3. August an Frankreich ergingen, beginnende Krieg, wurde von vielen Deutschen als eine Art Befreiungs- schlag aus einer langanhaltenden Unsicherheit und von unerfüllt gebliebenen Wünschen er- lebt. Selbst die Sozialdemokraten, welche laut Wilhelm II. angeblich „vaterlandslose Gesellen“ seien, stimmten der Bewilligung der Kriegskredite, dem so genannten Burgfrieden, zu. Trotz, oder vielleicht sogar gerade wegen der inneren Anspannungen sah sich „das deutsche Volk als große Schicksalsgemeinschaft, [...]“, welche gezwungen war einen Vertei- digungskrieg zu führen, welcher angeblich von außenstehenden Nationen angefachten worden war.35

Die Kriegsbegeisterung wird oft mit dem sogenannten „Augusterlebnis“ von 1914 in Verbindung gebracht. Kruse spricht hier von einer „wirksamen Legende“, welche in einigen Veröffentlichungen „immer wieder beschworen“36 werden wird. Es wurde sehr oft versucht, damit das Bild der begeisternden Menschenmassen, die freiwillig in den Krieg und somit in den Tod ziehen, zu erklären. Das eben Beschriebene wurde von der Geschichtswissenschaft längere Zeit vorausgesetzt und nicht näher untersucht. Erst neuere, sozialgeschichtliche Forschungen haben ergeben, dass die Stimmung der Menschenmassen zu Beginn des Krieges zwar tatsächlich ausdrucksstark, jedoch nicht ausschließlich von Begeisterung und Freunde geprägt war. Der relativ kurze zeitliche Abschnitt, die Transformation vom Frieden zum globalen Krieg, löste bei vielen Menschen das Gefühl eines gesellschaftlichen Wandels aus, welches die bisher gültigen Werte und Normen des gesellschaftlichen Zusammenlebens für einen Moment „außer Kraft zu setzten schien“.37 Trotz der unwahrscheinlichen Energie, mit welcher sich vor allem das Bildungsbürgertum für den sinnstiftenden Krieg begeistern konnte, überließ der deutsche Staat „die Lenkung der öffentlichen Meinung nirgendwo allein dem Engagement der Ideologen.“, wie Kruse feststellt. Die damalige Stimmungslage der Be- völkerung schien dafür viel zu unsicher und instabil. Das Kontrollieren und Beeinflussen der freien, öffentlichen Äußerungen, sowie die Mobilisierung der Gesellschaft erlangte eine zunehmende Bedeutung. Dieses Aufgabenspektrum wurde zur damaligen Zeit in unterschied- lichster Weise benannt und wurde erst unter dem Eindruck der Kriegserfahrungen immer mehr zu dem heute üblichen Begriff der „Propaganda“38 geformt. Neben Kruse gibt auch Berghahn an, dass die Begeisterung, wie sie immer wieder in den Geschichtsbüchern be- schrieben wurde, selbst für einen schnellen Verteidigungskrieg kein besonders großes Aus- maß hatte. Zwar wurden Zuschauer von Versammlungen, patriotischen Reden und vom umher gehenden Jubel mitgerissen, es wird aber angenommen, dass der Großteil der Menschen diesen Äußerungen zugejubelt hatte, weil ein Schweigen in solch einer Umgebung auf Un- verständnis gestoßen wäre. Meist kehrte erst auf dem Weg nach Hause die Nachdenklichkeit ein.39

Es ist hervorzuheben, dass die nationale Begeisterung des „August 1914“ die einzelnen gesellschaftlichen Schichten in unterschiedlichster Intensität erfasste. Die ver- meidliche Euphorie war durch und durch „mit tiefer Sorge und Beklommenheit vor dem, was noch kommen werde, verbunden [...]“. Weiterhin gab es zahlreiche Gruppen innerhalb der Bevölkerung, die solche Stimmungen zwar weitestgehend fern gestanden hatten, jedoch von der Idee, dass ein nationaler Einheitsstaat entstehen könnte, mitgerissen wurden.40 Die Stimmung der deutschen Bevölkerung hatte also bereits zu Beginn des Krieges viele ver- schiedene Ausprägungen, welche sich nach „sozialen, regionalen, religiösen und politischen Kriterien durchaus unterschieden“, so Kruse in seiner Publikation.41 Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der spontane Jubel und die absolute Kriegsbegeisterung, wie sie in einigen Publikationen oft dargestellt wird, nicht verallgemeinert werden kann. In größeren Städten bestand die ungetrübte Kriegsfreude vor allem beim städtischen Bildungsbürgertum, welches von dem Gefühl nationaler Gemeinschaft und der Freude auf den bevorstehenden Kampf vielfach mit Jubel entgegenkam. Die in den Krieg aufbrechenden Soldaten wurden bereits als Helden gefeiert, der beschlossene Burgfrieden bejubelt und die ersten militärischen Siege entsprechend gefeiert.42 Viele Land- und Fabrikarbeiter hingegen nahmen den Krieg eher verhalten, teils mit Widerwillen auf.43 Ziemann berichtet, dass in den ländlichen Gebieten sich bereits in den Wochen der Julikrise eine angespannte Atmosphäre entwickelt hatte und sich in einigen ländlichen Gemeinden, vor allem nach dem Ultimatum Österreichs an Serbien am 23. Juli 1914, erste Sorgen und Ängste aufkamen.

Die offizielle Mobilmachung des Deutschen Reiches führte folglich zu einer allgemeinen niedergeschlagenen Stimmung auf dem Land.44 Die Reaktion auf den Beginn des Krieges zeigte sich aufgrund von vier Ursachen differenziert im Vergleich zum städtischen Bildungsbürgertum: Einerseits waren „nationalistische Kriegsbegründungen und Feindbilder unter der ländlichen Bevölkerung nicht verbreitet“.45 Weiterhin war mit dem Krieg das Fehlen vieler männlicher Arbeitskräfte verbunden, welchen für die Landwirtschaft unverzichtbar waren. Ebenso bestand die Befürchtung, dass unzählige Pferde für die Armee angekauft werden und diese somit auch für die Landwirtschaft ausfallen würden. Die dritte Ursache betrifft die Angst, dass ein Krieg nicht nur viele Opfer und Zerstörungen mit sich bringen würde, sondern auch eine Besetzung und Verwüstung des eigenen Landes bedeuten könnte. Der letzte Grund war die Sorge der Mütter und Ehefrauen, dass dieser Krieg das Leben ihrer Söhne und Männer kosten könnte.46 Trotz dieser ausgeführten Unsicherheiten ging die Mehr- heit der Bevölkerung davon aus, dass es sich bei diesem Krieg um ein kurzes Aufeinander- prallen zwischen zwei Armeen handelte, aus deren Kämpfen nach nur kurzer Zeit ein Sieger ermittelt werden würde. Daher kursierte bereits kurz nach Beginn des Krieges das Gerücht, die Soldaten wären bis Weihnachten 1914 wieder zu Hause und der Kampf beendet. Doch nachdem die Soldaten die Stadt verlassen und die Front erreicht hatten, zeigte sich sehr schnell, dass dieser Krieg neue, bis dahin ungeahnte Ausmaße annehmen würde.47

