Vorbereitung einer Unterrichtsstunde zum Thema 'Die ökologische Katastrophe am Aralsee'


Unterrichtsentwurf, 2003

17 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit

2 Sachanalyse

3 Didaktische Überlegungen

4 Methodische Überlegungen

5 Lernziele

6 Literaturliste, Quellennachweis

7 Verlaufskizze

8 Unterrichtsmaterial

9 Refklexion

1 Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit

Im Rahmen des Fachpraktikums beschäftigen sich die Unterrichtsversuche in der Klasse H8 mit dem Thema „Russland – Kernstaat der GUS“.

In den vorangegangen Stunden haben die Schüler sich mit den Inhalten Raum und Zeit in Russland, Klima- und Vegetationszonen und Rohstoffe in Russland beschäftigt. Dabei wurden in der letzten Stunde auch ökologische Probleme durch den Abbau von Bodenschätzen angesprochen.

Die ökologische Katastrophe des Aralsees ist ein regionales Beispiel für die ökologischen Krisenregionen auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion und ein Beispiel für weltweite Ressourcenkonflikte.

Die Stunde ist die letzte zum Thema im Rahmen des Fachpraktikums, aber im Nachfolgenden soll das Thema weiter behandelt werden mit besonderem Blickwinkel auf die Menschen in der GUS.

2 Sachanalyse

Vor den Augen der Weltöffentlichkeit spielt sich seit 1960 eine der größten anthropogen verursachten ökologischen Katastrophen ab.

Bis 1960 war der Aralsee noch der viertgrößte Binnensee der Welt (nach Kapisee, Oberem See und Victoriasee). Der abflusslose See wird nur von den beiden Flüssen Syrdarja und Amudarja gespeist.

Die Seefläche betrug 1960 noch etwa 68.000 qkm; heute sind es nur noch etwa 28.000 qkm. Damit ist der Aralsee bislang auf etwa 40% seiner ursprünglichen Fläche geschrumpft.

Verursacht wurde die Katastrophe durch die massive Wasserentnahme an den beiden einzigen Zuflüssen, um den wasserintensiven Anbau von Baumwolle und Reis zu ermöglichen. Die Anbaufläche für Baumwolle, Reis, Obst, Wein und Tabak vergrößerte sich von rund drei Mio. Hektar auf acht Mio. Hektar.[1]

Schon während der Zarenzeit begannen die Russen den Baumwollanbau im Bereich des Sees und der beiden Flüsse auszuweiten, denn die naturräumlichen Bedingungen sind geradezu ideal für Baumwolle. In der Zeit der Sowjetunion wurde die agrarische Expansion fortgeführt und noch verstärkt. Neben dem Baumwollanbau wurde auch der Anbau von Reis gefördert, um die Sowjetunion unabhängig zu machen von Reislieferungen aus China. Das Maximum dieser Expansion wurde zwischen 1965 und 1987 erreicht. Zur Bewässerung der riesigen Flächen wurde eine gigantische Bewässerungsinfrastruktur errichtet mit großen Staudämmen in den Quellgebieten, dem Karakum-Kanal und vielen kleinen Bewässerungskanälen.[2]

Durch die Wasserentnahme floss immer weniger Wasser dem See zu; seit 1976 erreicht der Syrdarja den See gar nicht mehr, der Amudarja versickerte 1982 zum ersten Mal vor dem Aralsee.

1987 hat sich der Aralsee in zwei Gewässer gespalten; bis 1995 gab es einen künstlichen Kanal, der einen Wasseraustausch zwischen dem kleinen nördlichen See und dem größeren südlichen Teil ermöglichte. 1996 war zum ersten mal die Insel Barsakelmes, auf der in den 1970er-Jahren Bio-Waffen-Tests durchgeführt wurden, mit dem Ufer verbunden..

Der Seespiegel ist bislang um 14 Meter zurückgegangen, und er sinkt jedes Jahr um einen weiteren Meter; so liegen ehemalige Fischereihäfen heute bis zu 120km vom neuen Ufer entfernt.

