Das Problem der physischen Attraktivität in der eignungsdiagnostischen Einschätzung

Handlungsempfehlungen für die Personalauswahl


Hausarbeit, 2015
24 Seiten, Note: 1,8
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

1. Physische Attraktivität
1.1 Was ist physische Attraktivität?
1.2 Beauty-is-good-Annahme
1.3 First impression error
1.4 Halo-Effekt

2. Zentrale Erkenntnisse über physische Attraktivität in der Personalauswahl
2.1 Einfluss eines Lichtbilds bei Bewerbungsunterlagen
2.2 Einfluss physischer Attraktivität im persönlichen Vorstellungsgespräch
2.3 Einfluss des Geschlechts

3. Beispiel: Gefahr von Fehlurteilen aufgrund der physischen Attraktivität in der eignungsdiagnostischen Einschätzung

4. Handlungsempfehlungen für die Personalauswahl zur Minimierung des Einflusses von physischer Attraktivität
4.1 Anonymes Bewerbungsverfahren
4.2 Telefoninterview
4.3 Standardisiertes Interview

5. Persönliche Stellungnahme zur Machbarkeit der vorgeschlagenen Empfehlung

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Kann die physische Attraktivität eines Bewerbers zu Fehlentscheidungen im eignungsdiagnostischen Auswahlverfahren führen? Wenn ja, welche Gründe hat es und wie lassen sie sich minimieren? Diesen Fragen wird in der nachfolgenden Arbeit auf den Grund gegangen.

Zunächst werden einige Begriffsdefinitionen als Basis für die theoretischen Grundlagen vorgestellt. Darunter wird die physische Attraktivität selbst sowie Einflussmöglichkeiten auf die Wahrnehmung wie die Beauty-is-good-Annahme, der first impression error sowie der Halo-Effekt erklärt.

Des Weiteren werden Studien aufgeführt, die die Bedeutung von physischer Attraktivität während des Bewerbungsprozesses belegen. Nicht nur beim Lichtbild, sondern auch im Vorstellungsgespräch hat das Aussehen des Bewerbers einen Einfluss darauf, ob er eingestellt wird oder nicht. Außerdem hat das Geschlecht in Verbindung mit dem Erscheinungsbild eines Kandidaten ebenfalls Auswirkungen auf seine Chancen.

An welchen Stellen es zu Fehlurteilen genau kommen kann und welche Folgen es für ein Unternehmen haben kann, wird an einem frei konstruierten Fallbeispiel verdeutlicht.

Mittel zur Reduzierung des zuvor gezeigten Effekts, werden das anonymisierte Bewerbungsverfahren sowie ein Telefon- und ein standardisiertes Interview vorgeschlagen.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1.1: Durchschnittliche Gesichter weißer (links) und chinesischer (rechts) Menschen (Quelle: Rhodes, 2006)

Abbildung 2.1: Ergebnisse der Studie von Marlowe et al., 1996 (Quelle: Eigene Darstellung nach Weuster, 2012)

Abbildung 2.2:Verteilung der Rückmeldungen auf die Bewerbungen (Quelle: Eigene Darstellung nach Ruffle & Shtudiner, 2010)

Abbildung 2.3: Ergebnisse der Studie von Gilmore et al., 1986 (Quelle: Eigene Darstellung nach Gilmore et al., 1986)

Einleitung

„Es gibt wenig Bereiche des menschlichen Lebens, die eine so breite und lang zurückreichende Aufmerksamkeit gefunden haben wie das Aussehen.“ (Hassebrauck, 2002, S. 37). Wie Hassebrauck hier bereits andeutet, spielt die physische Attraktivität eine übergeordnete Rolle in unserem alltäglichen Leben, wobei Ihre Bedeutung weniger von der Ästhetik selbst als von ihrer Wirkung auf die Wahrnehmung anderer herrührt (Hassebrauck, 2002).

