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Faszination Freiheit? Diskussion des Freiheitsbegriffs im Impulstext "Chancengerechte Gesellschaft"

Title: Faszination Freiheit? Diskussion des Freiheitsbegriffs im Impulstext "Chancengerechte Gesellschaft"

Essay , 2012 , 11 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Diplom-Theologe Matthias Alexander Schmidt (Author)

Theology - Miscellaneous
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Das vorliegende Essay diskutiert, was die Autoren des im Juni 2011 vorgelegten Impulstextes "Chancengerechte Gesellschaft - Leitbild für eine freiheitliche Ordnung" unter dem Begriff der Freiheit verstehen und welchen Stellenwert sie der Freiheit in Bezug auf die Verwirklichung von sozialer Gerechtigkeit einräumen.

Die bischöfliche Kommission, die für den Text verantwortlich zeichnet, setzt einen verkürzten Freiheitsbegriff voraus, der letztlich nicht zu der von ihr propagierten Chancengerechtigkeit führen kann. Betrachtet wird dazu auch die Frage, ob und inwieweit sich Bezüge zum Freiheits- und Gerechtigkeitsverständnis bei John Rawls herstellen lassen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was heißt hier ‚frei‘?

3 Was heißt hier ‚ungerecht‘?

4 Was heißt hier ‚gefühlt‘?

5 Was heißt hier ‚katholisch‘?

6 Was heißt hier ‚solidarisch‘?

7 Was heißt hier ‚gleich‘?

8 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem Impulstext „Chancengerechte Gesellschaft“ der Deutschen Bischofskonferenz auseinander, um zu untersuchen, ob der darin vertretene Freiheitsbegriff tatsächlich zur angestrebten sozialen Gerechtigkeit führen kann, und zieht hierfür Erkenntnisse aus der Gerechtigkeitstheorie von John Rawls heran.

  • Analyse des Freiheitsbegriffs im Kontext kirchlicher Sozialethik
  • Kritik an der Dichotomie zwischen „Macher“ und „Verlierer“
  • Vergleich der Kommissionsposition mit der Theorie von John Rawls
  • Bedeutung von Solidarität und Subsidiarität in modernen Gesellschaften
  • Diskussion über tatsächliche vs. gefühlte Ungerechtigkeit

Auszug aus dem Buch

4 Was heißt hier ‚gefühlt‘?

John Rawls geht davon aus, dass Gesellschaft ein Unternehmen der Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil ist. Rawls behauptet, dass fiktive, als repräsentativ gedachte Menschen in dem von ihm konstruierten Urzustand und hinter einem „Schleier des Nichtwissen“ sich nur dann auf gerechte Grundsätze einigen können, wenn keiner von ihnen um seinen gesellschaftlichen Platz, seine natürlichen Gaben, seinen Charakter, seinen Lebensplan weiß. Eine Stärke der Rawlsschen Konzeption liegt dabei in der Priorität für die am schlechtesten gestellten Mitglieder der Gesellschaft.

Der Schlüssel zum Verständnis dieses zunächst als unfair erscheinenden Vorrang liegt in der folgenden Überlegung: um gute Gerechtigkeitsgrundsätze festlegen zu können, muss man das gedankliche Wagnis eingehen, sich selbst an den untersten Rand der Gesellschaft zu stellen. Man muss sich also in die Lage versetzen, gegebenenfalls mit geringer Intelligenz und unvorteilhaftem Aussehen, finanziellen Nöten, der falschen religiösen bzw. ethnischen Zugehörigkeit am falschen Ort, dem schwächeren Geschlecht in der jeweiligen gesellschaftlichen Situation usw. ausgestattet zu sein. Erst wenn man diese Situation gedanklich durchdacht hat und klar geworden ist, dass es diese nicht nur wirklich gibt, sondern sie auch tatsächlich auf jeden zutreffen könnte, ist man annähernd kompetent in der Lage, eine Entscheidung darüber zu treffen, wie Menschen, die sich in derartigen oder vergleichbaren Situationen befinden, in einer gerechten Gesellschaft behandelt werden sollen und welche Gerechtigkeitsgrundsätze dafür dienlich sind. Die Einnahme dieser Perspektive müsste letztlich notwendigerweise in einer Empathie für die Armen resultieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung stellt die kritische These auf, dass der untersuchte Impulstext der Bischofskonferenz einen verkürzten Freiheitsbegriff verwendet, der nicht zur propagierten sozialen Gerechtigkeit führen kann.

2 Was heißt hier ‚frei‘?: Dieses Kapitel beleuchtet den im Impulstext zentralen Freiheitsbegriff und stellt fest, dass die Autoren die mit gesellschaftlichen Wandlungsprozessen verbundenen Risiken unzureichend erläutern.