Durch die Abnahme der Wassermenge steigt der Salzgehalt des Seewassers beständig an, so dass alle Fischarten ausgestorben sind. Die Versalzung liegt heute um das 211-fache über der Norm. Jährlich treiben Winde über 100 Mio. Tonnen Salz in die Atmosphäre. Der feine Salzstaub setzt sich nicht nur in der Umgebung des Sees ab, sondern wird bis in die fruchtbaren Steppen im Norden und Nordosten getragen. Die Bodenversalzung in den Steppen führte zu massiven Ernteeinbußen; in der Umgebung des Aralsees hat sich eine Salzwüste gebildet und durch die Bodenversalzung wird auch das Grundwasser mit Salz belastet. Der feine Sand- und Salzstaub verursacht bei den Menschen in der Region Atemwegserkrankungen und Hautverätzungen in erheblichem Maße.[3]

Das Grundwasser ist aber auch durch Düngemittel, Pestizide und industrielle Chemikalien schwer belastet, zudem werden durch das Absinken des Grundwasserspiegels Anbauflächen im Westen und Süden vernichtet.[4]

Durch die Abnahme der Seefläche können die kalten und trockenen Winde aus Sibirien nahezu ungehindert eindringen. Die frostfreie Zeit verringerte sich deshalb von 200 auf 170 Tage und die Julitemperatur stieg um 2,6°C.[5]

Um den Prozess aufzuhalten wären jährlich mindestens 27 Kubikkilometer Wasser nötig. Eine Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes ist allerdings unmöglich.

Im Sommer 2002 haben starke Regenfälle dazu geführt, dass die Flüsse wieder den See erreichen. Allerdings war das nur eine kurzzeitige Erscheinung, langfristig wird immer weniger Wasser in die Flüsse gelangen, da die Gletscher im Einzugsgebiet immer stärker abschmelzen.[6]

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat sich die Lage noch deutlich verschärft; nationale Interessen der Anrainerstaaten von Aralsee und Zuflüssen stehen im Vordergrund, und eine Lösung scheint nicht erreichbar. Die Gebirgsstaaten Tadschikistan und Kirgisistan decken mit den riesigen Wasserkraftwerken ihren Energiebedarf, dafür benötigen sie besonders im Winter viel Wasser, deswegen wird im Sommer das Wasser angestaut. Die Seestaaten Kasachstan und Usbekistan sind hingegen auf ihre Anbauflächen angewiesen und benötigen besonders im Sommer große Mengen Wasser.[7]

Während der Sowjetzeit wurde die ökologische Katastrophe offiziell totgeschwiegen, war aber durch Satellitenfotos bekannt und dokumentiert. Usbekische und russische Wissenschaftler vertreten die These, dass das Sinken des Wasserspiegels geologisch zu begründen ist. Als Beweis führen sie häufige tektonische Bewegungen in der Region an.[8]

3 Didaktische Überlegungen

Das Thema „Russland – Kernstaat der GUS“ ist im Lehrplan für die Klassenstufe acht genau unter diesem Titel vorgeschlagen. Die Behandlung des Inhaltes „Aralsee“ fällt damit genau genommen nicht in dieses Thema, da nicht Russland sondern die Staaten Kasachstan und Usbekistan Seeanrainer sind. Ich habe mich aber auch für diesen Inhalt entschieden, weil ich vermeiden möchte, dass das Bild der Schüler von der GUS ein rein russisches ist, und weil ich befürchte, dass die Schüler insgesamt über sehr wenig Wissen verfügen über die einzelnen GUS-Staaten. Zudem stellt die GUS gewissermaßen den Nachfolger der Sowjetunion dar, und für die Entwicklung der ökologischen Katastrophe ist die sowjetische Politik entscheidend gewesen.

[...]


[1] DORNFELDT 2003

[2] HOFFMANN 2002

[3] DORNFELDT, 2003

[4] BRUCKER 2002

[5] Terra Geografie 8

[6] DORNFELDT 2003

[7] HOFFMANN 2002

[8] DORNFELDT 2003

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Vorbereitung einer Unterrichtsstunde zum Thema 'Die ökologische Katastrophe am Aralsee'
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)  (Institut für Geographie, Landeskunde und Regionalforschung)
Veranstaltung
Seminar zum Fachpraktikum
Note
gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V30913
ISBN (eBook)
9783638320726
ISBN (Buch)
9783638935722
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vorbereitung, Unterrichtsstunde, Thema, Katastrophe, Aralsee, Seminar, Fachpraktikum
Arbeit zitieren
Lasse Herbers (Autor), 2003, Vorbereitung einer Unterrichtsstunde zum Thema 'Die ökologische Katastrophe am Aralsee', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30913

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