Das Jahr 1915 gestaltete sich für das Deutsche Reich als militärisch erfolgreich: Neben der Besetzung Serbiens, großer Gebiete Polens und des Baltikums, konnten die deutschen Stellungen in Nordfrankreich und Belgien gehalten werden. Diese Siege hielten die Stimmung innerhalb der Bevölkerung zwar einige Zeit aufrecht, jedoch nahmen die Berichte über ge- fallene Frontsoldaten und die Verschlechterung der Ernährungslage zu. Dies führte zu einer allgemeinen Ernüchterung, welche sich zusehends auf die Gefühlslage der Menschen aus- wirkte, sich allerdings nur teilweise öffentlich zeigte.48 Im Oktober 1915 kam es in mehreren Arbeitervororten Berlins, sowie in einigen anderen deutsche Städten, zu gewaltsamen Protest- aktionen vor Lebensmittelgeschäften, die zum Großteil von Frauen angeführt wurden.49 Diese ersten Hungerunruhen waren bereits deutlich politisiert, inkludierten aber noch keine konkrete Forderung nach Frieden.50

Die Friedenssehnsucht der Soldaten hingegen, war bereits seit Mitte 1915 weit verbreitet. Erst das Jahr 1916, welches von den großen Massenschlachten wie der „Blut- mühle“ Verdun und der Schlacht an der Somme von schier endlosen Verlusten gekenn- zeichnet war, erkannte auch die deutsche Zivilbevölkerung, welchen Schrecken dieser Krieg mit sich gebracht hatte.51 Je länger der Krieg anhielt und je kriegskritischer die Atmosphäre innerhalb der Bevölkerungsschichten wurde, desto mehr rückte auch die inländische Propaganda in den Vordergrund.52 Trotz der Versuche der deutschen Behörden seit Beginn des Krieges, eine ausreichende Unterstützung seitens der „Heimatfront“ für die offizielle Kriegs- politik zu gewährleisten, entstanden ab Frühsommer 1916 erste Risse im sonst so einheitlich erscheinenden deutschen Staat.

Ab der zweiten Jahreshälfte des Jahres 1916 verdüsterte sich die Lage an der „Heimat- front“ spürbar. Die Bereitwilligkeit, die Einschränkungen der Behörden zu akzeptieren, sank zusehends, während die Kritik an den sich zunehmend verschlechternden Arbeits- und Lebensbedingungen anstieg. Diese Missstände wurden jedoch nur sehr selten öffentlich und aktiv angeprangert. Der „stoische Fatalismus“, wie ihn Segesser bezeichnet, dominierte das gesellschaftliche Bild weiterhin, obwohl dieser immer wieder durch spontane Proteste unter- brochen wurde. Neben den Versorgungsengpässe, welche im Folgekapitel detailliert betrachtet werden, trugen zunehmende Unsicherheit am Arbeitsplatz, mangelnde Hygiene und sich verbreitende Krankheiten zu einer negativen Grundhaltung der Menschen bei. Auch die steigenden Verlustzahlen drückten sichtlich auf die Stimmungslage der Bevölkerung.53 Diese gravierenden Probleme schufen nicht nur Gegensätze innerhalb der Kriegsgesellschaft, sondern auch sehr schnell Konfliktpotentiale, die sich immer mehr in zahlreichen sozialen Protestformen entluden. Je länger die Kampfhandlungen andauerten, desto eindeutiger beein- flusste der Zusammenhang zwischen dem Krieg selbst und der aufsteigenden sozialen Not das Bewusstsein der leidenden Menschenmassen. Aus diesem Grund gewannen die sozialen Protestbewegungen ab der zweiten Hälfte des Krieges an einer ausgeprägten politischen und kriegsgegnerischen Qualität, welche schließlich in einer Revolution enden sollten.54

Das Kaiserreich schien immer mehr wie ein Kartenhaus zusammenzubrechen - militärisch, aber auch innenpolitisch. Die Menschen wurden bis zum Waffenstillstandsangebot am 29. September 1918 immer wieder mit Durchhaltepropaganda gefüttert, so dass der Schock über den plötzlichen Waffenstillstand in der Öffentlichkeit ungeheure Ausmaße annahm. Ludendorff versuchte zwar noch die Verantwortung der totalen Niederlage auf polit- ische Instanzen und das Versagen der „marxistisch verseuchten ´Heimatfront` abzu- schieben“,55 doch die Friedenssehnsucht der gesamten deutsche Zivilbevölkerung, besonders aber auch der Soldaten und Matrosen, war viel zu groß geworden, so dass es kein Zurück gab: Der Aufstand der Matrosen am 3. November 1918 in Kiel wurde zur Initialzündung der Novemberrevolution, welche den Untergang des Deutschen Kaiserreichs einleitete.56

3.2 Kriegsbegeisterung und deren Entwicklung in Frankenhausen - Juli 1914 bis November 1918

Aus der Geschichte Thüringens von Raßloff lässt sich entnehmen, dass der Ausbruch des Krieges im August 1914 auch in Thüringen einen Sturm der nationalen Begeisterung ent- fachte.57 Allerdings geht der Autor nicht näher auf die genauen Umstände in Thüringen ein, so dass von dieser allgemeinen Aussage nicht automatisch auf die Situation in Frankenhausen geschlossen werden kann. Wie bereits angeführt, lassen sich zum Themenfeld „August- erlebnis“ beziehungsweise „Kriegsbegeisterung“ keine generalisierten Aussagen treffen. Daher ist eine kritische Betrachtung auch in diesem Falle notwendig. Bevor auf eine mögliche Entwicklung der Kriegsbegeisterung in Frankenhausen eingegangen werden kann, sollen zu- nächst die ersten Tage nach Verkündung der Kriegserklärung detailliert betrachtet und aus verschiedenen Perspektiven beschrieben werden. Da laut Raßloff regionale Facetten einen Laut Kruse spielten dabei die Gewerkschaften und sozialdemokratisch geprägte Arbeiterschaft eine zentrale Rolle. Die Politisierung der Proteste über verschiedene Aktionsformen, Symbole und Ziele, wie Streiks, rote Fahnen und Aufforderungen nach einer Demokratisierung und Sozialismus rückten in den Vordergrund. Neben den Kerngruppen der Arbeiterbewegung, die bei der Organisation und der „kriegsgegnerisch- revolutionären Politisierung der sozialen Proteste“ einen wichtige Position inne hatten, wurde die pro- letarische Antikriegsbewegung der Jahre 1916 bis 1918 auch stark von den so genannten Obleuten der Berliner Metallindustrie geprägt, welche sich aus den „gewerkschaftlichen Vertrauensleuten der großen Betriebe zusammensetzten.“

