Dieses Dossier konzentriert sich vor allem auf die Fragen, ob die Inszenierung der Zauberflöte im Jahr 1937 an der Bayerischen Staatsoper nationalistisch-ideologisch geprägt ist, ob sie zu propagandistischen Zwecken verwendet wurde, und wie das Verhältnis Rudolf Hartmanns und Felicie Hüni-Mihacseks zum NS-Regime war.
Um Antworten darauf zu finden, wurde in dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv, der Bayerischen Staatsbibliothek, der Bibliothek für Kunstwissenschaften der LMU, dem Deutschen Theatermuseum in München und im Internet recherchiert. Ausgewertet wurden: Korrespondenzakten, Personalakten und Sachakten zu der Bayerischen Staatsoper und der Staatsoperette am Gärtnerplatz und Fotos aus dem Deutschen Theatermuseum.
Monographien und das Internet halfen bei der Beschaffung wichtiger Informationen zu dem Leben Hartmanns, Hüni-Mihacseks, der Zauberflöte, geschichtlichen Hintergrundinformationen und der Beantwortung weiterführender Fragen, die sich aus den Aktenrecherchen ergaben. Nicht konsultiert wurden das Staatsarchiv und das Stadtarchiv München, die Monacensia enthielt keine Quellen, die mir als verwertbar erschienen.
Inhaltsverzeichnis
1. Präambel
2. Personalie I (Rudolf Hartmann)
2.1 BayHStA
2.1.1 Korrespondenzakten: Intendanz Bayer. Staatsoper Nr. 1734; Korrespondenz mit Künstlern oder über Künstler 1937 – 1944; Rudolf Hartmann (Oberspielleiter) 1937 – 1943
2.1.2 Personalakt: MK 60282 Hartmann, Rudolf, Operndirektor der Bayer. Staatsoper
2.1.3 Personalakt: MK 60282 Rudolf Hartmann – Dienstreisen
2.1.4 Personalakt: Bayerisches Staatstheater am Gärtnerplatz – Personalakten – Nr. 470; Rudolf Hartmann
2.2 StaBi: Literatur
2.3 Internetquellen
3. Produktion I (Die Zauberflöte)
3.1 BayHStA
3.1.1 Personalakt: MK Nr. 45158; Hüni-Mihacsek, Felicie
3.1.2 Sachakt: Intendanz BSO Nr. 1339
3.1.3 Personalakt: Intendanz Bayer. Staatsoper – Personalakten 289
3.2 Deutsches Theatermuseum
3.2.1 Fotosammlung Die Zauberflöte 1937 (Szenenfotos und Bühnenbilder)
4. Personalie II (Felicie Hüni-Mihacsek)
4.1 BayHStA
4.1.1 Personalakt: MK Nr. 45158: Hüni-Mihacsek, Felicie
4.2 StaBi: Literatur
5. Kontextualisierung
5.1 Zitat im Kontext
5.2 Bild im Kontext
5.3 StaBi: Literatur
5.4 Fachbibliothek KuWi: Literatur
5.5 Internetquellen
Zielsetzung & Themen
Dieses Dossier untersucht, ob die Inszenierung der Zauberflöte im Jahr 1937 an der Bayerischen Staatsoper durch nationalistische Ideologie geprägt war und zu Propagandazwecken instrumentalisiert wurde. Zudem analysiert die Arbeit die persönlichen Verhältnisse von Rudolf Hartmann und Felicie Hüni-Mihacsek zum nationalsozialistischen Regime unter Auswertung diverser Archivquellen.
- Künstlerische und ideologische Analyse der Zauberflöte-Inszenierung von 1937.
- Einfluss der NS-Politik auf die Bayerische Staatsoper und ihre Akteure.
- Rolle und Status von Rudolf Hartmann im Kontext des NS-Regimes.
- Diskriminierung und berufliche Situation von Felicie Hüni-Mihacsek.
- Auswertung von Primärquellen wie Korrespondenz- und Personalakten.
Auszug aus dem Buch
Die Neuinszenierung der Zauberflöte (1937)
Die Neuinszenierung der Zauberflöte (Regie: Rudolf Hartmann; Musikalische Leitung: Clemens Krauss; Bühnenbild: Ludwig Sievert; Premiere: 4. November 1937) wurde von Kritikern im In- und Ausland gewünscht, geradezu gefordert. Der Bayerischen Staatsoper wurde vorgeworfen, dass ihre Mozartpflege auf ein niederes Niveau gesunken und es nun an der Zeit wäre, das Image der Bayerischen Staatsoper und der Stadt München als Kulturstadt zu retten. Als Ursache dieser Lage wurde vom Ausland u. a. die Leistung Knappertsbuschs gesehen, jedoch auch der knappe Gagenetat, der kein Engagement prominenter Künstler erlaubte. Die Zauberflöte wurde mit hohem Aufwand inszeniert und ein Teil der Opernfestspiele 1938, die besonders das Auslandspublikum von der hohen künstlerischen Qualität Münchens und dessen Staatsoper überzeugen sollten.