Im eignungsdiagnostischen Rahmen interessiert uns besonders die Wirkung physischer Attraktivität auf die Leistungsbeurteilung von Menschen. So konnten Dunkake et al. (2012) in einem Experiment mit drei Klassen eines großstädtischen Gymnasiums nachweisen, dass die physische Attraktivität der Schüler einen signifikanten Einfluss auf ihre Noten in den einzelnen Fächern hat. Auch im Arbeitsumfeld scheinen attraktive Menschen Vorteile zu genießen, denn laut einer Studie von Hamermesh und Biddle (1993) verdienen diese mehr als ihre unattraktiven Kollegen. Dieser Effekt von physischer Attraktivität ist bei der Personalauswahl so problematisch, da fachliche und persönliche Kompetenzen sowie Qualifikationen in den Hintergrund geraten können, was zu teueren Fehlbesetzungen einer Stelle führen kann. Neben den unerwartet hohen finanziellen Verlusten, können auch die Reputation und die Kundenbeziehungen des Unternehmens große Schäden davontragen (Strzygowski, 2014).

In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, wie es aufgrund des beschriebenen Phänomens zu Fehlurteilen in der Eignungsdiagnostik kommen kann und wie sich diese mindern lassen könnten. Im ersten Teil werden hierzu mögliche Ursachen für die fehlerhafte Beurteilung bei der Personalwahl vorgestellt. Der zweite Abschnitt stellt Erkenntnisse aus der Forschung über den Zusammenhang zwischen physischer Attraktivität und Eignungsdiagnostik dar. Im dritten Teil werden mögliche Schwachstellen im Auswahlprozess anhand eines Beispiels dargestellt. Danach werden konkrete Handlungsempfehlungen zur Reduzierung der Fehlentscheidungen aufgrund des Aussehens eines Bewerbers vorgestellt und anschließend auf ihre Machbarkeit hin durch eine persönliche Stellungnahme eingeschätzt.

1. Physische Attraktivität

1.1 Was ist physische Attraktivität?

Obwohl sie mittlerweile ein breit erforschter Bereich der Psychologie ist, tun sich die Forscher schwer damit eine allgemeine Definition physischer Attraktivität anzuführen (Morrow, 1990). Asendorpf (2011) beschreibt die physische Attraktivität als „...Attraktivität eines Menschen, die auf körperlichen Merkmalen beruht“. Diese Eigenschaften lassen sich in Gesichtsmerkmale und Merkmale des ganzen Körpers aufteilen.

Rhodes (2006) bestätigte in einer Meta-Analyse, dass wesentliche Faktoren der Gesichtsschönheit die Durchschnittlichkeit und Symmetrie, also Ähnlichkeit der linken und rechten Gesichtshälfte sind. Die Durchschnittlichkeit beschreibt, inwiefern die Gesichtszüge einer Person den statistisch durchschnittlichen der Bevölkerung ähneln und unterscheidet sich von Kultur zu Kultur. Beide Faktoren werden als attraktiv empfunden, weil Sie aus evolutionsbiologischer Sicht eine stabile Entwicklung und Gesundheit repräsentieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.1: Durchschnittliche Gesichter weißer (links) und chinesischer (rechts) Menschen (Quelle: Rhodes, 2006)

Bezüglich der Körpermerkmale, stand besonders das Verhältnis von Taille zur Hüfte (waist-to-hip ratio =WHR) beim weiblichen Körper im Forschungsmittelpunkt. Ein Verhältnis von 0,7 wird als besonders attraktiv wahrgenommen, da es für positive Eigenschaften wie Jugend und Fruchtbarkeit steht (Singh, 1993).