Einfluss auf die Kriegsbegeisterung der Bevölkerung haben,58 liegt es nahe, sich mit den Be- gebenheiten der Stadt im Zeitraum Juli bis September 1914 genauer auseinanderzusetzen und zu untersuchen, wie die Bevölkerung der Kleinstadt mit den Ausmaßen des Kriegs umging. Vor allem die Protokolle der Stadtratssitzungen, die Frankenhäuser Zeitung von 1914 und die Tagebucheinträge Paul Schröders bieten die Möglichkeit, die Geschehnisse innerhalb der Bevölkerung sehr genau aufzeigen zu können.

Wie bereits festgestellt werden konnte, war die Freude auf einen herannahenden Krieg kein allgemeiner Zustand, der sich über ganz Deutschland ausgebreitet hatte. Generell kann davon ausgegangen werden, dass sich die Mehrheit der europäischen Bevölkerung „keines- wegs einen Krieg gewünscht oder gar herbeigesehnt hat.“59 Zwar wurde in Frankenhausen in der letzten Juliwoche des Jahres 1914 von der „Hoffnung auf Erhaltung des Weltfrie- dens“60 gesprochen, den Tagebucheinträgen Schröders zufolge schien die Stimmung jedoch eine ganz andere gewesen zu sein:

„´Große Ereignisse werfen ihre Schatten lange voraus!` Wohl selten hat sich der Ausspruch unseres größten Dichters so bewahrheitet, wie bei Beginn des Weltkrieges. Im Jahre 1912 setzte auf einmal in allen Teilen unseres Vaterlandes eine ganz eigenartige Bewegung ein. Kriegsspiele wurden überall von der Jugend bis zum reifen Jünglingsalter mit einem Eifer betrieben, der fast zur Suggestion wurde. Auch bei uns war es nicht anders. Im Turnverein wurden wöchentliche Nachtübungen abgehalten, ganze Bezirke kämpften dann gegen- und miteinander, sogar der Kyffhäuser wurde eines Sonntags unter größter Beteiligung von Turn- und Kriegsvereinen im wilden Sturmangriff einmal eingenommen.“61

Dieses geschilderte Verhalten wurde bei den Ansässigen nicht überall gern gesehen: „Aeltere Leute schüttelten über dieses Treiben manchmal bedenklich den Kopf und Mancher mag ge- dacht und gesagt haben: ´Wenn das Spiel nur nicht zum Ernst eines Tages wird!`.“62 Schröder spricht an dieser Stelle scheinbar auf die Generation an, welche den Krieg von 1870/71 bereits miterlebt hatte und sich bewusst war, dass ein Krieg kein einfaches Spiel war, wie es augenscheinlich in Frankenhausen spielerisch dargestellt wurde. Die Menschen fühlten sich sicher: „[…] waren wir doch militärisch allen voran und waren Oestereich - Ungarn und Ita- lien unsere Verbündeten, wenn es zu irgend etwas kommen sollte“, hielt Schröder weiter fest. Und wenn auch „[…] die Staatsoberhäupter vor Friedens- und Liebesbeteuerung sozusagen ´trieften`, trieb die Diplomatie ein verderbliches Spiel hinter unserem Rücken.“ Dem Zeit- genossen schien aufgrund dieser Beurteilung durchaus bewusst gewesen sein, dass die „Friedensbemühungen“ Wilhelms II. nicht der Wahrheit entsprachen. Schröder beendete seinen Eintrag mit den Worten: „Und das Unwetter kam schneller als mans schließlich ge- dacht.“63

Am Tag der Mobilmachung, dem 2.August 1914, schrieb die Lokalpresse:

„Nach den Tagen bangen Wartens und gewaltiger, fast übergroßer Spannung verkündeten wenige Minuten nach 6 Uhr die Glocken unserer Stadt, die sonst nur Boten des Friedens sind: der Krieg ist da, es wird mobil gemacht! Er war ein Augenblick von welthistorischer Bedeutung, Wohl jedes Auge füllte sich mit Tränen angesichts dieser erschütternden Nachricht. Alsbald bildeten sich auf den Straßen Gruppen von Menschen, die das große Ereignis mit einander besprachen. Die Behörden taten ihre Tätigkeit, die junge kriegspflichtige Mannschaft meldete sich zur Stelle; auf dem Marktplatz spielte unsere Stadt- und Kurkapelle ernste, patriotische Weisen […] Eine ernste, weihevolle Stimmung bemächtigte sich aller Kreise unserer Stadt: Alle Eins in den Gedanken: Jetzt gilts Sein oder Nichtsein unseres Volkes! Alle Stände, alle Parteien eins in der Hingebung an unser schönes, großes deutsches Vaterland!“64

Dieser Bericht deckt sich mit den Tagebucheinträgen von Paul Schröder, der die Kriegs- erklärung als „ergreifende[n] Augenblick“65 wahrgenommen hatte. In seinen Ausführungen wird aber auch deutlich, dass viele Deutsche der Ansicht waren, dass das Deutsche Reich an- gegriffen wurde und diesen Krieg nicht gewollt habe, wie aus dem folgenden Zitat ersichtlich wird:

„Schon Sonntag früh kam dann die Kunde, daß die Russen die Grenze überschritten, Brücken zerstört und deutsche Ortschaften angegriffen hätten, - ohne Kriegserklärung sogar! - In Deutschland erhob sich ein Sturm der Entrüstung, alles war zum Kampfe bereit, das Parlament bewilligte fast einstimmig die Kriegskredite; es gab auf einmal ´Keine Parteien mehr!`-“.66

Weiterhin wurde berichtet, dass die Anzahl der Menschen im Laufe des Nachmittages um einiges zunahm, da die Mannschaften aus den umliegenden Dörfern in die Kurstadt kamen. Schröder hielt in seinen Aufzeichnungen fest, dass die „Zusammenziehung der Reserven“ sofort begann, sich diese im Schulhofe versammelten und nächtliche Bürgerquartiere einge- richtet wurden.67 Aus der Anzahl der Rekrutierten wird deutlich, dass dieser Krieg eine Größe aufwies, welche zuvor noch nicht dagewesen war. Aus der Stadt Frankenhausen wurden laut Schröder „5—600“ Mann eingezogen; „1870/71 waren es nur 14 [...]“.68 Dies ist zwar nur eine wage Schätzung des Schreibers, dennoch wird erkennbar, welche Dimension sich dieser Krieg inne hatte.

