Das Theater ist „eines der machtvollsten Bildungsmittel“, die wir haben. Die vorliegende Hausarbeit macht es sich zur Aufgabe, die Anwendung dieser Erkenntnis in Bezug auf den Literaturunterricht, speziell den Dramenunterricht, zu untersuchen.
Dabei steht besonders das Bildungspotenzial des szenischen Spiels für die Kompetenzförderung der Schülerinnen und Schüler im Fokus der Betrachtung. Als Ausgangpunkt dient ein kurzer Einblick in die Kompetenzvorgaben des Hessischen Kultusministeriums und deren Umsetzung im konventionellen Dramenunterricht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Dramenunterricht in der Schule
2.1 Kompetenzvorgaben
2.2 Konventioneller Dramenunterricht
3 Szenisches Spiel im Dramenunterricht
3.1 Forschungsgegenstand
3.2 Intendierte Anwendung
3.3 Szenisches Spiel als Bildungsmittel
3.3.1 Lesen und Rezipieren
3.3.2 Sprechen und Zuhören
3.3.3 Überfachliche Kompetenzen
3.4 Beispielhafte Anwendung bei ‘Woyzeck‘
4 Abschließende Bemerkung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Bildungspotenzial des szenischen Spiels im Rahmen des Dramenunterrichts, um konventionelle, textanalytisch geprägte Unterrichtsformen durch kreative und motivierende Ansätze zur Kompetenzförderung der Schülerinnen und Schüler zu ergänzen.
- Analyse der Kompetenzvorgaben im hessischen Dramenunterricht
- Kritik am konventionellen, rein kognitiven Dramenunterricht
- Bildungspotenzial und Merkmale des szenischen Spiels
- Förderung von fachlichen und überfachlichen Kompetenzen durch szenische Verfahren
- Praktische Anwendungsbeispiele, insbesondere am Werk 'Woyzeck'
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Lesen und Rezipieren
„Von großer Bedeutung ist bei der unterrichtlichen Behandlung dramatischer Formen die Lernmotivation“19. Karl Stocker empfiehlt bereits für den Einstieg in den Dramenunterricht die „Mitwirkung einzelner Schüler, einer Gruppe oder einer ganzen Klasse an Schulspiel-Inszenierungen“20.
Der Zugang zur Lektüre wird mithilfe von Formen des szenischen Spiels durch „aktives Tun, durch dramatisches Gestalten“21 geschaffen und führt somit zu einer Schüleraktivierung. Denn „gerade bei verschlossenen und in sich gekehrten Schülern wirkt der Auftrag, eine Rolle zu gestalten, die Notwendigkeit, sich in Spielfunktionen anzupassen, oft Wunder“22.
Für die SuS ergibt sich eine neue Dimension der Rezeption. Diese entsteht durch die körperliche Auseinandersetzung und Inszenierung der schriftlich fixierten Vorlage und bewirkt eine engere Beziehung zur Lektüre. Das Schauspielern will „vielkanalig im Sinne eines entdeckenden Lernens erschließen, es ist sinnbildlich und ermöglicht Reflexion durch bildhaftes Denken“23 und kann mit diesem Kontrast zur konventionellen Textanalyse durch die „Ungezwungenheit der Improvisation einen neuen motivierenden Zugang zum Theater und Drama verschaffen“24.
Dieser Zugang zur Lektüre evoziert wiederum eine Verstehens- und Rezeptionskompetenz der SuS und wird damit einem obligatorischen Ziel des Literaturunterrichts gerecht25.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung erläutert das Ziel der Hausarbeit, das Bildungspotenzial szenischen Spiels für die Kompetenzförderung im Dramenunterricht zu untersuchen.
2 Dramenunterricht in der Schule: Dieses Kapitel skizziert die offiziellen Kompetenzvorgaben und die gängige, häufig als kognitiv wahrgenommene Unterrichtspraxis.
2.1 Kompetenzvorgaben: Es wird dargelegt, wie sich der Dramenunterricht an den Vorgaben des Hessischen Kultusministeriums orientiert, insbesondere im Bereich 'Lesen und Rezipieren'.
2.2 Konventioneller Dramenunterricht: Dieser Abschnitt beschreibt das klassische, gattungstheoretische Unterrichtskonzept und die damit einhergehende Problematik einer möglichen Distanzierung der Schülerinnen und Schüler.
3 Szenisches Spiel im Dramenunterricht: Das Kapitel führt das szenische Spiel als authentische Methode zur Vermittlung dramatischer Texte ein.