1.2 Beauty-is-good-Annahme

Wer gut aussieht, muss auch gut sein. Schönen Menschen werden gesellschaftlich erwünschten Eigenschaften assoziiert und man nimmt an, dass diese auch ein glücklicheres Leben führen als unattraktive (Dion, Berscheid & Walster, 1972). Feingold (1992) fand heraus, dass attraktiven Menschen positive Charaktereigenschaften wie Geselligkeit, Durchsetzungsvermögen, Intelligenz sowie Sozialkompetenz zugeordnet werden. Diese Stereotypisierung ist jedoch variabel und hängt von der Eigenschaft ab, die beurteilt werden soll (Eagly et al., 1991). Tatsächlich besteht beispielsweise keine Korrelation zwischen der geschätzten Intelligenz eines ästhetischen Erwachsenen und seinem realen IQ-Wert (Zebrowitz et al., 2002).

1.3 First impression error

„Der erste Eindruck zählt“ – Wenn wir eine Person erstmals sehen, formen wir innerhalb von Sekundenbruchteilen ein Urteil. Aus dem äußeren Erscheinungsbild ziehen wir Schlüsse darüber, was wir über diese Person zu wissen glauben (Wood, 2014). Eine Studie von Dougherty, Turban und Callender (1994) zeigte, dass sogar das anschließende Verhalten sich nach dem ersten Eindruck richtet. Demnach zeigten Interviewer den Bewerbern gegenüber, von denen sie einen besseren ersten Eindruck anhand der Bewerbungsunterlagen und Testergebnisse hatten, ein positiveres Verhalten. Sie gaben mehr Informationen zur Stelle und zum Unternehmen preis, fragten weniger Informationen ab und stellten bestätigende Fragen, um Ihren ersten Eindruck zu bekräftigen (Dougherty et al., 1994).

1.4 Halo-Effekt

Der Halo-Effekt beschreibt das Phänomen, bei dem wir uns ein umfassendes Bild über eine Person basierend auf einzelnen Persönlichkeitsmerkmalen machen. Gefällt uns eine individuelle Eigenschaft bei jemandem, beurteilen wir die Person auch in anderen Bereichen positiv. Diese Eigenschaft überstrahlt sozusagen die anderen, selbst wenn wir über ausreichende Informationen verfügen, die eine unabhängige Beurteilung erlauben (Nisbett & Wilson, 1977).

In einer Studie, in der Offiziere von Vorgesetzen in Bezug auf Intelligenz, Körperbau, Führungsqualitäten und Charakter beurteilt wurden, zeigte, dass die Bewertungen der einzelnen Kategorien sehr nah bei einander lagen, obwohl ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, die Eigenschaften separat zu bewerten. Zudem waren die Korrelationen deutlich höher als in der Realität. Die Korrelation des physischen Erscheinungsbilds mit der Intelligenz wurde auf .51 geschätzt, was dem Dreifachen des realen Wertes entspricht (Thorndike, 1920).

2. Zentrale Erkenntnisse über physische Attraktivität in der Personalauswahl

2.1 Einfluss eines Lichtbilds bei Bewerbungsunterlagen

Zahlreiche Studien konnte nachweisen, wie einflussreich das Lichtbild bei einer Bewerbung sein kann. Marlowe, Schneider und Nelson führten 1996 (nach Weuster 2012a) eine Studie mit 112 Vorgesetzen aus der Finanzbranche durch. Die Versuchspersonen erhielten vier Fotos von zwei weiblichen und zwei männlichen Bewerbern, wobei jeweils eins eine hochattraktive und eins eine unterdurchschnittliche attraktive Person zeigte. Alle Bewerber waren gleichermaßen für die Stelle qualifiziert. Die Vorgesetzten sollten entscheiden, welchen der Kandidaten sie am geeignetsten hielten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Das Problem der physischen Attraktivität in der eignungsdiagnostischen Einschätzung
Untertitel
Handlungsempfehlungen für die Personalauswahl
Hochschule
Europäische Fernhochschule Hamburg
Note
1,8
Jahr
2015
Seiten
24
Katalognummer
V309578
ISBN (eBook)
9783668078826
ISBN (Buch)
9783668078833
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
problem, attraktivität, einschätzung, handlungsempfehlungen, personalauswahl
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Das Problem der physischen Attraktivität in der eignungsdiagnostischen Einschätzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309578

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