Die Bürgerschule war bereits 24 Stunden nach Kriegserklärung „zum militärischen Stadtquartier eingerichtet“69 worden, so dass anzunehmen ist, dass die Organisation der Re- krutierung exakt und schnell durchgeführt wurde und ohne größere Probleme erfolgte. Infolge des außergewöhnlichen Ereignisses ist davon auszugehen, dass nicht nur Truppen aus den kleineren umliegenden Ortschaften in die Stadt kamen, sondern auch zahlreiche andere Personen, welche sich neue Informationen aus der Kurstadt erhofften. Die Menschen in und um Frankenhausen wollten wissen, wie es weitergehen würde, so dass es ebenso vor dem Redaktionshaus der Frankenhäuser Zeitung „Besonders lebhaft“ zuging: Die Männer und Frauen warteten auf die „ersten großen Nachrichten […], die durch die Extrablätter gemeldet wurden.“70 Innerhalb der Bevölkerung hatte sich scheinbar nicht nur eine gewisse Neugierde, sondern auch eine große Ungewissheit verbreitet. Obwohl eine Kapelle auf dem Marktplatz spielte und sich Menschenmassen versammelten, blieb die Stimmung, laut Lokalzeitung, doch eher zurückhaltend, ernst und „weihevoll“.71 Niemand schien eine Rede gehalten, oder die Soldaten bereits als heldenhafte Eroberer gefeiert zu haben. Entgegen der Annahmen Berg- hahns, dass den meisten derjenigen, welche zu den Versammlungen strömten und die Verkün- dung der Kriegserklärung entgegennahmen, die Art und die Bedeutung dieses Krieges nicht bewusst war, schien die Bevölkerung in Frankenhausen bereits an diesem Punkt begriffen zu haben, dass es kein leichter Weg zum Sieg werden würde.72

Die Zeitung hatte zwar bereits einige Tage vor Kriegsausbruch über mögliche Kriegs- handlungen berichtet, dennoch schienen auch der Oberbürgermeister und der ihn umgebende Stadtrat vom tatsächlichen Beginn eines Krieges überrascht gewesen zu sein: Die Stadtrats- mitglieder wurden am 3. August 1914 um 11Uhr Vormittags „zu einer dringlichen Sitzung“ des Stadtrates einberufen, „um über die Maßnahmen zu beraten welche infolge [des] Aus- bruch des Krieges“ von Nöten sind.73 Das Protokoll der Stadtratssitzung zeigt sich als relativ knapp und prägnant, was drauf schließen lässt, dass alle Beteiligten daran interessiert waren, zu zeitnahen Ergebnissen zu kommen, um die bestehende Ruhe und Ordnung der Stadt Weiterhin ist zu erwähnen, dass die Bevölkerung allgemein kein Freund des Kampfes beziehungsweise des Krieges gewesen zu sein schien, denn die Glocken der Kirchen seien sonst nur „Boten des Friedens“. Dies würde natürlich das gemäßigte Verhalten der Gemeinde erklären, das sich an diesem Tag äußert.

fortzusetzen. So stand die Aufrechterhaltung der städtischen Sicherheit im Vordergrund, wo- bei die wirtschaftliche Stabilität ebenso von großer Bedeutung war. Das Vorhaben wurde zunächst umgesetzt, indem der berufliche Status der Arbeiter, Angestellten und Beamten festgelegt wurde: Diese, solange sie sich nicht zum Vaterlandsdienst verpflichtet hatten, behielten ihre Position und ihr Gehalt inne. Im nächsten Abschnitt wurde aufgrund der Umstände darüber entschieden neben einem Unterstützungsausschuss, einen Kriegswirtschafts- und einen Kriegsarbeiterausschuss zu bilden, der sich um die jeweiligen Probleme und Anliegen, welche aufkommen könnten, kümmern sollte.

Als letzter Punkt im Stadtratsprotokoll ist von einer „Antrittserklärung“ die Rede, welche zur „abklingenden Sorge für die Sicherheit und Ordnung in der Stadt [...]“ auf dem Marktplatz gehalten werden sollte.74 Dieser Formulierung liegt nahe, dass sich eventuell einige Bürger bereits mehr oder weniger öffentlich besorgt geäußert haben mussten. Des Weiteren kann angenommen werden, dass auch vereinzelte Einwohner an den Bürgermeister oder an Mitglieder des Stadtrates herangetreten waren und eine Stellungnahme zur gegen- wärtigen Situation gefordert hatten. Folglich kamen „Tausender zählender Schar aus allen Schichten“75 auf dem Marktplatz zusammen, um die Rede des Oberbürgermeisters Sternberg zu hören. Wie weiterhin aus dem Stadtratsprotokoll zu entnehmen ist, trägt die Rede des Oberbürgermeisters den Titel Welche Pflichten und Aufgaben haben wir Bürger und Bürgerinnen jetzt im Kriege zu erfüllen?. Der Titel lässt vermuten, dass diese Rede nicht vordergründig die Sorge der Bewohner mindern sollte, sondern diese eher dazu ermuntert und aufgerufen werden sollten, dem Vaterland unterstützend beizustehen.

Bereits zu Beginn der Ansprache verwies der Oberbürgermeister Sternberg die Gemeinde darauf, dass das deutsche Volk wohl noch nie „in einer so ernsten Kriegsgefahr gewesen […]“76 sei, wie in diesem Augenblick. Das Oberhaupt Frankenhausens schien sich durchaus über die gefährliche Lage der deutschen Nation bewusst gewesen sein. Als Haupt- aufgabe der Bevölkerung sah er „[…] das was in diesen Tagen so gross, so herrlich hervor- getreten ist, zu bewahren und zu mehren.“ Sternberg meinte hiermit die „innere grosse herrliche Begeisterung, die durch uns alle geht, […] die innere Festigkeit, der Mut(h), die Ent- Das sehr gut erhaltene Protokoll der erwähnten Rede, befindet sich aufgrund ihrer enormen Aussagekraft über die Stimmung und Situation der Bewohner Frankenhausen vollständig im Anhang der Arbeit. Durch vorhandene Markierungen lassen sich nicht nur die von Bürgermeister selbstgewählten Schwerpunkte erkennen, sondern auch die Reaktionen der Menschen wurden im Protokoll verzeichnet. Siehe Anhang: Abbildung 3.