3.1 Forschungsgegenstand: Es wird die historische und didaktische Entwicklung szenischer Verfahren im Unterricht beleuchtet.
3.2 Intendierte Anwendung: Die Bedeutung einer sorgfältigen, auf die Lernergruppe abgestimmten Planung und die Freiwilligkeit des Spiels werden betont.
3.3 Szenisches Spiel als Bildungsmittel: Dieser Teil erörtert, wie szenisches Spiel durch die Einbindung von Kopf, Herz und Hand zu einer ganzheitlichen Kompetenzförderung beiträgt.
3.3.1 Lesen und Rezipieren: Hier wird aufgezeigt, wie szenische Methoden das Textverständnis und die Rezeptionskompetenz der Lernenden steigern.
3.3.2 Sprechen und Zuhören: Der Fokus liegt auf der Verknüpfung von verbalen und nonverbalen Kommunikationsformen zur Stärkung der Interaktionsfähigkeit.
3.3.3 Überfachliche Kompetenzen: Es wird erklärt, wie szenisches Spiel soziale und personale Kompetenzen wie Empathie und Kooperation fördert.
3.4 Beispielhafte Anwendung bei ‘Woyzeck‘: Das Kapitel veranschaulicht anhand von Georg Büchners Drama die praktische Umsetzung und motivierende Wirkung szenischer Arbeit.
4 Abschließende Bemerkung: Das Fazit fasst zusammen, dass szenisches Spiel den Dramenunterricht als kreatives und effektives Element sinnvoll ergänzt.
Schlüsselwörter
Dramenunterricht, Szenisches Spiel, Kompetenzförderung, Literaturunterricht, Schüleraktivierung, Rezeptionskompetenz, Rollenspiel, Theaterpädagogik, Didaktik, Woyzeck, Überfachliche Kompetenzen, Textanalyse, Ganzheitliches Lernen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Potenzial szenischer Unterrichtsmethoden, um den herkömmlichen, textanalytisch geprägten Dramenunterricht lebendiger und effektiver zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören der konventionelle Dramenunterricht, die didaktische Anwendung von szenischem Spiel, die Förderung von Fach- und Sozialkompetenzen sowie der Mehrwert durch schüleraktivierende Methoden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, wie durch szenisches Spiel die Lernmotivation gesteigert und ein tieferes Textverständnis sowie eine bessere Kompetenzentwicklung der Schülerinnen und Schüler erreicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fachdidaktischen Analyse der einschlägigen Literatur und der Bezugnahme auf curriculare Vorgaben des Hessischen Kultusministeriums.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen des szenischen Spiels, dessen Beitrag zur Kompetenzentwicklung (Lesen, Sprechen, überfachliche Fähigkeiten) und eine beispielhafte Anwendung am Drama 'Woyzeck'.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Dramenunterricht, Szenisches Spiel, Kompetenzförderung, Schüleraktivierung, Literaturdidaktik und ganzheitliches Lernen.
Warum wird das szenische Spiel als Gegenmittel zu einem "trockenen" Unterricht bezeichnet?
Da konventioneller Unterricht oft nur auf kognitive Aspekte fokussiert und Schülerinnen und Schüler durch die rein textbasierte Analyse das Interesse verlieren können, bietet das szenische Spiel einen sinnlichen und motivierenden Zugang.
Welche Rolle spielt die Reflexion beim szenischen Spiel?
Die Reflexion ist essenziell, um die im Spiel gewonnenen Erfahrungen zu verbalisieren, zu systematisieren und für den gesamten Lernprozess fruchtbar zu machen.
Wie unterscheidet sich prozessorientiertes von produktionsorientiertem Spiel?
Das prozessorientierte Spiel dient primär der persönlichen Erfahrung und Erprobung, während das produktionsorientierte Spiel eine gezielte Inszenierung mit Blick auf eine Außenwirkung anstrebt.
Warum wird im Beispiel 'Woyzeck' gerade der "theateraffine Zugang" empfohlen?
Dieser Zugang ermöglicht es den Lernenden, sich durch eigene Bewegung und Modulation der Stimme intensiv mit den komplexen Charakteren auseinanderzusetzen, was zu tieferen Einsichten führt als eine rein analytische Lektüre.
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- Danilo Schober (Author), 2013, Bildungspotenziale szenischen Spiels im Kontext eines kompetenzorientierten Deutschunterrichts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309416