Seit jeher ist das Sporttreiben auf leistungssportlichem Niveau durch eine Steigerung der Trainingsanforderung und –umfänge geprägt – ,,höher, schneller, weiter!” lautet schließlich die olympische Devise, um im internationalen Vergleich bestehen zu können. Demzufolge gilt als unumstritten, dass das intensive und innige Betreiben von Leistungssport einen deutlichen Teil im Alltagsgeschehen der Jugendlichen einnimmt. Doch sich allein auf den Leistungssport zu konzentrieren und den schulischen Werdegang außer Acht zu lassen, scheint angesichts des möglichen Umstandes, aufgrund einer gravierenden Verletzung die Sportkarriere abrupt beenden zu müssen, nicht ratsam. Denn schließlich beginnt mit Beendigung der Sportkarriere der berufliche Werdegang, dessen Grundlage letztlich auf der schulischen Ausbildung fußt. Da es für die jungen Athleten nicht immer leicht ist, Schule und Leistungssport in Einklang zu bringen, war das Credo für Eltern und Kinder langjährig: „Entweder eine gute schulische Ausbildung oder Leistungssport!“. Um dennoch die tagtäglichen schulischen und sportspezifischen Herausforderungen annehmen und Schule wie auch Sport erfolgreich meistern zu können, wurde das Verbundsystem von Schule und Leistungssport ins Leben gerufen - eine Einrichtung, die aufgrund spezifischer institutioneller Rahmenbedingungen und Fördermaßnahmen als besonders geeignet für sportambitionierte Jugendliche gilt. Bevor in der vorliegenden Arbeit näher auf die Spezifik des Verbundsystems respektive die Frage, wie das System, mitsamt seiner charakteristischen Institutionen gezielt auf die Doppelbelastung reagiert, eingegangen wird, soll zunächst der Forschungsstand bezüglich der schul- und trainingsinduzierten Doppelbelastung - mit welcher sich die Nachwuchsathleten schließlich tagtäglich konfrontieren - beleuchtet werden. Im Rahmen vorliegender Arbeit wird ebenso relevant sein, ob und in welchem Maße die jugendlichen Leistungssportler die Doppelbelastung aufgrund von Unterstützungsleistungen aus ihrem sozialen Umfeld bewältigen können. Ferner sollen die ausschlaggebenden, den jugendlichen Leistungssportlern stets zur Seite stehenden sozialen Instanzen, in den Blick genommen werden. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Forschungsstand: Die Doppelbelastung zwischen Schule und Leistungssport
2.1 Zur Begrifflichkeit Doppelbelastung
2.2 Umfang der schulischen Anforderungen
2.3 Umfang der leistungssportlichen Anforderungen
2.4 Die Doppelbelastung aus Sicht der Betroffenen
2.4.1 Schulische Belastungen
2.4.2 Leistungssportspezifische Belastungen aus Sicht der Betroffenen
2.4.3 Zwischenbilanz: Die Doppelbelastung aus Sicht der Betroffenen
3 Das Verbundsystem von Schule und Leistungssport
3.1 Die Sportbetonte Schule und die Partnerschule des Sports
3.2 Die Eliteschule des Sports
3.3 Das Sportinternat
3.4 Unvereinbarkeiten im Verbundsystem?! - Schule versus Leistungssport
4. Forschungsstand: Die Bewältigung der Doppelbelastung durch soziale Ressourcen
4.1 Zur Begrifflichkeit Bewältigung
4.2 Das Soziale Netz als Bewältigungsressource
4.3 Soziale Unterstützung durch die Eltern
4.4 Soziale Unterstützung durch Freunde
4.5 Soziale Unterstützung durch die (Sport-) Schule
4.5.1 Soziale Unterstützung durch die Lehrer
4.5.2 Soziale Unterstützung durch das Internat
5. Forschungsergebnisse: Die Auswirkungen der Doppelbelastung aus subjektiver und objektiver Perspektive
5.1 Auswirkungen auf die Schul- und Sportkarriere
5.2 Auswirkungen auf die soziale Entwicklung
6. Kapitelzusammenfassung
7. Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld der Doppelbelastung junger Leistungssportler zwischen schulischen Anforderungen und leistungssportlichem Training. Dabei wird analysiert, wie diese Jugendlichen die Belastungen bewältigen, welche Rolle soziale Unterstützungssysteme spielen und ob das Verbundsystem von Schule und Leistungssport eine erfolgreiche "Duale Karriere" ermöglichen kann.
- Analyse der schul- und trainingsinduzierten Doppelbelastung bei Nachwuchsathleten.
- Untersuchung von Bewältigungsstrategien und der Bedeutung des sozialen Umfelds.
- Evaluation des institutionellen Verbundsystems (Sportbetonte Schulen, Eliteschulen des Sports, Internate).
- Betrachtung der Auswirkungen auf die Schul- und Sportkarriere sowie die soziale Entwicklung.
- Diskussion über die strukturelle Kopplung von schulischer Bildung und leistungssportlichem Engagement.
Auszug aus dem Buch
2.4.2 Leistungssportspezifische Belastungen aus Sicht der Betroffenen
Dass sich jugendliche Nachwuchsathleten einem deutlichen Teil ihrer Zeit der Schule und dem Leistungssport widmen und sich durch die schulischen Anforderungen zudem teilweise belastet fühlen, wurde in den beiden vorausgehenden Kapiteln verdeutlicht. Mit Blick auf die Erforschung der Doppelbelastung der jungen Athleten ist es naturgemäß erforderlich, den zweiten Aspekt besagter Problematik respektive die durch den Leistungssport induzierten Belastungen der Nachwuchsathleten zu ermitteln. Nachstehend werden nun Forschungsergebnisse bezüglich sportspezifischer Belastungen junger Spitzenathleten abgebildet.