Die Zitate auf den nachfolgenden Seiten 22 bis 25, beziehen sich auf die Quelle „Gemeindeversammlung am Marktplatze am 5. August 1914“. und werden im weiteren Verlauf aus ökonomischen Gründen nicht wieder- holt aufgeführt.

schlossenheit, durchzuhalten, mag es kosten was es wolle.“ Er schien zwar davon überzeugt gewesen zu sein, dass die Menschen die problematische Zeit durchstehen würden, „Trotzdem aber heisst es sparen, zusammenhalten, denn wie lange das dauert, das wissen wir nicht.“ Das Sparen und Zusammenhalten benannte er als die „erste und dringendste Aufgabe.“, die die Bürger erfüllen sollten. Sternberg unterstrich in seiner Rede ebenso die Annahme, dass das Deutsche Reich den Krieg nicht selbst verschuldet hatte: Er beschreibt sein Heimatland als friedliche Nation, welche schamloser Weise überfallen wurden sei.

Erst im mittleren Teil seiner Ansprache wird die Annahme bestätigt, dass einige Personen ihre Sorgen geäußert haben mussten: „Es ist die Sorge ausgesprochen worden, dass die Lebensmittel durch Wucherpreise verteuert werden können.“ Doch die Frankenhäuser Kaufmannschaft hatte bereits zu diesem Zeitpunkt öffentlich erklärt, dass es zu keinem rapiden Preisanstieg kommen werde. Weiterhin sei durch den Reichstag ein Gesetz ver- abschiedet worden, welches die Höchstpreise für Lebensmittel festsetzte, so dass sich die Be- völkerung keinerlei Sorgen machen sollte. Doch trotz der angeblichen Sicherheit, warnte er die Menschen, große Einkäufe zu tätigen, beziehungsweise auf Vorrat zu kaufen.

Ähnlich wie zu den Lebensmitteln äußert er sich auch zu dem Vermögen Einwohner: Ein Run auf die Sparkasse habe zwar nicht stattgefunden, jedoch ermahnte er die Leute dies auch nicht zu tun, sondern darauf zu vertrauen, dass sich ihr Geld in absoluter Sicherheit befände. Als wichtigsten und letzten Aspekt seiner Rede betrachtete er die „Fürsorge für die Familien, deren Ernährer hinausgezogen sind.“ Um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken sagte er weiter: „[…] das sind unsere Familien, die erhalten wir.“77 Sternberg sprach an dieser Stelle auch den erwähnten Unterstützungsausschuss an, welcher vom Stadtrat gebildet wurde. Der Bürgermeister versprach den bereits ausgezogenen Soldaten: „Ihr könnt ohne Sorge draussen vor dem Feinde kämpfen, eure Familien werden keine Not leiden“. Neben dem Beistand der Stadtverwaltung sei es allerdings erforderlich ebenso „freiwillig Liebe“ zu geben und somit getreu dem Motte: „wer hat, der gibt“, zu helfen. Demnach wurde auch auf der Konferenz im Rathaus beschlossen, dass neben dem Bezirkskrankenhaus und der Kinderheilanstalt auch die Turnhalle des Technikums für die Unterbringung verwunderter Krieger eingerichtet werden sollen. Das Rote Kreuz würde sich zwar um die Versorgung der Verwundeten kümmern, jedoch, würde es „in den nächsten Tagen einen Aufruf an die Bürgerschaft“ geben, der dazu anhalten soll, „zur Einrichtung unserer Lazarette“ etwas beizusteuern: „Wer ein Bett hat, der 77 Dieser Satz ist der einzige im gesamten Protokoll, bei welchem 2 Wörter unterstrichen wurde: „unsere“ - doppelt und „wir“ - einfach. Ob diese Striche die überdeutliche Betonung seiner Worte ausdrücken sollen, oder nur der Hervorhebung dienen, ist nicht bekannt. Eventuell wurden diese Worte im Nachhinein unterstrichen, denn nach diesem Satz gab es einen „lebhaften Beifall“, wie weiter im Protokoll erwähnt wird. Diese Reaktion zeigt, dass der Bürgermeister die Frankenhäuser durch diese Worte auf besondere Weise erreichen konnte und somit ihre Unterstützung erhielt. gebe es und wer ein Handtuch und ein Taschentuch übrig hat, der gebe es; alles wird ge- braucht, alles wird angenommen.“ Er beendet seinen Teil der Rede mit den Worten: „Die Not macht Mut. Wir wollen die heutige Gemeindeversammlung als in Zeichen des Zusammenschlusses aller ansehen, die unter derselben Not stehen. […] (Lebhafter Beifall)“.

Sternberg schien sich verpflichtet gefühlt zu haben, den Menschen die bevorstehende Gefahr zu verdeutlichen: Der Bürgermeister ermahnte sie sowohl zum Sparen und Zusammenhalten, als auch zur gegenseitigen Unterstützung. Er bereitete die Bürger auch darauf vor, dass die Stadt zahlreiche Verluste erleiden würde und viele große Opfer erbracht werden müssen. Analog dazu schien er die Situation verharmlosen zu wollen, um das Volk ruhig zu halten, wie im Folgenden ersichtlich wird: Die Vorräte seien sowohl innerhalb der Stadt Frankenhausen, als auch auf dem gesamten Reichsgebiet in großer Zahl vorhanden, daher müsse niemand Not erleiden. Das Geld auf den Banken sei sicher und die festgelegten Lebensmittelpreise würden nicht in die Höhe schnellen. Auch die gesamtdeutsche Situation sei stabil: „[…] alle Gegensätze von Partei- und sonstigem Zwist. Alles ist vergessen.“ Das Stadtoberhaupt schien, ebenso wie die Einwohnerschaft, leicht verunsichert gewesen zu sein: Keiner der Stadtbewohner wusste, wie die nächsten Tage, Wochen, Monate oder möglicher- weise Jahre verlaufen würden. Ebenso wie der Rest der Stadt Frankenhausen war sich auch der Bürgermeister Sternberg nicht darüber im klaren, welches Ausmaß dieser Krieg mit sich bringen könnte und war folglich auch nicht in der Lage, die Situation eindeutig einschätzen zu können.