3 Was heißt hier ‚ungerecht‘?: Das Kapitel kritisiert die Unterstellung der Autoren, dass soziale Ungerechtigkeiten oft lediglich „gefühlte“ Probleme seien, und problematisiert die damit einhergehende gesellschaftliche Spaltung.

4 Was heißt hier ‚gefühlt‘?: Unter Rückgriff auf John Rawls wird argumentiert, dass eine gerechte Gesellschaft eine Perspektive einnehmen muss, die sich mit den Schwächsten solidarisiert, statt diese als Betroffene mit mangelnder Einsicht abzustempeln.

5 Was heißt hier ‚katholisch‘?: Es wird hinterfragt, inwieweit die kirchliche Position der liberalen Aufklärung zu nahe kommt und dabei das Prinzip der Solidarität hinter eine individualethische Leistungsforderung zurückstellt.

6 Was heißt hier ‚solidarisch‘?: Dieses Kapitel betont, dass Solidarität im Kontext der katholischen Soziallehre zu wenig beachtet wird und das Evangelium eine an Institutionen gerichtete Forderung nach Gerechtigkeit beinhaltet.

7 Was heißt hier ‚gleich‘?: Hier wird die „dynamische Chancengerechtigkeit“ der Kommission kritisch hinterfragt, insbesondere die unklare Definition von Anreizstrukturen zur Nutzung von Freiheitschancen.

8 Fazit: Das Fazit schließt mit der Forderung, dass echte Gerechtigkeit erst dann möglich ist, wenn man Ungerechtigkeit als reale Unfreiheit anerkennt und – im Sinne von Rawls – Wege findet, die unfreiesten Menschen aktiv zu unterstützen.

Schlüsselwörter

Freiheitsbegriff, soziale Gerechtigkeit, John Rawls, katholische Soziallehre, Chancengerechtigkeit, Solidarität, Subsidiarität, Gesellschaftsethik, Impulstext, Armut, Menschenbild, Individualisierung, Anreizstrukturen, Furchtlosigkeit, Gerechtigkeitsgrundsätze.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht kritisch den Freiheitsbegriff im Impulstext „Chancengerechte Gesellschaft“ der Deutschen Bischofskonferenz aus dem Jahr 2011.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themenfelder umfassen Freiheit, soziale Gerechtigkeit, die Rolle der Solidarität in der katholischen Soziallehre sowie das Verhältnis des Einzelnen zur Gesellschaft.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist herauszufinden, ob der im Impulstext verwendete Freiheitsbegriff ausreicht, um die geforderte soziale Gerechtigkeit zu verwirklichen, und ob Bezüge zu John Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit bestehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Verfasser nutzt eine sozialethische Analyse sowie den Vergleich mit den Gerechtigkeitsprinzipien von John Rawls, um die Argumentationslogik des kirchlichen Dokuments zu prüfen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zentrale Begriffe des Impulstextes wie Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Gleichheit inhaltlich dekonstruiert und mit den Erwartungen an eine christliche Gesellschaftsethik kontrastiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören vor allem „Freiheitsbegriff“, „soziale Gerechtigkeit“ sowie „John Rawls“ und „katholische Soziallehre“.

Inwiefern kritisiert der Autor die Position der bischöflichen Kommission zur „gefühlten“ Ungerechtigkeit?

Der Autor bemängelt, dass die Kommission die Sorgen der Menschen ernst nimmt, sie aber gleichzeitig als bloße „gefühlte“ Probleme abwertet, was einen Widerspruch in der Argumentation darstellt.

Warum hält der Autor den Vergleich mit der Geschichte des Volkes Israel für problematisch?

Der Autor argumentiert, dass Gott die Menschen im Exodus oder durch Jesus tatsächlich befreit hat, anstatt ihnen lediglich die Freiheit zuzugestehen, ihre Chance zur Befreiung eigenständig zu ergreifen.

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Details

Title
Faszination Freiheit? Diskussion des Freiheitsbegriffs im Impulstext "Chancengerechte Gesellschaft"
College
Graduate School of Philosophy and Theology St. Georgen in Frankfurt am Main
Course
Hauptseminar: Rawls‘ Theorie der Gerechtigkeit
Grade
1,0
Author
Diplom-Theologe Matthias Alexander Schmidt (Author)
Publication Year
2012
Pages
11
Catalog Number
V309565
ISBN (eBook)
9783668080744
ISBN (Book)
9783668080751
Language
German
Tags
Deutsche Bischofskonferenz Chancengerechte Gesellschaft Freiheit John Rawls Emunds Reichert Kardinal Marx Reinhard Marx
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Diplom-Theologe Matthias Alexander Schmidt (Author), 2012, Faszination Freiheit? Diskussion des Freiheitsbegriffs im Impulstext "Chancengerechte Gesellschaft", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309565
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