So äußerten sich die befragten Probanden in der Studie von Brettschneider & Klimek (2009) zur Evaluation Sportbetonter Schulen neben ihrem schulischen Belastungserleben auch hinsichtlich der durch Training wahrgenommenen Belastungen, indem man sie mit folgender Aussage konfrontierte: „Durch den Leistungssport fühle ich mich oft sehr beansprucht“. Die Analyse der Daten offenbarte keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass sich die Kadersportler im Rahmen der Neustrukturierung der Sportbetonten Schulen auch einem erhöhtem Belastungsdruck im Trainingsalltag ausgesetzt sahen – die zwischen 1992 und 1995 vernehmbare Konstanz der trainingsspezifischen Beanspruchungen ist mit der Erkenntnis gleichbleibender Trainingspensen deckungsgleich. Das subjektive Gefühl, dem Trainingsalltag mitsamt seinen Herausforderungen gewachsen zu sein, blieb im besagten Trainingsalltag stabil. Dennoch ist es gemäß der Initiatoren der Studie unabdingbar, angesichts der bereits erwähnten Stabilität der Trainingspensen und der trainingsspezifischen Beanspruchungen, nicht ohne Weiteres auf eine Balance und Konstanz der individuell verfügbaren Bewältigungsmöglichkeiten der jungen Berliner Nachwuchsathleten zu schließen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Spannungsfeld zwischen schulischer Ausbildung und Leistungssport, das oft mit einer hohen Doppelbelastung für jugendliche Athleten verbunden ist.
2 Forschungsstand: Die Doppelbelastung zwischen Schule und Leistungssport: Dieses Kapitel definiert den Begriff Doppelbelastung und analysiert den zeitlichen und inhaltlichen Umfang der schulischen sowie sportlichen Anforderungen an junge Athleten.
3 Das Verbundsystem von Schule und Leistungssport: Hier werden institutionelle Lösungen wie Sportbetonte Schulen, Eliteschulen des Sports und Sportinternate vorgestellt, die eine bessere Verzahnung von Bildung und Sport anstreben.
4. Forschungsstand: Die Bewältigung der Doppelbelastung durch soziale Ressourcen: Der Fokus liegt auf Bewältigungskonzepten nach Lazarus und der unterstützenden Rolle des sozialen Umfelds wie Eltern, Freunden, Lehrern und Internatsstrukturen.
5. Forschungsergebnisse: Die Auswirkungen der Doppelbelastung aus subjektiver und objektiver Perspektive: Das Kapitel wertet empirische Befunde aus, die zeigen, dass die Doppelbelastung Schulleistungen nicht zwingend verschlechtert, aber die soziale und psychische Belastung beeinflusst.
6. Kapitelzusammenfassung: Eine zusammenfassende Darstellung der zentralen Erkenntnisse bezüglich des Spannungsfeldes, der Bewältigung und der institutionalisierten Förderstrukturen.
7. Schlussbetrachtung und Ausblick: Die Arbeit resümiert, dass das Belastungsempfinden individuell variiert und eine qualitativ hochwertige Kooperation aller beteiligten Akteure für eine gelungene Duale Karriere unerlässlich ist.
Schlüsselwörter
Doppelbelastung, Leistungssport, Schule, Duale Karriere, Verbundsystem, Soziale Ressourcen, Bewältigungsstrategien, Nachwuchsathleten, Sportbetonte Schulen, Eliteschulen des Sports, Sportinternate, Soziale Unterstützung, Schulkarriere, Trainingsbelastung, Empirische Forschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Doppelbelastung, der jugendliche Leistungssportler ausgesetzt sind, wenn sie versuchen, sowohl ihre schulische Karriere als auch ihre sportlichen Ambitionen erfolgreich zu verfolgen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Analyse schulischer und trainingsspezifischer Anforderungen, die Rolle des sozialen Umfelds als Bewältigungsressource sowie die institutionellen Förderkonzepte wie Sportbetonte Schulen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Forschungsstand zur Doppelbelastung zu beleuchten und zu klären, in welchem Maße soziale und institutionelle Unterstützung dazu beitragen, diese Herausforderung erfolgreich zu meistern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Forschungsstandanalyse sowie der Auswertung verschiedener empirischer Studien zu den Lebenswelten von Nachwuchsathleten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Definition von Doppelbelastung, die institutionellen Verbundsysteme, die Bewältigung durch soziale Ressourcen sowie die Auswirkungen auf Schulkarriere und soziale Entwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Doppelbelastung, Duale Karriere, Nachwuchsathleten, soziale Unterstützung und das Verbundsystem von Schule und Leistungssport.
Inwiefern beeinflusst das Alter die Belastung der Athleten?
Studien zeigen, dass Athleten in der Oberstufe aufgrund der zeitlichen Nähe zum Abitur ein höheres Belastungsempfinden und größere Koordinationsschwierigkeiten aufweisen als Athleten in der Mittelstufe.
Warum spielt das Soziale Netz eine so bedeutende Rolle?
Das soziale Netz, insbesondere Eltern und Freunde, bietet instrumentelle und emotionale Unterstützung, die entscheidend dazu beiträgt, Belastungssituationen als erträglicher wahrzunehmen und Resignation zu verhindern.
Welche Rolle spielen Internate bei der Bewältigung?
Internate können durch die Ökonomisierung des Tagesablaufs und verkürzte Wege zwischen Schule und Trainingsstätten dazu beitragen, den Zeitaufwand zu reduzieren und damit die Doppelbelastung abzufedern.
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- Isabella König (Author), 2014, Nachwuchsathleten im Spannungsfeld von Schule und Leistungssport, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309279