Anhand der Tagebucheinträge und auch der Stadtratsprotokolle lässt sich vermuten, dass ein Teil der Stadtbevölkerung seit der Verkündung des Krieges unsicher und besorgt war, statt voller Begeisterung jubelnd Volkslieder zu singen. Es ist anzunehmen, dass der Bürger- meister genau diesen Personenkreis zeigen wollte, dass ihre Sorgen unbegründet sind. Hätte die Mehrheit starkes Unbehagen gegenüber des bevorstehenden Krieges verspürt, so wäre eine andere Reaktion seitens des Stadtoberhauptes anzunehmen gewesen. Die vermehrten Zurufe, welche zahlreich im Protokoll vermerkt sind, weisen auch darauf, dass einige der sich auf dem Platz befindlichen Menschen dem zukünftigen Kriegsgeschehen sehr optimistisch und freudig gegenüberstanden.

Neben dem Bürgermeister sprach auch der Sozialdemokrat Franz Winter zur Gemeinde. Dieser berichtete von einer „schweren Schicksalsstunde“ des Deutschen Reiches und dass das „liebe Vaterland […] niemals einen Krieg gewünscht hat.“ Laut Winter galt es statt zu „Parlamentieren“, endlich zu Handeln. Er erklärte weiterhin, „dass alle Klassen- und Parteigegensätze hier auszuscheiden sind“. Scheinbar traf diese Position genau den Nerv der Anwohner, so dass Winters Rede stets von Jubelrufen und „lebhaften Beifall“ begleitet wurde.78 Bevor die Gemeindeversammlung geschlossen wurde, versuchte der Oberbürgermeister das Gefühl einer nationalen Einheit zu erwecken: „Gott schütze unser deutsches Vaterland, unseren Kaiser, seine Fürsten, seine Völker. Stimmen Sie mit mir ein in den Ruf: Unser Deutsches Vaterland und uns den Sieg. Hoch, hoch, hoch!“. Die Berichterstattung der lokalen Zeitung stimmt mit dem Protokoll der Rede überein - die angeklungene Sorge der Menschen wurde jedoch nicht erwähnt.79

Die ersten Auswirkungen der Gemeindeversammlung zeigten sich schon kurze Zeit später: Der Ansturm auf die städtische Sparkasse ebbte ab. Um diese Entwicklung besser nachvollziehen zu können, müssen die Tage kurz vor der Rede des Oberbürgermeisters, 29. Juli bis 5. August 1914, näher betrachtet werden: Als Millionen von Freiwilligen im August 1914 zum größten Teil völlig ahnungslos über die Bedeutung des Krieges in den Kampf zogen, war auch in der Heimat der Soldaten anfänglich von der herannahenden Totalisierung des Krieges nur sehr wenig zu spüren.80 Wie bereits vermutet, gab es bei seitens vieler Frankenhäuser die dunkle Vorahnung, dass dieser Krieg nach nur relativ kurzer Zeit Todes- benachrichtigungen mit sich bringen könnte. Durch diese Unsicherheit kam es in Franken- hausen zu einem regelrechten Ansturm auf die Sparkasse der Kleinstadt und viele Menschen forderten ihre Einlagen zurück, obwohl diese als „absolut sicherer Aufbewahrungsort für Spargelder“ bereits am 29. Juli 1914 angepriesen worden war.81

Auch in den darauffolgenden Tagen wurde in der Frankenhäuser Zeitung immer wieder dazu aufgerufen, dass verängstigte Sparer ihr Vermögen zu der naheliegenden Sparkassen bringen sollten, damit es gesichert sei. Es folgten Erklärungen und Beruhigungs- versuche, die den Menschen immer wieder die Angst davor nehmen sollten, dass deren Spar- gelder „selbst wenn eine feindliche Macht in Deutschland eindringen würde, […] unter dem Schutz des Völkerrechtes.“, stünden, und dass die Bestände der Sparkasse „auch nicht etwa im Fall der Not von der eigenen Regierung mit Beschlag belegt“ würden.82

[...]


1 Krumeich, Gerd: Kriegsfront - Heimatfront. In: Hirschfeld, Gerhard / Krumeich, Gerd / Langewiesche, Dieter / Ullmann,Hans-Peter [Hrsg]: Kriegserfahrungen. Studien zur Sozial- und Mentalitätsgeschichte des Ersten Weltkrieges (Schriften der Bibliothek für Zeitgeschichte; N.F. 5), Essen 1997. S. 12.

2 Vgl. Ebd. Vgl. Kruse, Wolfgang: Der Erste Weltkrieg. Darmstadt 2009, S. 42.

3 Roerkohl, Anne: Hungerblockade und Heimatfront. Die kommunale Lebensmittelversorgung in Westfalen während des Ersten Weltkrieges, Studien zur Geschichte des Alltags Band 10, Stuttgart 1991, S. 15.

4 Vgl. Krumeich: S. 12.

5 Frankenhäuser Zeitung. Amtliches Nachrichtenblatt für die Unterherrschaft des Fürstentums Schwarzburg- Rudolstadt 1914, 33. Jahrgang, Frankenhausen (Kyffhäuser): 7.8.1914, Nr. 182

6 Ein Beispiel für solche sogenannten „Liebesgaben“ sind in der Frankenhäuser Zeitung zahlreich vorhanden: Vgl. Frankenhäuser Zeitung: 7.8.1914, Nr. 182 / 14.8.1914, Nr. 188. Siehe Anhang: Abbildung 1a, 1b.

7 Vgl. Krumeich: S. 12.

8 In der hier vorliegenden Masterarbeit wird bei Begriffen, die beide Geschlechter umfassen, das generische Maskulin verwendet.

9 Kruse: S. 1.

10 Vgl. Offenstadt, Nicolas: Der Erste Weltkrieg im Spiegel der Gegenwart. Fragestellungen, Debatten, Forschungsansätze, In: Bauernkämper, Arnd / Julien, Elise [Hrsg.]: Durchhalten! Krieg und Gesellschaft im Vergleich 1914-1918, Göttingen 2010, S. 54.

11 Vgl. Wegewitz, Horst: Bad Frankenhausen - 150 Jahre Kurstadt. Kreisheimatmuseum Bad Frankenhausen [Hrsg.], Bad Frankenhausen 1970, S. 3.