Die Neuinszenierung wurde von fast allen Kritikern, auch vom Völkischen Beobachter, aufs Höchste gefeiert. Allein Willy Krienitz sieht in ihr durch die Regie und die musikalische Leitung „Abwege“ beschritten.
Obwohl die Zauberflöte freimaurerisch geprägt ist und die Nazis das Freimaurertum bekämpften, wollte Hitler zu diesem Zeitpunkt keine Veränderungen an dem Text vornehmen lassen. Dies äußerte er sogar auf dem Nürnberger Reichsparteitag im November 1937. Versuche, den Schikanederschen Text umzuändern (z. B. durch Wolfgang Freiherr von Gersdorff), wurden von Hitler persönlich und von der Staatsoper abgewiesen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Präambel: Einführung in die Forschungsfragen bezüglich der ideologischen Prägung der Zauberflöte-Inszenierung 1937 und der politischen Verhältnisse von Hartmann und Hüni-Mihacsek.
2. Personalie I (Rudolf Hartmann): Detaillierte Dokumentation von Hartmanns beruflicher Laufbahn, NS-Parteieintritt und seiner komplexen Beziehung zur politischen Führung.
3. Produktion I (Die Zauberflöte): Analyse der Entstehung und Rezeption der Zauberflöte-Inszenierung von 1937 basierend auf Pressemeldungen und internen Akten.
4. Personalie II (Felicie Hüni-Mihacsek): Untersuchung der Karriere von Felicie Hüni-Mihacsek, ihres Prominentenstatus und ihrer Diskriminierungserfahrungen unter dem NS-Regime.
5. Kontextualisierung: Einordnung der Aktenfunde in den historischen Kontext, inklusive Bild- und Zitat-Analysen zur Rolle der Kunst in der NS-Propaganda.
Schlüsselwörter
Rudolf Hartmann, Felicie Hüni-Mihacsek, Die Zauberflöte, Bayerische Staatsoper, Nationalsozialismus, Mozart, Inszenierung, Propaganda, Intendanz, Clemens Krauss, Personalakten, Ludwig Sievert, Kulturpolitik, Opernfestspiele, Arisierungsnachweis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Inszenierung von Mozarts Zauberflöte im Jahr 1937 an der Bayerischen Staatsoper sowie die politische Rolle der beteiligten Akteure wie Rudolf Hartmann und Felicie Hüni-Mihacsek unter dem Nationalsozialismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Verflechtung von Kunst und Politik, die Rolle der Staatsoper als Repräsentationsinstrument des NS-Regimes sowie die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Künstlern dieser Zeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist herauszufinden, ob die Inszenierung ideologisch beeinflusst war und wie eng die professionellen Akteure mit der NS-Führung verbunden waren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine quellenbasierte Archivforschung durchgeführt, bei der Korrespondenz-, Personal- und Sachakten sowie zeitgenössische Pressestimmen ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Biografien von Hartmann und Hüni-Mihacsek, die Analyse der Zauberflöte-Produktion sowie eine kontextuelle Einordnung durch zeitgenössische Dokumente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Nationalsozialismus, Bayerische Staatsoper, Kunstpolitik, Propagandainstrumentalisierung und die Biografien der Hauptakteure charakterisieren.
Wie wurde die Rolle von Rudolf Hartmann bewertet?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Hartmanns Haltung nicht eindeutig als Täter oder Opfer einzuordnen ist; er genoss Vorteile durch das Regime, sah sich aber gleichzeitig dem enormen Druck politischer Entscheidungsträger ausgesetzt.
Was war der Hintergrund der Diskriminierung von Felicie Hüni-Mihacsek?
Obwohl sie eine hochangesehene Primadonna war, geriet sie aufgrund ihrer schweizerischen bzw. ungarischen Herkunft in das Visier der NS-Behörden, was sich in Gehaltskürzungen und Anfragen zu ihrer Abstammung äußerte.
- Arbeit zitieren
- B.A. Manuel Kröger (Autor:in), 2015, Die Inszenierung der Zauberflöte 1937 und das Verhältnis Rudolf Hartmanns und Felicie Hüni-Mihacseks zum NS-Regime, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309426