Wie bewerten Gregor VII. und Lampert von Hersfeld die Ereignisse von Canossa?


Hausarbeit, 2009

11 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Die Ereignisse von Canossa

3) Der Brief Gregors VII. an die deutschen Fürsten
3.1) Inhalt und kritische Beurteilung

4) Die Annalen Lamperts von Hersfeld
4.1) Zur Person Lamperts
4.2) Die Beschreibung des Canossaganges

5) Fazit

6) Literatur- und Quellenverzeichnis

1) Einleitung

Der Gang Heinrichs IV. nach Canossa und seine demütige Bitte an Papst Gregor VII. um Wiederaufnahme in die Kirche galt lange Zeit als eine der Wenden im Mittelalter1, geradezu als Erschütterung wurden die Ereignisse des Januars 1077 betrachtet. Erst in der neueren Forschung kamen Meinungen auf die Canossa jeglichen Wendencharakter absprachen und die Meinung vertraten dass die Geschichte schnell darüber hinweg geglitten sei2. In der vorliegenden Hausarbeit soll aber nicht die Frage geklärt werden ob Canossa nun heutzutage als Wende zu betrachten ist, sondern wie die Zeitgenossen die Ereignisse wahrnahmen, ob sie sie ebenfalls als Wende, als Beginn einer neuen Zeit sahen oder ob sie an ihnen spurlos vorbeiging. Speziell um die Briefe und Aufzeichnungen Papst Gregors VII. der direkt an den Geschehnissen beteiligt war und des Chronisten Lampert von Hersfeld, der in seinen Annalen darüber berichtet soll es im folgenden gehen. Zuerst soll der Ablauf der Ereignisse noch einmal dargestellt werden, anschließend wird anhand des Briefes Gregors VII. an die deutschen Fürsten und der Annalen Lamperts deren Haltung zu Canossa untersucht und kritisch beurteilt.

2) Die Ereignisse von Canossa

Nachdem Heinrich IV. 1076 auf dem Reichstag in Worms zusammen mit den deutschen Fürsten die Abdankung des Papstes, den er für abgesetzt und exkommuniziert erklärt3, fordert reagiert Gregor VII. seinerseits mit der Absetzung und Exkommunikation des Königs während der Fastensynode 1076 in Rom. In einem Gebet an den Apostel Petrus formuliert er:

„[...],und dass mir um deinetwillen von Gott Gewalt gegeben ist, zu binden und zu lösen, im Himmel und auf Erden. In dieser festen Zuversicht also, zur Ehre und zum Schutz deiner Kirche

im Namen des allmächtigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, kraft deiner Gewalt und Vollmacht spreche ich König Heinrich, des Kaisers Heinrich Sohn, der sich gegen deine Kirche mit unerhörtem Hochmut erhoben hat, die Herrschaft über Deutschland und Italien ab, und ich löse alle Christen vom Eid, den sie ihm geleistet haben oder noch leisten werden, und untersage, ihm fürderhin als König zu dienen. [...]“4

Nach dieser Bannung wandte sich der Großteil der Bischöfe, die Heinrich noch in Worms die Treue geschworen hatten, von ihm ab und unterwarfen sich Gregor in der Hoffnung Absolution zu erlangen.5 Der König, der in Oppenheim auf der anderen Rheinseite lagerte konnte sie aber zu Verhandlungen überreden in deren Verlauf dem Salier ein Ultimatum gestellt wurde. Bis zur Zusammenkunft in Augsburg im Jahre 1077 zu der auch der Papst geladen wurde, sollte Heinrich sich vom Bann lösen, ansonsten würde er die Königswürde endgültig verlieren. Heinrich will dieses Treffen in Augsburg um jeden Preis verhindern, da er vermeiden will, dass der Papst sich mit der Fürstenopposition verbündet, begibt er sich auf den Weg nach Italien um den Papst um die Loslösung vom Bann zu bitten. Als Gregor vom herannahen des Königs hört gerät er in Sorge über dessen Absichten und sucht Zuflucht auf der Burg Canossa. Heinrich erscheint allerdings ohne großes Gefolge vor den Toren der Burg, er kommt als Sünder der um Vergebung bitten will.6 Nachdem er drei Tage lang vor dem Tor der Burg ausgeharrt hatte, konnte Papst Gregor dem König nicht länger die Wiederaufnahme in die Kirche verweigern, er tat dies allerdings unter Druck, denn die Anwesenden, unter ihnen auch Heinrichs Taufpate Hugo von Cluny, bedrängten den Papst Heinrich zu verzeihen. Den Konflikt mit dem Gregor VII. zu kämpfen hatte verdeutlicht Rudolf Wahl:

„Sein politisches Gefühl ließ ihn mit überwacher Klarheit erkennen, dass diese vorzeitige Absolution den Heiligen Stuhl um den sicheren Endsieg bringen müsse, denn er nahm ja damit das Augsburger Urteil vorweg. Aber dagegen stand seine priesterliche Pflicht. Vergeblich suchte er sich klarzumachen, dass sein politisches Wollen nicht weltlicher Art sei, dass der „Knecht der Knechte Gottes“ als Stellvertreter Christi auf Erden eine höhere Sendung zu erfüllen habe, als reuigen Sündern zu verzeihen.“7

Letztendlich aber ringt sich Gregor zu einer Absolution unter Vorbehalt durch, Heinrich darf seine Krone behalten wenn er sich dem päpstlichen Schiedsspruch auf der Fürstentagung in Augsburg unterwirft.