12 Die Recherche bezüglich der Themenfelder „Heimkehrer“, „Kinder und Jugendliche“, „die Rolle der Frau“ oder „Rolle der Kirche“ gestalteten sich als äußerst schwierig, so dass sich entschieden wurde, diese Aspekte nicht in den Mittelpunkt der Forschungsarbeit zu stellen.

13 Vgl. Geinitz, Christian / Hinz, Uta: Das Augusterlebnis in Südbaden: Ambivalente Reaktionen der deutschen Öffentlichkeit auf den Kriegsbeginn 1914. In: Hirschfeld, Gerhard / Krumeich, Gerd / Langewiesche, Dieter / Ullmann, Hans-Peter (Hrsg): Kriegserfahrungen. Studien zur Sozial - und Mentalitätsgeschichte des Ersten Weltkrieges (Schriften der Bibliothek für Zeitgeschichte; N.F. 5), Essen 1997, S. 20-35. Vgl. Ziemann, Benjamin: Front und Heimat. Ländliche Kriegserfahrungen im südlichen Bayern 1914-1923, Essen 1997, S. 39ff., 290ff. Vgl. Berghahn, Volker: Der Erste Weltkrieg. München ⁴ 2009, S. 82ff. Vgl. Roerkohl:S.133ff, S. 200ff.

14 Siehe Kapitel: 5.1 Versorgungslage in Deutschland, S. 58ff.

15 Vgl. Berghahn: S. 82.

16 Die „Frankenhäuser Zeitung“ war das „Amtliche Nachrichtenblatt für die Unterherrschaft des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt - Frankenhausen (Kyffhäuser). Redaktion, Druck und Verlag unterstand Emil Krebs, welcher selbst in Frankenhausen lebte.

17 Mommsen, Wolfgang J.: Der Erste Weltkrieg. Anfang vom Ende des bürgerlichen Zeitalters, Frankfurt am Main 2004, S. 43.

18 Durch die im Vorfeld vorgenommene Einschränkung der Themenfelder wird deutlich, dass es im Folgenden nicht möglich ist, auf die Ursachen und Auslöser des Ersten Weltkrieges, kriegerischen Kampfhandlungen an der Front oder auf das Soldatenleben näher eingehen zu können.

19 Vgl. Ketelhodt, Freiherr von: Mitteilungen aus der Stadt Frankenhausen. Frankenhausen (Kyff.) 1912, S. 3-5.

20 Vgl. Pflaumbaum, Liselotte: Beitrag zur Frankenhäuser Stadtentwicklung. Heft 1 (Historische Beiträge zur Kyffhäuserlandschaft), Bad Frankenhausen 1987.S. 7.

21 Vgl. Frankenhäuser Zeitung. Amtliches Nachrichtenblatt für die Unterherrschaft des Fürstentums Schwarz- burg - Rudolstadt 1910, 29. Jahrgang, Frankenhausen (Kyffhäuser): 21.12.1910, Nr. 297. Vgl. Roerkohl: S. 17.

22 Vgl. Raßloff, Steffen: Geschichte Thüringens. München 2010, S. 41f., S. 63. Vgl. Hahnemann, Ulrich: Das Haus Schwarzburg. 1249 Jahre Familiengeschichte eines thüringischen Adelsgeschlechtes, Deutsche Fürstenhäuser Heft 41, Werl 2013, S. 58f. Siehe Anhang: Abbildung 2.

23 Marek, Dieter / Lengemann, Jochen [Hrsg.]: Stenographen hinterm Vorhang. Geheime Überwachungs- protokolle von Parteitagen der Sozialdemokratie im Fürstentum Schwarzburg - Rudolstadt 1896 - 1904, Jena 2009.S. 39. Thüringer Staatsarchiv Rudolstadt: Sammlung Z Nr. 597, Bl. 43, 24.5.1914 Die Bezeichnung „rotes Fürstentum“ wurde von Frank Winter auf der Generalversammlung des Sozialdemokratischen Verein für Schwarzburg-Rudolstadt in Stadtilm geäußert.

24 Vgl. Marek / Lengemann: S. 149ff. Winter hielt z.B. neben Sternberg auch eine Teil der Rede „Welche Pflichten und Aufgaben haben wir Bürger und Bürgerinnen jetzt im Kriege er erfüllen?“ (5. August 1914). Siehe Kapitel 3.2 Kriegsbegeisterung und deren Entwicklung in Frankenhausen - Juli 1914 bis November 1918, S. 18ff.

25 Vgl. Wegewitz: S. 3.

26 Vgl. Walter, Hans-Henning: 2000 Jahre Salzproduktion am Kyffhäuser. Geschichte der Salinen Franken- hausen, Auleben und Artern, In: Historische Beiträge zur Kyffhäuserlandschaft. Heft 10, Bad Frankenhausen 1986. S. 8.

27 Stadt Archiv Bad Frankenhausen: 1/VI-76: Die Gründung eines Technikums in hiesiger Stadt betr. 1896 -1909, Blatt 18f.

28 Vgl. Thüringer Staatsarchiv Rudolstadt: Ministerium Rudolstadt, Abteilung Inneres, Nr. 4195: Das Techni-

29 Vgl. Hahnemann, Ulrich: Prof.-Ing. Sigmund Huppert und das Werden des „Kyffhäuser-Technikums Bad Frankenhausen“. In: Beiträge zur Kyffhäuserlandschaft. Heft 21, Bad Frankenhausen 2009, S. 94.

30 Thüringer Staatsarchiv Rudolstadt: Abteilung Inneres, Nr. 4194, a.a.O., Blatt 20.

31 Vgl. Hahnemann: Prof.-Ing. Sigmund Huppert und das Werden des „Kyffhäuser-Technikums Bad Franken- hausen“. S. 111. Näheres dazu im Kapitel 4.2 Frankenhausen - eine Kleinstadt im „Spionfimmel“, S. 41.

32 Vgl. Walter: S. 21.

33 Pflaumenbaum: S. 21. Vgl. Haselhuhn, Paul / Wenke, Hans / Rößler, Fritz / Baudisch, Erwin: Historische Beiträge zur Kyffhäuserlandschaft. Heft 8, Bad Frankenhausen, 1983. S. 19ff.

34 Vgl. Pflaumenbaum: S. 3.

35 Reulecke, Jürgen: Die Zeit der Weltkriege (1914-1945). In: Kleine deutsche Geschichte.[Hrsg: Dirlmeier, Ulf / Gestrich , Andreas / Herrmann, Ulrich u.a] Stuttgart 2007, S. 339.

36 Kruse: S.17.

37 Ebd.: S.18.

38 Ebd.: S. 84. Die Rolle und Entwicklung von Zensur und Propaganda im Ersten Weltkrieg wird an dieser Stelle bei Kruse ausführlich beleuchtet.

39 Vgl. Berghahn: S. 65.

40 Mommsen: Der Erste Weltkrieg. S. 39.

41 Kruse: S. 18.

42 Vgl. Kruse: S.17ff.

43 Vgl. Grevelhörster, Ludgar: Der Erste Weltkrieg und das Ende des Kaiserreiches. Geschichte und Wirkung, Münster ²2005, S. 38.

44 Vgl. Ziemann: S. 40f.

45 Ebd.: S. 43.

46 Vgl. Ebd.: S. 44f.

47 Vgl. Berghahn: S. 65f.

48 Vgl. Kruse: S. 53; S. 65.

49 Vgl. Ebd.: S. 117f.: Die Rolle der Frau, als „soziale Basis der Kriegsgegnerschaft“, wird unter anderem durch die These Ute Daniels unterstützt, welche der Meinung ist, dass „vor allem die Arbeiterfrauen und mit ihnen generell die ungelernten, sozial schlechter gestellten und weniger stark von der Sozialdemokratie beein- flussten Teile der Arbeiterschaft eine kriegsgegnerische Einstellung entwickelt hätten und die Träger der Antikriegsproteste gewesen seien.“

50 Vgl. Kruse: S.116f. Vgl. Flemming, Jens / Saul, Klaus / Witt, Peter-Christian [Hrsg.]: Lebenswelten im Ausnahmezustand. Die Deutschen, der Alltag und der Krieg, 1914-1918, Frankfurt am Main 2001,S. 174.

51 Kruse: S. 53f.

52 Vgl. Ebd: S. 86.

53 Segesser, Daniel Marc: Der Erste Weltkrieg in globaler Perspektive. Wiesbaden 2010, S. 160f. / Vgl. S. 193. Vgl. Mommsen: Der Erste Weltkrieg. S. 44ff.

54 Vgl. Kruse: S. 114. / S. 118. Vgl. Flemming / Saul / Witt: S. 182ff.

55 Mommsen: Der Erste Weltkrieg. S. 59.

56 Vgl. Reule>Vgl. Brunner, Detlev: Stralsund. Eine Stadt im Systemwandel vom Ende des Kaiserreichs bis in die 1960er Jahre, Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte Band 80, München 2010, S. 15.

57 Vgl. Raßloff: S. 77/78.

58 Ebd.

59 Kruse: S. 18.

60 Frankenhäuser Zeitung: 29.07.1914, Nr. 174.

61 Schröder, Paul: Frankenhausen und Frankenhäuser während des Weltkrieges 1914-1918. Tagebuchblätter und gesammelte Kriegserlebnisse von Paul Schröder, Bad Frankenhausen (1931), S. 9.

62 Ebd.

63 Ebd.

64 Frankenhäuser Zeitung: 2.8.1914, Nr. 178. Ähnliches berichtet auch Ziemann über die Situation im ländlichen bayrischen Gebiet: Vgl. Ziemann: Front und Heimat. S. 47.

65 Schröder: S. 12.

66 Ebd. Mit dem Ausspruch „Keine Parteien mehr!“, spielt Schröder auf die Rede Kaisers Wilhelm II. an, welche dieser zur Eröffnung des Reichstages am 4. August im Berliner Stadtschloss hielt: „Ich wiederhole: Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche!“, Aus: Leipziger Volkszeitung, 5.8.1914. In: Kruse: S. 16.

67 Schröder: S. 13.

68 Ebd.: S. 17.

69 Frankenhäuser Zeitung: 2.8.1914, Nr. 178.

70 Ebd. Von den im Lokalteil der Frankenhäuser Zeitung gesprochenen Extrablätter konnte leider keines mehr erhalten werden, so dass lediglich davon ausgegangen werden kann, dass solche separaten Neuigkeiten kurzfristig an die Bevölkerung aus - und verteilt wurden.

71 Ebd.

72 Vgl. Berghahn: S. 64.

73 Stadt Archiv Bad Frankenhausen: Ratsprotokollbuch 1910-1915: 1/II A -193a, S. 368f.

74 Ebd.

75 Frankenhäuser Zeitung: 6.8.1914, Nr. 181.

76 Ratsprotokollbuch 1910-1915: 1/II A -193a: Protokoll „Gemeindeversammlung am Marktplatze am 5. August 1914“.

78 Der „lebhafte Beifall“ und die Bravo-Rufe zeigen weiterhin, dass Winter innerhalb der Bevölkerung recht beliebt gewesen sein musste, denn obwohl er einen relativ kurzen Redeanteil inne hatte, erhielt er die gleiche Anzahl an Zustimmungsrufen oder Beifall, wie der amtierende Oberbürgermeister der Stadt selbst. Er sprach die Menschen, anders als das Stadtoberhaupt, welcher gar keine Anrede benutzte, mit „Werte Mitbürger und Mitbürgerinnen“ an, was auf eine gewisse Verbundenheit hinweist.

79 Frankenhäuser Zeitung: 6.8.1914, Nr. 181.

80 Vgl. Berghahn: S. 76.

81 Frankenhäuser Zeitung: 29.7.1914, Nr. 174. An dieser Stelle widersprechen sich die Äußerungen des Oberbürgermeister in seiner Rede vom 6. August 1914 und die Information aus der Frankenhäuser Zeitung. Bürgermeister Sternberg teilte der Bevölkerung mit, dass es glücklicherweise zu keinem Ansturm auf die Sparkasse gekommen sei. Anderes berichtet jedoch die Zeitung: Viele Bürger, welche über Ersparnisse verfügten, kauften unter dem ersten Schock der Mobilmachung Lebensmittel auf Vorrat ein, da niemand genau wusste, wie sich die kriegerischen Kampfhandlungen entwickeln würden.

82 Frankenhäuser Zeitung: 29.7.14, Nr. 174/ 30.7.1914, Nr. 175/ 31.7.1914, Nr. 176.

Ende der Leseprobe aus 106 Seiten

Details

Titel
Krieg und Kleinstadt. Frankenhausen im Ersten Weltkrieg
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,5
Autor
Jahr
2013
Seiten
106
Katalognummer
V308931
ISBN (eBook)
9783668075160
ISBN (Buch)
9783668075177
Dateigröße
6750 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
krieg, kleinstadt, frankenhausen, ersten, weltkrieg
Arbeit zitieren
Anne-Katrin Frenzel (Autor), 2013, Krieg und Kleinstadt. Frankenhausen im Ersten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308931

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