3) Der Brief Gregors VII. an die deutschen Fürsten

3.1) Inhalt und kritische Beurteilung

In seinem Brief an die deutschen Fürsten vom Januar 1077 beschreibt Gregor VII. die Ereignisse in Canossa aus seiner Sicht. Er will die Ereignisse „in ungeschminkter Wahrheit mitteilen“8 und darstellen wie das Geschehene sich abgespielt hat. Er beschreibt seine Sorge als er zum vereinbarten Termin in der Lombardei erschienen war und auf die Eskorte der deutschen Fürsten wartete, die aber „wegen zahlreicher Schwierigkeiten“9 nicht erschienen ist. Gregor, der sich inzwischen auf der Burg Canossa befindet, beschreibt seine eigene Unsicherheit welchen Schritt er als nächstes wagen soll, als er die Nachricht erhält, der König sei auf dem Weg zu ihm.10 Seine weiteren Beschreibungen befassen sich mit der Buße und der eigenen Demütigung Heinrichs. Er beschreibt auch, dass die Anwesenden von seinem Wehklagen so gerührt waren, dass sie Gregor ihrerseits baten, den König doch endlich vom Bann zu lösen. Er beschreibt, wie er versucht standhaft zu bleiben, aber schließlich durch die bitten der anderen dazu bewogen wird den Bann zu lösen.

Man merkt deutlich, dass Gregor versucht sich zu rechtfertigen und den Fürsten klarmachen will, er habe Heinrich nicht leichtfertig vom Bann gelöst. Die Tatsache dass Gregor immer noch unsicher über das zukünftige Verhalten des Königs ist zeigt sich auch im Eid den er Heinrich schwören lässt:

„[…] Desgleichen wird der Herr Papst Gregor, wenn er über das Gebirge oder in andere Länder gehen möchte - soweit es mich angeht und diejenigen, die ich zwingen kann -, sicher sein vor jeder

Schädigung an Leben und Leib sowie vor Gefangennahme; […]“11 Gregor lässt sich den Eid Heinrichs außerdem von zahlreichen Anwesenden wie Hugo von Cluny bestätigen, sie fungieren als Zeugen damit Heinrich den Eid nicht leugnen kann. Gregor schreibt des Weiteren, „[…] dass wir - so wie wir es seit langem wünschten - zum Frieden der Kirche und zur Eintracht des Reiches alles mit Gottes Hilfe besser fügen können, […]“12. Obwohl dieser Satz sehr endgültig klingt, ist für den Papst die Angelegenheit damit keinesfalls bereinigt, er besteht auf der Reise nach Augsburg. Damit sendet er den Fürsten das klare Signal, dass er ihnen nicht die Unterstützung entzieht, das macht er auch deutlich als er schreibt: […], dass wir dem König nur insofern verpflichtet sind, als wir ihn mit klaren Worten - sowie es meine Art ist - in den Dingen auf uns hoffen hießen, in denen wir ihm zu seinem Heil und seiner Ehre entweder mit Recht oder Barmherzigkeit ohne Gefahr für unsere und seine Seele helfen könnten.“13 Gregor verdeutlicht auch hier noch einmal, dass die Angelegenheit für ihn damit keinesfalls erledigt ist. Auch von einer Wende ist wenig zu spüren, Gregor beurteilt die ganze Lage sehr nüchtern und sachlich, es geht ihm mehr um Rechtfertigung seiner Handlung als um Demütigung des Königs. Mit dem Eid, den er Heinrich schwören lässt, will Gregor zusätzlich sicherstellen, dass das Urteil welches er auf der Fürstentagung in Augsburg sprechen will auch vom König widerspruchslos akzeptiert wird.

[...]


1 Vgl. Mayer-Pfannnholz, Anton: Die Wende von Canossa. Eine Studie zum Sacrum Imperium in: Canossa als Wende. Hellmut Kämpf(Hrsg.) Ausgewählte Aufsätze zur neueren Forschung. Darmstadt 1963, S. 3.

2 Vgl. Fried, Johannes: Der Pakt von Canossa. Schritte zur Wirklichkeit durch Erinnerungsanalyse in: Die Faszination der Papstgeschichte. Hartman, Wilfried, Klaus Herbers(Hrsg.), Köln 2008, S.197.

3 Vgl. Geschichte in Quellen. Band 2: Mittelalter, bearbeitet von Wolfgang Lautemann, München 1975, S.298-300.

4 Brunos Sachsenkrieg in: Quellen zur Geschichte Kaiser Heinrichs IV. übers. von Franz-Josef Schmale, Darmstadt 1963³, S. 289.

5 Vgl. Wahl, Rudolf: Canossa. Kirche und König, Berlin 1935, S. 216.

6 Vgl. Wahl: Canossa, S. 229f.

7 Wahl: Canossa. S.230.

8 Rudolf Buchner/ Franz-Josef Schmale (Hrsg.), Quellen zum Investiturstreit. Erster Teil: Ausgewählte Briefe Papst Gregors VII. Übersetzt von Franz-Josef Schmale (= Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Bd. XIIa), Darmstadt 1978, S. 241.

9 Buchner/Schmale: Quellen zum Investiturstreit. S. 241.

10 Vgl. Buchner/Schmale: Quellen zum Investiturstreit. S. 241.

11 Buchner/Schmale: Quellen zum Investiturstreit. S. 245.

12 Buchner/Schmale: Quellen zum Investiturstreit. S. 243.

13 Buchner/Schmale: Quellen zum Investiturstreit. S. 243.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Wie bewerten Gregor VII. und Lampert von Hersfeld die Ereignisse von Canossa?
Hochschule
Universität Konstanz
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V308932
ISBN (eBook)
9783668072770
ISBN (Buch)
9783668072787
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gregor, lampert, hersfeld, ereignisse, canossa
Arbeit zitieren
Benjamin Waldraff (Autor), 2009, Wie bewerten Gregor VII. und Lampert von Hersfeld die Ereignisse von Canossa?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308932

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